Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 2 › Seite 12
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-09-19, Seite 12
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Obrigkeit 18
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genommen werden von einer sich bildenden Weltkirche, — das Alles ist gar nicht in Anschlag zu bringen in Vergleich mit den drückenden Verhältnissen, wie wir sie hatten, wo die Kirche, eben weil sie von oben her als Staatsanstalt angesehen wurde, und weil sie von unten her von der Masse derer, die von ihrem Princip abgefallen waren, ja es selbst nicht einmal kannten, gehemmt wurde, sich nicht in ihren eignen, ihr von Gott gebotenen Gesetzen frei bewegen konnte außer der Predigt und der Seelsorge an den Einzelnen. Ich will Dir nur mittheilen, wie etwa dem Anscheine nach die Verhältnisse bei uns in Hannover sich gestalten werden. Vor etlichen Tagen war hier die große Pastoralconferenz versammelt, dieses Mal so zahlreich, wie sonst noch nie, weil doch alle Ernsten fühlen, daß es sich in diesem Zeitmomente um ein Bedeutendes, um die Lebensfrage handele. Da trug nun Pastor Petri seine Ansicht dermaßen vor: sobald auch formell der Staat das Christenthum als die Grundbedingung seiner Existenz von sich gewiesen — sobald erlischt das Recht der Regierung, das Kirchenregiment zu führen; vorläufig aber meinte er, soweit ich mich noch erinnere, seien die an sich ungültigen Maßregeln von oben her durch Annahme von unserer Seite zu legalisiren, wenn sie nicht etwa den unverkümmerten Bestand des Bekenntnisses antasteten: er schien zu meinen, daß die Einleitung zu einer zusammentretenden Synode, die die Regierung trifft, von unsrer Seite müßte angenommen werden, damit auf diese Weise ein Uebergang aus dem bisherigen Regiment in ein neues rein kirchliches angebahnt werde. Und das schien auch die überwiegende Meinung aller Versammelten zu sein, wenigstens ist mir keine Stimme dagegen erinnerlich. Petri ward ermächtigt, sobald ihm, der an der nächsten Quelle sitzet, Maßregeln bekannt würden, die ein schnelles Handeln nöthig machten, alsbald davon Nachricht zu geben, und eine ähnliche Versammlung wie die Pfingstconferenz einzuladen. Die Intention unsers Cultusministeriums (der ehemalige Cabinetsrath Braun steht an der Spitze) ist die: eine Commission, die jetzt schon zusammengetreten ist, soll die Einleitung zu einer demnächst zusammentretenden Vorsynode berathen; diese Vorsynode wird etwa aus ebensoviel Geistlichen wie Weltlichen bestehen; soweit ich mich noch erinnere, sollte jeder Geistliche und ein Mitglied der Gemeinde zu einer solchen Synode wählen (?). Diese Vorsynode wird dann über zu treffende Synodal- und Presbyterialverfassung berathen. Ein ähnlicher Gang scheint auch in Preußen eingeschlagen zu werden; in Preußen ist die Verwirrung der Union wegen freilich heilloser als bei uns. Zwanzig bis dreißig Pastoren auf der Conferenz zu Gnadau sollen den Minister ersucht haben, die Union aufzulösen. Auch in Breslau soll durch Oehler eine lutherische Secession vorbereitet werden; darüber weiß ich aber nichts Genaueres. Jedenfalls wird die Union in Preußen, dies künstliche Gebäude, wie mir scheint, unter den gegenwärtigen Verhältnissen zusammenbrechen. Von unserm hannoverschen Cultusministerium sind vorläufig schon ziemlich eingreifende kirchliche Maßregeln getroffen, nämlich: es sollen von nun an vom Consistorium den Gemeinden je drei Candidaten zur beliebigen Auswahl vorgeschlagen werden; das Ministerium hat hierbei das Consistorium gar nicht befragt, angeblich, weil es keine reine kirchliche Angelegenheit sei, wenigstens nicht eine solche, die kirchliche Zustimmung erforderlich mache.
