Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 14 › Seite 110

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-03-05, Seite 110

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leins geschehen, sei dem befohlen, der Alles sieht und weiß."

In das Jahr nach dieser erschütternden Begebenheit fällt allem Vermuthen nach der Anfang einer schweren Krankheit, von welcher Heermann heimgesucht wurde. Sie bestand in einem Fieber, welches drei Vierteljahre dauerte, und ihm so sehr die Kräfte nahm, daß er zwei Jahre hindurch nicht aus dem Hause gehen konnte. Samuel war daher kaum nach Frankfurt a. O. auf die Universität gegangen (August 1640), als er zu Fuß, von einem Boten begleitet, zu seinem leidenden Vater zurück mußte. Abermal nach Frankfurt zurückgekehrt, ward er aus der nämlichen Ursache und in demselben Herbste noch einmal nach Hause gefordert. Er sollte nunmehr nach Wittenberg gehen, konnte aber nicht, weil ihn ein schwindsüchtiges Fieber befiel. Nachdem er es vier Mal gewagt hatte, zu predigen, ward er aufs Krankenlager geworfen, und stand davon nicht wieder auf. Sein Verhalten dabei gab Zeugniß von der wahren Bekehrung, die sein Herz erfahren hatte. Er tröstete sich mit den Worten: „Meine Liebe hängt am Kreuz", die er zu seinem Wahlspruch gemacht hatte; auch von anderen kräftigen Trostsprüchen aus dem Worte Gottes floß sein Mund über. Einmal betheuerte er: „Ja, ich glaube festiglich, wenn meines JEsu Leiden und Tod nicht genug wäre für meine Sünde, er hätte mich so lieb, daß er bereit wäre, noch einmal für mich zu leiden und zu sterben, ehe ich sollte verloren werden. Das ist mein Glaube, das ist mein Trost." Wie er seine Krankheit ansah, beweis't ein Gebet von ihm, das der Vater in seinen poetischen Erquickstunden aufbehalten hat:

Ach stäupe hier mein Gott und schone dorten mein,
Hier ist's ein Liebesstreich, dort wird's ein Zornschlag sein.

Vor seinem seligen Heimgange warnte und ermahnte er seine beiden Brüder in einer kurzen, aber rührenden Rede, segnete sie und seine Eltern und entschlief am 6. Februar 1643. Der tiefbetrübte kranke Vater konnte seine Leiche nicht zu ihrer Ruhestätte begleiten, dafür schrieb er drei Predigten zu seinem Gedächtniß und dichtete ihm die Grabschrift, die mit den Worten anfing:

Hier liegt mein Samuel, mein frömmster Sohn, begraben,
Hier liegt der Mutter Lust, des Vaters Trost und Herz.

Sie reichen allein hin, um zu zeigen, welche Wunde ihm der Tod dieses Sohnes schlug.

Bedenken Philippi Melanchthonis und Johannis Brentii: Ob rechtgläubige Christen mit den Zwinglianern Brüderschaft eingehen können.

Es wird jetzt von Seiten der Unirten so oft darauf hingewiesen, daß es von jeher in der evangelisch-lutherischen Kirche eine sogenannte Melanchthonische Richtung gegeben habe, welche einer brüderlichen und kirchlichen Vereinigung mit den Zwinglianern geneigt gewesen sei. Eine solche Richtung habe daher noch jetzt ihre volle Berechtigung innerhalb unserer Kirche, und es sei darum nur eine Einseitigkeit der sogenannten Altlutheraner, daß dieselben die mit den Zwinglianern Unirten um solcher Vereinigung willen nicht für echte Lutheraner erkennen wollten.

Wie jedoch Melanchthon, als er noch treulich der lutherischen Kirche diente, und mit ihm Brentius, von einer Union mit den Zwinglianern gedacht habe, davon zeugt ein Bedenken, welches diese auf Erfordern für den Landgrafen Philipp von Hessen gestellt haben. Als nemlich die Zeit eines entscheidenden Kampfes für die Lutheraner auf dem Reichstag zu Augsburg im Jahre 1530 herannahte, wünschte der Landgraf von Herzen, daß sich die Lutheraner mit den Zwinglianern zum gemeinsamen Kampfe wider das Pabstthum brüderlich die Hand reichten, und befragte darüber die genannten Theologen, welche ihm nun von Augsburg aus folgende Antwort zustellten:

