Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 14 › Seite 112
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-03-06, Seite 112
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gewiſſen 2
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sogleich auch mit der Musik geboren wurde. — Ursprünglich hatte es sieben Strophen; Valentin Ni[unleserlich]tig aber, Generalsuperintendent zu Merseburg, fügte noch eine achte hinzu, die jedoch in den Gesangbüchern nicht allgemeine Anerkennung gefunden hat.
Alles schon vorausbezahlt.
Jemand, der einem Armen eine Gabe reichte, sprach dabei zum nebenstehenden Dr. Luther: „Wer weiß, wo mir Gott solches dereinst vergilt!“ „„Warum denn erst dereinst?““ erwiderte Luther, „„hat euch Gott denn nicht schon längst vorausbezahlt?““
Wenn uns nun Gott, der HErr, alles schon vorausbezahlt hat, und doch endlich jedes im Glauben vollbrachte Liebeswerk dereinst aus Gnaden belohnen will, so muß er wohl ein — gnädiger Gott sein.
(Eingesandt.)
Der Weyl’sche Kirchenbote.
Denjenigen Freunden des Lutheraner, die diesen sogenannten lutherischen Kirchenboten nicht lesen, müssen wir doch gelegentlich zu wissen thun, daß sie in dessen 1. Nummer gar pathetisch angeredet und zu tragender Liebe gegen Herrn Weyl und andere dergleichen schwache Brüder vermahnt sind. Während nun Herr Weyl dabei ob seiner Kerzengeschichte zwar auch liebevoll vermahnt, dann aber mit den Einflüssen der Zeit ꝛc. geschickt wieder vertheidigt wird, siehe, so kömmts zu Tage, daß sich der Lutheraner an diesem lieben Mann gröblich versündigt hat, indem er ihn als einen Boshaftigen behandelte, während er doch eine gar ehrliche, schwache Seele sein soll. Darüber hat sich denn der Lutheraner selbst von dem hochsinnigen Herrn Adelphikos, so nennt sich der Referent, die Rüge verdient, als habe er seinem alten Adam gefolgt und nur wacker auf den unschuldigen, für die lutherische Kirche (?) so eifrigen Herrn Weyl losgepaukt. Da nun Herr Adelphikos ein gar einsichtiger Mann zu sein scheint, so hätte uns dieses sein abgegebenes Urtheil und Stimme leicht bei Unwissenden in den Verdacht bringen können, als hätten wir gar kein Herz dafür, zwischen lieben schwachen Brüdern und boshaftigen Feinden einen ordentlichen Unterscheid zu machen. Doch der wackere, offenherzige Herr Weyl, der sich wahrscheinlich nur aus Versehen in seinem eigenen Blatt so schön hat darstellen lassen, hat uns alsbald schon in der nächsten Nummer von diesem Verdacht aufs gründlichste gereinigt, und sich lieber selber gleich als einen Boshaftigen, dafür wir ihn längst gehalten haben, so augenfällig dargestellt, daß auch dem Herrn Adelphikos die Augen werden aufgegangen sein, indem er ja auch seinen gewiß höchst liebevollen Rath und Berichtung frech in den Wind geschlagen hat. Erstlich hat er in der 2. Nummer seines Kirchenboten den Aufsatz eines Unverständigen eingerückt, der den beiden gediegenen Abhandlungen des Herrn Dr. Sihler in No. 3 und 4 des Lutheraner die falsche Deutung gibt, als huldigten sie dem römischen, antichristlichen Prinzip von einer alleinseligmachenden — altlutherischen Kirche, ferner als bezwecke der eine unter anderm auch, daß Reformirte, die von lutherischen Pastoren das heilige Abendmahl begehren, durch allerhand Kunstgriffe gezwungen werden sollten, gegen ihre bessere Ueberzeugung zur lutherischen Kirche überzutreten, und als lehre der andere, daß man wegen der Crucifixe, Kerzen ꝛc. in gewissen Fällen Gemeinden zerreißen müsse. Das alles hat der schon so oft berichtete Weyl nicht nur ohne Weiteres durch den Druck verbreitet und jenen Unverständigen auch mit keinem Wort über all die greulichen Mißverständnisse belehrt, sondern hat der Sache noch dadurch die Krone aufgesetzt, daß er selber in der nämlichen Nummer den Uebertritt des Pastor Schneider zur römischen Kirche mit der hämischen Bemerkung anzeigt: „Schneider habe wahrscheinlich altlutherische Wachskerzen gebrannt, und die hätten ihm dahin geleuchtet.“— Nun, ich denke, wir haben nachgerade Ursache, dem Herrn Weyl zu danken, daß er uns gegen Herrn Adelphikos gerechtfertigt und sich selber so treffend abconterfeit hat, daß wir ihn kaum boshafter hätten darstellen können. A. C.
