Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 15 › Seite 116
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-03-20, Seite 116
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehre. — Falſche Lehrer 16 · Uuion
116
jenen Liebesschreiern. Indessen Herr K—t kann man's eben nicht viel Schuld geben, der kommt wie er sagt, aus der Finsterniß des Pabstthums heraus, und wird wohl gleich solch einem leichtfüßigen Flickenschneider in die Hände gerathen sein, der hat ihn denn in das Flickenkleid hineingesteckt, und auf dem Markt aufgestellt, und da muß er nun mit schreien helfen, um die Leute irre zu führen. Der HErr wird ihm schon weiter helfen, wenn er aufrichtig ist.
Das klingt Alles ganz gut, was die Leute vorbringen: „Die Schrift sagt: wer da glaubet, daß JEsus der Christ“, oder „wer an den HErrn JEsum glaubt ꝛc., der ist von Gott — wiedergeboren — wird selig“ u. s. w. Indessen ist das ein wunderlich Ding, daß ich glauben soll, JEsus sei der Christ, und will den Worten Christi nicht glauben, noch an seiner Rede bleiben, um so die Wahrheit zu erkennen und recht frei zu werden. Und das sind doch seine rechten Jünger, nicht die da in ihren Phantasien meinen, daß sie in Christo sind, sondern die an seiner Rede, an seinem Worte bleiben, denn da ist Christus für uns arme Leute, und da allein finden wir ihn, und nur wenn wir an seiner Rede, an seinem Worte bleiben, dann sind und bleiben wir in Christo, Joh. 8, 31 und 32. Das ist überhaupt ein wunderlich Capitel, Herr Lutheraner, und kommt mir oft in den Sinn, wenn ich so zusehe, wie die „Gläubigen“ heut zu Tage es angehen. Da finden wir auch Leute, die an den HErrn JEsum glauben, Vers 31., aber was thun denn diese gläubigen Leute, Vers 59? „Sie huben Steine auf, daß sie auf ihn würfen!!“ und was machte denn diese lieben Leute so böse auf den HErrn JEsum, an den sie doch „gläubeten“? Der HErr sagte zu ihnen, sie sollten nun auch an seiner Rede bleiben; das wollten sie sich nicht sagen lassen, und da der liebe HErr JEsus doch auch nicht nachgeben konnte von seinem Worte, da kam's zu harten Worten, zum Lästern und endlich zu Steinen. — Es freut Einen nur, daß unser lieber HErr noch so gut davor weggekommen ist; ich denke, er wird heute auch noch wohl sicher sein auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und unter seinen Flügeln können wir fröhlich trauen, wenn die Leute jetzt uns arme „Altlutheraner“ mit Steinen werfen, — bloß — weil wir „die Liebe“ nicht haben. —
Aber um wieder auf die Briefe Pauli zu kommen, so glaube ich, Herr K—t und der „Kirchenbote“ haben uns bloß zum Narren gehabt; denn solche Schalksstreiche lernt man leicht, wenn man so Botengehen muß, und mit allerlei Leuten zusammen geräth, namentlich wenn man solch eine besondere Liebhaberei für Querstraßen und Holzwege hat, wie der „Kirchenbote“, und so ins Blaue hinausfährt, wie meine Großmutter von dem neuen Prediger zu sagen pflegte. Denn, so wahr ich ein armer Sünder bin, ich habe alle Briefe Pauli von Neuem durchgelesen, und kann keine einzige Stelle finden, wo der Apostel seine Gemeinden darüber straft, daß sie zu hart gegen falsche Lehre sind, und nicht friedfertig, sondern in allen Briefen an alle Gemeinden, an den Timotheus und Titus vermahnt der Apostel einfältig bei dem einmal gepredigten Glauben zu bleiben, und warnt, und droht aufs ernstlichste, daß sie sich doch sollten vor falschen Lehren in Acht nehmen, und keine Gemeinschaft, d. h. kirchliche, haben mit solchen, die andere Lehre haben. So im Briefe an die Colosser, im ganzen zweiten Capitel, so in beiden Briefen an die Thessalonicher; und wer kann nur die Briefe an Timotheus und Titus oberflächlich gelesen haben, ohne auch nur bei dem Gedanken zu erschrecken, mit solchen Leuten kirchliche Gemeinschaft zu haben, die in der Lehre abweichen. Wie gebietet er Beiden, auf die heilsame Lehre zu achten, mit so ernsten Worten, und zu wiederholten Malen, und gebietet ihnen geradezu, von solchen Leuten zu weichen, und sie zu meiden, 1 Timoth. 6, 5. 2 Timoth. 3, 5. 2, 21. Tit. 3, 10. Jeder Vers handelt ja davon in allen diesen Briefen, daß man auf die reine Lehre achten, sie bewahren, darum kämpfen, und mit solchen Leuten nichts zu thun haben soll in kirchlicher Gemeinschaft, die von der reinen Lehre abweichen.
