Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 14 › Seite 110

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-03-06, Seite 110

105 106 107 108 109 110 111 112

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Predigt 7 · Gemeindegeſang 2

⤓ Download .txt · copy text

110

ten hätten. Es wäre kein Geld iv den Kassen, und was man auch heute verspräch', könnte man oft morgen mit dem besten Willen nicht halten.— Da gilt es denn allerdings, daß ihr Lutheraner hier zu Land ein Bischen mehr Fleiß thut, als bisher, das angefangene und von Gott so über Bitten und Verstehen gesegnete Werk eurerseits doch auch durch Liebesgaben, so viel an euch liegt, zu fördern. Und weil ich nun einmal von mehreren Seiten her aufgefordert worden bin, zu Missionsstunden Rath zu geben, und durch fleißige Mittheilungen über unsere Mission Stoff dazu zu liefern, so will ich denn auch meine Gedanken frei und offen heraus sagen. —

Daß man in unseren letzten betrübten Tagen die heilige Sache der Mission durch sogenannte Missionsstunden, wenn nicht am Ende gar durch besondere Vereine, betreiben muß, und daß es dabei dann meist nur darauf angelegt wird, durch eine greuliche Schilderung oft mehr der leiblichen, als der geistlichen Noth der Heiden ein wimmerndes Gefühl des Mitleids zu erregen und auf diese Weise Gaben zu erpressen — das mag gefallen, wem es will — kirchlich ist es nicht, vielmehr ein kläglicher Mißstand. Die jubelnde Schaar der Erlöseten in den ersten seligen Jahrhunderten der Christenheit und hernachmals um die gnadenreiche Zeit der Reformation bedurfte derlei nicht. Sie war mit dem Reiche Gottes so innig verwachsen, trug sein Wohl und Wehe so lebendig auf der Seele, daß sie dergleichen künstliche Reizmittel zu eifrigem Dienst der Kirche und zu reichlicher Erweisung der Liebe wohl geradezu verschmäht haben würde. Nun denn, laßt die gute alte Zeit wieder unter uns jung werden; laßt uns mit dem ewig jungen, kräftigen Wort der Wahrheit unsern Hörern ihre tiefe Sündennoth so lebendig vor die Seele malen, daß sie darob gründlich erschrecken, — laßt uns ihnen dann aber auch Christum den Gekreuzigten so lieblich vor Augen bilden, daß auch ihre Herzen sich freuen und sie Seinen heiligen Namen preisen, und als Seine Erlöseten nun auch fleißig werden zu guten Werken, so werden sie einmal an der eignen Sündennoth die der blinden Heiden leicht ermessen können, andererseits aber bei jeweiligen Collecten für Heidenmission die Willigkeit mitbringen, die allein die Gabe in Gottes Augen angenehm macht, daß ER sie nicht bloß am Empfänger, sondern vorzüglich auch am Geber selber segnet. — Sollens aber ja Missionsstunden sein, nun so lese man, dächt’t ich, etwa die heilige Apostelgeschichte, dieses rechte Buch der Kirche und der Mission, darinnen uns der Heilige Geist lehrt, wie die Kirche gepflanzt worden ist, nemlich durch das gnadenreiche Evangelium, durch die Predigt vom Glauben, die den Geist gibt, und zeige, wie so ohne alle unser Verdienst und Würdigkeit das Reich aller Gnaden durch Wort und Sacrament auch zu uns kommen ist, und wir von Gott nicht nur Beruf, sondern auch die heilige Pflicht der Liebe haben, das Wort vom Kreuz wieder weiter zu tragen zu denen, die noch draußen sitzen in Finsterniß und Schatten des Todes. Dabei kann man dann, ohne jenen süßlichen Redeschmuck der meisten Missionsberichte, in der einfältigen Weise, die die Apostelgeschichte lehrt, allerdings erzählen, wie und wo sich der starke Gott auch heute noch durch Sein Wort an den Seelen der Heiden kräftig erweiset. — Sollte jedoch in einer Gemeinde noch gar kein kirchlicher Sinn erwacht sein, so warte man lieber zu und mache keine Werkerei aus der Mission, damit sie sich nicht am Ende einbilden, Wunder was zu sein, weil sie so und so viel zur Mission gegeben haben, statt daß sie, wie sich’s gebührt, Gott dankten, daß auch sie etwas zur Ausbreitung Seines Reiches thun konnten und durften.

