Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 23 › Seite 178
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-07-10, Seite 178
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Loge · Loge 4 · Loge 6
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nien einzutreten, das ist schnurstracks dem Worte Gottes, und damit auch dem christlichen Gefühl und Gewissen zuwider, und wird auch wohl, so hoffe ich zu Gott, noch deinem Gewissen zu schwer werden, wenn du nur einmal ruhig und ernst die Sache vor deinem HErrn überlegst. Doch du sprachst von dem großartigen herrlichen Zwecke, den diese Gesellschaften haben, welcher ist denn der, oder ist der auch geheim?
C. Ich denke, den wirst du kennen, da wir ihn deutlich genug ausgesprochen haben und ihn auch wirklich bethätigen.
P. Ich habe Einiges davon in den Zeitungen gelesen, ich möchte ihn aber gern aus deinem eigenen Munde hören.
C. Des brauche ich mich wenigstens nicht zu schämen. Unser Zweck ist, das wirklich in der That auszuüben, welches das Christenthum als die heiligste Pflicht auflegt, ja als den eigentlichen vernünftigen Gottesdienst erklärt. Jac. 1, 27. Nemlich Liebe zu üben gegen arme hilfsbedürftige Brüder, namentlich gegen Kranke, Wittwen und Waisen. Und sollten auch kleine Unregelmäßigkeiten vorkommen für ein scrupulöses Gewissen professionirter Heiliger, so muß doch der Zweck als ein lobenswerther, echt christlicher, von aller Welt anerkannt werden.
P. Ich danke Gott, daß ich ein solch scrupulöses Gewissen habe, daß ich das, was klar in Gottes Wort verboten ist, nicht „kleine Unregelmäßigkeiten“ nennen und verschlucken kann, und überlasse solch Heldenthum gern andern starken Geistern, die dennoch am Ende wohl werden lernen müssen, daß Gottes Wort ihnen zu stark sein wird. Doch, um wieder auf die Hauptsache zu kommen: also das ist euer Zweck, armen hilfsbedürftigen Leuten zu helfen, namentlich Kranken, Wittwen und Waisen?
C. Ja! und kannst du dir einen heiligeren und christlicheren Zweck denken? Wahrlich in dieser kalten und liebeleeren Welt, wo die Christen noch wohl von Liebe schwatzen, aber Niemand Liebe übt, Jeder das Seine sucht, um seinen Nächsten sich aber nicht bekümmert, wo der kranke Arbeiter, weil sein täglicher Erwerb aufhört, auf seinem Krankenlager ohne Hülfeleistung verschmachten, und außer den körperlichen Schmerzen noch den Jammer einer hungernden Familie auf seinem Herzen lasten haben muß, oder wo die weinende Wittwe mit ihren wimmernden Würmlein über die Leiche ihres Mannes in eine trostlose Zukunft hinausstarrt, und ihren Blicken nichts, als abstoßende Kälte hartherziger Menschen, Noth, Hunger und Kummer begegnet, da tritt der Bruder wie ein Engel von Oben dem Trauernden entgegen, und tröstet den Kranken, die Wittwen und Waisen mit seiner herzlichen Theilnahme, nimmt den Kummer von ihrem Herzen, trocknet ihre Thränen, und was das Herrlichste ist, bringt in das erstarrte Menschenherz wieder den Glauben an die Menschheit! Ja —
P. Ich bitte dich, hast du noch ein Fünklein von Liebe in dir, so verschone mich mit dem höchstwiderlichen Liebesgeschwätz. Das kommt auch gar nicht aus deinem sonst so einfältigen wahrhaftigen Herzen heraus, sondern ist dir nur so von einem lobhudelnden Zeitungsartikel auf der Zunge kleben geblieben. Eben, weil ihr euch mit eurer „Liebe und Wohlthätigkeit“ so breit macht, und so gewaltig damit einherstolzirt, so bin ich von Anfang an sehr mißtrauisch dagegen gewesen, und bin recht froh, mich einmal recht gründlich über eure „Liebe und Wohlthätigkeit“ unterrichten zu können.