Und was der Hr. K—t von den sieben Briefen in der Offenbarung Johannis sagt, das kommt mir auch wunderlich vor, und ist gerade, als wäre die Wahrheit so ein Buch, wie ich's 'mal auf dem Jahrmarkt bei einem Tausendkünstler gesehen habe, das zeigte bald nichts, als weiß Papier, und wenn dann wieder die Seiten schnell durch die Finger geblättert wurden, so war nichts darin, als der alte Fritz von Preußen, dann wieder nichts als ungarische Husaren u. s. w., und die Kirche wäre danach denn so'n Tausendkünstler, der das Buch durch die Finger laufen ließ, und bald wäre dies darin, bald das, nun, das ist garstig. — Und muß der Mann wieder seine eigenen Brillen gehabt haben, denn Offenb. 2, 2. lobt der HErr den Bischof zu Ephesus, daß er die falschen Apostel — also die falschen Lehrer — auserfunden, und sich von ihnen gereinigt hat, so auch die Werke der Nikolaiten, — und ich denke, schlechte Werke kommen aus falscher Lehre und Glauben, denn die Wahrheit wird wohl andere Früchte und Werke bringen.
Der Bischof zu Smyrna will auch nichts zu thun haben mit falscher Lehre und wird gelobt, V. 9.
Der Bischof zu Pergamus wird gescholten, daß er solche unter sich dulde, die an der Lehre Balaams halten, V. 14 und an der Lehre der Nikolaiten; „das hasse ich“, spricht der HErr, 15.
Der Bischof zu Thyatira wird gescholten, daß er eine falsche Prophetin unter sich dulde, V. 20 und 24.
Der Bischof zu Philadelphia muß dagegen streng gewesen sein gegen falsche Lehrer, und zum Lohn will der HErr ihm geben, daß sich einige von ihnen zur Wahrheit bekehren, und zu seinen Füßen anbeten, 2, 9. So weiß ich gar nicht, was ich aus solchen Leuten machen soll, die Gottes Wort im Munde und doch im Herzen nichts darauf halten, sonst könnten sie es nicht so leichtfertig aufgeben an solche Leute, die falsche Lehren haben. Denn was die Leute von der Liebe sagen, ist nun ganz wunderlich. Wenn zwei Männer am Wasser stehen, und der eine will hinein springen, obgleich er darin ertrinken kann, so ist das eine wunderliche Liebe, wenn der andere sagt: Ja, das thu', mein Freund, ich will zwar lieber hier im Trocknen bleiben, aber das macht nichts, das sind eben Meinungen und Liebhabereien, wir können deswegen doch gute Freunde bleiben. Oder wenn einer darin läge und wollte vertrinken, und der andere wollte sagen: Mein Lieber, ich wollte dir wohl helfen, aber ich müßte dich hart anfassen, und das wäre doch gar zu lieblos und könnte unsere Freundschaft stören; oder soll er hineinspringen und sagen: Wart', Freund, ich will mich auch ersäufen, dann kommen wir gewiß Beide auf's Trockene! Nein, Herr Lutheraner, ich denke: Fix beim Kragen gepackt, oder, wenn's nicht anders geht, bei den Haaren, und wenn er auch hundertmal schreit: Au weh! das ist zu hart! — festgehalten! zugefaßt! und wo möglich mit Gottes Hülfe heraus gezogen! das ist viel besser, und möchte wohl die rechte Liebe sein.
Uebrigens bin ich Ihr ganz gehorsamer Diener
Hans.
Briefe des „Besuchers“ (einheimischen Missionars) der deutschen evang.-lutherischen Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten an den Redacteur.
