Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 23 › Seite 181

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-07-10, Seite 181

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften 10 · Beruf des Paſtors 12 · Gemeindeverſammlung 5 · Gottesdienſt 3 · Kirchenzucht 2 · Vorſteher. 221¹¹⁷ · Zeremonien 3 · Zeremonien 4 · Saufen 9

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3. Kam zur Sprache:

Ob es recht sei, wider den Willen der Gemeinde oder eines Theiles derselben, gewisse Ceremonien einzuführen, und ob diejenigen sündigen, welche in den Gemeindeversammlungen, wo dergleichen Mitteldinge besprochen werden sollen, wiederholentlich nicht erscheinen?

Geantwortet: Daß man in ceremoniellen Sachen nicht ohne die Gemeinde handeln, mit den Schwachen Geduld haben und das Hauptaugenmerk nicht sowohl auf eine schöne äußere Einrichtung des Gottesdienstes, als auf das reine Wort Gottes richten solle, da, wenn dieses recht gehandhabt wird, auch das Uebrige folgen werde.

4. Wurde gefragt:

Ob man darauf dringen solle, daß überall dieselben Agenden eingeführt und solche unabänderlich auf alle spätere Zeiten beibehalten werden?

Antwort: Man soll die Gewissen nicht binden durch Menschengebote, so gut solche auch sein mögen; weßhalb denn auch die Frage mit Nein zu beantworten.

5. Auf die Frage:

Wie ein Prediger, der einen zeitweiligen Beruf von seiner Gemeinde annahm, sich zu verhalten, wenn dieselbe sich nicht davon abbringen lassen will, daß ihr Prediger gemiethet, und also ihr Knecht sei?

wurde geantwortet: daß der Gemeinde die Bedingungen vorzulegen seien, unter welchen allein man Prediger bei ihr bleiben könne, und wenn sie darauf nicht eingehen wolle, sei die Gemeinde so bald als möglich zu verlassen.

6. Wurde Aufschluß darüber erbeten:

Ob ein Pastor von Amtswegen den Gemeindeversammlungen beiwohnen solle und ob er Stimme bei denselben habe?

und erwidert: daß er solches Recht nach dem Worte Gottes habe, welches ihn ausdrücklich einen „Vorsteher“ nennt, weßhalb denn auch die Gemeinde ohne ihn nichts thun dürfe.

7. Daran reihte sich die Frage:

Ob ihm bei der Vorsteher-Wahl eine Mitwirkung zustehe?

welche dahin beantwortet wurde: daß ihm nicht schlechtweg nur eine Stimme dabei gebühre, sondern sogar die Entscheidung, hauptsächlich deßhalb, weil er die Verantwortlichkeit vor Gott für die ihm anvertraute Gemeinde habe.

8. Geschah die Frage:

Ob es zuzulassen, daß in unseren Gemeinden Aelteste oder Diaconen angestellt werden?

Geantwortet: daß dies zwar geschehen könne, aber das Diaconen-Amt ꝛc. nie als ein solches angesehen werden dürfe, welches von Gott besonders eingesetzt und darum in einer Gemeinde nothwendig sei, auch die Seelsorge einem solchen Aeltesten ꝛc. nicht übertragen werden solle, weil dies mit dem Amte dessen verbunden sein muß, der am Wort und an der Lehre arbeitet.

9. Darauf wurde angefragt in Hinsicht der Kirchenzucht.

Es kommt zum Oeftern der Fall vor, daß Laien die Bestrafung ihres Nächsten, den sie sündigen sehen, unterlassen, weil sie fürchten, derselbe würde ihre Bestrafung nicht annehmen. Da wird dann oft dem Prediger zugemuthet, an ihrer Statt das Strafamt zu übernehmen, und die Frage ist:

Darf der Prediger darauf eingehen?

