Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 15 › Seite 117

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-03-19, Seite 117

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abſolution 6

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wird, wenn nicht die Pforten von den Priestern geöffnet werden, deren Obhut der HErr die Schlüssel übergeben hat.“ (Th. II., Cap. 5, Fr. 36. 37.)

Diese Lehre wird, wie Jedermann weiß, in der lutherischen Kirche als ein rechtes Stück des antichristischen Gräuels ernstlich verworfen und erklärt, daß die Kraft der Absolution nicht in dem Amte des Predigers, sondern in dem Worte Gottes stecke, daher es der Kraft und Gültigkeit der Absolution weder etwas gebe noch nehme, möge dieselbe nun ein berufener Prediger, oder sonst ein Christ sprechen. Daher heißt es in den Schmalkaldischen Artikeln: „Ueber das muß man je bekennen, daß die Schlüssel nicht einem Menschen allein, sondern der ganzen Kirche gehören und gegeben sind. — Denn, gleichwie die Verheißung des Evangelii gewiß und ohne Mittel der ganzen Kirche zugehört, also gehören die Schlüssel ohne Mittel*) der ganzen Kirche, dieweil die Schlüssel nichts anderes sind, denn das Amt, dadurch solche Verheißung Jedermann, wer es begehrt, wird mitgetheilt. Concordienbuch S. 320.) . . . Wie denn in der Noth auch ein schlechter Laie einen andern absolviren und sein Pfarrherr werden kann, wie St. Augustin eine Historie schreibet: daß zwei Christen in einem Schiffe beisammen gewesen, der eine (der schon ein getaufter Christ war) den anderen (der noch kein getaufter Christ war) getauft und darnach von ihm (dem durch ihn, den Laien, Neugetauften) absolvirt ist.“ (S. 328.) Daher heißt es ferner in der Apologie: „Die Gewalt nun der Schlüssel, die verkündiget uns durch die Absolution das Evangelium: denn das Wort der Absolution verkündiget mir Friede, und ist das Evangelium selbst.“ (S. 161.) Und an einer anderen Stelle: „Es ist am Tage und es können die Widersacher nicht leugnen, daß die Unsern von der Absolution, von den Schlüsseln also christlich, richtig, rein geprediget, geschrieben und gelehret haben, daß viel betrübte, angefochtene Gewissen daraus großen Trost empfangen, nachdem sie dieses nöthigen Stückes klar unterrichtet sein, nemlich, daß es Gottes Gebot ist, daß es der rechte Gebrauch des Evangelii ist, daß wir der Absolution glauben und gewiß bei uns dafür halten, daß ohne unser Verdienst uns Sünden vergeben werden durch Christum, daß wir auch so wahrhaftig, wenn wir dem Wort der Absolution glauben, Gott werden versöhnet, als hörten wir eine Stimme vom Himmel. Diese Lehre, welche fast (sehr) nöthig, ist vielen angefochtenen Gewissen fast tröstlich gewesen. Auch haben viel redliche verständige Leute, viel fromme Herzen im Anfang dieser unserer Lehre halben Dr. Luthern hochgelobet und deß eine sondere Freude gehabt, daß der nöthige gewisse Trost wiederum wäre an Tag gebracht. Denn zuvor war die ganze nöthige Lehre von der Buße und Absolution unterdrückt, nachdem die Sophisten keinen rechten und beständigen Trost des Gewissens lehreten, sondern wiesen die Leute auf ihre eigenen Werke, daraus eitel Verzweifelung in erschrockene Gewissen kommt.“*) (S. 152. 153.)

*) Ohne Mittel heißt so viel als unmittelbar. In den Schmalkaldischen Artikeln wird also bekannt, daß die Kirche die Gewalt, zu absolviren, nicht etwa nur insofern habe, als die Prediger diese Gewalt haben und in die Kirche durch ihr Amt bringen. Nein, der Fall ist umgekehrt: die Kirche hat die Schlüssel unmittelbar von Christo; aber die Prediger haben dieselben mittelbar durch die Kirche, nemlich durch die Gemeinde, die ihnen den Beruf zur Predigt des Evangeliums in ihrer Mitte gegeben hat.

