Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 2 › Seite 13
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-09-19, Seite 13
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften 3 · Das 5. Gebot 19
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gemacht und auch die letzten Trümmer, die vom Schiffbruch noch übrig waren, vernichtet sind. Lies, geliebter Leser, die Klagelieder Jeremiä; ist's nicht, als wenn jedes Wort darin für diese Zeit geschrieben wäre?
Wenden wir aber unsere Betrachtung von dem Treiben der thörichten Menschenkinder ab und sehen nach der mitten in diesem Gewirre verborgenen Hand Gottes, so müssen wir ausrufen: HErr! Du bist ein gerechter Richter! Wie die Worte Gottes allezeit erfüllt werden, so auch jetzt: Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl. Er schüttet Schmach auf die Fürsten. Wir mögen nicht in das gemeine Schmähen der Fürsten einstimmen; wir sind nicht zu ihrem Richter gesetzt; sie stehen und fallen ihrem HErrn. Uns genüget, den allwaltenden, allmächtigen Arm Gottes zu erkennen und ihm in seinen Gerichten Recht zu geben. Wie mancher Wüstling unter den großen Herren, der alle Tage herrlich und in Freuden zu leben gewohnt war, hat in Angst aus einer Kammer in die andere fliehen müssen! Wie mancher stolze Potentat mußte sich vor dem Pöbel bücken! Wie manches gekrönte Haupt, das dem Evangelio die Thore in seinem Reiche verschloß, ist nahe daran gewesen, die Krone zu verlieren! Wie viele Reiche, Gutsherren, Fabrikherren, die vom Schweiß der Armen praßten und mit Wucher ihre Geldsäcke füllten, haben ihre Schlösser und Fabriken gesehen in Rauch aufgehen! Aber auch die große Zahl des Mittelstandes muß schon unter der Last der Nahrungslosigkeit und Unsicherheit des Besitzes seufzen und erfahren, daß die goldenen Zeiten, die sie sich träumten, nicht auf dem Wege der Revolution und des Umsturzes der Thronen kommen. Alle Briefe, die von drüben herüber kommen, sind angefüllt mit Klagen über die Gegenwart und bangen Erwartungen für die Zukunft. Aber größer als alle diese leiblichen Trübsale sind die geistlichen Gerichte, kräftige Irrthümer, verführerische Lehrer, geistliche Blindheit; daß sie nicht mehr erkennen, was zu ihrem Frieden dient. Der HErr schlägt sie, aber sie fühlen's nicht. Die sogenannten Staatskirchen sind faulig und vermodert geworden; darum läßt sie der HErr jetzt von den Füßen zertreten werden.
Doch hat Gott sicherlich auch in Deutschland noch ein großes Volk, gewiß größer, als wir meinen. Sie müssen ohne Zweifel auch unter den allgemeinen Trübsalen mit leiden. Auf sie sollte unser Auge vornehmlich gerichtet sein; denn wenn ein Glied leidet, so leiden sie alle. Mit zeitlichen Gaben können wir ihnen kaum dienen, so laßt uns Herzen und Hände aufheben zu ihrem und unserem HErrn und ihnen mit brünstigen Fürbitten kämpfen helfen, daß Er die Tage ihrer Trübsal verkürzen, sie mit Beständigkeit und Geduld ausrüsten wolle und endlich erlösen nach seinem väterlichen Wohlgefallen. Ist das geschehen von dir, lieber Leser? Geschieht's noch? Lässest du durch die jede Woche sich häufenden Zeitungsnachrichten nicht sowohl deine Neugierde befriedigen, als dich zum Gebet und Fürbitte für deine Brüder und Schwestern, die vielleicht jetzt in großer Hitze der Trübsal stehen, antreiben? — Wie steht's?
