Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 15 › Seite 115

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-03-20, Seite 115

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Uuion

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14., und verflucht sie, mocht's auch ein Engel vom Himmel sein. Daß er in gleichgültigen Dingen mit den Schwachen Geduld hatte, und in Ceremonien, die Gottes Wort frei ließ, sich ihnen gleichstellte, so lange die Schwachen es nicht als ein Gesetz ihm aufbürden wollten, je nun! das versteht sich von selbst, das thun wir ja noch wohl, und sind gerade wir Lutherischen recht freisinnig darin, wie ich das in meinen Wanderjahren ja recht gesehen habe; aber in der Lehre kann ich gar nicht finden, wie Herr K—t, daß er nachgegeben, ist auch gar nicht liebreich mit den falschen Lehrern umgegangen; möcht' nur wissen, was für Brillen die Leute aufsetzen, wenn sie sich an „Pauli Briefe“ machen.

In dem Briefe an die Epheser dringt der heilige Apostel so recht auf die Einigkeit im Geist NB—aber nicht im Fleisch—spricht auch viel von Liebe und Frieden, wie Herr K—t, — aber, aber, von Einigkeit mit falscher Lehre will er doch nichts wissen, sondern indem er auf die Einigkeit des Leibes hinweiset, zeigt er auch zugleich, was den Einen Leib zusammenhält, nämlich der Eine Geist, der Einen Glauben gewirkt, und die Eine Taufe, worinnen wir durch den Einen Geist alle zu Einem Leib getauft, und ich kann aus 1 Cor. 12, 13. auch wohl hinzufügen: auf das Eine Abendmahl, worinnen wir alle zu Einem Geist getränkt sind. Ephes. 4, 4—6. Und der Apostel ermahnt nun auch gleich darauf, daß sie nun nicht wie die Kinder sein sollen, und sich von allerlei Wind der Lehre wiegen und wägen lassen, durch Schalkheit der Menschen und Täuscherei, damit sie uns erschleichen zu verführen“, und sei eben darum das heilige Predigtamt von Christo eingesetzt, daß sie die Gemeinde Christi eben in diesem Einen Glauben halten und aufbauen sollen, und aufpassen. Ephes. 4, 11—14.

In meiner Bibel steht beim 14ten Vers am Rande bemerkt: „d. i. Wie die Spitzbuben mit den Würfeln umgehen, also gehen die mit der Schrift um, die Menschenlehre vorgeben“; und mir kommt recht lebendig in den Sinn, wie ich als Bube einmal um einen Sechser kam, den meine Großmutter mir geschenkt hatte, um einen Lebkuchen zu kaufen auf den Jahrmarkt. Da war so'n Mann, der hatte Fingerhüte, und ein klein Kügelchen, das schob er dann ganz geschwind von einem Fingerhut unter den andern, und wollte uns Geld geben, einen Sechser gegen einen Sechser, wer's rathen könnte, wo die Kugel steckte. Nun dachte ich, das will ich bald verdienen, denn ich meinte gewiß, ich hätt's gesehen, wo die Kugel wäre, und lachte, und legte meinen Sechser auf den Tisch, und hob den Fingerhut auf, aber da war nichts, und nun lachte der Mann, und die andern Buben auch, ich aber schlich mit langem Gesicht davon und kriegte keinen Lebkuchen, denn meinen Sechser war ich los. Das kam mir so recht lebendig in den Sinn bei der Stelle und dem Kirchenboten; denn am Ende ist's doch nichts anders, als daß solche Leute andere einfältige mit ihrem Hokuspokus betrügen, und ihnen ein X für ein U vormachen, und wollt Gott, es handelte sich hier bloß um Sechser und Lebkuchen, so möcht's noch hingehen, aber Gott's Wort und der Seelen Seligkeit, das ist ein ernst Ding, Herr Lutheraner. —

Was mir nun aber bei der Stelle im Brief an die Epheser auffällt, oder vielmehr dem Kirchenboten auffallen muß, ist, daß der heilige Apostel im 15ten Vers ermahnt: „Lasset uns rechtschaffen sein in der Liebe“ ꝛc. Muß Herr K—t den Apostel nicht für einen Erzheuchler halten, daß er nun so fromm zur Liebe ermahnt, da er eben vorher, Vers 14., ganz auf lutherische Weise so lieblos gegen die „lieben Brüder“ gewesen, die „anderer Meinung“ sind, als er? ich weiß nicht, es will doch nirgends stimmen mit dem Kirchenboten und dem Apostel.

