Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 14 › Seite 109

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-03-05, Seite 109

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Engel

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gebe, und suchet hinfort wieder einzubringen, was ihr bisher versäumt habt. Schicket eure Kinder fleißig und ordentlich in die Schule, gebet euren Schulmeistern willig den sauer verdienten Lohn ihrer Arbeit, der sonst zu Gott schreiet, und lebet friedlich mit ihnen. So wird der Segen Gottes auf eurer Arbeit ruh'n; alles, was ihr thut, wird wohl gelingen, und ihr werdet an euern wohlgerathenen Kindern Ehre und Freude erleben. Gott gebe es um Christi willen! Amen.

Geschrieben zu Gießen, den 30. März 1733.

Luther über Kindererziehung.

Es ist nicht genug, daß Eheleute Kinder zeugen, sondern es ist auch nöthig, daß man die Frucht ziehe zu Gottes Dienste, Lob und Ehre. Denn das sollen Eheleute wissen, daß sie Gott, der Christenheit, aller Welt, ihnen selbst und ihren Kindern, kein besser Werk und Nutzen schaffen mögen, denn daß sie ihre Kinder wohl aufziehen. Denn das ist ihre richtigste Straße gen Himmel, mögen auch den Himmel nicht eher und besser erlangen, denn in diesem Werke. Aber wiederum ist die Hölle nicht leichter verdient, denn an seinen eigenen Kindern. Die Eltern mögen auch kein schädlicher Werk thun, als wenn sie die Kinder versäumen, lassen sie fluchen, schwören, schandbare Worte und Liedlein lernen, und nach ihrem Willen leben. Darzu etliche sie selbst reizen mit überflüssigem Schmucke und Beförderung zu der Welt, daß sie nur der Welt wohlgefallen, hoch steigen, und reich werden, und also mehr für den Leib, als für die Seele der Kinder sorgen. Es ist auch kein größrer Schade der Christenheit, denn Kinder versäumen. Denn soll man der Christenheit wieder helfen, so muß man fürwahr an den Kindern anheben. Derohalben ist es hoch vonnöthen, einem jeglichen ehelichen Menschen, daß er seines Kindes Seele mehr und fleißiger ansehe, als das Fleisch, das von ihm kommen ist, und sein Kind nicht anders achte, denn einen köstlichen. ewigen Schatz, so ihm von Gott befohlen sei, zu bewahren, daß ihn der Teufel, die Welt und das Fleisch nicht stehlen, noch umbringen. Denn er wird von ihm gefordert werden am Tode und jüngsten Tage, mit gar scharfer Rechnung. Denn wo meinest du, daß herkommen wird das schreckliche Heulen und Klagen derer, die da rufen werden: O! selig sind die Leiber, die nicht Kinder geboren haben! Luc. 23, 29. Ohne Zweifel daher, daß sie ihre Kinder nicht wieder zu Gott gebracht haben, von dem sie solche empfangen haben, sie zu bewahren.

Der verlorene und wieder gefundene Sohn.

Johann Heermann von Köben, der bekannte geistreiche Liederdichter unserer Kirche (geboren 1585, gestorben 1647), hatte einen Sohn mit Namen Samuel. Von dem lesen wir in einer Zeitschrift Folgendes.