Wenn unsere lutherische Kirche demnächst nur aus ihrem jetzigen Staatsverbande gelös't ist, so wird ohne Frage auch eine organische Verbindung mit der lutherischen Kirche aller Landen sich herstellen, auch denke ich, ist es nicht anders möglich, als daß alle bisherigen christlichen Privatvereine zu Zwecken der Mission, Barmherzigkeit ꝛc. organisch der Kirche eingegliedert werden. — Prof. Dorner, jetzt in Bonn, hat in dieser Zeit eine Brochüre herausgegeben, in der er die Grundrisse zu einer zu gestaltenden deutsch-evangelischen Nationalkirche zeichnet, im Grunde aber will er nichts anderes, als eine großartige Union aller vorhandenen protestantischen Bekenntnisse und aller noch entstehenden, wie er sagt, im evangelischen Prinzip mit der bisherigen einigen, wenn er auch nicht mit bewußter Absicht dieses Ziel erstrebt. Alle Confessionen sollen ihre Sondergestalt beibehalten, dennoch aber sich zu einem gemeinsamen Bekenntnisse, das lediglich den Consensus enthält, und zu einer gemeinschaftlichen Central-Repräsentation und Central-Regimente zusammenthun, so daß nach seiner Meinung Besonderheit und Gemeinsamkeit schön mit einander verknüpft sind. Daß kein ehrlicher Lutheraner auf solche Vorschläge eingehen wird, versteht sich von selbst. Wir werden uns in keinerlei Weise durch die Noth der Zeit drängen lassen, um quantitativ bedeutender zu sein, auch nur indirect von unserm Bekenntnisse etwas Preis zu geben. Alle Schroffheit sei fern von uns in dieser Zeit gemeinsamer Noth; mir däucht aber, daß die Liebe, die wir auch den Reformirten als Christen schuldig sind, dann erst rein und ungestört sein kann, wenn wir uns nicht wider Gott mit ihnen zur Kirchengemeinschaft verbinden. Solche Vorschläge, wie der Dornersche, beruhen am Ende doch darauf, daß der sogenannte Consensus oder ziemlich leblose Extract aus den divergirenden Bekenntnissen das Allgemeinere und darum Höhere ist, in dem sich das Besondere allmählich ausgleichen muß, damit es zur sogenannten höheren Einheit gelange.
Petri ist in dieser Zeit von großer Wichtigkeit durch sein so bedeutendes kybernatisches Talent (Regierungsgabe); er ist gegenwärtig auch, wie es scheint, der Vermittelungspunkt, durch den wir hannoverischen Lutheraner mit denen aller andern lutherischen Länder Deutschlands vorzugsweise in Verbindung stehen. Unser Consistorium ist jetzt rath- und hülflos, wie es mir scheint; „es ist zu spät“ — dieses verhängnißvolle Wort scheint auch ihm zu gelten; gebe Gott, daß etliche Personen aus demselben durch die Noth der Zeit zu entschiedenem Glaubensakte gelangen.
(Eingesandt von P. Brohm.)
Wie soll ein Christ die bekannten Ereignisse in Europa, sonderlich in Deutschland, ansehen?
(Fortsetzung.)
Wir haben im Vorigen darzuthun gesucht, warum ein Christ sich der sogenannten Freiheitsbestrebungen in Deutschland nicht mitfreuen könne, nemlich schon ihres revolutionären Charakters halber nicht; wir setzen nun noch hinzu, auch darum nicht, weil sie die reif gewordene Frucht eines bösen Baumes sind, des Unglaubens. Das ist nicht schwer nachzuweisen. Revolution kann an sich schon nimmer eine Frucht des Glaubens sein; denn ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen und ein böser Baum kann nicht gute Früchte bringen; daß aber Revolution keine gute Frucht ist, haben wir oben bewiesen.