(Schluß.)
Keokuk, Jowa, den 5. Dec. 1848.
Theurer W.!
Schon oftmals habe ich auf meiner Reise das Lied des sel. Professors Lorenz*): „Bin ich gleich ferne von Bekannten ꝛc.“ mir vorgesagt und vorgesungen und darüber meditirt; aber so tröstlich und erquickend war es mir doch noch nie, als auf meiner Reise von Burlington hierher. Besonders bewegte ich in meinem Herzen immer die Worte:
*) Siehe: Lutheraner, Jahrg. IV. No. 11, S. 86.
Bist du gleich ferne von Bekannten,
Was schadet's, da dir früh und spät
Ein Heer von glänzenden Trabanten
Umher um deinen Wagen steht?
Es war ein stürmischer Tag, an welchem ich mit der Stage von Burlington abfuhr. Der Sturm brauste über die Prairieen und durch den Wald hin, entwurzelte Bäume und trieb den dicht herabfallenden Schnee so in's Gesicht, daß man kaum die Augen zu öffnen vermochte. Ich war diesem Sturme den ganzen Vormittag hindurch ausgesetzt, da die Postkutsche bereits schon angefüllt war, als ich einsteigen wollte, und für mich nur noch ein Räumchen auf dem Bocke zu finden war. Daraus hätte ich mir indeß wenig gemacht, wenn nicht die Reise überhaupt mit so mancherlei Gefahr verbunden gewesen wäre. Der Weg ging vielfach steile Berge hinan und hinab und war durch den frischgefallenen Schnee sehr schlüpfrig geworden. Bald glitten die Pferde aus und vermochten kaum festen Fuß zu fassen, bald brach und zerriß etwas am Wagen, bald verlor derselbe das Gleichgewicht und war einmal über das andere dem Umsturz nahe. Ich befahl mich dem
English translation AI translation
116
those shouters of love. However, Mr. K—t cannot be blamed much, he comes, as he says, out of the darkness of Popery, and has probably, like so many, fallen into the hands of such a light-footed patch-tailor, who then stuck him into the patchwork garment, and set him up in the market, and there he must now help to cry, in order to lead the people astray. The LORD will surely help him further, if he is sincere.
All that sounds quite good, which the people bring forward: "The Scripture says: he that believeth that JESUS is the Christ," or "whoso believeth on the LORD JESUS, etc., is born of God — born again — shall be saved," and so forth. Meanwhile it is a strange thing that I should believe JESUS is the Christ, and yet will not believe the words of Christ, nor continue in his word, that so I may know the truth and become truly free. And those are surely his true disciples, not those who in their fancies imagine that they are in Christ, but those who continue in his word, in his speech; for there is Christ for us poor people, and there alone do we find him, and only if we continue in his word, then are we and remain we in Christ, John 8:31 and 32. That is altogether a strange chapter, Mr. Lutheraner, and comes often to my mind, when I look on at how the "believers" go about it nowadays. There we find also people who believe on the LORD JESUS, verse 31, but what do these believing people do, verse 59? "Then took they up stones to cast at him!!" and what made these dear people so angry at the LORD JESUS, on whom they yet "believed"? The LORD said to them they should now also continue in his word; that they would not let be told them, and as the dear LORD JESUS likewise could not yield from his Word, it came to hard words, to blaspheming, and at last to stones. — One is only glad that our dear LORD got off so well; I think he will be quite safe today also on the throne of his glory, and under his wings we can trust joyfully, when the people now throw stones at us poor "Old Lutherans" — merely — because we have not "the love." —
But to come back again to the epistles of Paul, I believe Mr. K—t and the "Kirchenbote" have simply made fools of us; for such rogues' tricks one learns easily when one has to go errands, and falls in with all sorts of people, especially when one has such a particular fondness for cross-roads and woodland paths as the "Kirchenbote," and so drives off into the blue, as my grandmother used to say of the new preacher. For, as true as I am a poor sinner, I have read through all the epistles of Paul anew, and can find no single passage where the apostle rebukes his congregations because they are too hard against false doctrine, and not peaceable, but in all epistles to all congregations, to Timothy and Titus, the apostle admonishes them simply to remain by the faith once preached, and warns and threatens most earnestly that they should take heed of false doctrines, and have no fellowship, that is, churchly fellowship, with such as have another doctrine. So in the epistle to the Colossians, in the whole second chapter, so in both epistles to the Thessalonians; and who can have read the epistles to Timothy and Titus even superficially without being alarmed at the very thought of having churchly fellowship with such people as differ in doctrine. How he commands both to give heed to the wholesome doctrine, with such earnest words, and again and again, and commands them directly to withdraw from such people, and to avoid them, 1 Tim. 6:5, 2 Tim. 3:5, 2:21, Tit. 3:10. Every verse treats of it in all these epistles, that one should heed the pure doctrine, preserve it, contend for it, and have nothing to do in churchly fellowship with such people as depart from the pure doctrine.