Sehnlich hatte vor dessen Geburt Heermann nach Kindern verlangt, aber vielleicht noch mehr, als er je zu hoffen gewagt, ward ihm gewährt, als dieser Sohn ein folgsames und frommes Gemüth und ungemeine Geistesanlagen zeigte, als auch sein Fleiß die vielfachen, durch häusliche Noth, Unruhe und Flucht verursachten Unterbrechungen seines Unterrichts unschädlich machte. Er ward sein liebstes Kind; er sollte ihn aber auch am schmerzlichsten betrüben. In seinem sechzehnten Jahre war er auf die Schule nach Fraustadt, im achtzehnten (Sommer 1638) auf das Gymnasium zu Maria Magdalena in Breslau gethan worden. Hier trat er in die Fußstapfen des Vaters und erwarb durch Reden und Gedichte in lateinischer und deutscher Sprache allgemeines Lob. Aber er wohnte dort mit einem Katholiken zusammen und ward durch ihn mit Jesuiten bekannt. Sie wurden auf seine große Lernbegier und trefflichen Fähigkeiten aufmerksam; sie versuchten es, ihn in ihr Netz zu locken. Seine evangelischen Lehrer am Gymnasium, sagten sie ihm, verwendeten nicht genug Fleiß auf ihn, besäßen auch nicht die nöthige Geschicklichkeit, ihn weiter zu fördern. Hierdurch gelang es, ihn zu bewegen, daß er ohne Wissen seines Vaters das Magdalenen-Gymnasium verließ, und auf die Jesuiten-Schule ging. Ermuntert durch diesen Erfolg, verdoppelten sie ihre Bemühungen, und vermochten ihn endlich, am Matthiastage (24sten Februar) 1640 sich zur katholischen Kirche zu bekennen, und ihren Gottesdienst zu besuchen. Der hohe Preis, um den sie gerungen hatten, schien erkämpft, und der Sohn eines evangelischen Predigers, der zu den berühmtesten in Schlesien gehörte, seiner Kirche entführt. Der unglückliche Vater ahnete und erfuhr lange nicht ein Wort davon, und als ihm endlich Fremde berichteten, daß sein Sohn mit Jesuiten umgehe, und ihre Schule besuche, wie hätte er es von seinem und von einem solchen Sohne glauben können? Doch sprach man je länger, je mehr und je gewisser davon, und das fortdauernde Schweigen des Sohnes bestätigte diese Gerüchte. Der Vater schrieb endlich an ihn und forderte ihn zu sich. Die Jesuiten hatten dieß aber erwartet, und den Sohn bereits gewarnt. „Er stehe nun nicht mehr unter väterlicher Gewalt, er dürfe die Briefe nicht mehr eröffnen, die an ihn kämen; er müsse sie ihnen bringen." Es scheint, sie haben noch mehr gethan; denn ein lateinisches Gedicht des Sohnes in Heermann's poetischen Erquickstunden, unter welchem er als Schüler des Magdalenäums unterzeichnet ist, betheuert dem Vater: „Er habe nie daran gedacht, ein solches Verbrechen zu begehen, sei ihm ja von zarter Kindheit an gehorsam gewesen, und werde es bleiben, so lange er lebe, möge sich weder die Reue, noch die höllische Qual so theuer kaufen, schwöre ihm unverbrüchliche Treue."

Der Vater war dadurch nicht beruhigt, sondern forschte weiter und erfuhr endlich aus einem Briefe des Sohnes an einen Freund von seinem Uebertritt. „Gott und sein Gewissen", sagt er darin, „hätten ihn dazu bewogen." In tiefer Betrübniß fragte ihn nun Heermann am 2. März 1640, ob er denn wirklich ohne seinen Rath und Willen aus der Evangelischen auf die Jesuitenschule gegangen, und drang in ihn, doch einmal nach Hause zu kommen. „Komm, komm, mein Sohn", rief er ihm zärtlich zu, „du sollst einen treuen Vater und eine liebreiche Mutter finden. Laß mich doch dein Antlitz noch eins sehen, wo du Gottes Antlitz schauen willst!" Fünf Tage darauf sandte er diesem Briefe eine „Treuherzige Abmahnungsschrift" nach. Sie war eben so kräftig in den Gründen, die sie ausführte, als erschütternd in den Bitten, mit denen sie das Herz des Sohnes bestürmte. „Sobald Gott meine Seele abfordert", sagt er darin von seinen Verführern, „will ich vor Gottes Stuhle niederfallen, und sie innerhalb Jahresfrist vor sein ernstes Gericht fordern, und, solltest du dich nicht umkehren, dich zugleich mit; da sollt ihr Gott und mir antworten!" Und von dem Sohne: „In deinen Briefen hast du dich allezeit unterschrieben: des Herrn Vaters gehorsamster Sohn bis in den Tod. Solltest du diese Zusage brechen, wollte ich deine Faust vor den Richterstuhl Gottes mitnehmen, sie allda aufweisen und um Rache bitten." Die Unterschrift lautete: „Johann Heermann, dessen Seele betrübt ist bis in den Tod." — Das liebreiche Gebot des Vaters erhob den Muth des Sohnes über das Verbot seiner Verführer. Er erbrach und las diese Briefe, er ward voll Unruhe, er ging augenblicklich wieder in die Magdalenenschule, und ob man ihn gleich noch den nämlichen Abend mit Gewalt von da wegnahm, so bestand er doch auf seiner Sinnesänderung und kehrte am 9. März zum evangelischen Glauben zurück. Er hatte erst 14 Tage dem römischen Gottesdienste beigewohnt, und noch nicht gebeichtet, noch nicht das Abendmahl genommen. Am 16. März erfreute er seinen Vater mit dieser Nachricht, verrieth die innigste Reue über seinen tiefen Fall, beschrieb ausführlich, wie er durch falsche Erklärung einiger Sprüche und durch den Umgang mit listigen Menschen dazu verleitet worden, bat Gott, bat seine Angehörigen und Lehrer beweglich um Vergebung, und schwur, dem Evangelium nunmehr bis in den Tod getreu zu bleiben.