Der wunderfrohe Willkommen in dem himmlischen Jerusalem.
Jerusalem,
Du hochgebaute Stadt,
Wollt Gott, ich wär in Dir!
Mein sehnlich Herz
So groß Verlangen hat,
Und ist nicht mehr bei mir.
Weit über Berg und Thale,
Weit über blaches Feld
Schwingt es sich über alle,
Und eilt aus dieser Welt.
O schöner Tag,
Und noch viel schönre Stund!
Wann wirst du kommen schier,
Da ich mit Lust,
Mit freiem Freudenmund
Die Seele geb von mir
In Gottes treue Hände
Zum auserwählten Pfand,
Daß sie mit Heil anlände
In jenem Vaterland?
Im Augenblick
Wird sie erheben sich
Bis an das Firmament,
Wenn sie verläßt
So sanft, so wunderlich
Die Stätt der Element,
Fährt auf Eliä Wagen,
Mit Engelischer Schaar
(Die sie in Händen tragen)
Umgeben ganz und gar.
O Ehrenburg!
Sei nun gegrüßet mir;
Thu auf der Gnaden Pfort!
Wie große Zeit
Hat mich verlangt nach dir,
Eh ich bin kommen fort
Aus jenem bösen Leben,
Aus jener Nichtigkeit,
Und mir Gott hat gegeben
Das Erb der Ewigkeit!
Was für ein Volk,
Was für ein edle Schaar
Kommt dort gezogen schon?
Was in der Welt
Von Auserwählten war,
Seh ich, die beste Kron,
Die JEsus mir, der HErre,
Entgegen hat gesandt,
Da ich noch war so ferne
In meinem Thränenland.
Propheten groß
Und Patriarchen hoch,
Auch Christen insgemein,
Die weiland dort
Trugen des Kreuzes Joch
Und der Tyrannen Pein,
Schau ich in Ehren schweben,
In Freiheit überall,
Mit Klarheit hell umgeben,
Mit sonnenlichtem Strahl.
Wenn dann zuletzt
Ich angelanget bin
Ins schöne Paradeis,
Von höchster Freud
Erfüllet wird der Sinn,
Der Mund von Lob und Preis;
Das Halleluja reine
Singt man in Heiligkeit,
Das Hosianna feine
Ohn End in Ewigkeit.
Mit Jubelklang,
Mit Instrumenten schön
Auf Chören ohne Zahl,
Daß von dem Klang
Und von dem süßen Ton
Erbebt der Freudensaal;
Mit hundert tausend Zungen,
Mit Stimmen noch viel mehr,
Wie von Anfang gesungen
Das himmelische Heer.
Joh. Matthäus Meyfart.
Das böse Gewissen.
Zu Berg bei Stuttgart lebte ein alter ehemaliger Müllermeister, Joh. Georg Boley, der, vom Schlagfluß gelähmt und ganz entkräftet, das Bett hüten mußte, während aus den feurigen durchdringenden Blicken und aus seinen Worten ein kräftiger, gesunder Geist sprach. Eines Tages war er allein im Zimmer. Da trat ein fremdes Bauernweib herein mit einem Fäßchen, und bietet ihm Branntwein zum Kauf an. Er bedarf keinen; er weis’t das Anerbieten verneinend von sich. Sie fragt noch einmal; er antwortet dasselbe. Die Verkäuferin wird immer zudringlicher und unbescheidener in ihren Anerbietungen, und will nicht von der Stelle gehn. Boley schaut sie auf seine ernste, durchdringende Weise an. Das Weib, nachdem es mit frechem Auge eine Zeitlang diesen durchdringenden Blicken entgegengeschaut, wird auf einmal stumm und zugleich unruhig. Mit immer steigender Angst bricht sie zuletzt das Schweigen und fragt: „Was sieht Er mich denn so an?“ — Boley antwortet ihr nichts. — Sie wiederholt mehrere Male ihre Frage. Boley schweigt noch immer. — Da ruft sie wie außer sich: „Er braucht mich nicht so anzusehen, ich habe nichts Böses gethan.“ — Boley schweigt. „Ich habe gewiß nichts Böses gethan! seh’ Er doch einmal weg, man meint ja, Er wolle Einen erstechen.“ — Boley blickt sie noch immer ernst und schweigend an. — „Ach, lieber Gott, lasse Er mich doch gehen! Was will Er denn von mir? Ach Gott, ich sehe schon, Er weiß es! Ich will es Ihm ja gerne gestehen! Eins habe ich gehabt.“ — Boley, noch immer sie ernsthaft anblickend, sagt: „„So? so? Eines? ich habe Sie nicht gefragt.““ — „Ja, ein uneheliches Kind habe ich gehabt, aber gewiß nicht mehr.“ — Boley fragt mit immer ernsterem Blicke: „„So? Nur Eines?““ — „Woher weiß Er denn Alles? Ja freilich hab ich zwei gehabt. Aber sag’ Er’s um Gotteswillen Niemand. Ich hab ihnen gewiß nichts zu Leid gethan! gewiß nichts!“ — „„So““, fragt Boley, „„nichts zu Leid gethan?““ — „Ach Gott im Himmel! nein, ich hab’ Eins davon erstochen! was ist das für ein Mann, Gott behüt’ einen vor diesem Manne!“ — Mit diesen Worten läuft sie schreiend zum Hause hinaus und ist ihm schnell aus den Augen, ehe er sich nur besinnen kann, was zu thun sei. (Schuberts Geschichte der Seele.)