Wenn wir gleich nicht so sanguinische Hoffnung haben, wie viele, doch hoffen auch wir, daß der HErr seine Kirche, wenn auch in kümmerlicher Zeit, in Deutschland erhalten werde. In Preußen hat die lutherische Kirche nicht nur bedeutend zugenommen durch Uebertritt von neun Predigern*) mit großen Theilen ihrer Gemeinden aus der unirten Kirche, sondern es läßt sich auch an, als hätte sie sich von manchen Makeln und Gebrechen, die ihr anhingen, mehr und mehr gereinigt. Von Dr. Schröder, luth. Pastor in Thorn, wird ein Kirchenblatt im Dienste der lutherischen Kirche Preußens herausgegeben, über welches man sich nur zu freuen Ursache hat. Zuversichtlich können wir auch einem engen kirchlichen Zusammenschließen der Lutheraner in andern Theilen Deutschlands, woran sie bisher durch den weltlichen Arm gehindert wurden, entgegensehen; denn der Stillen im Lande, beides unter Predigern und Laien, die mit großer Unlust das babylonische Gefängniß getragen haben, ist gewiß eine nicht ganz kleine Zahl. Möchten unsere Leser fleißig sich erinnern ihrer Schuld der Liebe!
Endlich vergessen wir unserer selbst nicht, als habe es bei uns keine Noth und Gefahr, dieweil wir in dem glücklichen Amerika leben. Amerika, nach welchem jetzt so viele sehnsüchtig herüber blicken, die früher entschiedene Auswanderungsfeinde waren, ist dennoch kein sicherer Zufluchtsort vor Gottes Gerichten, das Weltmeer keine unübersteigliche Mauer. Bereits hat der HErr sein Schwert gewetzet und seinen Bogen gespannet und zielet, und hat darauf gelegt tödtlich Geschoß, seine Pfeile hat er zugerichtet zu verderben. Es ist mehr als Wahrscheinlichkeit, daß die tödtlichen Pfeile der Cholera noch vor Jahresfrist durch's Land fliegen werden. Wem werden sie das Herz treffen? Ist's nicht hohe Zeit, zu rathschlagen, wie wir unserem Gott begegnen wollen? Der Gottes Wort verachtet hat, der lasse seine Verachtung, der Hoffärtige seine Hoffart, der Geizige seinen Geiz, der Gleichgültige seine Lauheit, der Träge seine Trägheit, der Weltlichgesinnte seine Weltliebe. Ein jeder greife in seinen Busen und erforsche, was es etwa sei, das der HErr wider ihn hat! Nirgends aber ist Ruhe und eine sichere Zufluchtsstätte, als bei Christo JEsu. Zu ihm wendet euch, so werdet ihr selig, aller Welt Enden. Die Schwachen und Blöden richten auf die lässigen Hände und müden Kniee, und heben ihre Häupter auf, denn die Gerichte Gottes, so schrecklich sie sich ansehen, sind Knospen der nahen Sommerzeit des ewigen Lebens. Diesen seligen Tag unserer Erlösung lasse der HErr bald kommen und thue uns an mit dem Krebs des Glaubens und der Liebe und dem Helm der Hoffnung zur Seligkeit.
*) Nach mündlichen Berichten soll ihre Zahl bis auf 20 gestiegen sein. Den ersteren neun Pastoren folgten 4000 Seelen nach.
(Eingesandt von P. Dr. Sihler.)
Der Lutheran Observer und die Ohio-Synode.
In Nro. 29 des Jahrgangs 1848 im Lutheran Observer ist folgender Beschluß mitgetheilt, den die allgemeine Synode von Ohio in diesem Jahre bei ihrer Sitzung zu Columbus gefaßt hat:
„Das Ministerium der allgemeinen Synode von Ohio verpflichtet sich, sowohl jeder für seine Person, als auch als kirchliche Körperschaft, die symbolischen Bücher der evangelisch-lutherischen Kirche zu bekennen, und die heilige Schrift in Uebereinstimmung mit ihnen auszulegen; auch sollen hinfort Alle, die um Licenzirung oder Ordination nachsuchen, in diesen Bekenntnißschriften geprüft und auf sie verpflichtet werden.“
Daß nun der Herausgeber des Lutheran Observer von seinem unionistischen Standpunkte aus seine altherkömmlichen Klagen über die Engherzigkeit und Kurzsichtigkeit seiner lieben Ohio-Brüder dabei ausstößt, versteht sich von selbst. Auch ermangelt er nicht, gewohnter Maßen seine alten Kunststücklein zu üben, um so behende als möglich seine Leser wider jenen Beschluß der Ohio-Synode einzunehmen und sie in seiner falschen Ansicht vom Verhältniß der kirchlichen Symbole zur heiligen Schrift zu erhalten und zu bestärken.