And what Mr. K—t says of the seven letters in the Revelation of John seems to me also strange, and it is just as if the truth were such a book as I once saw at a fair with a juggler, which showed presently nothing but white paper, and when then the pages were quickly riffled through the fingers, there was nothing in it but old Fritz of Prussia, then again nothing but Hungarian hussars, and so forth, and the Church would then be, after that, such a juggler who let the book run through his fingers, and presently this would be in it, presently that, well, that is nasty. — And the man must again have had his own spectacles, for Rev. 2:2 the LORD commends the bishop at Ephesus that he had tried them which say they are apostles — that is, the false teachers — and found them liars, and has cleansed himself from them, as also from the deeds of the Nicolaitans, — and I think bad works come out of false doctrine and faith, for the truth will surely bring forth other fruits and works.
The bishop at Smyrna also will have nothing to do with false doctrine and is commended, v. 9.
The bishop at Pergamos is rebuked for suffering such among him as hold the doctrine of Balaam, v. 14, and the doctrine of the Nicolaitans; "which thing I hate," says the LORD, 15.
The bishop at Thyatira is rebuked for suffering a false prophetess among him, v. 20 and 24.
The bishop at Philadelphia must, on the contrary, have been strict against false teachers, and for a reward the LORD will give him that some of them shall be brought to the truth, and worship at his feet, 2:9. So I know not at all what to make of such people who have God's Word in their mouth and yet in their heart hold nothing by it, else they could not so lightly give it up to such people as have false doctrines. For what the people say of love is now altogether strange. If two men stand by the water, and the one wants to leap in, although he may drown in it, it is a strange love when the other says: Yes, do it, my friend, I will indeed rather stay here on dry ground, but that makes no difference, those are just opinions and fancies, we can still remain good friends for all that. Or if one lay in it and were about to drown, and the other were to say: My dear fellow, I would gladly help you, but I should have to take hold of you hard, and that would be too loveless indeed and might disturb our friendship; or shall he leap in and say: Wait, friend, I will drown myself also, then we shall both surely come to dry ground! No, Mr. Lutheraner, I think: Quick, seized by the collar, or, if it cannot be otherwise, by the hair, and even if he cries out a hundred times: Oh dear! that is too hard! — hold fast! grab hold! and if possible, with God's help, pulled out! that is much better, and might well be true love.
Moreover I am your most obedient servant
Hans.
Letters of the "Visitor" (home missionary) of the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and Other States to the Editor.
(Conclusion.)
Keokuk, Iowa, December 5, 1848.
Dear W.!
Already many a time on my journey I have recited to myself and sung and meditated upon the hymn of the blessed Professor Lorenz*): "Though I be far from all acquaintance, etc."; but so comforting and refreshing it was never yet to me as on my journey from Burlington hither. Especially I turned over in my heart continually the words:
*) See: Lutheraner, Volume IV, No. 11, p. 86.
Though thou be far from all acquaintance,
What harm, since early and since late
A host of shining attendants
Stands round about thy carriage?
It was a stormy day on which I departed from Burlington by stage. The storm roared over the prairies and through the forest, uprooted trees, and drove the thickly falling snow so into one's face that one could scarcely open one's eyes. I was exposed to this storm the whole forenoon, since the stagecoach was already filled when I wished to get in, and for me only a little place on the box was to be found. From that I should have made little, if the journey had not altogether been connected with so many kinds of danger. The road went often up and down steep hills and had become very slippery from the freshly fallen snow. Now the horses slipped and could scarcely get firm footing, now something on the wagon broke and tore, now it lost its balance and was time after time near to overturning. I commended myself to the