Ein Volk, das sich demüthig unter Gottes Wort beugt, wird sich nie empören, selbst wenn es unter einer harten Regierung steht; ist aber der Glaube verschwunden, so ist's natürlich, daß die Gelüste des Stolzes, des Eigenwillens, der Willkür in Empörung ausbrechen. Dieser Geist des Unglaubens thut sich jetzt auch in allen öffentlichen Handlungen in Deutschland kund. Nichts als Vernunftideen durchwehen die geistige Atmosphäre, alle die stimmführenden Männer, die an der Umgestaltung Deutschlands arbeiten, sind entschiedene „Lichtfreunde“; in den Reichstagsverhandlungen wird mit keinem Worte Gott die Ehre gegeben, noch Gott um seinen Segen angerufen; die alten ehrwürdigen Huldigungsceremonien sind abgeschafft und etwa ein: es lebe N. N.! oder ein Hurrah! vertritt die Stelle feierlicher Eide; alle Welthändel werden betrieben, als seien sie das höchste Gut; der deutsche Reichstag hat in seinen Fortschrittebestrebungen die Todesstrafe abgeschafft; in derselben Versammlung fielen die scandalösesten Zänkereien und Schimpfereien und selbst Herausforderungen zu Duellen vor; unbärtige Knaben, Studenten und Gymnasiasten, statt den Aeltesten unterthan zu sein, wie Petrus ermahnt, geberden sich als die Herren und die Heilande Deutschlands. Hand in Hand mit den politischen Umwälzungen geht eine völlige Vernichtung alles dessen, was in der Kirche vom Glauben der Väter noch übrig war; man fordert Aufhebung der kirchlichen Symbole da, wo sie noch dem Namen nach bestanden; selbst die Forderung der Trennung der Kirche vom Staate, so wünschenswerth sie unter jetzigen Umständen sein mag, hat ihren Grund nicht in der Ueberzeugung von der schriftwidrigen Vermischung des geistlichen und weltlichen Regiments, oder von der Unfähigkeit der ungläubigen Obrigkeiten, Vorsteher und Säugammen der Kirche zu sein, sondern vielmehr im Streben nach maaßloser Willkür in Glaubenssachen. Die Lichtfreunde haben sich ein Recht, in der Kirche zu reden, errungen. Man siehet die Aexte oben her blicken, wie man in einen Wald hauet, und zerhauen alle seine Tafelwerke mit Beil und Barten. Man wird nicht ruhen, wenns anders der HErr zuläßt, bis sie Jerusalem zu einem Steinhaufen
English translation AI translation
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be seized by a world-church that is forming, — all that is not to be taken into account at all in comparison with the oppressive conditions such as we had, where the Church, precisely because it was regarded from above as a state institution, and because it was hampered from below by the mass of those who had fallen away from its principle, indeed did not even know it, could not move freely in its own laws given it by God, except in preaching and in the pastoral care of individuals. I will only tell you how the conditions among us in Hanover will, to all appearance, take shape. A few days ago the great pastoral conference was assembled here, this time more numerously than ever before, since all earnest men feel that at this moment it is a matter of something weighty, of a question of life. There Pastor Petri presented his view as follows: as soon as the State, even formally, has rejected Christianity as the fundamental condition of its existence — as soon as the right of the government to conduct the church government lapses; but for the present, he thought, so far as I still remember, the measures from above, invalid in themselves, were to be legalized by acceptance on our part, provided they did not touch the unimpaired standing of the Confession: he seemed to mean that the preliminaries to a synod to be convened, which the government is arranging, would have to be accepted on our part, in order that in this way a transition from the previous government to a new, purely churchly one might be prepared. And that seemed also to be the prevailing opinion of all those assembled, at least I recall no voice against it. Petri was authorized, as soon as measures became known to him (who sits at the nearest source) which made quick action necessary, to give notice of them at once, and to call together a similar assembly like the Whitsuntide conference. The intention of our Ministry of Worship (the former Cabinet Councillor Braun stands at its head) is this: a commission, which has already met, is to deliberate on the preliminaries to a preliminary synod to be convened shortly; this preliminary synod will consist of about as many clergymen as laymen; so far as I still remember, every clergyman and one member of the congregation were to vote for such a synod (?). This preliminary synod will then deliberate on the synodical and presbyterial constitution to be adopted. A similar course seems to be taken also in Prussia; in Prussia the confusion on account of the Union is, to be sure, more hopeless than with us. Twenty to thirty pastors at the conference at Gnadau are said to have requested the Minister to dissolve the Union. Also in Breslau a Lutheran secession is said to be preparing through Oehler; but I know nothing more exact about that. At any rate the Union in Prussia, this artificial structure, as it seems to me, will collapse under the present conditions. By our Hanoverian Ministry of Worship, meanwhile, rather drastic churchly measures have already been taken, namely: from now on the Consistory is to propose to the congregations three candidates each, for them to choose from at pleasure; the Ministry did not consult the Consistory at all in this, ostensibly because it is not a purely churchly matter, at least not one that would require churchly consent.