Der HERR aber, der die Herzen lenket, wie Wasserbäche, gebe uns Allen rechten Glauben, brennende Liebe und viel Frucht.  A. C.

Was soll den Heiden gepredigt werden?

„Brüder“, so sprach einer der ersten gläubig gewordenen Indianer, Namens Tschup, in einer Versammlung, „Brüder, ich bin ein Heide gewesen und bin unter den Heiden alt geworden, weiß daher wohl, wie es mit den Heiden ist. Es kam einmal ein Prediger zu uns, der wollte uns lehren und fing an, uns zu beweisen, daß ein Gott sei. Da sagten wir: Ei, meinst Du denn, daß wir das nicht wissen? Gehe nur wieder hin, woher Du gekommen bist. Ein ander Mal kam ein Prediger und wollte uns lehren; ihr müßt nicht stehlen, sprach er, nicht saufen, nicht lügen u. s. w. Wir antworteten ihm: Du Narr! Denkest Du denn, daß wir das nicht wissen? Lerne das erst selbst, und lehre die Leute, zu denen Du gehörst, daß sie das nicht thun. Denn wer säuft, stiehlt, lügt mehr, als Deine eigenen Leute? So schickten wir ihn fort. Nach einiger Zeit kam Christian Heinrich (Missionar der Brüdergemeinde in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts) zu mir in meine Hütte und setzte sich neben mich. Der Inhalt seiner Rede war ungefähr dieser: Ich komme zu Dir im Namen des HErrn Himmels und der Erde; der läßt Dich wissen, daß er Dich gern selig machen und aus dem Elende reißen will, in dem Du liegst. Er ist zu dem Ende Mensch geworden, hat sein Leben für die Menschen dahin gegeben und sein Blut für sie vergossen u. s. w. Er legte sich darauf in meiner Hütte auf ein Brett nieder und schlief ein; denn er war müde von der Reise. Da dachte ich: Ei, was ist das für ein Mann! Er liegt da und schläft so sanft. Ich könnte ihn ja gleich todtschlagen und in den Wald werfen — wer würde darnach fragen? Aber er ist ohne Sorgen. — Ich konnte seine Worte nicht wieder los werden. Sie fielen mir immer wieder ein, und wenn ich einschlief, so träumte ich von dem Blute, das Christus für uns vergossen. Da dachte ich: das ist etwas Anderes, und verdolmetschte den andern Indianern die Worte, die Christian Heinrich noch ferner mit uns redete. So ist die Erweckung unter uns durch Gottes Gnade angegangen. Daher sage ich euch: Brüder! predigt den Heiden Christum und seinen Tod, wenn ihr unter ihnen wollt Segen schaffen.“

(Ev.-luth. Missionsblatt von Karl Graul.)

Das Vogelgeschrei.

Der reiche Kaufmann Sondersleben in Frankfurt a. M. hielt die Zeugnisse und Gebote des HErrn, seines Gottes, wie Einer, dem sie nicht blos in die staubige Bibel auf dem Buchenbrette, sondern tief ins Herz geschrieben sind, und das Schwerste im Gesetz ließ er nicht dahinten. An Sonn- und Feiertagen z. E. wurde in seinem Comptoir — so heißt bei den Handelsherren die Schreibstube — nicht einmal ein Brief geöffnet. Hätte auch nichts geholfen. Denn die eisenbeschlagenen Läden blieben geschlossen, und die Mäuse, welche da den Oblaten-Krümlein am Siegelstock, oder den Brosamen aus der Tasche des Lehrjungen nachgingen, hatten nicht mehr Licht als der Maulwurf bei seiner unterirdischen Jagd, oder Simson im Gefängniß der Philister zu Gasa, wenn er sein Brod aß.

Nur das Gebot: „Ihr sollt nicht auf Vogelgeschrei achten“ hielt er nicht, und man konnte von ihm, wie weiland von dem Könige Manasse in Jerusalem, sagen: „Er achtete auf Vogelgeschrei.“

Nicht, daß er seine Goldbörse schüttelte, wenn er den Kukuk im Frühjahr zum ersten Mal rufen hörte, oder daß er es für ein schlimmes Zeichen hielt, wenn ihm eine schreiende Elster über den Weg flog, oder daß er an sein letztes Stündlein dachte, wenn sich der Todtenvogel in der Nachbarschaft hören ließ, oder daß er sich den Tag über besonders in Acht nahm, wenn am Morgen vor seinem Haus eine Henne gekräht hatte. Den Kukuk, die Elster und das Käuzlein ließ er schreien, so lange sie wollten. Er achtete nicht mehr darauf, als auf eine summende Fliege an seinem Fenster.