Er ist nämlich entweder noch selber in seinem alten Mißverstande verwickelt oder sucht ihn doch in seinen Lesern zu erhalten, als wollte die Synode von Ohio den symbolischen Büchern im obigen Beschlusse einen Standpunkt über der heiligen Schrift einräumen, indem sie sich verpflichtet: „die heilige Schrift in Uebereinstimmung mit den kirchlichen Symbolen auszulegen“. Läge nun freilich die Meinung darin, als sei das geschriebene Wort Gottes in seiner Heilswahrheit d. i. in den Stücken, die zur Seelen Seligkeit gehören, in sich selber dunkel, mehrdeutig und unbestimmt und bedürfe anderswoher einer menschlichen Leuchte und Auslegungsregel, um richtig verstanden und gelehrt zu werden: — so wäre dies freilich eine grundfalsche und grundstürzende, durch und durch widerchristliche und unlutherische Meinung, von der auch Niemand so fern ist, als gerade jene so vielfach verkannten und angefeindeten Bekenntnißschriften der Kirche. Denn gerade sie sind es, sie mögen nun, nach dem äußern Erforderniß bei ihrer Entstehung, als eigentliches Bekenntniß, als Vertheidigung desselben, als Lehrbücher oder als Friedensvermittler für innerhalb der Kirche entstehende Streitigkeiten auftreten, — gerade sie sind es, die sich in aller Demuth und Ehrerbietung der heiligen Schrift durchweg unterordnen und alle menschliche Ueberlieferung der Papisten wider und über dem geschriebenen Worte Gottes und allen darauf gegründeten Autoritätsglauben als antichristisch auf das Entschiedenste verwerfen. Nur Zeugen wollen sie sein, Zeugen von dem „Vorbild der heilsamen Worte“, die in der heiligen Schrift selbst je nach Art und Gelegenheit enthalten, aber nicht gerade auf einem Fleck zusammengestellt sind. Und in-
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made, and even the last wreckage that was still left from the shipwreck has been destroyed. Read, beloved reader, the Lamentations of Jeremiah; is it not as though every word in them had been written for this present time?
But if we turn our contemplation away from the doings of the foolish children of men, and look to the hand of God hidden in the midst of this confusion, then we must cry out: LORD! Thou art a righteous Judge! As the words of God are always fulfilled, so also now: He putteth down the mighty from their seat. He poureth contempt upon princes. We do not wish to join in the common railing against princes; we are not appointed to be their judge; they stand and fall to their own LORD. It is enough for us to recognize the all-ruling, almighty arm of God, and to acknowledge that He is right in His judgments. How many a libertine among the great lords, who was accustomed to live every day sumptuously and in joy, has had to flee in fear from one chamber into another! How many a proud potentate has had to bow before the mob! How many a crowned head, that closed the doors of its kingdom to the Gospel, has been near to losing its crown! How many rich men, landlords, and factory owners, who feasted on the sweat of the poor and filled their money-bags with usury, have seen their castles and factories go up in smoke! But the great number of the middle class, too, must already sigh under the burden of want of livelihood and insecurity of possessions, and learn that the golden times of which they dreamed do not come by the way of revolution and the overthrow of thrones. All the letters that come over from yonder are filled with complaints about the present and anxious expectations for the future. But greater than all these bodily afflictions are the spiritual judgments: strong delusions, seductive teachers, spiritual blindness; so that they no longer perceive what belongeth unto their peace. The LORD smiteth them, but they feel it not. The so-called state churches have become rotten and decayed; therefore the LORD now lets them be trodden under foot.
Yet God surely has in Germany also a great people, certainly greater than we suppose. Without doubt they too must suffer along with the general afflictions. Our eyes ought to be directed chiefly upon them; for if one member suffer, they all suffer. With temporal gifts we can hardly serve them; so let us lift up hearts and hands to their and our LORD, and help them fight with fervent intercessions, that He would shorten the days of their tribulation, equip them with steadfastness and patience, and at last deliver them according to His fatherly good pleasure. Has this been done by thee, dear reader? Is it still done? Dost thou not, through the newspaper reports that heap up every week, suffer thy curiosity to be satisfied so much as thyself to be spurred to prayer and intercession for thy brethren and sisters, who perhaps now stand in the great heat of tribulation? — How is it with thee?
