Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 66, Nummer 11 › Seite 171

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 31. Mai 1910, Seite 171

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht

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Rer TutheraneSes

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In Rom sind seit dem Jahre 1870, als der Papst seine
weltliche Herrschaft an das geeinigte Königreich Italien verlor,
14 protestantische Kirchen gebaut worden. Denn mit dem Auf⸗
hören des päpstlichen Kirchenstaates erhielt der Protestantismus
dort freien Zutritt. Das ist freilich dem Papste durchaus nicht
recht, wie die bekannten neueren Vorfälle mit Fairbanks und
Roosevelt gezeigt haben. Von diesen 14 Kirchen gehören drei zur
englischen Staats- oder Episkopalkirche, eine ist presbyterianisch.
zwei sind methodistisch, vier baptistisch, eine waldensisch, eine ge⸗
hört zur sogenannten italienischen Freikirche und zwei zur preußi—
schen Landeskirche. Bis auf die zwei zuletztgenannten, die uniert
sind, gehören also alle dem reformierten Bekenntnis an. Die
luͤtherische Kirche ist in Rom leider noch nicht bertreten.

L. F.

In der südamerikanischen Republik Bolivia werden nach
einem neuerdings erlassenen Gesetze sämtliche Klöster geschlossen,
und den Mönchen und Nonnen von auswärts wird der Zutritt
in das Land verboten. Die Kirchengüter im Werte von etwa
80 Millionen Dollars fallen dem Staate zu. Dieser Schlag hat
die römische Kirche dort nicht unverdient getroffen. Wie ander—
wärts, so haben auch dort die Mönche und Nonnen das Land
förmlich ausgesogen. L. F.

Siege des Christentums. Als vor fünfzehn Jahren Missio⸗
nar Moffet nach Korea kam, wurde er bon den Bewohnern der
Stadt Pjönpjang gesteinigt. Einer davon war ein Mann namens
Jikipaung. Letzten Herbst wurden in der genaunten Stadt die
ersten christlichen Koreaner zum Predigtamt abgeordnet, und unter
diesen befand sich anch Jikipaung. L. F.

Auns Welt und Zeit.

über den Tod und seine Rätsel hielt kürzlich Geheimrat
Prof. Dr. Ewald in Berlin einen Vortrag. Er kam dabei auch
anf die Frage „Beerdigung oder Leichenverbrennung?“ zu sprechen
und wies wieder einmal nach, daß vom gesundheitlichen Stand—
punkt sich durchaus nichts gegen die Beerdigung einwenden lasse.
Die zahlreichen an verschiedenen Orten Deutschlands vorgenoni—
menen Untersuchungen hätten übereinstimmend bewiesen, daß die
Anwohner eines Kirchhofs in keiner Beziehung, auch nicht durch
das Trinkwasser, in ihrer Gesundheit geschädigt würden. — Die
eigentliche Triebfeder der meisten Befürworter der Leichenver⸗
brennung in Deutschland wie in Amerika ist die Feindschaft gegen
das Christentum und den christlichen Glaubensartikel von der
Auferstehung des Fleisches. Deshalb eifern sie gegen die biblische

und kirchliche Sitte des Begrabens und reden der Leichenverbren⸗

nung. der sogenannten Feuerbestattung, das Wort. Da sie aber
dabei immer auch die Gesundheitsschädlichksit des Begrabens als
einen Grund dagegen in den Vordergrund rücken, so ist zu merken,
daß dieser Grund nicht stichhält. L. F.
60,000 bis 70,000 Selbstmorde — so berichten deutsch⸗
ländische Blätter — komnien in Europa alljährlich zur Kenntnis
der Behörden, in Deutschland allein 14,.000. Je höher die Kul⸗
tur steigt und mit ihr der raffinierte Lebensgenuß, um so stärker
wird der Lebensüberdruß, und zwar geht diese traurige Zeitkrank—
heit herunter bis zum Lebensalter von zehn Jahren und noch
weniger. In Deutschland konmen auf eine Million Einwohner
jährlich 220 Selbstmorde, in Frankreich 225, in der Schweiz 221.
in Ssterreich 163, in England 87, in Norwegen 63, in Italien 56,
in Rußland 33, in Spanien 18. Während überall die Selbst⸗
mordziffer steigt, nimmt sie in Norwegen seit Jahven stetig ab,
eine Tatsache, die mit der erfolgreichen Bekämpfung der Trunk—
sucht durch gesetzliche WMaßnahmen imm Zusammenhang steht. Was
die Ursachen des Selbstmordes angeht, so ist die in den letzten