Aber wenn im Spätherbste die ersten Schneegänse hoch über das Mainthal hinflogen und den Winter ansagten, achtete der reiche Kaufmann auf ihr Geschrei, wie der Kriegsknecht im Feldlager auf den Ruf des Trommeters, und machte sich auf, allerhand zu thun, daran er im Frühling und im Sommer nicht dachte.

Er hatte nämlich verschiedene Waarenlager, eins immer größer, denn das andere. In dem einen Speicher lagerten Sandelholz und Indigo und Purpur so viel, daß man damit den ganzen Strom hätte blau oder roth färben können; also daß es aus dem Main in den Rhein geflossen wäre, wie aus dem Farbhaus eines Schönfärbers auf die Gasse. Der andere Speicher lag voll Zuckerhüte und Kisten von unten bis oben an, und der Kaufherr wäre nicht in Verlegenheit gerathen, wenn sich alle Frankfurter, vom Bürgermeister bis zum Schuhflicker herab, auf eine Schale Kaffee angesagt hätten. Und in dem dritten unter der Erde lagen viele Stückfässer uralten Weins hintereinander, und waren so groß, daß man dabei wohl denken mochte an das gewaltige Faß des Propheten Jeremias, von welchem geschrieben steht: „Moab ist von seiner Jugend auf sicher gewesen, und auf seinen Hefen stille gelegen, und ist nie aus einem Faß in das andere gegossen, und nie ins Gefängniß gezogen;

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

110

had. There was no money in the treasuries, and what one might promise today one often could not, with the best will, keep tomorrow.— Now it is indeed incumbent on you Lutherans here in this country to be a little more diligent than hitherto, and on your part also, by gifts of love, so far as lies in you, to further the work begun, and blessed of God beyond all asking and understanding. And since I have now once been requested from several quarters to give counsel for mission-hours, and by diligent communications about our mission to furnish material for them, I will also speak my thoughts freely and openly. —

That in our latter sorrowful days the holy cause of the mission must be carried on by so-called mission-hours, if not at last even by special societies, and that the aim is then for the most part only to excite, by a dreadful description of the often more bodily than spiritual need of the heathen, a whimpering feeling of pity and in this way to extort gifts — this may please whom it will — it is not churchly, but rather a lamentable abuse. The jubilant host of the redeemed in the first blessed centuries of Christendom, and afterward about the gracious time of the Reformation, had no need of such things. They were so intimately grown together with the kingdom of God, bore its weal and woe so livingly upon the soul, that they would doubtless have positively scorned such artificial stimulants to zealous service of the Church and to abundant proof of love. Well then, let the good old time grow young again among us; let us with the ever young, mighty Word of truth so livingly paint before the soul of our hearers their deep distress of sin that they are thoroughly terrified thereby, — but then let us also set Christ the Crucified so lovingly before their eyes that their hearts also rejoice and they praise His holy name, and as His redeemed now become also diligent in good works, then they will be able on the one hand to gauge easily from their own distress of sin that of the blind heathen, and on the other hand, at every collection for heathen missions, to bring with them the willingness which alone makes the gift acceptable in God’s eyes, so that HE blesses it not only in the recipient, but especially also in the giver himself. — But if there are to be mission-hours at all, then let one read, methinks, for instance the holy Acts of the Apostles, this true book of the Church and of the mission, wherein the Holy Ghost teaches us how the Church has been planted, namely through the gracious Gospel, through the preaching of faith, which gives the Spirit, and let one show how, without all our merit and worthiness, the kingdom of all grace has come to us also through Word and Sacrament, and how we have from God not only the call, but also the holy duty of love, to carry the Word of the cross further to those who still sit outside in darkness and in the shadow of death. In so doing one can then, without that sugary ornament of speech of most mission reports, in the simple manner which the Acts of the Apostles teaches, certainly relate how and where the mighty God even today still shows Himself powerfully by His Word upon the souls of the heathen. — But should no churchly sense at all have yet awakened in a congregation, let one rather wait, and make no work-righteousness out of the mission, lest they at last imagine themselves to be something wonderful because they have given so and so much to the mission, instead of thanking God, as is fitting, that they also could and were permitted to do something toward the spreading of His kingdom.