„Durchlauchtiger, Hochgeborner Fürst — —

Wir haben die Schrift, uns zugestellt, die Brüderschaft belangend, mit Fleiß verlesen; und bitten in Unterthänigkeit, E. F. G. wolle unsere Antwort gnädiglich vernehmen. Denn Gott ist unser Zeuge, daß wir ja, sonderlich in diesem Fall, niemand zu Lieb oder zu Leid handeln; denn dieser Zwiespalt ist uns von Herzen leid, haben auch auf Erden keine größere Betrübniß, denn von dieser Sachen, daß wir sehen, wie man zufället auf ungegründete opiniones*), daraus große Spaltung in der Kirchen, darzu Unrichtigkeit im Gewissen folget, dadurch man hernach weiter fället auf andere schädliche Gedanken; wie wir denn sehen, daß vielen jetzund widerfahren, welche erstlich vom Abendmahl haben allegorisiret**), kommen nun und allegorisiren von mehr Artikeln, als nemlich Campanus, Martinus Cellarius, Carlstad, Felinus, darüber keine Ruhe haben, sondern Praktiken machen, wie man solches mit Gewalt hinausführe: daraus nicht allein ein greulich groß Blutvergießen zu besorgen, sondern auch größere Spaltungen in geistlichen Sachen und Zerrüttung der Regiment, daß sie in hundert Jahren, ja nimmermehr bis zum Ende der Welt, wieder zu flicken sind. Ach HErr Gott! wie ein schrecklicher Anblick ist's, solch greulich Ding bedenken. Derhalben mag uns E. F. G. gläuben, daß wir wahrlich in großer Betrübniß sind, und nicht Lust haben, wie man vielleicht gedenket, daß wir unseres Ruhms halber viel zanken. Darum bitten wir ganz unterthäniglich, E. F. G. wollen unsere Antwort gnädiglich vernehmen, die wir aufs kürzeste gefaßt haben, E. F. G. nicht lang aufzuhalten. So achten wir, es sei nicht noth, auf alle Stücke der Schrift, so uns zugestellet, zu antworten. Erstlich der Brüderschaft halben, mag sein, daß man Christen, so irren, und doch Irrthum nicht vertheidigen, als Brüder dulden solle, wie Christus selbst seine Jünger geduldet hat. Aber diejenigen, so ungegründete Lehre fürgeben und vertheidigen, kann man nicht für Brüder halten; denn man soll ja nicht willigen in unrechte Lehre. Darum alles, so in gedachter Schrift nach der Länge disputiret wird, daß man die Schwachen dulden soll, kann nicht anders gedeutet werden, denn auf solche Schwache, so ihre ungewisse Lehre nicht vertheidigen; wie auch Paulus die Galater angenommen, hat aber daneben von denjenigen, so unrechte Lehre fürgeben, gesprochen: „„Ich wollte, daß die, so euch beschneiden, weggeschnitten würden.""

*) Meinungen, die nur ein Wahn sind.
**) Für bildliche Redensarten erklären.

2. Dies ist unsere einfältige Meinung, wie wir es gegen Gort denken zu verantworten. Denn wie können wir doch Brüderschaft mit unserm Widerpart machen, und also willigen, daß sie ihre Lehre vertheidigen für recht und gewiß, so doch unser Gewissen anders fühlet und hält, und wird durch ihre Disputation nicht gestillet? Der Schreiber gedachter Schrift mag es vielleicht gut meinen, aber er redet ja vom Glauben zu schwach; meinet, es liege nicht groß daran, ob man schon in etlichen Artikeln, so in der Schrift sind, irre; und es sei nicht noth, daß man gewiß sei, was man hält und lehret. Aber wahrlich, wenn das Herz ungewiß ist, und soll also ungewiß etwas fürgeben, so ist's übel verwahret wider Gottes Gericht; wie Paulus spricht: „„Was nicht aus dem Glauben geschiehet, ist Sünde""; und bedarf guter Erfahrung, wie der Glaube gewiß sein muß, so er vor Gottes Gericht bestehen soll.

