Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 65, Nummer 11 › Seite 169
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Juni 1909, Seite 169
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Mitteldinge 6 · Pfingſten
7 „* ** **
So ist auch das Pfingstlied „Nun bitten wir den Heiligen
Geist“, dessen ersten Vers Luther aus älterer Zeit herübergenom⸗
men und durch drei weitere Verse vermehrt hat, oft in Todesnot
gesungen worden. Von vielem sei hier nur eins erzählt: Im
N!ärz 1550 waren achtzig Fischer auf dem Eise vor Kopenhagen
beim Fischfang beschäftigt, als plötzlich das Eis brach und sie auf
der mehrere Fuß tief in die Flut einsinkenden Eisscholle fortgetrie⸗
ben wurden. Da sprach einer von den Fischern, der einst ein
Schüler des ersten evangelischen Bischofs von Seeland gewesen
war: „Liebe Brüder, laßt uns nicht in Verzweiflung fallen, weil
wir im Wasser umkommen müssen, sondern mit der Tat und
Wahrheit beweisen, daß wir nicht vergeblich Gottes Wort gehört
haben.“ So sangen sie dies Lied, in dessen erstem Vers es heißt:
Daß er uns behüte an unserm Ende,
Wenn wir heimfahr'n aus diesem Elende.
Danach sangen sie noch das Sterbelied „Mit Fried' und Freud'
ich fahr' dahin“. Dann teilte sich die Scholle; dreißig von den
Fischern gingen in einen seligen Tod.
übrigens wird dieses Pfingstlied empfohlen für das stille Ge⸗
bet nach dem Eintritt in das Gotteshaus; viele fromme Seelen
haben davon besonderen Segen gehabt.
„O Heil'ger Geist, kehr' bei uns ein“ ist von Michael Schir⸗
mer zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges gedichtet worden, und
zwar nach Jes. 11, 2, wo der Heilige Geist mit siebenfältigem
Namen gepriesen wird. Als im Jahre 1871 unmittelbar vor
Pfingsten in der sogenannten Höllenwoche vor Paris der Verzweif⸗
lungskampf zwischen den Aufrührern drinnen und den von draußen
bordringenden Truppen tobte und besonders der Stadtteil, in wel⸗
chem die Billetteskirche der Lutherischen liegt, den Bomben aus⸗
gesetzt war, so daß die Kirche selbst, in welche einige Familien sich
geflüchtet hatten, Schaden erlitt, wagte man doch, wenngleich in
kleiner Zahl, den Pfingstgottesdienst zu feiern, und sang andächtig:
O Heil'ger Geist, kehr' bei uns ein
Und laß uns deine Wohnung sein,
O komm, du Herzenssonne!
Wirklich war mit dem Pfingstfest der Aufstand niedergewor⸗
fen, und eine bessere Zeit begann.
„Zeuch ein zu meinen Toren“, eins der lieblichsten Pfingst⸗
lieder, ist bekanntlich von einem der trefflichsten unter allen luthe⸗
rischen Liederdichtern, von Paul Gerhardt. Im Ravensbergischen,
so wird uns erzählt, war ein Pfingstgemeindlein versammelt, um
sich Kraft aus der Höhe durch den Heiligen Geist zu erflehen. An
demselben Ort aber war eine Bande von Gottlosen, die ihre Freude
daran hatte, die Andacht der Frommen zu stören. Der wildeste
Bursche unter ihnen schlich sich ans Fenster des Hauses, wo die
Andächtigen versammelt waren, um seinen Genossen, wenn jene
recht mitten in ihrem Gebet sein würden, ein Zeichen zu geben,
worauf alle einen Heidenlärm beginnen wollten. Aber seine
Spießgesellen warteten vergeblich. Denn je länger er lauschte,
desto lieber lauschte er, desto mehr drang ihm zu Herzen, was dort
gesungen wurde. Und endlich wagte er es anzuklopfen und wurde
gern aufgenommen in eine Gemeinschaft, in der er ganz andere
Freude fand, als er in böser Gesellschaft gesucht hatte.
Fahre fort, lieber Leser, in solchen Erzählungen; frage deine
Erinnerung, ob sie nicht davon Zeugnis zu geben weiß, daß ein
geistliches Lied auch dir besondere Freude, Trost, Kraft, Stärkung
und Erquickung gegeben hat. Vielleicht erfährst du eben an diesem
Pfingstfest etwas davon, was ein Lied, das selbst eine Frucht des
Heiligen Geistes ist, einem Christenmenschen ins Herz singen kann.