Sechzehn lange Tage hatten Vater, Mutter und Geschwister in unbeschreiblicher Angst und Ungewißheit dieser Antwort entgegengeharrt; sie kam endlich und goß Freude über alle Herzen aus. Heermann erwiederte sie durch eine lange Trost- und Lehrschrift, und verzieh ihm mit Freuden. „Es soll deiner Uebertretung", sagte er ihm darin, „im Argen nicht gedacht werden. Traue meinen Worten. Vaterherz bleibt doch Vaterherz!"

Am Ende des März kehrte Samuel in's väterliche Haus zurück. Heermann's Nachkommen hatten noch im 18ten Jahrhundert eine Sage unter sich, daß es damals für den Sohn eines Milchbades bedurft hätte, um die Wirkungen eines Pulvers zu zerstören, das man ihm in Breslau beigebracht habe. Darauf scheinen auch einige Worte in seinem Briefe an den Vater vom 16. März zu zielen. „Was sonsten", sagt er darin, „mit lieblichem Weine in einem vergoldeten Becher bei Abend anstatt eines Schlaftränk-

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give, and seek henceforth to make up again what you have hitherto neglected. Send your children diligently and regularly to school, willingly give your schoolmasters the hard-earned wage of their labor, which otherwise cries to God, and live peaceably with them. So shall the blessing of God rest upon your work; all that you do shall prosper, and in your well-bred children you shall experience honor and joy. God grant it for Christ's sake! Amen.

Written at Giessen, the 30th of March 1733.

Luther on the Education of Children.

It is not enough that married people beget children; it is also necessary that one bring up the fruit to the service, praise and honor of God. For married people should know that they cannot do any better work or service to God, to Christendom, to all the world, to themselves and to their children, than to bring up their children well. For this is their most direct road to heaven, and they cannot obtain heaven sooner or better than in this work. But on the other hand, hell is not more easily earned than through one's own children. Parents can do no more harmful work than to neglect their children, letting them curse, swear, learn shameful words and little songs, and live according to their own will. Besides this, some even incite them themselves with superfluous finery and advancement in the world, so that they may only please the world, rise high, and become rich, and so care more for the body than for the soul of the children. Nor is there any greater harm to Christendom than neglecting children. For if Christendom is to be helped again, one must in truth begin with the children. Therefore it is highly needful for every married person that he look to the soul of his child more and more diligently than to the flesh that has come from him, and regard his child as nothing other than a precious, eternal treasure committed to him by God to keep, that the devil, the world and the flesh may not steal it away nor destroy it. For it will be required of him at death and on the last day, with a very strict reckoning. For whence think you will come the dreadful howling and wailing of those who shall cry: Oh! blessed are the wombs that have not borne children! Luke 23:29. Without doubt from this, that they did not bring their children back to God, from whom they received them to keep.

The Lost and Found Again Son.

Johann Heermann of Köben, the well-known and gifted hymn-writer of our Church (born 1585, died 1647), had a son named Samuel. Of him we read the following in a periodical.