Erhalten
für die Mission am Flusse Cass in Mich.:
$3.25 durch Hrn. P. Trautmann von seinen Gemeinden. August Crämer.
Bezahlt.
Die 2. Hälfte des 3. Jahrg. Hr. P. Sondhaus.
Die 1. Hälfte des 4. Jahrg. Hr. P. Sondhaus.
Den 5. Jahrg. Die HH. Kempe, P. Wege (10 Ex.).
Gedruckt bei Arthur Olshausen,
Herausgeber des Anzeiger des Westens.
English translation AI translation
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was born at once with the music. — Originally it had seven stanzas; Valentin Ni[illegible]tig, however, General Superintendent at Merseburg, added an eighth, which, however, has not found general recognition in the hymn-books.
Everything Already Paid in Advance.
Someone who was handing a gift to a poor man said thereupon to Dr. Luther, who stood by: “Who knows where God will one day repay me for this!” “Why then only one day?” replied Luther, “has not God already long since paid you in advance?”
If, then, God the LORD has already paid us everything in advance, and yet at last will one day reward by grace every work of love performed in faith, He must surely be a — gracious God.
(Communicated.)
The Weyl Church Messenger.
To those friends of the Lutheraner who do not read this so-called Lutheran Kirchenbote, we must needs make known on occasion that in its No. 1 they are addressed most pathetically and exhorted to forbearing love toward Mr. Weyl and other such weak brethren. While now Mr. Weyl is thereby indeed lovingly admonished on account of his candle-story, but then cleverly defended again with the influences of the time, etc., lo, it comes to light that the Lutheraner has sinned grossly against this dear man, in that it treated him as a malicious person, whereas he is said to be a quite honest, weak soul. Hereupon the Lutheraner has earned a rebuke from the high-minded Mr. Adelphikos, so the reporter calls himself, as if it had followed its old Adam and had only stoutly belabored the innocent Mr. Weyl, so zealous for the Lutheran Church (?). Since now Mr. Adelphikos appears to be a quite discerning man, this judgment and vote of his might easily have brought us among the uninformed under the suspicion that we had no heart at all for making a proper distinction between dear weak brethren and malicious enemies. But the worthy, open-hearted Mr. Weyl, who probably only by oversight let himself be so handsomely presented in his own paper, has forthwith in the very next number most thoroughly cleared us of this suspicion, and has so conspicuously presented himself as a malicious person, as we have long held him to be, that the eyes of Mr. Adelphikos too must have been opened, seeing that he has also impudently thrown to the wind his surely most loving counsel and correction. First, in the 2nd number of his Kirchenbote he has inserted the article of an ignorant person, who gives to the two solid treatises of Dr. Sihler in No. 3 and 4 of the Lutheraner the false interpretation as if they did homage to the Roman, antichristian principle of an only-saving — old-Lutheran church, further as if the one aimed among other things also that Reformed persons who desire the Holy Supper from Lutheran pastors should be forced by all manner of artifices to go over to the Lutheran Church against their better conviction, and as if the other taught that on account of the crucifixes, candles, etc., congregations must in certain cases be rent asunder. All this the already so often reported Weyl has not only spread abroad in print without more ado, and has not instructed that ignorant person with a single word concerning all these dreadful misunderstandings, but has put the crown on the matter by announcing in the same number the conversion of Pastor Schneider to the Roman Church with the malicious remark: “Schneider has probably burned old-Lutheran wax candles, and they have lighted him thither.” — Now, I think we have by this time cause to thank Mr. Weyl that he has justified us against Mr. Adelphikos and has so aptly portrayed himself that we could hardly have represented him as more malicious. A. C.