*) Hieraus ersieht der Leser: weit entfernt, daß die lutherische Lehre von der Absolution ein Ueberbleibsel des Pabstthums sein sollte, so ist sie vielmehr eine kostbare Frucht der Reformation. Was für eine ganz andere Lehre von der Absolution die papistische sei, haben wir bereits in einem Artikel des zweiten Jahrgangs des „Lutheraner“ gezeigt: „Die heilige Absolution, gerettet gegen die Lästerungen der Methodisten“, auf welchen Aufsatz wir den Leser in Betreff dieser und anderer in diese Materie einschlagenden Fragen verweisen.

Warum handelt es sich also bei der Verwerfung oder Anerkennung der Kraft der Absolution? Es handelt sich hierbei um nichts Geringeres, als darum, ob das Wort Gottes nicht eine bloße Anweisung zum wahren Christenthum und ob die heiligen Sacramente nicht bloße kraftlose Ceremonien und symbolische Darstellungen abwesender Dinge, sondern ob beides, Wort und Sacrament, wirklich Gnadenmittel, das heißt, ob es die Werkzeuge, die Hände Gottes sein, mit welchen uns Gottes Gnade und Vergebung der Sünde angeboten, überreicht und versiegelt wird. Es handelt sich darum, ob sich der Mensch auf das in der heiligen Schrift gelesene oder durch Menschen ihm gepredigte Wort des Evangeliums und auf die mit den heiligen Sacramenten verbundenen Verheißungen wirklich verlassen könne, als auf Gottes Stimme selbst, auch wenn das eigene Herz und Gewissen in uns anders redet, wenn es Nein zu Gottes Verheißungen spricht und uns verdammt. Es handelt sich also hierbei mit einem Worte wirklich um den höchsten und nöthigsten Trost für uns sündige Menschen.

Mögen darum die Secten diesen Trost in unseren Tagen, als einen fleischlichen, verwerfen, laßt uns, liebe lutherische Glaubensgenossen, desto fester daran halten. Mögen falschgeistliche Menschen uns darob verachten, laßt uns darum nicht Gott verachten, der uns jene Mittel zur Mittheilung und Versicherung seiner Gnade verliehen hat. Mögen schwärmerische Geister sich auf das verlassen, was sie selbst thun, leiden und erfahren, auf ihr Beten, auf ihr Kämpfen und Ringen, auf ihre Selbstverleugnungen, auf ihre Gefühle und Empfindungen, auf gehabte Visionen oder himmlische Erscheinungen, auf ihre Buße und Heiligung: wir wollen uns verlassen auf das, was Gott für uns gethan hat und was er uns mit der Hand seines Wortes und seiner heiligen Sacramente, der heiligen Taufe und des heiligen Abendmahls, darreicht.

Wohl ist kein Zweifel, daß auch unter den Secten gar viele theure Kinder Gottes sind, die bei Gott in Gnaden stehen und einst selig werden; aber diese werden nicht durch das selig, womit sie sich abmühen, nicht durch ihre vielen Werke, nicht durch ihr Beten, Arbeiten, Laufen und Rennen, sondern allein dadurch, daß sie, in diesem Allem keine Ruhe findend, endlich doch vor Gott nackt und bloß sich ausziehen und sich allein verlassen auf das Wort der Gnade, wie einst viele im Pabstthum, unter anderen ein St. Bernhardus, gethan, die im letzten Stündlein alles Eigne, wenn es ihnen auch vorher noch so köstlich zu sein schien, von sich geworfen und sich lediglich der Gnadenstimme des Evangeliums getröstet haben und also wie Brände aus dem Feuer noch gerettet worden sind. Laßt uns aber, die wir unter dem Sonnenscheine der reinen Lehre wohnen, nicht so lange damit warten, bis wir, etwa erst in unserer letzten Stunde, alles eigene Thun, alle eigene Werke, alle eigene Gerechtigkeit und Würdigkeit wegwerfen und uns an das Wort und die heilige Sacramente doch endlich allein festhalten müssen, wenn wir nicht verzagen und verloren gehen wollen. Laßt uns schon jetzt den Anfang damit machen, diesen Ballast aus dem Schiffe unseres Herzens zu werfen, damit unser Schifflein in den Stürmen der Anfechtung und Todesnoth nicht sinke und untergehe. Warum wollten wir das, was wir jedenfalls thun müssen, so wir selig werden wollen, erst dann thun, wenn die höchste Noth uns dazu drängt und wenn es für uns vielleicht schon zu spät ist? Nein, laßt uns jetzt schon allein bauen auf das Wort, das in der öffentlichen Predigt allen Sündern Gnade verkündigt und in der heiligen Absolution dieselbe uns insonderheit zuspricht. Laßt uns jetzt schon allein bauen auf unsere Taufe, darin wir schon längst in Gottes Gnadenbund aufgenommen worden sind; denn dieser Bund steht uns ewig fest. Laßt uns endlich jetzt schon allein bauen auf den in dem heiligen Abendmahle liegenden überschwänglichen Trost, so oft wir daran Theil nehmen; denn darin gibt uns Christus seinen wahren Leib und sein wahres Blut mit unserem Munde zu essen und zu trinken, als unwidersprechliche himmlische Unterpfänder, daß auch wir Theil haben an seiner Erlösung. So, im Glauben geübt, werden wir Trost haben in aller Anfechtung, wenn unser eigenes Herz uns verdammt; so werden wir Trost haben in der Stunde des Todes, wenn unser ganzes Leben uns verklagt und Welt und Satan wider uns auftritt; so werden wir ein getrostes Herz haben selbst am Tage des Gerichts, wenn die Bücher aufgethan und die Todten werden gerichtet werden, nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken. (Offb. 20, 12.) Denn was Gott selbst versprochen hat, das wird, das muß er halten.

