Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 26 › Seite 203
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-08-21, Seite 203
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selben Abend Gottesdienst halten wollte, und mein Brief kam erst an, nachdem ich bereits über eine Stunde dort gewesen war. Mein Wirth, eine treue, aufrichtige Seele, erzählte mir, wie die Methodisten schon längere Zeit regelmäßige Versammlungen veranstalteten, und daß ihre Predigt allen, die überhaupt noch nach Gottes Wort fragten (also auch ihm), sehr gefalle; doch sei noch Niemand völlig zu ihnen übergetreten. Dies führte uns natürlich auf die falschen Lehren der Methodisten, die er denn auch durch Gottes Gnade bald erkannte. „Aber“, meinte er, „was sollen wir machen? Wir sind noch zu arm, und unserer zu wenig, um einen lutherischen Pastor berufen zu können.“ Schnell legte ich meinen Löffel, mit dem ich eben mit großem Appetit eine Milchsuppe einschlürfte, zur Seite. Bestürzt fragte mich der Mann, was mir sei? worauf ich entgegnete, ich fürchte, ihn mit seiner Familie an den Bettelstab zu bringen, wenn sie nicht so viel hätten, daß ein Prediger göttlichen Wortes mit ihnen essen könnte. So schlimm, sagte er, sei es denn doch, Gott sei Dank! nicht; ich solle nur ruhig weiter essen. Sie hätten aber immer gemeint, unter 500 bis 600 Dollars jährlichen Gehaltes könnten sie keinen lutherischen Pastor bekommen (!) und ihrer seien wohl nur zwölf bis vierzehn, denen es ein rechter Ernst sei um Gottes Wort. Natürlich erwiderte ich ihm hierauf, wie es zwar eine schwere Sünde wider den HErrn sei, wenn die Leute nicht zur leiblichen Erhaltung ihres Seelsorgers ihr Möglichstes thäten; daß aber Gott auch das Wenige reichlich segnen könne und werde, und rechtschaffene Diener am Wort sich noch immer hätten begnügen lassen, wenn sie Nahrung und Kleider hatten. Da wurde der Mann herzlich froh und bat mich, das nothwendig den Leuten Mitzutheilende zu Papier zu bringen, und wollte er dann zu den von ihm als aufrichtig Erkannten herumgehen, ihnen die Sache ans Herz legen und gemeinschaftlich mit ihnen ein Gesuch um einen lutherischen Pastor einsenden. Aber das solle ich mir gesagt sein lassen, wenn wir ihnen einen ungläubigen Prediger zuwiesen, der würde die Reise umsonst machen, und ein gläubiger bekäme dort auch mit den Rationalisten einen schweren Kampf zu bestehen. Ueber ersteres beruhigte ich ihn zur Genüge und was den Kampf beträfe, so wüßten wir ja, daß ihn der HERR mit und für uns zu Ende führe. — Erst um 2 Uhr Nachts begaben wir uns zur Ruhe, deren ich nicht wenig bedürftig war. Gerne hätte ich den Bitten meines lieben Hauswirthes nachgegeben, noch einige Tage dort zu bleiben, um selbst mit mehren Andern zu sprechen, wenn nicht die in Chicago herrschende Cholera mich zur größten Eile angetrieben hätte. So mußte ich mich damit begnügen, ihn auf einen Besuch des Herrn Volkerts bei Gelegenheit seiner Vorbeireise zu vertrösten. Früh Morgens machte ich mich wieder auf die Füße, noch einige Meilen begleitet von jenem lieben Manne, der mir noch zum Abschiede sagte, wie er bei seiner Auswanderung von Deutschland gefragt worden sei, ob er des Weltlichen oder des Geistlichen wegen nach Amerika ginge? worauf er nur habe erwidern können, daß er sein Vaterland gewiß nicht verlasse, um Schätze dieser Welt zu sammeln; um des Geistlichen willen könne er auch nicht sagen, daß er auswandere: allein es dränge ihn mit Gewalt fort zur Uebersiedelung. „Sollte es mir jetzt mit Gottes Hülfe gelingen“, setzte er hinzu, „eine rechtgläubig lutherische Gemeinde zu Stande zu bringen, in der wir und unsere Kinder Gottes Wort hätten, so wäre ich denn doch nicht vergebens nach Amerika gekommen.“ Mit frohem Herzen, unter Lob und Preis Gottes, meines Heilandes, und heißem Flehen um Sein Gedeihen, eilte ich rüstigen Schrittes Sheboygan wieder zu, wo auch alsbald ein Dampfer mich aufnahm, der am nächsten Morgen mich nach Chicago brachte. Es war die höchste Zeit, daß ich wieder zu meiner lieben Gemeinde kam, weil auch in ihr jetzt die schreckliche Seuche wüthete. — Am nächsten Sonntag-Abend, Dom. VIII. p. Trin., fand in meiner Gemeinde, unter Assistenz der PP. Brauer und Hoffmann, die Ordination des Herrn Volkert statt, der am Dienstag darauf die Reise nach Calumet antrat. Gott schütze und segne ihn und sein Werk! Amen.