C. Und mir ist es lieb, endlich einmal Gelegenheit zu haben, deine Vorurtheile und dein strenges Richten der Brüder gründlich zu beschämen.
P. Wollen sehen, ob dir's gelingt. Vergiß nur nicht, daß du bisher meine Gründe aus der Schrift noch nicht widerlegt hast, und ich fürchte, hier wirst du auch nicht sattelfest sein.
C. Hier ist mir nicht bange! Hier sitz ich fest in Gottes Wort!
P. Welchem Gottes Wort?
C. Wie kannst du noch fragen! Ist nicht Liebe die Hauptsumma des Gebots? Ist das Christenvolk denn nach dem Willen JEsu Christi etwas anderes als Ein Brudervolk, Eine einige heilige Gemeinschaft von Kindern Gottes, aus Gott, der die Liebe ist, geboren, und eben deßwegen auch in der Liebe zu einander und zu aller Welt sich thätig erweisend als die Kinder des himmlischen Vaters?
P. Ist mir wunderlich, daß in „dieses heilige Brudervolk“ — aus Gott geboren — auch Juden und Türken, Ungetaufte und Christuslästerer aufgenommen werden können, die doch wohl nach 1 Joh. 2, 22. und 23. und 4, 2. 3. und 15. nicht aus Gott geboren sind, also auch wohl die rechte göttliche Liebe weder haben noch ausüben können. Aber angenommen, doch nicht zugegeben, es wäre so mit der Liebe, so kann ich doch noch nicht begreifen, daß man erst zu einer geheimen Gesellschaft gehen, ein „sonderbarer Bruder“, oder gar ein „rother Mann“ mit werden, und seine wunderliche Sprache und Sitten in den Versammlungen nachäffen muß, um „christliche Liebe“ zu üben. Mich deucht, das ließe sich doch auch wohl als ein simpler Christ üben! Haben vielleicht die Namen der Männer, oder der Indianerstämme, unter welchen die verschiedenen Logen aufgerichtet werden, solche Zauberkraft, diejenigen mit der Liebe anzufüllen, die früher keine gehabt haben? Oder sind's die Schürzen, Bänder, Fahnen, Musik, und der Lärmen, der sich namentlich Sonntags bei Begräbnissen durch die Straßen zieht, die der Seele den gehörigen Aufschwung geben „christliche Liebe“ zu üben?
C. In der Vereinigung liegt die Macht! Was Einzelne für sich nicht können, wird ihnen leicht, wenn sie ihre Kräfte zusammen werfen; daß aber eine zu gleichem Zweck vereinigte Gesellschaft unschuldige Ceremonien und Zeichen hat, durch welche sie eben als eine Gemeinschaft sich kund thut nach Innen und Außen, wirst du natürlich und in der Ordnung finden.
P. Mag sein, mein lieber Carl, obgleich du doch wahrlich gestehen mußt, daß die christliche Liebe in der heiligen Schrift eben nicht mit Pauken und Trompeten und Fahnen abgebildet wird (Matth. 6, 2.), wohl aber züchtig und bescheiden, und sehr im Verborgenen wirkend. Das bringt aber vielleicht die Aufklärung des neunzehnten Jahrhunderts so mit sich, und die tiefere theologische Einsicht in die Worte der Schrift, „daß die linke Hand bei Almosengeben nicht wissen soll, was die Rechte thut“.
C. Nun, man soll doch auch sein Licht leuchten lassen!
P. Das muß ein wunderliches Licht sein, wenn man die Leute erst mit der Nase darauf stoßen muß, damit sie es sehen! — Doch wir wollen das gut sein lassen. Du sagst mit Recht, daß in der Vereinigung die Macht liegt. Bist du denn aber nicht schon durch die heilige Taufe in solche heilige, und durch Gott und vor Gott mächtige Gemeinschaft eingeführt, der du unter Gott alles verdankst, was dich zum geistigen Leben, also auch zur rechten christlichen Liebesthätigkeit tüchtig macht? Bist du nicht ein Glied der christlichen Kirche? Hast du nicht durch die heilige Taufe, als das Bad der Wiedergeburt, die Gnade von Gott gekriegt, lieben zu können, und zugleich das Gelübde gethan, ein Nachfolger Gottes zu sein, wie sein liebes Kind, und in der Liebe zu wandeln, und Liebe zu üben, gleich wie Gott die Liebe ist?
