Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 24 › Seite 371
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. November 1907, Seite 371
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehranſtalt 1 · Gemeindeſchule · Schule und Haus
der christlichen Lehre.
371
8 er .„TutheranetE
x reden, lesen, schreiben, rechnen und dergleichen lernen, so sollen
sie auch eine sorgfältige, passende, andauernde geistliche Er⸗
nährung, Unterweisung und übung im Wort des SErrn an⸗
venden, damit der neue Mensch in ihren Kindern erstarken
und aufwachsen kann, damit ihre Kinder auch hier ihr voll⸗
kömmlich männlich Alter erreichen, sich nicht mehr wiegen
und wägen lassen von allerlei Wind der Lehre und damit sie
1 vollkommen werden, zu allem guten Werk geschickt, Eph. 4, 13 f.;
2 Tim. 3, 17.
Das Kind ist so von Gott geschaffen, daß nicht nur sein
leiblicher Aufbau, sondern auch sein geistiges und geistliches
Wachstum nur durch ein sorgfältiges, geduldiges, anhaltendes
Ernährt⸗ und Geübtwerden erzielt werden kann. So klar das
für jedermann ist in bezug auf den Leib und in bezug auf die
geistige Ausbildung in rein weltlichen Wissenszweigen, so klar
muß das allen Christen sein in bezug auf den Unterricht in
Darum lautet die alttestamentliche
Weisung: „Diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu
Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern schärfen und
davon reden, wenn du in deinem Hause sitzest oder auf dem
Wege gehest, wenn du dich niederlegest oder aufstehest“, 5 Mos.
6, 6 f. Man beachte das tägliche, unablässige Einschärfen.
Darum sagt St. Petrus alten und jungen Christen: „Seid
gierig nach der vernünftigen lautern Milch, als die jetzt ge⸗
bornen Kindlein, auf daß ihr durch dieselbige zunehmet“,
1 Petr. 2, 2. Hier wird gerade die geistliche Ernährungsweise
und das geistliche Wachstum mit dem des Leibes verglichen.
Indem nun aber christliche Eltern ihre Kinder so leiblich,
geistig und geistlich aufziehen und aufnähren, biegen die Kin⸗
der beständig, bald links, bald rechts, vom rechten Wege ab.
Und da soll die Zucht und Vermahnung einsetzen. Aber nicht
eine Zucht und Vermahnung, die die Kinder zum Zorn reizt,
nicht ein zorniges, unbarmherziges Schlagen oder beständiges
Nörgeln und Schelten, das die Kinder schüchtern macht, oder
erbittert und mit heimlichem Haß gegen den Erzieher erfüllt,
sondern Zucht und Vermahnung des SErrn soll es sein. Es
soll eine Weise der Erziehung sein, wie sie der HErr anwendet
bei der Erziehung seiner Kinder, seiner Christen, und die sich
alle seine Stellvertreter zum Vorbild nehmen sollen. Es ist
eine solche Zucht und Erziehung, die die Besserung des Kindes
erzielen, es dahin bringen will, daß es in den Wegen Gottes
wandelt. Und ebenso sollen die Kinder aufgezogen werden in
der Vermahnung oder Erinnerung oder Warnung des HErrn,
in einer Weise der Vermahnung, wie sie der HErr seinen Kin⸗
dern angedeihen läßt. Diese Zucht und Vermahnung setzt den
vorhin beschriebenen Unterricht in Gottes Wort voraus.
In und unter solcher Zucht und Vermahnung sollen die
Kinder aufwachsen. Ihre ganze Auferziehung soll in und
unter dieser Zucht und Vermahnung geschehen. Das fordert
Gott Eph. 6, 4 von den Eltern. Nur so können ihre Kinder
das gesteckte Ziel erreichen.
