Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 65, Nummer 11 › Seite 168
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Juni 1909, Seite 168
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Saufen 5
Nachrichten einlaufen. Die „Allgemeine Missionszeitschrift“ teilt
mit: Die Zahl der Christen vermehrt sich jährlich um Tausende,
Gemeinde auf Gemeinde entsteht, die Zahl der Schulen wächst in
erstaunlicher Menge, und die Organisation zu einer Gesamtkirche
ist im Gange. Die koreanischen Christen bauen nicht bloß die
Kirchen aus eigenen Mitteln und unterhalten ihre Schulen, son⸗
dern sie nehmen auch in der tätigsten Weise teil an der Ausbrei⸗
tung des Christentums, sind Zeugen ihres Glaubens und trachten
nach Vertiefung ihrer christlichen Erkenntnis. Bibelklassen sind
eingerichtet mit mehrwöchigem Kursus, zu denen, wie zu den
gottesdienstlichen Versammlungen, Männer und Frauen in Menge
sich einfinden. Ein Werk ist im Gange, das zu schönen Hoffnungen
berechtigt. L. F.
„Kirchenbasare“, so schreibt der japanesische Redakteur der
in Tokio erscheinenden imes, „gehören zu den wunderlichsten und
albernsten Formen westlicher Zivilisation, die nach Japan gebracht
worden sind. Es scheint auf den ersten Blick das Richtige zu sein,
daß Leute, die Geld brauchen, ihre Kirche zu reparieren oder eine
neue zu bauen, in ihre eigene Tasche greifen, das Nötige bezahlen
und es dabei bewenden lassen. Das ist aber zu vernünftig; die
wunderlichen Leute des Westens verlangen gebieterisch dabei
etwas, was Vergnügung genannt werden kann. Und in dieser
Hinsicht sind diese Basare ein interessantes Studium. Der Loko-
hama Union Church Bazaar vom letzten Sonnabend bot mehr
Vergnügung als ein Museum von Seltenheiten. Was sich alles
dabei zugetragen hat, würde hinreichend Material liefern für einen
Vortrag über wunderliche Sitten und Gebräuche eines wunder⸗
lichen Volkes.“ — So urteilt ein Heide über Basare, Fairs, Ver⸗
gnügungen ꝛc. zur Aufbringung von Geldern für kirchliche Zwecke
vom Standpunkt seiner Vernunft aus. Und Christen, die das
Wort Gottes haben als ihres Fußes Leuchte und ein Licht auf
ihrem Wege? L. F.
Die Rache der Christen. Der „Freimund“ berichtet: Auf
Sumatra, der großen hinterindischen Insel, wurden im Jahre 1834
die ersten protestantischen Missionare, welche aus Amerika dahin
gesandt waren, von den wilden Bataks ermordet und aufgefressen.
Die Mutter des einen dieser Ermordeten, die nur bedauerte, daß
sie nicht noch einen Sohn habe, der an Stelle des Ermordeten den
Bataks das Evangelium verkündigen könnte, betete von dem an
unablässig für dieses arme Heidenvolk. Und ihr Gebet ist reichlich
erhört worden. Denn jetzt hat die Barmer Mission unter diesem
Volk schon über 82,000 Christen gewonnen und hat 69 Missions⸗
arbeiter dort stehen, die auf 43 Haupt⸗ und 357 Nebenstationen
tätig sind. Auch in dem Dorf, dessen Bewohner damals die Blut⸗
tat begingen, wird jetzt das Evangelium verkündigt, und der Sohn
des Anführers jener Mordbande, ein achtzigjähriger Häuptling,
ist unter den Taufbewerbern. Das ist die Rache der Christen.
Aus Welt und Zeit.
Der Fluch der Trunksucht. Vor einigen Wochen stand in
den Zeitungen unter Kewanee, Ill., zu lesen: „Ohne irgendwelche
Begräbniszeremonien wurde die Leiche Albin Brodins, der sich
am Donnerstag das Leben nahm, nachdem er seine Frau und
Schwiegermutter erschossen hatte, beerdigt. Auf Wunsch des Va⸗
ters des Toten wurde eine halbgefüllte Branntweinflasche, die sich
nach dem Schießen in seiner Tasche fand, neben ihn in den rauhen
Sarg gelegt und mit ihm begraben.“ — Trunksucht, Mord, Selbst⸗
mord! Ja, die Sünde ist der Leute Verderben. L. F.