C. Ja gewiß! Und ich freue mich, daß ich nun in den Stand gesetzt bin, in Gemeinschaft mit gleichgesinnten Brüdern auf eine großartige Weise Liebe und Wohlthätigkeit üben und so meinem Taufgelübde besser, als bisher, nachkommen zu können!
P. Wie? wenn du auch hierin aufs Schändlichste gegen dein Taufgelübde sündigtest?
C. Gott bewahre mich! Wie willst du das beweisen?
P. Ich denke, ganz einfach! Erinnerst du dich noch unsers alten Bekannten, Wilhelm H..?
C. Ganz gut, was ist's mit dem?
P. Du weißt doch, daß ihn der Kaufmann H... als ein Findelkind in sein Haus aufgenommen, als er in Schmutz und Dreck umkommen wollte, er hat ihn, wie du weißt, wohl erzogen, ihn wie sein eigen Kind gehalten, ihm seinen eignen Familiennamen beigelegt, und ihn mit so reichlichem Vermögen und Credit ausgestattet, daß er ein eignes großes Handelsgeschäft anfangen konnte. Ich habe nun eben Briefe aus der Heimath erhalten, daß der alte Kaufmann H... in die bitterste Armuth versunken ist, und das hauptsächlich durch das Handelshaus Br...
C. Wie ist das möglich? Das alte Haus stand ja nach der öffentlichen Meinung so fest, daß sein Fall unmöglich schien, und das Haus Br... trieb ja zu unserer Zeit so kleinliche Geschäfte, daß es kaum der Rede werth war.
P. Ja so war es; indessen durch treulose Diener und betrügerische Schuldner fing endlich das
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nies to enter, that is directly contrary to the Word of God, and thereby also to Christian feeling and conscience, and will also, I hope to God, yet become too heavy for your conscience, if only you will once calmly and earnestly consider the matter before your LORD. But you spoke of the grand and glorious aim which these societies have; what, then, is it, or is that also secret?
C. I think you will know it, since we have declared it plainly enough and also actually carry it out.
P. I have read something of it in the newspapers, but I should like to hear it from your own mouth.
C. At least I need not be ashamed of that. Our aim is to practice in actual deed that which Christianity lays upon us as the most sacred duty, yea, declares to be the true reasonable service of God. James 1, 27. Namely, to practice love toward poor brethren in need of help, especially toward the sick, widows, and orphans. And should some small irregularities occur, to the scrupulous conscience of professional saints, yet the aim must be recognized by all the world as a praiseworthy and genuinely Christian one.
P. I thank God that I have such a scrupulous conscience that I cannot call what is plainly forbidden in God's Word "small irregularities" and swallow it down, and I gladly leave such heroism to other strong spirits, who nevertheless in the end will probably have to learn that God's Word will be too strong for them. But, to return to the main point: so that is your aim, to help poor people in need, especially the sick, widows, and orphans?
C. Yes! and can you conceive of a holier and more Christian aim? Truly, in this cold and loveless world, where Christians still prate of love, but nobody practices love, everyone seeks his own, but concerns himself not about his neighbor, where the sick workman, because his daily earnings cease, must languish upon his sickbed without any assistance, and besides his bodily pains must bear upon his heart the misery of a hungering family, or where the weeping widow with her whimpering little ones stares over the corpse of her husband into a cheerless future, and meets with nothing in her sight but the repelling coldness of hard-hearted men, want, hunger, and sorrow, there the brother steps up like an angel from above to the mourner, and comforts the sick, the widows and orphans with his hearty sympathy, takes the sorrow from their hearts, dries their tears, and, what is most glorious, brings back into the benumbed human heart faith in mankind! Yes —
P. I beg you, if you have still a spark of love in you, spare me this most disgusting prattle about love. It does not come out of your otherwise so simple and truthful heart at all, but has merely stuck to your tongue from some fulsomely flattering newspaper article. Precisely because you make so broad a show with your "love and benevolence," and strut about so mightily with it, I have from the beginning been very distrustful of it, and am quite glad to be able once to inform myself thoroughly about your "love and benevolence."