Geantwortet: Nein! er soll vielmehr den, der ihm die Anzeige macht, anweisen, daß er den Nächsten zuvor selbst strafe, und wenn dieser dann nicht Buße thut, noch zwei oder drei Zeugen zu sich nehme, damit auch diese das Ihre versuchen. Erst wenn solches Verfahren nichts gefruchtet hat, darf dem Prediger die Anzeige geschehen, damit solcher dann als öffentlicher Beamter und im Namen der Gemeinde einschreite. — Der Gemeinde die Anzeige von dem Geschehenen zu machen, ist des Predigers Sache; darum soll sich der Laie auch stets an diesen und nicht an die erstere direct wenden, wenn die dritte Stufe der Ermahnung nöthig wird.

Doch ist die Stelle Matth. 18, 15—17. da nicht anzuwenden, wo ein öffentliches Aergerniß gegeben worden; es soll in solchen Fällen der Sünder sogleich öffentlich gestraft werden, und bereut er seinen Fehltritt, gelobt auch Besserung, so muß er vor der Gemeinde öffentlich Abbitte thun, wenn er in der Gemeinde verbleiben oder zum heiligen Abendmahle zugelassen werden will, damit sich Niemand seinetwegen ärgere.

10. Das gab denn zu der Frage Veranlassung:

Wie mit einem solchen offenbaren Sünder (z. B. Trunkenbold) zu verfahren, der auf wiederholte Bestrafung wiederholt Besserung gelobt, dennoch aber von seinem gottlosen Wesen nicht gelassen habe?

und der Bescheid war: daß ein solcher von der Gemeinde ausgeschlossen werden müsse; worauf

11. die fernere Frage folgte:

Ob ein Prediger seine Gemeinde verlassen dürfe, wenn diese offenbare, beharrliche Sünder nicht ausschließen wolle?

welches mit Nein! beantwortet wurde. Der Prediger soll in solchen Fällen nur sein Gewissen dadurch bewahren, daß er den böswilligen Sündern das heilige Abendmahl entschieden verweigert, der Gemeinde das Wort Gottes lauter und rein predigt und namentlich dieselbe wegen ihrer Lauheit in Ausübung der Kirchenzucht öffentlich straft.

Sollte jedoch solche Gemeinde ihren Prediger zwingen wollen, gegen Gottes Wort zu handeln, so muß er sein Amt allerdings aufgeben.

12. Die Frage:

Ob es rathsam sei, von den Laien, die sich zu unseren Gemeinden halten wollen, das ganze Concordienbuch unterschreiben zu lassen?

wurde dahin entschieden: daß es genüge, wenn solche neue Glieder die Augsburgische Confession und den kleinen Katechismus Luthers unterzeichneten, da sie ja sonst auch leicht etwas unterschreiben würden, was sie nie gelesen, und weil sie leicht später darüber in Gewissensnoth kommen könnten.

Dieß waren die hauptsächlichsten Punkte, welche in heutiger Conferenz besprochen wurden; daneben fand eine Mittheilung der gegenseitigen, zum Theil sehr traurigen Amtserfahrungen von Seiten der Brüder statt. Möge Gott alles, was verhandelt worden, zur Lehre und Trost uns gereichen lassen. Ludwig W. Habel,
als Secretär.

Verhandlungen der Pastoralconferenz zu Fort Wayne, Ind.

Donnerstags, den 14. Juni 1849, Abends.

Zum Präses wurde erwählt Herr Pastor Dr. Sihler, zum Secretär Pastor Habel.

1. Wurden folgende Fragen aufgeworfen:

a. Ist hier Orts eine Gemeinde lutherisch zu nennen, welche zwar lutherischen Namen trägt, aber früher aus Unkunde Reformirte in ihre Mitte aufgenommen hat, welche, wiewohl sie zugestehen, daß unsere Lehre die rechte sei, doch nicht einsehen und eingestehen wollen, daß die reformirte Lehre deßhalb falsch sein müsse, und wenn diese aus dem Grunde nicht ohne weiteres von der Gemeinde hinausgewiesen werden können, weil die erwähnten Glieder ein gewisses Stimmrecht in der Gemeinde erlangt haben?

b. Darf man solche Reformirte als stimmberechtigte Gemeindeglieder anerkennen? und

c. Darf man sie zum heiligen Abendmahle zulassen?