Um die Abstammung des Menschen vom Affen zu beweisen,
treibt man es ganz toll. Erst vor einigen Monaten ging durch
alle Blätter die Nachricht, daß der berüchtigte ungläubige Natur⸗
forscher Häckel in Jena nach seinem eigenen Zugeständnis Bilder
gefälscht hat, um die Darwinsche Abstammungslehre zu ver⸗
anschaulichen. Jetzt wird berichtet, daß man bei einer Ausgra⸗
bung in Chapelle⸗aux⸗Saints einen vorhistorischen Fund von
Schädeln gemacht habe, der nach dem Urteil des Direktors des
Pariser naturhistorischen Museums das von Darwin vermutete.
aber nicht gefundene Mittelglied (missing link) zwischen Affe und
Mensch (pithecanthropus) darstelle. Aus 80 Stücken hat man
einen Schädel zusammengestellt, und nun heißt es: „Dieser Schä⸗
del muß einem Wesen gehört haben, das noch nicht Mensch und
nicht mehr Affe war.“ Ja, warum denn „muß“? Weil man
durchaus vom Affen abstammen und die Schöpfung des Menschen
durch Gottes allmächtiges Wort wegleugnen will. „Da sie sich
für weise hielten“, sagt St. Paulus, „sind sie zu Narren worden“,
Röm. 1, 22. Vor mehreren Jahren hat man ebensoviel Geschrei
über einen Fund des Professors Selenka auf Java gemacht, und
nachträglich gestanden doch auch die ungläubigen Forscher zu, daß
er das gesuchte Mittelglied nicht gefunden hatte. Und so wird es
dem künstlich zusammengestellten Schädel, der bereits abgebildet
dargestellt wird, auch gehen. Aber selbst christlich sich nennende
Blätter machen hier weitgehende Zugeständnisse. Als man vor
einigen Monaten Darwins hundertjährigen Geburtstag feierte,
veröffentlichte die „Wartburg“, eine deutsch⸗evangelische Wochen⸗
schrift, von Pastoren redigiert und herausgegeben, einen Artikel
über ihn und sagte, daß zwar seine Erklärungsversuche der Ab⸗
stammungslehre zusammengebrochen, daß aber die Abstammungs⸗
lehre selbst heute im allgemeinen anerkann tes Gemeingut der
naturwissenschaftlichen Forschung geworden sei. überwunden sei
auch eine wörtliche Auffassung der Schöpfungsgeschichte auf dem
ersten Blatte der Bibel. Aber der Christ könne gleichwohl noch
mit Vater Luther sagen: „Ich glaube, daß mich Gott geschaffen
hat, samt allen Kreaturen.“ Denn es sei „einerlei, ob am Ende
seiner Ahnenreihe ein Adam und ein Erdenkloß, oder ein pithecan-
thropus (Affenmensch) und eine Urzelle stehe“. L. F.
Von schönen Pfingstliedern.
Ich habe zuweilen mir gesagt, wenn manches liebe Bibel⸗
wort erzählen könnte, was es erlebt hat in all den Jahrhunderten,
die es schon überdauert hat — ich will sagen: wie viele es unter⸗
wiesen, gestärkt, getröstet, gewarnt hat —, das müßte eine erbau⸗
liche Unterhaltung geben. Aber auch unsere schönen geistlichen
Lieder haben lehrreiche Erfahrungen gemacht. Bei einigen Pfingst⸗
liedern habe ich Anfrage gehalten und will euch von dem, was
mir berichtet worden ist, ein weniges wieder erzählen.
„Komm, Heiliger Geist, HErre Gott!“ ist ein ehrwürdiger
Patriarch unter den Pfingstliedern. Der erste Vers ist schon vor
Luther aus einem alten lateinischen Pfingstgebet übersetzt worden.
Luther hat zwei weitere Verse, des ersten würdig, hinzugefügt.
Dies Lied hat Leonhard Kayser in seiner Sterbensqual gebetet,
als er um der evangelischen Lehre willen durch den Bischof von
Passau im Jahre 1527 verbrannt wurde. Nachdem er vorher alle
Anwesenden inbrünstig gebeten hatte, sie möchten Fürbitte tun,
daß er in festem Glauben hinscheide, legte er sich getrost auf den
Scheiterhaufen. Nun bat er, daß die Umstehenden mit ihm singen
möchten: „Komm, Heiliger Geist, HErre Gott!“ Und als die
prasselnden Flammen ihre roten Arme um seinen Leib schlangen,
betete er:
Erfüll' mit deiner Gnaden Gut
Deiner Gläubigen Herz, Mut und Sinn,
Dein' brünstig' Lieb' entzünd' in ihn'n!
rief noch etliche Male: „JEsu, ich bin dein, mach' mich selig!“
und ging dort ein, wohin ihm so viele schon vorangewandert sind,
deren die Welt nicht wert war.
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