Wer nun aber erkennt und zugibt, daß Gott von ihm
fordert, seinem Kinde einen Unterricht in Gottes Wort zu geben,
der der täglichen leiblichen Ernährung des Kindes ähnlich ist,
und daß er sein Kind in und unter der Zucht und Vermahnung
des SErrn, des HErrn Christi, in christlicher Zucht aufwachsen
lassen soll, der muß auch erkennen und zugeben, daß er unter
unsern Verhältnissen dieser göttlichen Forderung in der Regel
nur mit Zuhilfenahme der Gemeindeschule einigermaßen nach⸗
kommen kann. Denn die Eltern sind in unserer Zeit fast
durchweg so mit dem leiblichen Ernährungsgeschäft ihrer Kinder
in Anspruch genommen, daß sie den geforderten Unterricht in
Gottes Wort, dazu auch in weltlichen Wissensgegenständen,
bloß überwachen und unterstützen, nicht aber selbst übernehmen
können.
Die Kirche kann mit Sonntagsschule, Konfirmandenunter⸗
richt und Christenlehre den Kindern wohl etwas Unterricht
erteilen, aber nicht den Unterricht, den Gott fordert, der der
leiblichen Ernährung des Kindes ähnlich ist. Von der öffent⸗
lichen Schule müssen christliche Eltern deshalb absehen, weil
da nicht nur das Hauptnahrungsmittel, das Wort des SErrn,
der tägliche Religionsunterricht, ganz fehlt, sondern auch die
Zucht und Vermahnung des SErrn nicht vorhanden ist. Was
ein Jahr ohne Frühling und ein Himmel ohne Sonne ist, das ist
eine Schule ohne Religionsunterricht und christliche Erziehung.
Die Gemeindeschule aber kann die Eltern kräftig unter⸗
stützen in der Erziehung ihrer Kinder, die Gott fordert, weil
die Kinder da täglich vom sechsten bis zum dreizehnten oder
vierzehnten Jahre neben andern Dingen in der christlichen
Lehre unterrichtet werden von Lehrern, die ebenso geschickt sind,
den Religionsunterricht zu erteilen, wie sie fähig sind, Schreib⸗
oder Leseunterricht zu geben, und weil da christliche Zucht und
Vermahnung, wie im Hause, so oft es not tut, geübt wer⸗
den kann.
Folgende Punkte wurden noch besonders von der Kon⸗
ferenz erwogen: Wollen wir unsere Schulen heben, so müssen
wir dafür sorgen, 1. daß das Haus mit der Schule arbeitet;
2. daß die Arbeit und Leitung unserer Schulen einheitlich ge⸗
staltet wird; 3. daß wir unsere Kinder ein Jahr länger, bis
zur Vollendung des vierzehnten Lebensjahres, in unsern Schu⸗
len behalten und unsern Lehrplan dementsprechend erweitern.
Die Konferenz beschloß einstimmig, ihren Gemeinden zu
empfehlen:
1. ihrem Schulkursus ein Jahr hinzuzufügen, zumal jetzt
die Gesetze unsers Staates von jedem Kinde verlangen, daß es
bis zur Vollendung des vierzehnten Jahres eine Schule besuche;
2. einen Schulsuperintendenten zu erwählen;
3. das Schuljahr nicht mehr zu Ostern, sondern vor den
großen Sommerferien zu schließen.
Ein Komitee wurde ernannt, das der Konferenz bei'ꝛihrer
nächsten Versammlung Vorschläge unterbreiten soll über das
Amt und die Befugnisse des etwa zu erwählenden Schulinspek⸗
tors, damit diese den Gemeinden vorgelegt werden können. —
Bedenken wir neben dem göttlichen Befehl den Schaden,
der durch die Vernachlässigung der Kinderzucht an den Seelen
der Kinder geschieht, und den großen Nutzen und die selige
Frucht der rechten Erziehung, so werden wir auch neben der
häuslich⸗kirchlichen die Gemeindeschulerziehung mit Eifer be⸗
treiben. J. F. B.
Einweihung des neuen Lehrgebändes unsers Lehrer⸗
seminars zu Seward.
Eine erhebende Doppelfeier durften wir durch Gottes
Güte am Donnerstag, den 31. Oktober, in Seward, Nebr.,
begehen, nämlich die Feier des Reformationsfestes, verbunden
mit der Einweihung des neuen Lehrgebäudes unsers Lehrer⸗
seminars daselbst. Die Feier der Einweihung fiel gar passend
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