Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 15 › Seite 115
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-03-19, Seite 115
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abſolution 5 · Abſolution 12 · Erlöſung 3 · Erlöſung 8
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sammt der Verheißung: „Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten." Die außerordentlichen Gaben und Veranstaltungen, welche zur Gründung und ersten schnellen Ausbreitung der Kirche nöthig und derselben daher in der Zeit der Apostel verliehen waren, sind allerdings großentheils erloschen; was aber die Mittel betrifft, Gnade, Vergebung der Sünden und die Seligkeit zu erlangen, diese sind der Kirche verblieben; wer daher behauptet, daß die Kirche keine Macht mehr habe, im Namen ihres HErrn und an seiner Statt durch ihre Diener Sünden zu vergeben, der leugnet damit, daß es noch eine Kirche in der Welt gibt. Es ist und bleibt dies also ein großer greulicher Irrthum. Mag man sich wenden und winden, wie man will: man begeht damit die erschreckliche Sünde, Christo, dem Sohne Gottes, in's Angesicht zu widersprechen und sein Wort Lügen zu strafen. —
Doch dieser Irrthum ist auch darum so groß und verderblich, weil man dadurch zweitens die Vollkommenheit der Erlösung Christi leugnet.
Zwar wird auch von den schwärmerischen Sectenpredigern nicht selten die Wahrheit ausgesprochen, daß Christus alle Menschen vollkommen erlös't habe; aber dadurch darf man nicht sich blenden und überreden lassen, als ob dieselben diese Wahrheit wirklich glaubten und verkündigten. Es ist nur zu offenbar, daß sie dieser Wahrheit, wenn sie dieselbe Einmal aussprechen, dagegen tausendmal durch ihre ganze Lehrweise von dem Weg zur Seligkeit derselben widersprechen und sie thatsächlich verleugnen. Denn was heißt das: Christus hat uns vollkommen erlös't? — Das heißt: Christus hat für uns alles schon gethan und gelitten, was wir hätten thun und leiden sollen, um uns die Seligkeit zu erwerben; denn, spricht die Schrift, „Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. So einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben. Wie durch Eines Sünde die Verdammniß über alle Menschen gekommen ist, also ist auch durch Eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen." (2 Cor. 5, 21. 14.; Röm. 5, 18.) Als Christus, am Kreuze verscheidend, die Sündenstrafen aller Menschen abgetragen hatte, da hatten eigentlich schon wir Menschen alle dieselben abgetragen; und als Christus von seinem Vater als ein vormaliger Schuldner durch die Auferweckung von den Todten von aller Schuld öffentlich und feierlich losgesprochen, absolvirt und gerechtfertigt wurde, da wurden eigentlich schon wir Menschen alle von Gott losgesprochen, absolvirt und gerechtfertigt; daher St. Paulus schreibt: Christus „ist um unserer Sünde willen dahin gegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt." Röm. 4, 25.
Der Schatz der Gnade, der Vergebung der Sünden und der Seligkeit ist also bereits für alle erworben und der Kirche mit dem Wort und den heiligen Sacramenten zur Austheilung bereits übergeben. Wir Menschen sollen daher unsere Sünden nicht erst tilgen, Christus hat sie schon getilgt; wir sollen uns die Vergebung derselben nicht erst erkämpfen, Christus hat sie uns schon erkämpft; wir sollen Gott nicht erst versöhnen, Christus hat Gott schon mit uns versöhnt; wir sollen uns Gottes Gnade nicht erst erringen, Christus hat sie uns schon errungen; wir sollen uns eine vor Gott gültige Gerechtigkeit nicht erst verdienen, Christus hat sie uns schon verdient; wir sollen Tod und Hölle nicht erst überwinden, Christus hat schon beide für uns überwunden; wir sollen nicht erst durch die Erfüllung des Gesetzes uns die Seligkeit erwerben, Christus hat uns dieselbe schon dadurch erworben; wir sollen uns durch unsere Würdigkeit nicht erst den Eingang in den Himmel verschaffen, Christus hat uns denselben schon durch