Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 17 › Seite 131

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-04-16, Seite 131

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Richter war) und der Kaiser in Religionssachen beschließen werde. Darauf erwiderte der treue Bekenner: „Wir wollen bei der Lehre und Bekenntniß, die wir zu Augsburg, neben unserm Vater, auch andere Fürsten und Städte, öffentlich übergeben, beständig verharren und lieber die Kur, Land und Leute, auch den Hals darzu hergeben, als von Gottes Wort uns abreißen lassen.“

Sollte solchem hochherzigen theuerwerthen Bekenntnisse gegenüber die hiesige sogenannte lutherische Generalsynode sich nicht tief beschämt fühlen, daß sie zwar lutherisch, das ist rechtgläubig, sein will und doch so lose und leichtfertig selbst nicht einmal zu dieser Augsburgischen Confession, geschweige zu den andern Bekenntnißschriften sich ehrlich und redlich bekennt, sondern die Artikel von den heiligen Sacramenten verwirft, ohne doch den Beweis führen zu können, daß sie nicht auf Gottes Wort gegründet seien? Ja, hat nicht erst neulich der Hauptstimmführer dieser Afterlutheraner, Herr Dr. Schmucker, Professor der Theologie in Gettysburg, in seltener Unwissenheit oder Frechheit, sich nicht entblödet, zu behaupten, daß die Lehre der Confession von der leiblichen Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl Ueberbleibsel der römisch-katholischen Kirche sei?

Nicht minder bekenntnißtreu aber erzeigte sich Johann Friedrich bei Gelegenheit des sogenannten Augsburger Interim. Dieses war nemlich eine auf Befehl des Kaisers von zwei katholischen und einem sogenannten lutherischen Theologen (Agricola) zusammengestoppelte Ordnung und Form, wie es einstweilen in Sachen der Religion im heiligen römischen Reiche bis zum Austrag eines gemeinen Concils sollte gehalten werden. Es war aber dieses Interim sehr fein, listig und verfänglich abgefaßt; denn obwohl den Evangelischen Manches darin zugestanden war, wie z. B. die Priester-Ehe und die Communion unter beiderlei Gestalt, so waren doch selbst diese Zugeständnisse nur als eine Art von Gunst, bis zu den Aussprüchen des künftigen Concils, nicht aber als das gute Recht der Protestanten betrachtet; und daneben wurden eine Menge papistischer Ceremonien als nothwendig wieder aufgerichtet, die bereits in den evangelischen Landschaften gefallen und abgeschafft waren. Summa, es steckte dem Wesen nach das ganze Pabstthum wieder in diesem Interim verborgen, und hätten die Evangelischen es alle angenommen, so wäre es um ihr Bekenntniß und dessen gottesdienstliche Ausübung geschehen gewesen.

Da nun der damals vollkommen siegreiche und mächtige Kaiser auf allerlei Weise, bald mit Versprechungen, bald mit Drohungen unaufhörlich auf die Lutherischen eindrang, dieses Interim anzunehmen, so fielen nicht Wenige dahin und nur Wenige blieben standhaft. Zu diesen aber gehörte der hochherzige Herzog von Sachsen Johann Friedrich.

Schon vor Zusammenstoppelung des Interim ließ ihn der Kaiser zu München vor sich kommen und verlangte von ihm, „er solle von seinem Irrthum abstehen und sich dem Concilium unterwerfen, dann wolle er sein gnädiger Herr sein und seinen erlittenen Schaden ergänzen, daß er solle zufrieden sein“.

Der Herzog, dessen Glaubensmuth und Bekenntnißtreue bei allem Wechsel der äußern Umstände bisher unerschüttert geblieben war, gab auch hier dem Kaiser eine Antwort, die von solcher Gesinnung ein kräftiges Zeugniß ablegte. Es war diese: „Allergnädigster Kaiser! Ich stehe hier vor Ew. Kaiserl. Majestät als ein armer gefangener Mann; ich leugne nicht, daß ich habe die Wahrheit bekannt und darob Hab und Gut, Weib und Kind, Land und Leute, kurzum Alles, was mir Gott in dieser Welt gegeben und verliehen hat, verlassen, und habe nicht mehr, denn diesen gefangenen Leib, der doch nicht in meiner, sondern in Ew. Kaiserl. Majestät Macht und Gewalt steht, und dieweil ich vor aller Welt bloß stehe und soll dazu das Ewige auch verlassen durch meinen Widerruf, dafür wolle mich Gott behüten, denn ich meinen höchsten Trost darein gesetzt, daß ich gewiß weiß, ob ich schon diesen armen Leib sammt dem Leben darob verlieren muß, daß mir Gott Besseres geben wird. Mir stünde auch übel an, daß ich durch meinen freventlichen Widerruf viel tausend Menschen in groß Aergerniß führen sollte, dieweil ich so lange die Wahrheit bekannt und auf das Letzte davon fallen sollte. Derhalben Allergnädigster Kaiser, Ew. Kaiserl. Majestät hat mich in ihrer Gewalt, mögen mit mir handeln, wie mit einem Gefangenen; bei der erkannten Wahrheit aber will ich bleiben und den Andern zu einem Exempel darob leiden, was mir Gott und Ew. Kaiserl. Majestät auflegt.“

Der Kaiser mußte den Nachdruck dieser Rede und das Edle in dem ganzen Betragen des Herzogs auch gefühlt haben; denn er war nicht im Stande, dessen Blick länger zu ertragen, sondern wendete sich weg, ohne ihm eine Silbe zu antworten.