C. And I am glad finally to have an opportunity to put your prejudices and your severe judging of the brethren thoroughly to shame.
P. Let us see whether you succeed. Only do not forget that you have not yet refuted my arguments from Scripture, and I fear that here also you will not be firm in the saddle.
C. Here I am not afraid! Here I stand fast in God's Word!
P. In which God's Word?
C. How can you still ask! Is not love the sum of the commandment? Are the Christian people, according to the will of JESUS Christ, anything other than One brotherhood, One united holy communion of children of God, born of God, who is love, and for that very reason also showing themselves active in love toward one another and toward all the world as the children of the heavenly Father?
P. It strikes me as strange that into "this holy brotherhood" — born of God — Jews and Turks also, the unbaptized and blasphemers of Christ, can be received, who, according to 1 John 2, 22. and 23. and 4, 2. 3. and 15., are surely not born of God, and therefore surely can neither have nor exercise the true divine love. But granted, though not conceded, that it were so with the love, yet I still cannot comprehend that one must first go to a secret society, become a "peculiar brother," or even a "red man" as well, and ape his strange language and customs in the assemblies, in order to practice "Christian love." It seems to me that this might also very well be practiced as a plain Christian! Perhaps the names of the men, or of the Indian tribes, under which the various lodges are set up, have such magic power to fill with love those who formerly had none? Or is it the aprons, ribbons, banners, music, and the din which, especially on Sundays at burials, moves through the streets, that give the soul the proper impulse to practice "Christian love"?
C. In union lies the power! What individuals cannot do by themselves becomes easy for them when they throw their strength together; and that a society united for the same purpose has innocent ceremonies and signs by which it makes itself known as a community, inwardly and outwardly, you will naturally find proper and in order.
P. That may be, my dear Carl, although you must truly confess that Christian love is not depicted in Holy Scripture with kettledrums and trumpets and banners (Matt. 6, 2.), but rather as chaste and modest, and working in great secrecy. But perhaps the enlightenment of the nineteenth century brings this with it, and the deeper theological insight into the words of Scripture, "that the left hand is not to know in giving alms what the right hand doeth."
C. Well, one ought also to let one's light shine!
P. That must be a strange light, if one must first push people's noses against it so that they see it! — But let us leave that. You say rightly that in union lies the power. But have you not already been introduced by holy Baptism into such a holy community, mighty through God and before God, to which under God you owe everything that makes you fit for the spiritual life, and therefore also for true Christian works of love? Are you not a member of the Christian Church? Have you not through holy Baptism, as the washing of regeneration, received from God the grace to be able to love, and at the same time made the vow to be a follower of God as His dear child, and to walk in love, and to practice love, even as God is love?
C. Yes, certainly! And I rejoice that I am now put in a position, in fellowship with like-minded brethren, to practice love and benevolence in a grand manner, and so to be able to fulfil my baptismal vow better than hitherto!
P. How? if you were sinning even in this most shamefully against your baptismal vow?
C. God forbid! How will you prove that?
P. I think, quite simply! Do you still remember our old acquaintance, William H..?
C. Quite well; what about him?
P. You know, do you not, that the merchant H... took him into his house as a foundling, when he was about to perish in filth and dirt; he reared him well, as you know, kept him as his own child, gave him his own family name, and furnished him with so ample means and credit that he could begin a large business of his own. Now I have just received letters from home that the old merchant H... has sunk into the bitterest poverty, and that chiefly through the commercial house of Br...
C. How is that possible? The old house stood, according to public opinion, so firm that its fall seemed impossible, and the house of Br... did in our time such petty business that it was hardly worth mentioning.
P. Yes, so it was; but through faithless servants and fraudulent debtors the