3. So sind auch die Artikel von den Sacramenten nicht gering zu achten. Denn dieweil die ganze Kirche damit umgehet, folget über die Maßen groß Aergerniß, wo man hierin irret. Wir können aber wohl abnehmen, woher solche Theologia kommt, die da vermeinet, es liege nicht groß daran, was man lehre, es sei genug, vor Gott freundlich und ehrlich leben; also wären viel Philosophi auch Christen gewesen. So ist auch die Lehre nicht zu rechnen nach dem Schein eines bürgerlichen Lebens, sondern nach Gottes Wort.

4. Auf das andere Stück, daß zu arbeiten sei auf ein Concilium! so Kaiserliche Majestät dermaßen, wie ausgeschrieben, procediret*), möchte es wohl für ein Concilium gehalten werden. Es sei aber im Concilio, oder sonst, so sind wir schuldig zu bekennen, was wir gläuben; wir sind auch schuldig, andern nicht zu wehren, die Lehre, so wir nicht gewißlich für recht halten, zu verbieten. Zu dem ist auch noth, daß wir bedenken, daß wir nicht andere gute und gewisse Lehr mit dieser ungewissen Subtilität**) stopfen, wie bereit an zum Theil geschiehet. Verfolgen doch die Zwinglischen ohn ein Concilium die. Papisten und Wiedertäufer, warum soll den andern unrecht sein, ihre ungegründete Lehre zu verbieten, außerhalb des Concilii? sonderlich so dadurch rechte gewisse Lehre gefördert und Friede erhalten wird. Zuletzt bitten wir um Gotteswillen, E. F. G. wollten in dieser großen und hochwichtigen Sache vom Sacrament sich nicht abwenden lassen von den Worten Christi auf Allegorien. Denn in Gottes Ordnung muß man der Wort eignen Verstand behalten. So die rationes†), welche Zwinglius führet, das Gewissen stilleten, daß es sich vor Gott darauf verlassen möchte, wir wollten dieselben Allegorien auch annehmen; aber wir

*) Verfährt.
**) Spitzfindigkeit.
†) Die Gründe.

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lets, be committed to Him who sees and knows all."

In the year after this shattering occurrence there falls, in all likelihood, the beginning of a grave illness with which Heermann was visited. It consisted in a fever which lasted three quarters of a year, and so greatly took his strength from him that for two years he could not go out of the house. Samuel had therefore scarcely gone to the university at Frankfurt on the Oder (August 1640) when he had to return on foot, accompanied by a messenger, to his suffering father. Having gone back to Frankfurt once more, he was for the same reason and in the same autumn summoned home yet again. He was now to go to Wittenberg, but could not, because a consumptive fever attacked him. After he had ventured four times to preach, he was thrown upon a sick-bed, and did not rise from it again. His conduct in it gave testimony of the true conversion which his heart had experienced. He comforted himself with the words: "My love hangs on the cross," which he had made his motto; his mouth also overflowed with other mighty sayings of comfort from the Word of God. Once he declared: "Yes, I believe steadfastly that if the sufferings and death of my JEsus were not enough for my sin, He loves me so much that He would be ready to suffer and die once more for me, before I should be lost. That is my faith, that is my comfort." How he regarded his illness is proved by a prayer of his which the father has preserved in his poetic Erquickstunden:

Ah, scourge me here, my God, and spare me yonder,
Here it is a stroke of love, there it will be a stroke of wrath.

Before his blessed departure he warned and exhorted his two brothers in a short but touching address, blessed them and his parents, and fell asleep on the 6th of February 1643. The deeply afflicted, sick father could not accompany his body to its resting-place; instead he wrote three sermons to his memory and composed for him the epitaph, which began with the words:

Here lies my Samuel buried, my most pious son,
Here lies the mother's delight, the father's comfort and heart.

These alone suffice to show what a wound the death of this son dealt him.

Opinion of Philip Melanchthon and Johannes Brentius: Whether Orthodox Christians Can Enter into Brotherhood with the Zwinglians.

It is now so often pointed out by the Unionists that there has always been in the Evangelical Lutheran Church a so-called Melanchthonian tendency, which was inclined to a brotherly and churchly union with the Zwinglians. Such a tendency, they say, therefore has its full justification even now within our Church, and it is therefore only a one-sidedness of the so-called Old Lutherans that they will not acknowledge as genuine Lutherans those who are united with the Zwinglians for the sake of such a union.