Aber in dem Brief an die Philipper, dachte ich, da wirst du es finden, und auf den weiset Herr K—t hin, aber gleich im ersten Capitel, Vers 27., finde ich, daß der Apostel die Philipper ermahnt, daß sie „würdiglich wandeln sollen dem Evangelio Christi“, das hieße doch nun nach den Weylschen Liebesideen, ihr müßt hübsch friedfertig sein, und nicht so zanksüchtig, und es nicht so genau nehmen mit dem Glauben und dem Evangelio, denn die Liebe, die Liebe geht über Alles. Aber der Apostel hat ganz andere Ansichten von der Sache, er sagt: sie sollen kämpfen mit ihm für den Glauben des Evangelii, und sich auf keinem Wege erschrecken lassen von den Widersachern, (waren doch wohl keine Heiden?) „welches—NB—ist ein Anzeichen ihnen der Verdammniß, euch aber der Seligkeit, und dasselbige vor Gott.“ Das muß ja recht grob und unapostolisch klingen in den Ohren aller frommen Unionisten. Und wie unchristlich, ja überlutherisch grob spricht der Apostel Capitel 3, 2. ff. von falschen Lehrern? er nennt sie Hunde, böse Arbeiter, die Zerschneidung, wollen sich nur ihres Fleisches rühmen, der Bauch ist ihr Gott ꝛc. Aus solchen Stellen lesen nun die ungelehrten, aber verkehrten Leute heraus, „daß die Apostel über eben so wichtige Lehren, wie die von Taufe und Abendmahl, nemlich über das Mosaische — verschiedener Meinung gewesen, aber doch recht friedfertig, hätten sich nicht einander vom heiligen Abendmahl ausgeschlossen“ ꝛc. Nun wahrhaftig, ich denke, der Apostel zeigt's uns eben, wie liebevoll und friedfertig er mit solchen Leuten ist umgegangen.

Aber erklären Sie uns doch einmal, Herr Lutheraner, in Ihrer Zeitung, diese unbegreifliche Frechheit und Unverschämtheit, die diese Leute im Leibe haben, daß sie auch nicht das Geringste von den Briefen Pauli gelesen haben, und doch alles wissen wollen, und rechtliche Leute, die auf Gottes Wort halten, ermahnen, sie sollten „die Briefe Pauli doch lesen, da würden sie es finden“. Ja freilich findet man's heraus, was sie sind. Gott erbarm's, und mach doch dem Aergerniß ein Ende, das diese unverschämten Liebesschwätzer einfältigen Seelen in den Weg werfen! Herr Lutheraner! mir wird ganz warm, ich denke, ich lass' lieber das Schreiben ein wenig anstehen, ich kann Ihnen sagen, es kocht ordentlich, und ich fürchte, es möcht Fleisch damit zwischen sein, denn ich bin ein schwacher Mensch, Gott sei's geklagt, und fluchen, und doch für die Leute weinen, wie der Apostel Paulus es in seiner brennenden Liebe konnte, 3, 18 und 19., das kann ich noch nicht recht zu gleicher Zeit, obgleich es wohl so hin und wieder, nach einander kommt. — Doch es wird schon wieder ruhig.

Aber hier habe ich gelernt, wie solche Leute „die Briefe Pauli“ lesen, und wie leichtfertig sie mit Gottes Wort umgehen. Da reißen sie hier ein Stück ab, und dort ein Stück, und flicken es an einander, stecken ihre Unverschämtheit hinein, und gehen dann damit auf den Markt, und auf die Straßen, Sprüche Sal. 9, 13—17., und sprechen: „Siehe da, das ist das wahre Christenthum“, so sieht's aus, leset nur die Briefe Pauli, da steht's; die Altlutheraner sind Zänker und halbe Heiden, und müssen erst die Briefe Pauli lesen; da kann man ja doch nicht anders, als zuspringen, und den Leuten das zusammengestückte Kleid herunterreißen, damit sie selbst und die andern Leute sehen, was denn eigentlich hinter den christlichen und nur so umgehängten Lappen steckt, nemlich eitel Fleisch und Blut. Das, denke ich so in meiner Dummheit, ist die rechte Liebe, wenn's mit einem feinen Liebesherzen, und mit Gebet für diese armen verführten Verführer und betrogenen Betrüger geschieht.