Jahrzehnten weitverbreitete Ansicht, daß der Selbstmord zumeist
auf Geisteskrankheit zurückzuführen sei, stark zurückgedrängt durch
die neueren wissenschaftlichen Untersuchungen. Die in jüngster
Zeit von Prof. Heller in Kiel vorgenommenen Sektionen von
300 Selbstmörderleichen ergaben das überraschende Resultat, daß
nur bei etwas über 5 Prozent Geisteskrankheit als Ursache des
Selbstmordes festgestellt werden konnte. Ebenso kam die bisher
so häufig als Grund des Selbstmordes angesehene Erblichkeit
wenig in Betracht. Dagegen wurde festgestellt, daß bei 47 Pro⸗
zent Alkoholmißbrauch die Selbstmordursache war, bei 24 Prozent
akute fieberhafte Krankheit. Nach den Untersuchungen von Prof.
Morselli sind in Deutschland sogar 56 Prozent aller Selbstmörder
Alkoholiker. — Diese Zahlen reden eine deutliche Sprache. „Die
Sünde ist der Leute Verderben.“ L. F.

Wider den Geist der Schwermut.

Lutherworte.

Ich will jetzt von keinem Schrecken noch Drohen hören oder
wissen; denn ich weiß, daß das meines HErrn Christi Wille und
Meinung nicht ist, denn er heißt mich und alle, die ihm ver—
trauen, getrost und guten Mutes sein.

Fall hin und her, verzweifle nur nicht und steh wieder auf!

Der böse Geist ist ein Geist der Traurigkeit und kann nicht
bleiben, wo ein Herz in Gott und seinem Wort fröhlich ist.

Das ist das Wahrzeichen, dabei der Teufel zu erkennen ist,
daß er allezeit seinen Stank hinter sich läßt. das heißt, ein blödes,
unruhiges, erschrockenes Gewissen macht. So machen auch alle
falschen Lehrer, welche ihres Meisters, des Teufels, Art an sich
haben, die Herzen nur irre, traurig und schwermütig, daß sie
einhergehen als verdüsterte Leute und das für ein köstliches,
geistliches Leben halten, wenn man dahertvandelt in einem
schwarzen Rock, den Kopf hängt, sauer sieht und sich traurig
stellt, daß man nie recht tröstliche Gedanken haben noch ein tröst—
liches Wort reden kann. Ein Christ aber hat auch bei viel
äußerem Leiden und Anfechtung ein getrost, fröhlich Herz zu Gott
und erwartet von ihm nur das Allerbeste.

Ihr müßt euch wahrlich dem Teufel widersetzen lernen und
nicht gestatten, daß er euch traurige Gedanken macht. Denn
wenn ihr einen einlaßt und zuhört, so treibt er so viel Gedanken
dem einen nach, bis er euch überwältigt hat. Darum nichts besser,
als flugs dem ersten auf die Schnauze geschlagen. Und wie jener
Ehemann tat: wenn seine Frau anfing zu nagen und beißen,
nahumer seine Pfeife aus dem Gürtel und pfiff getrost ein Lied—
lein; da ward sie's zuletzt so müde, daß sie ihn zufrieden ließ.
Also greift ihr auch ins Regal, oder nehint gute Gesellen und singt,
bis ihr ihn verspotten lernt. Denn wenn ihr könntet glauben,
daß solche Gedanken vom Teufel kämen, so hättet ihr schon ge—⸗
wonnen. Für Gott gibt es kein angenehmeres, lieblicheres Opfer
als ein fröhliches Herz, das sich in ihm freut.

Gott hat den Menschen zur Gefellschaft, nicht zur Einsamkeit
geschaffen. Diese letztere macht Schwermut und Traurigkeit.
Da fällt einem denn allerlei Böses ein, was Leib und Seele
schädlich ist, und man betrachtet auch nur das, was böse ist, mit
großer Aufmerksamkeit, und wenn einen etwa ein Unglück drückt
oder ängstigt, das malt man sich so schwer aus, daß nian auf
die Gedanken kommt, es sei kein Mensch so unselig wie wir, auch
keiner, mit dem es so rückwärts ginge, und nichts werde einen so
bösen Ausgang nehmen als eben das, was wir gerade anfangen
und vörhaben. Daher haben die Alten gesagt: Ein melancho—
lischer Kopf ist ein gefundenes Fressen für den Teufel.

Christus ist nicht der Mann, der die Herzen erschrecken oder
traurig und schlwwermütig machen will. Denn er ist eben dazu

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