Ein Arzt ist uns gegeben,
Der selber ist das Leben,
Christus, für uns gestorben,
Hat uns das Heil erworben.

Sein Wort, sein Tauf', sein Nachtmahl
Dient wider allen Unfall;
Der Heil'ge Geist im Glauben
Lehrt uns darauf vertrauen.

Durch ihn ist uns vergeben
Die Sünd', geschenkt das Leben:
Im Himmel soll'n wir haben,
O Gott! wie große Gaben!

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is opened, unless the gates are opened by the priests, to whose keeping the LORD has given the keys." (Part II., Chap. 5, Qu. 36. 37.)

This doctrine, as everyone knows, is earnestly rejected in the Lutheran Church as a proper piece of antichristian abomination, and it is declared that the power of absolution lies not in the office of the preacher but in the Word of God, so that it neither adds nor takes away anything from the power and validity of absolution whether a called preacher or any other Christian pronounces it. Therefore it is said in the Smalcald Articles: "Beyond this it must be confessed that the keys belong and are given not to one man alone, but to the whole Church. — For as the promise of the Gospel belongs certainly and immediately to the whole Church, so the keys belong immediately*) to the whole Church, since the keys are nothing else than the office by which such promise is imparted to everyone who desires it. Concordienbuch p. 320.) . . . As indeed, in time of need, even a common layman can absolve another and become his pastor, as St. Augustine writes a history: that two Christians were together in a ship, and the one (who was already a baptized Christian) baptized the other (who was not yet a baptized Christian), and afterward was absolved by him (by him who had been newly baptized through him, the layman)." (p. 328.) Therefore it is said further in the Apology: "The power of the keys proclaims to us the Gospel through absolution; for the word of absolution proclaims peace to me, and is the Gospel itself." (p. 161.) And in another place: "It is plain, and the adversaries cannot deny, that our people have preached, written, and taught of absolution and of the keys so Christianly, rightly, and purely, that many troubled and tempted consciences have received great comfort from it, after they have been clearly instructed in this necessary article, namely, that it is God's commandment, that it is the right use of the Gospel, that we believe the absolution and hold it certain among ourselves that our sins are forgiven without our merit through Christ, and that we are as truly reconciled to God, when we believe the word of absolution, as if we heard a voice from heaven. This doctrine, which is very (exceedingly) necessary, has been very comforting to many tempted consciences. Also many honest and understanding people, many pious hearts, at the beginning of this our doctrine, highly praised Dr. Luther on that account and had special joy therein, that the necessary and certain comfort was brought again to light. For before, the whole necessary doctrine of repentance and absolution was suppressed, since the sophists taught no right and steadfast comfort of conscience, but pointed the people to their own works, from which nothing but sheer despair comes into frightened consciences."*) (pp. 152. 153.)