So machts Herr K—t auch: da zieht er sein Lappenkleid an, das die unionistischen Liebesprediger ihm überhängen, und sagt: Leset die Briefe Pauli; da steht z. B. im Briefe an die Philipper, daß wir friedsam und freundlich mit einander sein sollen, und „sollt ihr sonsten was halten (d. h. doch wohl, solltet ihr noch über dies oder jenes Nebending noch nicht recht einig sein), das lasset euch Gott offenbaren“; und da ist denn ein solcher Mann so seelenvergnügt, daß er nun eine bequeme Decke für sein Fleisch und Blut gefunden hat, und nebenbei den Altlutheranern noch eins am Zeuge flicken kann, daß er's Buch zumacht, und nicht weiter lieset, sondern ermahnt: „leset die Briefe Pauli.“ Wenn er aber nur einen Vers weiter gelesen hätte, so hätte er gefunden, Vers 16.: „Doch sofern, daß wir nach Einer Regel, darein wir gekommen sind, wandeln und gleich gesinnet sind.“ Nun sollt' ich denken, daß die Kirche schon zu der Apostel Zeit auch in der Lehre vom heiligen Abendmahl und Taufe, wie in allen Stücken unsers Glaubens, zu Einer Regel gekommen war! wo nicht, wie sollten wir dazu kommen? müßten am Ende wohl zum Pabst gehen, und Seine Heiligkeit bitten, er möge uns doch gefälligst die Eine Regel in diesen Sachen angeben. — Na! das wäre was Schönes! Nein, da bleib ich lieber mit meinem Herrn Pfarrer und andern einfältigen Leuten beim kleinen Katechismus Lutheri und der Augsburger Confession, das stimmt Alles gar trefflich mit den Briefen Pauli und der heiligen Schrift, und laß die Leute schwatzen, so viel sie wollen, daß wir die Liebe nicht haben! ich denke, der liebe Gott wird wohl wissen, wo die Liebe sitzt, das können aber wir schon wissen, wo solch ein leichtfertiger Glaube ist, da kann's mit der Liebe auch nicht weit her sein, und das kann man Herrn K—t auch aus seinem Schreiben beweisen, wie allen

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14, and curses them, though it were an angel from heaven. That in indifferent matters he had patience with the weak, and in ceremonies which God's Word left free put himself on a level with them, so long as the weak did not want to impose it upon him as a law, well now! that goes without saying, we do that still, and we Lutherans in particular are quite liberal in it, as I have indeed plainly seen in my years of wandering; but in doctrine I cannot find at all, as Mr. K—t does, that he yielded, nor did he deal at all lovingly with the false teachers; I should like to know what kind of spectacles the people put on when they set about "Paul's epistles."

In the epistle to the Ephesians the holy apostle presses right earnestly for the unity in the Spirit, NB—but not in the flesh—speaks also much of love and peace, like Mr. K—t, — but, but, of unity with false doctrine he will know nothing, but while he points to the unity of the body, he shows at the same time what holds the one body together, namely the one Spirit, who has wrought one faith, and the one baptism, wherein we are all baptized by one Spirit into one body, and I can add from 1 Cor. 12:13: to the one Supper, wherein we have all been made to drink into one Spirit. Eph. 4:4–6. And the apostle exhorts now also immediately thereafter, that they should now be no more children, tossed to and fro, and carried about with every wind of doctrine, by the sleight of men, and cunning craftiness, whereby they lie in wait to deceive," and that for this very reason the holy ministry was instituted by Christ, that they should keep and build up the congregation of Christ in this one faith, and watch. Eph. 4:11–14.

In my Bible there stands noted in the margin at the 14th verse: "That is, As rogues handle the dice, so they handle the Scripture who put forth doctrines of men"; and it comes quite vividly to my mind how, as a boy, I once lost a sixer which my grandmother had given me to buy a gingerbread at the fair. There was a man there who had thimbles, and a little ball, which he pushed quite swiftly from one thimble under the other, and offered to give us money, a sixer against a sixer, whoever could guess where the ball was. Now I thought, I shall soon earn that, for I felt sure I had seen where the ball was, and laughed, and laid my sixer on the table, and lifted the thimble, but there was nothing there, and now the man laughed, and the other boys too, but I slunk away with a long face and got no gingerbread, for my sixer was gone. That came to my mind so vividly at this passage and at the Kirchenbote; for in the end it is nothing else but that such people cheat other simple folk with their hocus-pocus, and make them take an X for a U, and would to God it were here a matter merely of sixers and gingerbread, then it might pass, but God's Word and the salvation of souls, that is a serious thing, Mr. Lutheraner. —

What strikes me now at the passage in the epistle to the Ephesians, or rather must strike the Kirchenbote, is that the holy apostle in the 15th verse exhorts: "Let us be upright in love," etc. Must not Mr. K—t take the apostle for an arch-hypocrite, that he now so piously exhorts to love, when just before, verse 14, quite in the Lutheran manner he was so loveless toward the "dear brethren" who are "of another opinion" than he? I do not know, it will not agree anywhere between the Kirchenbote and the apostle.