But the LORD, who turneth the hearts as the rivers of water, give us all right faith, burning love and much fruit.  A. C.

What Shall Be Preached to the Heathen?

“Brethren,” spoke one of the first Indians who became believers, by name Tschup, in an assembly, “Brethren, I was a heathen and have grown old among the heathen, and therefore know well how it is with the heathen. A preacher once came to us who wished to teach us, and began to prove to us that there is a God. Then we said: Why, do you think we do not know that? Go back again whence you came. Another time a preacher came and wished to teach us; you must not steal, said he, not drink, not lie, etc. We answered him: You fool! Do you think we do not know that? Learn that first yourself, and teach the people to whom you belong not to do it. For who drinks, steals, lies more than your own people? So we sent him away. After some time Christian Heinrich (missionary of the Brethren’s congregation in the first half of the last century) came to me in my hut and sat down beside me. The substance of his speech was about this: I come to you in the name of the Lord of heaven and earth; He lets you know that He would gladly save you and pluck you out of the misery in which you lie. For this end He became man, gave His life for men, and shed His blood for them, etc. Thereupon he lay down in my hut on a board and fell asleep; for he was weary from the journey. Then I thought: Why, what a man is this! He lies there and sleeps so soundly. I could kill him on the spot and throw him into the forest — who would ask after it? But he is without care. — I could not get rid of his words again. They kept coming back to me, and when I fell asleep, I dreamed of the blood which Christ shed for us. Then I thought: this is something different, and interpreted to the other Indians the words which Christian Heinrich spoke further to us. Thus the awakening among us began by God’s grace. Therefore I say to you: Brethren! preach to the heathen Christ and His death, if you would work blessing among them.”

(Ev.-luth. Missionsblatt von Karl Graul.)

The Bird-Cry.

The rich merchant Sondersleben in Frankfurt on the Main kept the testimonies and commandments of the LORD his God like one to whom they are written not merely in the dusty Bible on the book-shelf, but deep in the heart, and the hardest thing in the law he did not leave behind. On Sundays and holy days, for example, not so much as a letter was opened in his counting-house — as the writing-room is called among merchants. It would have been of no avail either. For the iron-bound shutters remained closed, and the mice which there went after the wafer-crumbs by the seal-stick, or the crumbs from the apprentice’s pocket, had no more light than the mole in its underground hunting, or Samson in the prison of the Philistines at Gaza when he ate his bread.

Only the commandment: “Ye shall not observe the cry of birds” he did not keep, and one might say of him, as of old of King Manasseh in Jerusalem: “He observed the cry of birds.”

Not that he shook his purse of gold when he heard the cuckoo call for the first time in spring, or that he took it for an ill sign when a screeching magpie flew across his path, or that he thought of his last little hour when the death-bird made itself heard in the neighborhood, or that he took special heed that day when a hen had crowed in the morning before his house. The cuckoo, the magpie and the screech-owl he let cry as long as they would. He heeded them no more than a buzzing fly at his window.

But when in late autumn the first snow-geese flew high over the Main valley and announced the winter, the rich merchant heeded their cry, as the soldier in the camp heeds the call of the trumpeter, and set about doing all manner of things of which he did not think in spring and in summer.

For he had various warehouses, one always larger than the other. In the one storehouse lay sandalwood and indigo and purple so much that one could have dyed the whole river blue or red with it; so that it would have flowed out of the Main into the Rhine as from the dye-house of a fancy-dyer into the street. The other storehouse lay full of sugar-loaves and chests from bottom to top, and the merchant would not have been in embarrassment if all the Frankfurters, from the burgomaster down to the cobbler, had announced themselves for a cup of coffee. And in the third, under the ground, lay many tuns of ancient wine one behind the other, and so large that one might well think of the mighty vat of the prophet Jeremiah, of which it is written: “Moab hath been at ease from his youth, and he hath settled on his lees, and hath not been emptied from vessel to vessel, neither hath he gone into captivity;