Before his birth Heermann had longed earnestly for children, but perhaps even more than he had ever dared to hope was granted him, when this son showed an obedient and pious disposition and uncommon gifts of mind, and when his diligence also rendered harmless the manifold interruptions of his instruction caused by domestic distress, disquiet and flight. He became his dearest child; but he was also to grieve him most painfully. In his sixteenth year he had been sent to school at Fraustadt, and in his eighteenth (summer of 1638) to the gymnasium of Maria Magdalena at Breslau. Here he followed in his father's footsteps and won general praise by orations and poems in Latin and German. But there he lodged with a Catholic and through him became acquainted with Jesuits. They became aware of his great eagerness to learn and his excellent abilities; they attempted to lure him into their net. His evangelical teachers at the gymnasium, they told him, did not give him enough attention, and also did not possess the necessary skill to advance him further. By this they succeeded in persuading him to leave the Magdalenen-Gymnasium without his father's knowledge and to go to the Jesuit school. Encouraged by this success, they redoubled their efforts, and finally prevailed upon him, on St. Matthias' Day (the 24th of February) 1640, to confess himself to the Catholic Church and to attend their worship. The high prize for which they had striven seemed won, and the son of an evangelical preacher, who was counted among the most renowned in Silesia, carried off from his Church. The unhappy father for a long time suspected and learned not a word of it, and when strangers at last reported to him that his son was associating with Jesuits and attending their school, how could he have believed it of his own son, and of such a son? Yet people spoke of it more and more, and with greater certainty, and the continued silence of the son confirmed these rumors. The father finally wrote to him and summoned him to come to him. But the Jesuits had expected this, and had already warned the son. "He was now no longer under paternal authority, he must not open any more the letters that came to him; he must bring them to them." It seems they did still more; for a Latin poem of the son in Heermann's poetic Erquickstunden, under which he is signed as a pupil of the Magdalenäum, assures the father: "He never thought of committing such a crime, had indeed been obedient to him from tender childhood, and would remain so as long as he lived, might neither remorse nor hellish torment be so dearly bought, he swore unbroken fidelity to him."

The father was not set at rest by this, but inquired further and at last learned from a letter of the son to a friend of his change of church. "God and his conscience," he said therein, "had moved him to it." In deep distress Heermann now asked him, on the 2nd of March 1640, whether he had really gone from the Evangelical school to the Jesuit school without his counsel and will, and urged him to come home once. "Come, come, my son," he cried to him tenderly, "thou shalt find a faithful father and a loving mother. Let me but see thy face once more, where thou wouldst behold the face of God!" Five days afterward he sent after this letter a "Faithful Admonition." It was as powerful in the grounds it set forth as it was moving in the entreaties with which it assailed the heart of the son. "As soon as God calls my soul away," he says therein of his seducers, "I will fall down before God's throne, and summon them within a year before his solemn judgment, and, shouldst thou not turn back, thee together with them; there shall ye answer to God and to me!" And of the son: "In thy letters thou hast always signed thyself: the Lord Father's most obedient son unto death. Shouldst thou break this promise, I would take thy fist with me before the judgment-seat of God, show it there, and ask for vengeance." The signature read: "Johann Heermann, whose soul is sorrowful unto death." — The loving command of the father raised the courage of the son above the prohibition of his seducers. He broke open and read these letters, he became full of disquiet, he went at once back to the Magdalenen school, and although they took him away from there by force that same evening, he nevertheless persisted in his change of mind and on the 9th of March returned to the evangelical faith. He had attended the Roman worship only 14 days, and had not yet confessed, not yet received the Lord's Supper. On the 16th of March he gladdened his father with this news, expressed the most heartfelt remorse over his deep fall, described at length how he had been led into it by a false interpretation of some passages and by intercourse with cunning men, begged God, begged his relatives and teachers earnestly for forgiveness, and swore to remain faithful to the Gospel henceforth unto death.

Sixteen long days had father, mother and brothers and sisters waited for this answer in indescribable anguish and uncertainty; it came at last and poured joy over all hearts. Heermann answered it by a long letter of comfort and instruction, and forgave him with joy. "Thy transgression," he said to him therein, "shall not be remembered against thee in malice. Trust my words. A father's heart remains a father's heart!"

At the end of March Samuel returned to his father's house. Heermann's descendants still had a tradition among themselves in the eighteenth century that the son had then needed a milk-bath in order to destroy the effects of a powder which had been administered to him in Breslau. Some words in his letter to his father of the 16th of March seem also to point to this. "What otherwise," he says therein, "with sweet wine in a gilded cup in the evening instead of a sleeping-draught