seine Würdigkeit verschafft; kurz, wir sollen das Werk unserer Erlösung nicht erst vollbringen, denn Christus hat schon alles vollbracht, hat den bitteren Kelch unserer verdienten Leiden bis auf den letzten Tropfen geleert, die Summe unserer Schuld vor Gott bis auf den letzten Heller bezahlt, den Willen Gottes bis auf den letzten Buchstaben erfüllt. — Was folgt nun aber hieraus? — Hieraus folgt, daß dies auch allen Menschen geprediget werden kann, ja, geprediget werden soll und muß, und daß das Evangelium eben darin besteht, daß man allen verkündigt: Seid fröhlich, ihr Sünder, Christus hat schon eure Sünden getilgt, Christus hat euch schon Vergebung eurer Sünden erkämpft, Christus hat euch schon mit Gott versöhnt, Christus hat euch schon Gottes Gnade errungen, Christus hat euch schon eine vor Gott gültige Gerechtigkeit verdient, Christus hat schon für euch Tod und Hölle überwunden, Christus hat euch schon durch seine Erfüllung des Gesetzes die Seligkeit erworben, Christus hat euch schon durch seine Würdigkeit den Eingang in den Himmel verschafft; kurz, Christus hat das Werk eurer Erlösung schon vollkommen vollbracht! Meinet darum nicht, daß ihr durch irgend ein Leiden, durch eure Reue, durch eure Buße, durch eure Thränen, durch euer Ringen und Kämpfen Gott erst versöhnen, erst zur Gnade bewegen oder für eure Sünden erst büßen müßtet; meinet nicht, daß ihr durch irgend ein gutes Werk, durch eure Besserung, Heiligung und eigene Gerechtigkeit bei Gott etwas verdienen und euch also selbst selig machen müßtet — nein! — es ist alles schon geschehen! — ihr sollt nichts thun, als daß ihr das, was Christus für euch gelitten und gethan und euch bereits geschenkt hat, annehmet, daß ihr das euch aneignet, daß ihr euch dessen tröstet, darauf bauet und trauet, kurz, daran von Herzen glaubet, in diesem Glauben wandelt und bleibet, auf diesen Glauben sterbet und so endlich aus diesem Glauben in das Schauen übergehet und selig werdet. Es ist sonach klar, weil Christus alle Menschen schon vollkommen erlös't hat, so ist das Evangelium nichts anderes, als eine Predigt von der Vergebung der Sünden an alle Menschen auf Erden, wozu Gott selbst im Himmel sein Ja und Amen spricht; es ist mit einem Worte eine der ganzen Welt durch Menschen vom Himmel gebrachte, mit Christi Blut und Tod besiegelte und durch Christi Auferweckung von Gott selbst auf das herrlichste und feierlichste nicht nur bestätigte, sondern schon einmal wirklich vollzogene allgemeine Absolution. Da aber das Evangelium kraft der geschehenen vollkommenen Erlösung Christi die Absolution aller Menschen ist, so kann auch natürlich gar nicht mehr die Frage sein, ob auch der oder jener von einem Prediger des Evangeliums eine gültige Absolution empfangen könne; denn was ich der ganzen Welt ankündigen soll, das kann ich natürlich auch jedem Einzelnen, der zur Welt gehört, ankündigen. Hierbei wird nun freilich mancher Leser denken: Wie? sollen denn auch die Unbußfertigen absolvirt werden und sollte also auch eine einem Unbußfertigen gesprochene Absolution gültig sein? Hierauf antworten wir: Gültig und kräftig bleibt die Absolution, und wenn sie einem Judas gesprochen wird, denn auch der Judas ist bereits durch Christum vollkommen erlös't und in Christo bereits von Gott selbst gerechtfertigt und absolvirt: wäre es daher möglich (es ist aber unmöglich), daß ein Unbußfertiger, als solcher, die ihm gesprochene Absolution von Herzen glaubte, so würde er auch darin als solcher die göttliche Vergebung ergreifen; und schlägt ein Unbußfertiger in dem Augenblicke in sich und kommt er in dem Augenblicke zu einem Fünklein des Glaubens, da ihm die Absolution gesprochen wird, so hat er auch darin so gewißlich die göttliche Vergebung, so gewiß Christus für ihn gestorben und vom Vater an seiner Statt auferweckt worden ist. Eine andere Frage ist freilich, ob ein Prediger des Evangeliums einem offenbar Unbußfertigen die Absolution ertheilen solle. Auf diese Frage sagen wir nein; nicht darum, weil die einem Unbußfertigen gesprochene Absolution ungültig wäre, sondern weil sie derselbe doch verachten und von sich stoßen und damit also sich nur mehr versündigen und eine größere Verdammniß auf sich laden würde. Daher Christus seinen Dienern und den Haushaltern über seine Geheimnisse den Befehl gegeben hat: „Ihr sollt das Heiligthum nicht den Hunden geben und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf daß sie dieselbigen nicht zertreten mit ihren Füßen, und sich wenden und euch zerreißen." Matth. 