Geantwortet: a. daß eine solche Gemeinde, wenn sie nicht etwa von ihrem Pfarrer verlange, daß er diesen Reformirten das heilige Abendmahl reiche — zwar lutherisch zu nennen, der beregte Umstand aber als ein Gebrechen anzusehen; b. daß solche Glieder, welche die reformirte Kirche nicht als eine falsche erkennen wollen, wiewohl sie die lutherische Lehre als recht annehmen, nicht stimmberechtigt sein könnten, und c. daß sie zum heiligen Abendmahle nicht zuzulassen.

Man konnte sich nemlich nicht davon überzeugen, daß solche Seelen, die die lutherische Lehre für die rechte anerkennen, aber doch die reformirte nicht als falsch verwerfen wollen, eine gründliche Erkenntniß haben könnten; man mußte vielmehr der Vermuthung Raum geben, daß, wenn solche darum anhielten, sie für Glieder unserer Gemeinde anzuerkennen, dies in der Regel nur wegen irdischer Vortheile geschehe, wie auch die Erfahrung schon mehrfach erwiesen. Ihr anhaltendes Bitten wäre daher weiter nichts, als „ein Sich-eindrängen in eine Gemeinde, an welcher sie keinen Antheil hätten“. Darum solle man sie gründlich belehren und falls sie dann sich unter Gottes Wort doch nicht beugen, namentlich auch eine rein lutherische Constitution nicht unterschreiben wollen — ihnen erklären, daß sie aller Anrechte an die Gemeinde sich selbst begeben haben.

2. Wurde Aufschluß darüber begehrt:

Ob ein Prediger mit gutem Gewissen seine Gemeinde verlassen dürfe, wenn solche

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3. Came up for discussion:

Whether it is right to introduce certain ceremonies against the will of the congregation or of a part of it, and whether those sin who repeatedly fail to appear at the congregational meetings where such matters of indifference are to be discussed?

Answered: That in ceremonial matters one should not act without the congregation, should have patience with the weak, and should direct the chief attention not so much to a fine outward arrangement of divine service as to the pure Word of God, since, if this is rightly handled, the rest will follow also.

4. It was asked:

Whether one should insist that the same Agenden be introduced everywhere and be retained unalterably for all later times?

Answer: One should not bind consciences by commandments of men, however good such may be; wherefore the question is also to be answered with No.

5. To the question:

How a preacher who has accepted a temporary call from his congregation should conduct himself, if the same will not be dissuaded from the notion that its preacher is hired, and thus is its servant?

it was answered: that the conditions should be laid before the congregation under which alone a preacher can remain with it, and if it will not agree to these, the congregation is to be left as soon as possible.

6. Information was requested on this:

Whether a pastor should by virtue of his office attend the congregational meetings, and whether he has a vote in them?

and it was replied: that he has this right according to the Word of God, which expressly calls him a "ruler," wherefore also the congregation may do nothing without him.

7. To this was joined the question:

Whether he has a part to take in the election of a ruler?

which was answered to this effect: that not merely a vote in it is due him, but even the decision, chiefly because he bears the responsibility before God for the congregation entrusted to him.

8. The question was put:

Whether it is to be permitted that elders or deacons be appointed in our congregations?

Answered: that this may indeed be done, but the office of deacon, etc., must never be regarded as one specially instituted by God and therefore necessary in a congregation, nor should the care of souls be committed to such an elder, etc., because this must be joined with the office of him who labors in the Word and doctrine.

9. Thereupon an inquiry was made with regard to

church discipline.

It happens frequently that laymen omit to rebuke their neighbor, whom they see sinning, because they fear that he would not accept their rebuke. Then the preacher is often expected to undertake the office of rebuking in their stead, and the question is:

May the preacher consent to this?