Die Adressen dieser beiden neuen Arbeiter im Weinberge des HERRN sind:
Rev'd. W. Stubnatzy, Coopers Grove P. O., Cook Co., Ill.
Rev'd. N. Volkert, Calumet Village P. O., Fond du Lac Co., Wisc.
(Eingesandt.)
Von dem amerikanisch-lutherischen und reformirten Gesangbuch.
Vierter Brief.
Lieber Jakob!
Wie ich das vorige Mal geendet habe, könnte ich gleich wieder anfangen und fortsetzen; aber ich will machen, daß ich zu Ende komme, Du könntest sonst verdrießlich werden und es gar nicht mehr lesen und ich hätte mich umsonst bemüht. Faß aber Deine Seele noch ein wenig in Geduld, es wird bald werden. Mit den „Sittenlehren“ will ichs fertig machen, daß wir zum letzten großen Schubfach kommen, um die Sachen auch da ein wenig zu besehen; sonst könntest Du denken, aufs Letzte käme erst das Beste und das wollte ich Dir nicht zeigen. Wir hätten freilich noch einige kleine Fächlein aufziehen sollen, um sie Dir mit ihrem Inhalt bekannt zu machen. Denn in dem großen Schubfach „von den Sittenlehren“ befinden sich wunderbarer Weise auch die Lieder „von den letzten Dingen“, die doch nach meinem dummen Verstande nicht unter die „Sittenlehren“ zu rechnen sind. Doch kehrte ich mich nicht daran, in welchem Fach sie wären, wenn nur etwas Lauteres und Kräftiges dahinter wäre, aber das ist leider auch nicht. Da singt man hie und da eben auch wieder von der Tugend, vom Verdienst und solchen Dingen, wie Du's nun oft genug gehört hast. Und insofern scheints allerdings richtig zu sein, daß diese Lieder auch ins Schubfach der „Sittenlehren“ gehören. —
Im letzten Fache nun findest Du die Lieder für „besondere Zeiten und Umstände“. Es zeigt sich aber, daß auch das Letzte nicht das Beste ist. Das kannst Du gleich an den Gewitterliedern sehen. Da braucht blos der „Sünder“ ängstlich zu werden, aber nicht der den „Schöpfer ehrt“, sondern dem gießt Donner und Blitz eine stille sanfte Ruhe in die Brust. — Man meint fast, der Fabrikant dieses Liedes will selber anfangen zu donnern und zu blitzen und alle Leute treffen, nur ihn und seines Gleichen nicht, weil er den „Schöpfer ehrt“. Von einem demüthigen Sündenbekenntniß ist da gar keine Rede. Da lies einmal die alten Wetterlieder, da klingts anders; wie demüthig und doch wie Glaubensvoll auf das Verdienst Christi lauten die alten Gesänge! So ist's mit dem Liede „in theurer Zeit“, Nro. 433; da ist kein Wort von wohlverdienter Strafe um der Sünde willen. Als käme eine theure Zeit ganz unverdienter Weise. Welch ein Hochmuth! — In den Liedern von Krankheit sagt Dir Nro. 449 gerade heraus, daß Du Deinen Lohn nach Deinen Leiden abmessen kannst.