7, 6. Da ist also stets das Heiligthum und die Perle der Vergebung, so oft ein Mensch absolvirt wird; sie ist da kraft der vollkommenen Erlösung Christi; nie, nie kann daher ein Mensch, wenn er absolvirt wird, in Zweifel sein, ob er wirklich absolvirt sei, in welchem Zustande er sich auch befinden möge; die Absolution thut alle Mal den Himmel auf, öffnet alle Mal das göttliche Vaterherz, breitet alle Mal die Arme der göttlichen Erbarmung vor dem Sünder aus: es kann sich dann allein darum handeln, ob der Absolvirte auch die erhaltene göttliche Vergebung angenommen habe oder nicht; und dieses richtet sich wiederum darnach, ob er daran geglaubt habe oder nicht. Daher schreibt denn Luther, wie wir anderwärts bereits erwähnt haben: „Darum
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together with the promise: "Whose soever sins ye remit, they are remitted unto them; and whose soever sins ye retain, they are retained." The extraordinary gifts and arrangements which were necessary for the founding and first rapid spread of the Church, and were therefore bestowed upon her in the time of the Apostles, have indeed for the most part ceased; but as for the means of obtaining grace, forgiveness of sins, and salvation, these have remained with the Church; whoever therefore maintains that the Church has no longer any power, in the name of her Lord and in His stead, to forgive sins through her servants, denies thereby that there is still a Church in the world. This is and remains, then, a great and abominable error. Let a man turn and twist as he will: he commits thereby the dreadful sin of contradicting Christ, the Son of God, to His face and of giving His word the lie. —
But this error is also so great and ruinous for this reason, that thereby, secondly, the perfection of the redemption of Christ is denied.
True, the truth is also not seldom spoken by the fanatical sectarian preachers that Christ has perfectly redeemed all men; but one must not let oneself be blinded and persuaded by this, as if they really believed and proclaimed this truth. It is only too evident that, when they once utter this truth, they contradict it a thousand times over by their whole manner of teaching concerning the way to salvation, and in fact deny it. For what does that mean: Christ has perfectly redeemed us? — It means: Christ has already done and suffered for us everything that we should have done and suffered in order to obtain salvation; for, says the Scripture, "He hath made him to be sin for us, who knew no sin; that we might be made the righteousness of God in him. If one died for all, then were all dead. Therefore as by the offence of one judgment came upon all men to condemnation; even so by the righteousness of one the free gift came upon all men unto justification of life." (2 Cor. 5, 21. 14.; Rom. 5, 18.) When Christ, expiring on the cross, had paid the penalties of the sins of all men, then in fact we men had all of us already paid them; and when Christ was publicly and solemnly released, absolved, and justified from all guilt by His Father, as a former debtor, through the resurrection from the dead, then in fact we men were all of us already released, absolved, and justified by God; therefore St. Paul writes: Christ "was delivered for our offences, and was raised again for our justification." Rom. 4, 25.