Jedenfalls bitte und hoffe zu Gott, daß an dir sich bewähren möge,
was auch in einem Pfingstliede steht:
O Gott, o Geist, o Licht des Lebens,
Man harret deiner nie vergebens!
Gewagtes Spiel.
Der alte gottselige Magister Christian Scriber erzähll in
seinem Seelenschatz unter dieser überschrift folgendes: Der Magi⸗
strat zu Barcelona mußte einst schleunigst etliche Galeeren (Ruder⸗
schiffe) ausrüsten. Weil man keine Sklaven zu Ruderknechten
hatte, verfiel man auf ein sonderbares Mittel. Man stellte auf
dem Markt einen Spieltisch hin und forderte zum Spielen auf.
Wer gewann, erhielt eine ziemliche Summe Geldes; er verlor,
mußte auf die Galeere. So schrecklich der Galeerendienst ist, es
fanden sich doch genug Toren, die sich von dem Gewinne locken
ließen, und bald war die nötige Anzahl der Ruderknechte bei⸗
sammen. ‚
Scriver fügt hinzu: „Wie viele Menschen setzen leichtsinnig
ihre Seele aufs Spiel um irdischer Lust oder Gewinnes willen.“
Er hat leider recht. Um eines Augenblicks eitler Sinnenlust
oder, um ein Unrecht nicht einzugestehen, werfen auch jetzt, und
jetzt mehr als je, unselige Menschen ihrer Seele Seligkeit in die
Wagschale. Eine wegen eines geringen Diebstahls angeklagte
Frau verleitete einen Mann zum Meineid, der nun zu ihren Gun⸗
sten aussagte. Es half aber nichts, und beide mußten ins Zucht⸗
haus. „Wer viel wagt, gewinnt viel“, heißt ein Sprichwort, das
aber selten richtig ist. Nur wer auf Gott seine Einsätze macht und
in seinem Dienst und zu seiner Ehre alles daransetzt, der gewinnt.
„Wer sein Leben verlieret um meinetwillen, der wird's finden“,
sagt der HErr; wer aber nicht für ihn alles darangibt, der ist
sein nicht wert. Wer aber die ganze Welt gewönne in frevelhaft
gewagtem Spiele und nähme dabei Schaden an seiner Seele, der
hat nichts einzusetzen, um seine Seele wieder zu lösen. Darum:
„Ich will zu deinen Ehren alles wagen“, aber
Gib, daß ich hier alles nur achte für Kot
Und IEsum gewinne! Dies Eine ist not.
In des Satans Lotterie sind lauter Nieten; bei Gott kommt jeder
Einsatz mit dem Hauptgewinn heraus.
„Der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium
berufen.“
Weder du noch ich könnten immermehr etwas von Christo
wissen noch an ihn glauben und (ihn) zum HErrn kriegen, wo es
nicht durch die Predigt des Evangeliums von dem Heiligen Geist
würde angetragen und uns in Busen geschenkt. Das Werk ist
geschehen und ausgerichtet; denn Christus hat uns den Schatz er⸗
worben und gewonnen durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen.
Aber wenn das Werk verborgen bliebe, daß es niemand wüßte, so
wäre es umsonst und verloren. Daß nun solcher Schatz nicht be⸗
graben bliebe, sondern angelegt und genossen würde, hat Gott das
Wort ausgehen und verkündigen lassen, darin den Heiligen Geist
gegeben, uns solchen Schatz und Erlösung heimzubringen und
zuzueignen. (Luther, Großer Katechismus.)
Das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit.
Der Evangelist Johannes lehrt und gründet gewaltiglich im
Anfange seines Evangelii den hohen Artikel unsers heiligen christ⸗
lichen Glaubens, da wir glauben und bekennen, daß ein einiger,
wahrer, allmächtiger, ewiger Gott sei, doch daß in demselbigen
einigen göttlichen Wesen drei unterschiedliche Personen sind: Golt
der Vater, Gott der Sohn, Gott der Heilige Geist. Der Vater
zeugt den Sohn von Ewigkeit, der Heilige Geist geht aus vom
Vater und vom Sohn ꝛc. Daß also drei unterschiedliche Personen
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