*) "Without means" signifies as much as "immediately." It is therefore confessed in the Smalcald Articles that the Church has the power to absolve not merely in so far as the preachers have this power and bring it into the Church through their office. No, the case is the reverse: the Church has the keys immediately from Christ; but the preachers have them mediately through the Church, namely through the congregation, which has given them in its midst the call to the preaching of the Gospel.

*) From this the reader perceives: so far from the Lutheran doctrine of absolution being a remnant of popery, it is rather a precious fruit of the Reformation. What an entirely different doctrine of absolution the papistic one is, we have already shown in an article of the second volume of the "Lutheraner": "Die heilige Absolution, gerettet gegen die Lästerungen der Methodisten," to which essay we refer the reader with regard to this and other questions bearing upon this subject.

Why, then, is the question one of rejecting or acknowledging the power of absolution? It is nothing less than this: whether the Word of God is not a mere direction to true Christianity, and whether the holy Sacraments are not mere powerless ceremonies and symbolic representations of absent things, but whether both, Word and Sacrament, are really means of grace, that is, whether they are the instruments, the hands of God, with which God's grace and the forgiveness of sin are offered, presented, and sealed to us. The question is whether a man can really rely upon the Word of the Gospel, read in the Holy Scripture or preached to him by men, and upon the promises joined to the holy Sacraments, as upon God's own voice, even when his own heart and conscience within us speak otherwise, when it says No to God's promises and condemns us. In a word, therefore, the question here is really about the highest and most necessary comfort for us sinful men.

Though the sects, then, in our days reject this comfort as a carnal one, let us, dear Lutheran fellow-believers, hold the more firmly to it. Though false-spiritual men despise us for it, let us not on that account despise God, who has bestowed upon us those means for the imparting and assuring of His grace. Though enthusiastic spirits rely upon what they themselves do, suffer, and experience, upon their praying, upon their striving and wrestling, upon their self-denials, upon their feelings and sensations, upon visions they have had or heavenly appearances, upon their repentance and sanctification: let us rely upon what God has done for us and what He reaches to us with the hand of His Word and of His holy Sacraments, of holy Baptism and of the holy Supper.

There is no doubt that among the sects also there are very many dear children of God who stand in grace with God and will one day be saved; but these are saved not by that wherewith they toil, not by their many works, not by their praying, laboring, running and racing, but only by this, that, finding no rest in all this, they at last strip themselves naked and bare before God and rely solely upon the Word of grace, as once many did under the papacy, among others a St. Bernard, who in the last little hour cast from them everything of their own, however precious it had before seemed to them, and comforted themselves solely with the gracious voice of the Gospel, and so were rescued like brands from the fire. But let us who dwell in the sunshine of the pure doctrine not wait so long, until, perhaps only in our last hour, we must cast away all our own doing, all our own works, all our own righteousness and worthiness, and at last hold fast to the Word and the holy Sacraments alone, if we would not despair and be lost. Let us even now make a beginning of throwing this ballast out of the ship of our heart, that our little ship may not sink and go down in the storms of temptation and the distress of death. Why should we wait to do that which we must do in any case, if we would be saved, until the utmost distress drives us to it and it is perhaps already too late for us? No, let us even now build alone upon the Word, which in the public preaching proclaims grace to all sinners, and in holy absolution speaks the same to us in particular. Let us even now build alone upon our Baptism, wherein we were long since received into God's covenant of grace; for this covenant stands fast to us eternally. Let us finally even now build alone upon the exceeding comfort that lies in the holy Supper, as often as we partake of it; for therein Christ gives us His true body and His true blood to eat and to drink with our mouth, as indisputable heavenly pledges that we also have part in His redemption. Thus, exercised in faith, we shall have comfort in all temptation, when our own heart condemns us; so shall we have comfort in the hour of death, when our whole life accuses us and world and Satan rise up against us; so shall we have a comforted heart even at the day of judgment, when the books are opened and the dead shall be judged out of those things which were written in the books, according to their works. (Rev. 20, 12.) For what God Himself has promised, that He will, that He must keep.

A Physician is given to us,
Who Himself is life,
Christ, for us dead,
Has won salvation for us.

His Word, His Baptism, His Supper
Serve against every mishap;
The Holy Ghost in faith
Teaches us to trust therein.

Through Him is forgiven us
Our sin, and life bestowed:
In heaven we shall have,
O God! what great gifts!