Damit aber die Selbstgerechtigkeit, die Tugend und das eigene Verdienst doch ja auch auf die Kinder übergepflanzt werde, so ist treulich dafür gesorgt, da in Nro. 466 die Eltern unterwiesen sind über die Pflichten für ihre Kinder. Da ist alles drin, nur das Kindersprüchlein nicht: „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid; damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn“; und sonst auch nichts Aehnliches. So ist's auch mit den Schulgesängen. — Nun hätten wir's so kurz als möglich durchgegangen; aber ich bin doch noch nicht ganz fertig. Ich hab noch zwei Dinge daran zu tadeln, die ich bis jetzt noch gar nicht oder doch nur im Vorbeigehen berührt habe. Und diese sind 1., daß die alten Lieder, welche sich noch vorfinden und eigentlich den bessern Theil des Gesangbuchs ausmachen, bis auf sehr wenige, gänzlich entstellt und verändert sind, so daß fast alle Kraft und alles Leben ausgemerzt ist und ich mich nur wundern muß, daß die Liederverbesserer, oder Verböserer, so unverschämt sein konnten, und die Namen der lieben Alten dazu setzen. Hätten sie doch viel besser ihre eigenen Namen dazu gesetzt. Man ergrimmt manchmal im Geist, wenn man eine Vergleichung anstellt mit diesen und den alten. Und das schlimmste ist, daß die Leute noch meinen, es sei nicht viel Unterschied. — Der Unterschied ist aber in den Liedern gerade so, wie er in den Verfassern ist. Die Alten haben gedichtet und gesungen, wie sie geglaubt haben, und geglaubt haben sie einfältig an Gottes Wort. Das ist aber bei den neumodischen Pfuschern ganz anders, die haben einen neumodischen Glauben oder vielmehr Unglauben, darum mußten sie auch die Lieder nach der neuen Mode umschaffen und so verderben. Da mußte der Teufel aus solchen tugendhaften Gesellschaften weichen und alle Ausdrücke, die der „Tugend, der hohen Würde und dem Verdienste“ zu nahe kommen konnten, die durften natürlich nicht geduldet werden. Willst Du mir's aber nicht glauben, daß es so ist, so schlage nur nach die Nummern: 36. 59. 83. 87. 88. 125. 276. 289. 371.
English translation AI translation
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evening to hold divine service, and my letter arrived only after I had already been there more than an hour. My host, a faithful, sincere soul, told me how the Methodists had for some time been arranging regular meetings, and that their preaching pleased all who still asked at all after God's Word (therefore him also) very much; yet nobody had as yet gone over to them completely. This naturally led us to the false doctrines of the Methodists, which by God's grace he soon recognized. "But," said he, "what shall we do? We are still too poor, and too few of us, to be able to call a Lutheran pastor." Quickly I laid aside my spoon, with which I was just sipping up with great appetite a milk soup. Dismayed, the man asked me what was the matter? whereupon I replied that I feared I should bring him and his family to beggary, if they did not have so much that a preacher of the divine Word could eat with them. It was not so bad as that, he said, God be thanked! I should just go on eating quietly. They had always supposed, however, that for less than 500 to 600 dollars yearly salary they could not get a Lutheran pastor (!) and that of them there were perhaps only twelve to fourteen to whom God's Word was a real concern. Naturally I replied to him thereupon that while it was indeed a grievous sin against the LORD if the people did not do their utmost toward the bodily support of their pastor, yet God could and would richly bless even the little, and upright servants of the Word had always let themselves be content when they had food and raiment. Then the man became heartily glad and asked me to put down on paper what had necessarily to be communicated to the people, and he wished then to go around to those whom he knew to be sincere, to lay the matter upon their hearts, and jointly with them to send in a petition for a Lutheran pastor. But I should take this to heart, that if we assigned to them an unbelieving preacher, he would make the journey for nothing, and a believing one would have to endure a hard struggle there also with the Rationalists. About the former I reassured him sufficiently, and as to the struggle, we knew indeed that the LORD would carry it through to the end with and for us. — Not until 2 o'clock at night did we betake ourselves to rest, of which I stood in no small need. Gladly would I have yielded to the entreaties of my dear host to stay there some days longer, in order to speak myself with several others, had not the cholera raging in Chicago urged me to the greatest haste. So I had to content myself with putting him off with the prospect of a visit from Herr Volkert on the occasion of his passing through. Early in the morning I set out again on foot, accompanied for some miles by that dear man, who told me at parting how, at his emigration from Germany, he had been asked whether he was going to America for the sake of worldly or of spiritual things? whereupon he had been able to answer only that he was certainly not leaving his fatherland in order to gather the treasures of this world; for the sake of spiritual things he could not say either that he was emigrating: but he was driven by force to the removal. "If it should now succeed with God's help," he added, "in establishing a rightly believing Lutheran congregation, in which we and our children might have God's Word, then I should not have come to America in vain after all." With a glad heart, with laud and praise of God, my Savior, and with fervent supplication for His blessing, I hastened with vigorous steps back toward Sheboygan, where a steamer soon took me up, which brought me the next morning to Chicago. It was the highest time that I came again to my dear congregation, because the dreadful pestilence was raging in it also now. — On the next Sunday evening, Dom. VIII. p. Trin., the ordination of Herr Volkert took place in my congregation, with the assistance of Pastors Brauer and Hoffmann, and on the Tuesday following he began the journey to Calumet. God protect and bless him and his work! Amen.