If our Lutheran Church is only soon released from its present bond with the State, then without question an organic connection with the Lutheran Church of all lands will also be established, and I think, too, it cannot be otherwise than that all hitherto existing Christian private societies for the purposes of missions, charity, etc., will be organically incorporated into the Church. — Prof. Dorner, now at Bonn, has in this time published a pamphlet in which he sketches the outlines of a German Evangelical national church to be formed, but at bottom he wants nothing other than a grand Union of all existing Protestant Confessions and of all those yet arising, as he says, uniting them in the evangelical principle with the existing one, even if he does not strive for this goal with conscious intention. All Confessions are to retain their special form, yet nevertheless to join together in a common Confession which contains merely the consensus, and in a common central representation and central government, so that in his opinion distinctiveness and community are beautifully joined together. That no honest Lutheran will agree to such proposals goes without saying. We shall in no way allow ourselves to be pressed by the distress of the times, in order to be quantitatively more considerable, to give up anything of our Confession, even only indirectly. Let all harshness be far from us in this time of common distress; but it seems to me that the love which we owe also to the Reformed as Christians can then only be pure and undisturbed if we do not unite ourselves with them in church fellowship against God. Such proposals as Dorner's rest in the end upon this, that the so-called consensus, or rather lifeless extract from the divergent Confessions, is the more general and therefore higher, in which the particular must gradually be equalized, in order that it may attain the so-called higher unity.
Petri is at this time of great importance through his so considerable cybernetic talent (gift of government); he is at present also, as it seems, the point of mediation through which we Hanoverian Lutherans are chiefly in connection with those of all other Lutheran lands of Germany. Our Consistory is now counselless and helpless, as it seems to me; "it is too late" — this fateful word seems to apply also to it; God grant that some persons from it may, through the distress of the times, come to a decisive act of faith.
(Sent in by P. Brohm.)
How Should a Christian Regard the Well-known Events in Europe, Especially in Germany?
(Continuation.)
We have sought in the foregoing to show why a Christian cannot rejoice with the so-called strivings for freedom in Germany, namely, already on account of their revolutionary character; we now add, also for this reason, because they are the ripened fruit of an evil tree, unbelief. That is not hard to prove. Revolution can in itself never be a fruit of faith; for a good tree cannot bring forth evil fruit, and a corrupt tree cannot bring forth good fruit; but that revolution is no good fruit we have proved above.
A people that humbly bows under God's Word will never rebel, even if it stands under a harsh government; but if faith has vanished, it is natural that the lusts of pride, of self-will, of caprice break out in rebellion. This spirit of unbelief now also makes itself known in all public acts in Germany. Nothing but ideas of reason pervade the intellectual atmosphere, all the leading men who are working at the reshaping of Germany are decided "friends of light"; in the debates of the Diet no word gives God the honor, nor is God invoked for His blessing; the old venerable ceremonies of homage have been abolished, and perhaps a "long live N. N.!" or a "Hurrah!" takes the place of solemn oaths; all worldly affairs are conducted as though they were the highest good; the German Diet, in its strivings for progress, has abolished the death penalty; in the same assembly the most scandalous quarrels and abuses and even challenges to duels occurred; beardless boys, students and gymnasium pupils, instead of being subject to the elders, as Peter exhorts, behave as the lords and saviors of Germany. Hand in hand with the political upheavals goes a complete annihilation of all that was still left in the Church of the faith of the fathers; they demand the abolition of the churchly symbols where they still existed in name; even the demand for the separation of Church and State, desirable as it may be under present circumstances, has its ground not in the conviction of the unscriptural mixing of the spiritual and temporal government, or of the incapacity of unbelieving magistrates to be foster-fathers and nursing-mothers of the Church, but rather in the striving for unbounded caprice in matters of faith. The friends of light have won for themselves a right to speak in the Church. One sees the axes looking in from above, as one hews in a forest, and they hew down all its carved work with hatchet and axes. They will not rest, if the LORD permit, until they have made Jerusalem into a heap of stones