The treasure of grace, of the forgiveness of sins and of salvation, is therefore already acquired for all, and has already been delivered to the Church, with the Word and the holy Sacraments, for distribution. We men are therefore not first to blot out our sins; Christ has already blotted them out; we are not first to fight for the forgiveness of them; Christ has already fought for it for us; we are not first to reconcile God; Christ has already reconciled God with us; we are not first to win God's grace for ourselves; Christ has already won it for us; we are not first to earn for ourselves a righteousness that avails before God; Christ has already earned it for us; we are not first to overcome death and hell; Christ has already overcome both for us; we are not first to obtain salvation for ourselves by the fulfilling of the Law; Christ has already obtained it for us thereby; we are not first to procure for ourselves, by our worthiness, entrance into heaven; Christ has already procured it for us by His worthiness; in short, we are not first to accomplish the work of our redemption, for Christ has already accomplished all, has drained the bitter cup of our deserved sufferings to the last drop, has paid the sum of our debt before God to the last farthing, has fulfilled the will of God to the last letter. — What follows now from this? — From this it follows that this also can be preached to all men, yea, shall and must be preached, and that the Gospel consists precisely in this, that one proclaims to all: Be glad, ye sinners, Christ has already blotted out your sins, Christ has already fought for the forgiveness of your sins, Christ has already reconciled you with God, Christ has already won God's grace for you, Christ has already earned for you a righteousness that avails before God, Christ has already overcome death and hell for you, Christ has already obtained salvation for you by His fulfilling of the Law, Christ has already procured for you by His worthiness entrance into heaven; in short, Christ has already perfectly accomplished the work of your redemption! Think not, therefore, that by any suffering, by your contrition, by your repentance, by your tears, by your wrestling and striving you must first reconcile God, first move Him to grace, or first make atonement for your sins; think not that by any good work, by your amendment, sanctification, and own righteousness you must merit something with God and so make yourselves blessed — no! — all is already done! — ye are to do nothing but to accept what Christ has suffered and done for you and has already given you, to appropriate it to yourselves, to comfort yourselves therewith, to build and trust thereon, in short, to believe it from the heart, to walk and abide in this faith, to die in this faith, and so at last to pass from this faith into sight and be saved. It is therefore clear, since Christ has already perfectly redeemed all men, that the Gospel is nothing other than a preaching of the forgiveness of sins to all men upon earth, to which God Himself in heaven says His Yea and Amen; it is, in a word, a general absolution brought to the whole world by men from heaven, sealed with Christ's blood and death, and by Christ's resurrection not only confirmed by God Himself in the most glorious and solemn manner, but already once actually pronounced. But since the Gospel, by virtue of the perfect redemption of Christ that has taken place, is the absolution of all men, there can naturally no longer be any question whether this or that man can receive a valid absolution from a preacher of the Gospel; for what I am to proclaim to the whole world, that I can naturally proclaim also to every individual who belongs to the world. At this point many a reader will indeed think: What? Shall even the impenitent be absolved, and would an absolution spoken to an impenitent person therefore also be valid? To this we answer: The absolution remains valid and effectual even when it is spoken to a Judas, for even Judas is already perfectly redeemed through Christ and already justified and absolved by God Himself in Christ: if it were therefore possible (but it is impossible) that an impenitent person, as such, should believe from the heart the absolution spoken to him, he would also thereby, as such, lay hold of the divine forgiveness; and if an impenitent person at that moment goes into himself, and at that moment, when the absolution is spoken to him, comes to a spark of faith, he has therein also the divine forgiveness as certainly as Christ died for him and was raised by the Father in his stead. It is, to be sure, another question whether a preacher of the Gospel should give absolution to one manifestly impenitent. To this question we say no; not because the absolution spoken to an impenitent person would be invalid, but because he would nevertheless despise it and thrust it from him, and thereby only sin the more and bring upon himself a greater condemnation. Therefore Christ gave to His servants and to the stewards of His mysteries the command: "Give not that which is holy unto the dogs, neither cast ye your pearls before swine, lest they trample them under their feet, and turn again and rend you." Matth. 7, 6. There is, then, always the holy thing and the pearl of forgiveness, as often as a man is absolved; it is there by virtue of the perfect redemption of Christ; never, never can a man, when he is absolved, be in doubt whether he is really absolved, in whatever condition he may find himself; the absolution always opens heaven, always opens the divine Father-heart, always spreads the arms of divine compassion before the sinner: the only question then can be whether the absolved person also accepted the divine forgiveness received or not; and this again depends upon whether he believed it or not. Therefore Luther writes, as we have already mentioned elsewhere: "Therefore