The Joyful Welcome in the Heavenly Jerusalem.
Jerusalem,
Thou high-built city,
Would God I were in thee!
My longing heart
Hath such great desire,
And is no more with me.
Far over mountain and vale,
Far over level field
It swings itself above all,
And hastes out of this world.
O fair day,
And hour yet far more fair!
When wilt thou come at last,
When I with joy,
With free and joyful mouth
Give up my soul
Into God’s faithful hands
As a chosen pledge,
That it may land with salvation
In that fatherland?
In a moment
It will lift itself
Up to the firmament,
When it leaves
So gently, so wondrously
The dwelling-place of the elements,
Goes up in Elijah’s chariot,
With angelic host
(Who bear it in their hands)
Surrounded wholly and entirely.
O Castle of Honor!
Be now greeted by me;
Open the gate of grace!
What a great while
Hath longed for thee,
Ere I am come forth
From that evil life,
From that vanity,
And God hath given me
The inheritance of eternity!
What a people,
What a noble host
Comes marching yonder already?
All that in the world
Was of the elect,
I see, the best crown,
Which Jesus, the Lord, hath
Sent to meet me,
When I was yet so far
In my land of tears.
Prophets great
And patriarchs high,
Christians also all together,
Who of old there
Bore the yoke of the cross
And the pain of tyrants,
I behold hovering in glory,
In freedom everywhere,
Encompassed with bright clearness,
With sunlit ray.
When then at last
I have arrived
In fair Paradise,
With highest joy
The mind is filled,
The mouth with laud and praise;
The pure Hallelujah
Is sung in holiness,
The fair Hosanna
Without end in eternity.
With jubilant sound,
With fair instruments
On choirs without number,
So that from the sound
And from the sweet tone
The hall of joy trembles;
With a hundred thousand tongues,
With voices yet many more,
As sung from the beginning
By the heavenly host.
Joh. Matthäus Meyfart.
The Evil Conscience.
At Berg near Stuttgart lived an old former master miller, Joh. Georg Boley, who, paralyzed by apoplexy and quite enfeebled, had to keep his bed, while from his fiery, piercing glances and from his words a vigorous, sound spirit spoke. One day he was alone in the room. Then a strange peasant-woman came in with a little cask, and offers him brandy for sale. He needs none; he waves the offer away from him with a refusal. She asks once more; he answers the same. The seller becomes ever more importunate and immodest in her offers, and will not leave the spot. Boley looks at her in his earnest, piercing way. The woman, after she has for a while met these piercing glances with a bold eye, becomes of a sudden mute and at the same time uneasy. With ever-increasing anxiety she at last breaks the silence and asks: “Why does he look at me so?” — Boley answers her nothing. — She repeats her question several times. Boley is silent still. — Then she cries as if beside herself: “He need not look at me so, I have done nothing wrong.” — Boley is silent. “I have surely done nothing wrong! Look away, do, one would think he meant to stab someone.” — Boley looks at her still earnestly and silently. — “Ah, dear God, let him but let me go! What does he want of me? Ah God, I see already, he knows it! I will gladly confess it to him! One I have had.” — Boley, still looking earnestly at her, says: “So? so? One? I did not ask you.” — “Yes, an illegitimate child I have had, but surely no more.” — Boley asks with ever sterner look: “So? Only one?” — “How does he know everything? Yes, truly I have had two. But for God’s sake tell no one. I surely did them no harm! surely nothing!” — “So,” asks Boley, “no harm done?” — “Ah God in heaven! no, I stabbed one of them! what manner of man is that, God keep one from this man!” — With these words she runs screaming out of the house and is quickly out of his sight, before he can so much as bethink himself what to do. (Schuberts Geschichte der Seele.)
Received
for the mission on the river Cass in Mich.:
$3.25 through Rev. P. Trautmann from his congregations. August Crämer.
Paid.
The 2nd half of the 3rd volume. Rev. P. Sondhaus.
The 1st half of the 4th volume. Rev. P. Sondhaus.
The 5th volume. The Rev. Messrs. Kempe, P. Wege (10 copies).
Printed by Arthur Olshausen,
publisher of the Anzeiger des Westens.