Although we do not have such sanguine hopes as many, yet we too hope that the LORD will preserve His Church in Germany, even if in a time of distress. In Prussia the Lutheran Church has not only increased considerably through the secession of nine preachers*) with large portions of their congregations from the united church, but it also appears as though it had been cleansed more and more of many blemishes and infirmities that clung to it. By Dr. Schröder, Lutheran pastor in Thorn, a church paper is published in the service of the Lutheran Church of Prussia, over which one has only cause to rejoice. We may also look forward with confidence to a close ecclesiastical union of the Lutherans in other parts of Germany, from which they have hitherto been hindered by the secular arm; for of the quiet in the land, both among preachers and laymen, who with great reluctance have borne the Babylonian captivity, there is certainly no very small number. May our readers diligently remember their debt of love!
Finally, let us not forget ourselves, as though there were no distress and danger among us, because we live in happy America. America, toward which so many now look longingly across the sea, who formerly were decided enemies of emigration, is nevertheless no safe refuge from the judgments of God, and the ocean is no insurmountable wall. Already the LORD hath whetted His sword and bent His bow and aimeth, and hath prepared for it deadly weapons; He ordaineth His arrows against the persecutors. It is more than probable that the deadly arrows of the cholera will fly through the land before the year is out. Whose heart will they strike? Is it not high time to take counsel how we shall meet our God? Let him who has despised God's Word forsake his contempt, the proud man his pride, the covetous man his covetousness, the indifferent man his lukewarmness, the slothful man his sloth, the worldly-minded man his love of the world. Let every one look into his own bosom and search out what it may be that the LORD hath against him! But nowhere is there rest and a sure place of refuge, save with Christ JESUS. Turn to Him, and ye shall be saved, all the ends of the world. Strengthen the weak and the feeble: lift up the hands which hang down, and the feeble knees, and lift up your heads; for the judgments of God, however terrible they look, are buds of the nigh summer of eternal life. This blessed day of our redemption may the LORD let come soon, and clothe us with the breastplate of faith and love and the helmet of hope of salvation.
*) According to oral reports their number is said to have risen to 20. The first nine pastors were followed by 4000 souls.
(Sent in by P. Dr. Sihler.)
The Lutheran Observer and the Ohio Synod.
In No. 29 of the volume for 1848 of the Lutheran Observer the following resolution is communicated, which the General Synod of Ohio adopted this year at its session at Columbus:
“The ministry of the General Synod of Ohio pledges itself, each for his own person as well as as an ecclesiastical body, to confess the symbolical books of the Evangelical Lutheran Church, and to interpret the Holy Scriptures in agreement with them; also, henceforth all who apply for licensure or ordination shall be examined in these confessional writings and pledged to them.”
That the editor of the Lutheran Observer, from his unionistic standpoint, thereupon pours out his old customary complaints about the narrow-heartedness and short-sightedness of his dear Ohio brethren goes without saying. Nor does he fail, as usual, to practice his old little tricks, in order to prejudice his readers as nimbly as possible against that resolution of the Ohio Synod, and to maintain and confirm them in his false view of the relation of the church's symbols to the Holy Scriptures.
For he is either himself still entangled in his old misunderstanding, or at least seeks to maintain it in his readers, as though the Synod of Ohio, in the above resolution, wished to concede to the symbolical books a standpoint above the Holy Scriptures, in that it pledges itself “to interpret the Holy Scriptures in agreement with the ecclesiastical symbols.” Now if the meaning were indeed contained therein, as though the written Word of God in its saving truth, that is, in the points which pertain to the salvation of souls, were in itself obscure, ambiguous, and indefinite, and needed from elsewhere a human lantern and rule of interpretation in order to be rightly understood and taught: — then this would indeed be a thoroughly false and subversive opinion, through and through anti-Christian and un-Lutheran, from which no one is so far removed as precisely those so often misjudged and hated confessional writings of the Church. For it is precisely they — whether they appear, according to the outward necessity at their origin, as actual confession, as defense of it, as textbooks, or as peacemakers for disputes arising within the Church — precisely they who in all humility and reverence subordinate themselves throughout to the Holy Scriptures, and reject most decidedly, as antichristian, all human tradition of the papists against and above the written Word of God, and all faith in authority founded thereon. They desire only to be witnesses, witnesses of the “form of sound words,” which are contained in the Holy Scriptures themselves according to manner and occasion, but are not just put together in one place. And in-