But how Melanchthon, when he still served the Lutheran Church faithfully, and with him Brentius, thought of a union with the Zwinglians, is attested by an opinion which these men gave, upon request, for Landgrave Philip of Hesse. For when the time of a decisive struggle for the Lutherans was approaching at the diet at Augsburg in the year 1530, the Landgrave desired from his heart that the Lutherans should brotherly join hands with the Zwinglians for the common struggle against the Papacy, and he consulted the said theologians about it, who now sent him from Augsburg the following answer:

"Most serene, high-born Prince — —

We have read with diligence the paper sent to us concerning the brotherhood; and we humbly beg that Your Princely Grace will graciously receive our answer. For God is our witness that we, especially in this case, act toward no one out of favor or disfavor; for this discord is grievous to us from the heart, and we have no greater sorrow on earth than this matter, that we see how men fall upon ungrounded opiniones*), whence great division in the Church, and withal uncertainty in conscience follows, whereby afterward they fall further upon other harmful thoughts; as we see happen to many now, who first allegorized concerning the Lord's Supper**), and now come and allegorize concerning more articles, as namely Campanus, Martinus Cellarius, Carlstadt, Felinus, who thereupon have no rest, but make practices how they may carry this out by force: whence not only a dreadful, great bloodshed is to be feared, but also greater divisions in spiritual matters and the disruption of governments, so that in a hundred years, yea nevermore until the end of the world, they can be mended again. Ah Lord God! what a terrible sight it is to consider such a dreadful thing. Therefore may Your Princely Grace believe us that we are truly in great sorrow, and have no desire, as men perhaps think, that we should quarrel much for the sake of our own renown. Therefore we very humbly beg that Your Princely Grace will graciously receive our answer, which we have drawn up as briefly as possible, in order not to detain Your Princely Grace long. So we think it is not necessary to answer all the parts of the paper that was sent to us. First, as concerns the brotherhood, it may be that Christians who err, and yet do not defend the error, should be borne with as brethren, as Christ Himself bore with His disciples. But those who put forth and defend ungrounded doctrine cannot be held for brethren; for one must not consent to false doctrine. Therefore all that is argued at length in the said paper, that one should bear with the weak, can mean nothing else than such weak ones as do not defend their uncertain doctrine; as Paul also received the Galatians, but yet spoke of those who put forth false doctrine: ''I would they were even cut off which trouble you.''"

*) Opinions that are only a delusion.
**) To declare figures of speech.

2. This is our simple opinion, as we think to answer for it before God. For how can we make brotherhood with our adversary, and so consent that they defend their doctrine as right and certain, when our conscience feels and holds otherwise, and is not quieted by their disputation? The writer of the said paper may mean it well, but he speaks indeed too weakly of faith; he thinks it matters not much whether one errs in some articles that are in the Scripture; and that it is not necessary that one be certain of what one holds and teaches. But truly, when the heart is uncertain, and is thus to put forth something uncertain, it is ill guarded against God's judgment; as Paul says: ''For whatsoever is not of faith is sin''; and it needs good experience how faith must be certain if it is to stand before God's judgment.

3. So also the articles concerning the Sacraments are not to be esteemed lightly. For since the whole Church is concerned with them, exceeding great offense follows where one errs herein. But we can well perceive whence such theology comes, which supposes that it matters not much what one teaches, that it is enough to live kindly and honestly before God; thus many philosophers would also have been Christians. Nor is doctrine to be reckoned according to the appearance of a civil life, but according to God's Word.

4. As to the other point, that one should work toward a council! if His Imperial Majesty proceeds*) in such manner as has been proclaimed, it might well be held for a council. But be it in council or otherwise, we are bound to confess what we believe; we are also bound not to prevent others from forbidding the doctrine which we do not certainly hold to be right. Besides this it is also necessary that we consider that we do not stop up other good and certain doctrine with this uncertain subtlety**), as is already in part happening. The Zwinglians persecute, even without a council, the Papists and Anabaptists; why should it be wrong for the others to forbid their ungrounded doctrine apart from a council? especially if thereby right and certain doctrine is furthered and peace maintained. Finally we beg for God's sake that Your Princely Grace, in this great and weighty matter of the Sacrament, will not let yourselves be turned away from the words of Christ to allegories. For in God's ordinance one must retain the proper sense of the words. If the rationes†) which Zwingli adduces quieted the conscience, so that it might rely upon them before God, we would accept those allegories also; but we

*) Proceeds.
**) Subtlety, hair-splitting.
†) The grounds.