But in the epistle to the Philippians, I thought, there you will find it, and to that Mr. K—t points, but right in the first chapter, verse 27, I find that the apostle exhorts the Philippians that they should "let your conversation be as it becometh the gospel of Christ," which would now, according to Weyl's ideas of love, mean: you must be nicely peaceable, and not so quarrelsome, and not take it so exactly with the faith and the Gospel, for love, love goes above everything. But the apostle has quite other views of the matter, he says: they should strive together with him for the faith of the Gospel, and in nothing be terrified by their adversaries (were they not heathen, surely?) "which is NB — to them an evident token of perdition, but to you of salvation, and that of God." That must indeed sound quite coarse and unapostolic in the ears of all pious Unionists. And how unchristianly, indeed more than Lutheran-coarsely, speaks the apostle in chapter 3:2 ff. of false teachers! he calls them dogs, evil workers, the concision, who want only to glory in their flesh, whose belly is their god, etc. From such passages the unlearned but perverse people now read out, "that the apostles were of different opinions about doctrines just as important as those of Baptism and the Supper, namely about the Mosaic — but yet quite peaceable, did not exclude one another from the Holy Supper," etc. Now truly, I think the apostle shows us precisely how lovingly and peaceably he dealt with such people.

But do explain to us once, Mr. Lutheraner, in your paper, this incomprehensible impudence and effrontery which these people have in their bodies, that they have not read the least of the epistles of Paul, and yet want to know everything, and admonish upright people who hold to God's Word, that they should "read the epistles of Paul, there they would find it." Yes indeed, one finds out what they are. God have mercy, and put an end to the offence which these shameless love-chatterers cast in the way of simple souls! Mr. Lutheraner! I grow quite warm, I think I had better let the writing rest a little; I can tell you, it fairly boils, and I fear there might be flesh mixed in with it, for I am a weak man, God have mercy, and to curse, and yet to weep for the people, as the apostle Paul could in his burning love, 3:18 and 19, that I cannot yet quite do at the same time, though it does come about now and then, one after the other. — But it is growing quiet again.

But here I have learned how such people read "the epistles of Paul," and how lightly they deal with God's Word. They tear off a piece here, and a piece there, and patch it together, stick their impudence into it, and then go with it to the market, and into the streets, Prov. 9:13–17, and say: "Behold, that is the true Christianity," so it looks, only read the epistles of Paul, there it stands; the Old Lutherans are quarrelers and half-heathen, and must first read the epistles of Paul; then one cannot do otherwise than leap to and tear from the people the patched-together garment, so that they themselves and the other people may see what really lies behind the Christian rags that are only hung on, namely mere flesh and blood. That, I think in my stupidity, is true love, when it is done with a fine loving heart, and with prayer for these poor seduced seducers and deceived deceivers.

So does Mr. K—t also: there he puts on his patchwork garment which the Unionistic preachers of love hang upon him, and says: Read the epistles of Paul; there it stands, for example, in the epistle to the Philippians, that we should be peaceable and friendly with one another, and "if in any thing ye be otherwise minded (that is, surely, if ye were not yet quite agreed about this or that side-matter), God shall reveal even this unto you"; and then such a man is so jolly of soul that he has now found a comfortable cover for his flesh and blood, and can besides patch something on the Old Lutherans' cloth, that he shuts the book, and reads no further, but exhorts: "read the epistles of Paul." But if he had only read one verse further, he would have found, verse 16: "Nevertheless, whereto we have already attained, let us walk by the same rule, let us mind the same thing." Now I should think that the Church even in the time of the apostles had come to one rule also in the doctrine of the Holy Supper and Baptism, as in all parts of our faith! if not, how should we come to it? we should have to go at last to the Pope, and ask His Holiness to be so kind as to give us the one rule in these matters. — Well! that would be something fine! No, I would rather stay with my pastor and other simple people by the small Catechism of Luther and the Augsburg Confession, that agrees all excellently with the epistles of Paul and the Holy Scripture, and let people chatter as much as they like, that we have not love! I think the dear God will surely know where love sits; but we can well know that where there is such a frivolous faith, there love also cannot be far off, and that one can prove of Mr. K—t also from his writing, as all