Answered: No! He should rather direct the one who makes the report to him to rebuke his neighbor himself beforehand, and if the latter then does not repent, to take with him yet two or three witnesses, that these also may make their attempt. Only when such a procedure has borne no fruit may the report be made to the preacher, that he may then proceed as a public officer and in the name of the congregation. — To make report to the congregation of what has happened is the preacher's business; therefore the layman should also always turn to him and not directly to the congregation, when the third step of admonition becomes necessary.

Yet the passage Matt. 18, 15—17. is not applicable where a public offense has been given; in such cases the sinner is to be rebuked publicly at once, and if he repents of his misstep and also promises amendment, he must make public apology before the congregation, if he wishes to remain in the congregation or to be admitted to the Holy Supper, that no one may be offended on his account.

10. This gave occasion for the question:

How is one to deal with such a manifest sinner (e. g., a drunkard) who, upon repeated rebuke, has repeatedly promised amendment, yet has not ceased from his ungodly way?

and the decision was: that such a one must be excluded from the congregation; whereupon

11. the further question followed:

Whether a preacher may leave his congregation if it will not exclude manifest, persistent sinners?

which was answered with No! The preacher is in such cases only to keep his conscience clear by decidedly refusing the Holy Supper to the wilfully wicked sinners, by preaching the Word of God to the congregation clearly and purely, and in particular by publicly rebuking it for its lukewarmness in the exercise of church discipline.

Should, however, such a congregation wish to compel its preacher to act against God's Word, then he must by all means give up his office.

12. The question:

Whether it is advisable to have the laymen who wish to attach themselves to our congregations subscribe the entire Book of Concord?

was decided to this effect: that it suffices if such new members subscribe the Augsburg Confession and Luther's Small Catechism, since otherwise they would easily subscribe something they never read, and because they might easily afterward come into distress of conscience over it.

These were the principal points which were discussed in today's conference; besides this there took place a communication of the brethren's mutual, in part very sad, experiences in office. May God let all that has been transacted turn to our instruction and comfort. Ludwig W. Habel,
as Secretary.

Proceedings of the Pastoral Conference at Fort Wayne, Ind.

Thursday, the 14th of June 1849, evening.

Pastor Dr. Sihler was elected Chairman, Pastor Habel Secretary.

1. The following questions were raised:

a. Is a congregation in this locality to be called Lutheran which indeed bears a Lutheran name, but formerly, through ignorance, received into its midst Reformed persons who, although they concede that our doctrine is the right one, yet will not perceive and admit that the Reformed doctrine must therefore be false, and if these cannot without further ado be put out of the congregation, for the reason that the members mentioned have acquired a certain right to vote in the congregation?

b. May one recognize such Reformed persons as voting members of the congregation? and

c. May one admit them to the Holy Supper?

Answered: a. that such a congregation, if it does not perhaps require of its pastor that he administer the Holy Supper to these Reformed persons — is indeed to be called Lutheran, but the circumstance mentioned is to be regarded as a defect; b. that such members as will not acknowledge the Reformed Church to be a false one, although they accept the Lutheran doctrine as right, could not be entitled to vote, and c. that they are not to be admitted to the Holy Supper.

For it was not possible to convince oneself that such souls, who acknowledge the Lutheran doctrine as the right one, but yet will not reject the Reformed as false, could have a thorough knowledge; rather one had to give room to the supposition that, if such persons made request to be recognized as members of our congregation, this occurred as a rule only on account of earthly advantages, as experience also has already repeatedly proved. Their persistent entreaty would therefore be nothing else than "an intruding into a congregation in which they have no share." Therefore one should instruct them thoroughly, and if they then still will not bow under God's Word, and in particular will not subscribe a purely Lutheran constitution, one should declare to them that they have themselves relinquished all claims upon the congregation.

2. Information was desired on this:

Whether a preacher may with a good conscience leave his congregation, if such