The addresses of these two new laborers in the vineyard of the LORD are:
Rev'd. W. Stubnatzy, Coopers Grove P. O., Cook Co., Ill.
Rev'd. N. Volkert, Calumet Village P. O., Fond du Lac Co., Wisc.
(Contributed.)
On the American Lutheran and Reformed Hymn-Book.
Fourth Letter.
Dear Jacob!
As I ended the last time, I could begin again at once and go on; but I will see to it that I come to an end, else you might become vexed and no longer read it at all, and I should have taken pains in vain. But keep your soul yet a little in patience; it will soon be done. With the "Sittenlehren" I will finish it, so that we come to the last large drawer, to look at the things there also a little; otherwise you might think that the best came only at the last and that I did not want to show it to you. We should indeed have pulled out some small little drawers yet, in order to acquaint you with their contents. For in the large drawer "of the moral doctrines" there are found, wonderful to say, also the hymns "of the last things," which according to my dull understanding are certainly not to be reckoned among the "moral doctrines." Yet I did not mind in which drawer they were, if only something pure and powerful were behind them, but that, alas, is not so either. There one sings here and there likewise once more of virtue, of merit, and such things, as you have now heard often enough. And so far it seems indeed to be right that these hymns also belong in the drawer of the "moral doctrines." —
In the last drawer now you find the hymns for "special times and circumstances." But it appears that even the last is not the best. That you can see at once from the thunderstorm hymns. There only the "sinner" needs to become anxious, but not he who "honors the Creator," but to him thunder and lightning pour a still, gentle calm into his breast. — One almost thinks the manufacturer of this hymn wants to begin himself to thunder and to lighten and to strike all people, only not himself and his like, because he "honors the Creator." Of a humble confession of sins there is no talk at all. Read once the old weather hymns; there it sounds otherwise; how humble, and yet how full of faith in the merit of Christ the old songs sound! So it is with the hymn "in dear times" (in time of dearth), No. 433; there is not a word of well-deserved punishment for sin's sake. As if a time of dearth came quite undeservedly. What pride! — In the hymns on sickness No. 449 tells you straight out that you may measure your reward by your sufferings.
In order, however, that self-righteousness, virtue, and one's own merit may surely be transplanted also to the children, faithful provision is made for it, since in No. 466 the parents are instructed concerning the duties toward their children. Everything is in it, only the little children's verse is not: "Christ's blood and righteousness, that is my beauty and my glorious dress; therewith will I stand before God, when I shall enter into heaven"; and likewise nothing similar besides. So it is also with the school songs. — Now we would have gone through it as briefly as possible; but I am not quite finished yet. I have still two things in it to censure, which I have touched until now not at all or only in passing. And these are, 1st, that the old hymns, which are still found there and really make up the better part of the hymn-book, with very few exceptions are entirely disfigured and altered, so that almost all power and all life has been eradicated and I can only wonder that the hymn-improvers, or rather hymn-worseners, could be so shameless as to set the names of the dear old fathers to them. They had far better have set their own names to them. One grows wrathful at times in spirit when one makes a comparison of these with the old ones. And the worst is that people still think there is not much difference. — But the difference in the hymns is just as it is in the authors. The old fathers composed and sang as they believed, and they believed with simplicity in God's Word. But with the newfangled bunglers it is quite otherwise; they have a newfangled faith, or rather unbelief, therefore they also had to remodel the hymns according to the new fashion and so to spoil them. There the devil had to give way from such virtuous societies, and all expressions which could come too near "virtue, high dignity, and merit" were naturally not to be tolerated. But if you will not believe me that it is so, then just look up the numbers: 36. 59. 83. 87. 88. 125. 276. 289. 371.