Nach der Bekanntmachung des Interim bei dem Reichstäg schickte der Kaiser seine vornehmsten Minister mit dem Auftrage an den Herzog: „er solle dieses Interim Kaiserl. Majestät zu unterthänigstem Gehorsam erstlich selbst annehmen und dann auch bei seinen Söhnen ein Gleiches befördern und verschaffen, daß es bei ihren Unterthanen gehalten werde.“

Die Kaiserlichen Minister setzten mit Drohungen und Versprechungen in ihn, dem Befehl des Kaisers Genüge zu leisten; er blieb aber gegen Beides unempfindlich und erklärte ihnen zu wiederholten Malen, daß er von der Augsburger Confession nicht weichen werde.

Um desto gewisser zu sein, daß sie dem Kaiser seine wahre Meinung hinterbrächten, brachte er seine Antwort in deutscher und lateinischer Sprache zu Papier und ersuchte sie, dem Kaiser dieselbe unfehlbar einzuhändigen. Er sagt darin Folgendes: „Dieweil Kaiserl. Majestät jetzo wiederum ernstlich bei uns suchen lassen, in das Interim zu willigen, so müssen wir in unterthänigster Demuth anzeigen, daß wir von Jugend auf also unterrichtet worden, auch durch fleißige Nachforschung der prophetischen und apostolischen Schriften erlernt haben, und in unserm Gewissen, wie wir vor Gott bezeugen, ohne alles Wanken dafür halten, daß die Artikel der Augsburger Confession, und was dem anhängig, die wahre christliche reine Lehre, in der heiligen Schrift also gegründet, daß nichts Erhebliches dawider aufgebracht werden könne, daher sich auch weiland unser lieber Herr und Vater sammt uns und andern derselben Confession, bis auf Erkenntniß eines allgemeinen, freien, christlichen Concilii anhängig gemacht. Weil wir denn von der unvergänglichen Wahrheit Gottes in unserm Gewissen beständiglich überzeugt, so sind wir auch schuldig, Gott für solche unaussprechliche Gnade gehorsam und dankbar zu sein und davon nicht abzufallen, so lieb uns die ewige Seligkeit zu ererben, und das ewige höllische Verdammniß zu meiden.“

„Wenn wir nun das Interim für christlich und gottselig annehmen sollten, so müßten wir die Augsburger Confession und was wir bisher vom Evangelio JEsu Christi geglaubt, in vielen trefflichen Artikeln, daran die Seligkeit gelegen, wider unser Gewissen vorsätzlich verdammen und mit dem Munde billigen, was wir im Herzen glaubten, daß es der heiligen Schrift ganz und gar zuwider wäre; und folglich den Namen Gottes jämmerlich mißbrauchen und grausamlich verlästern, auch Beides die hohe Majestät Gottes im Himmel und unsre weltliche Obrigkeit auf Erden mit gefärbten Worten betrügen, welches die rechte Sünde wider den Heiligen Geist sein würde, von welcher Christus gedrohet, daß sie weder in dieser noch in jener Welt vergeben werden sollte. Da wir nun in unserm Gewissen also gefangen, so bitten wir in aller Unterthänigkeit, Kaiserl. Majestät wollten es zu Ungnaden nicht aufnehmen, daß wir in das Interim nicht willigen können, sondern bei der Augsburgischen Confession endlich verharren und allein dahin sehen, wie wir nach diesem elenden Leben der ewigen Freude theilhaftig werden mögen. Dabei bezeugen wir vor dem Angesicht Gottes, daß wir nichts Anderes suchen, denn die göttliche Ehre und wie wir zu einem Erben des ewigen Lebens mögen aufgenommen werden. Was dagegen äußerliche Sachen belanget, sind wir allwege begierig gewesen, Kaiserl. Majestät unterthänigsten Gehorsam mit allen Treuen zu leisten, als Gott weiß, und wollen auch ferner ohnverbrüchlich halten, was wir Kaiserlicher Majestät zugesagt, gelobt und geschworen.“

Die Kaiserlichen Minister überlieferten jedoch dieses herrliche Bekenntniß dem Kaiser nicht, sondern gaben ihm nur mündlichen Bericht, daß der Kurfürst sich entschieden weigere, das Interim anzuerkennen, ohne jedoch, wie es scheint, die ehrenwerthen Gründe seiner Weigerung und seine sonstige Demuth und Ergebenheit dem Kaiser zugleich zu melden. In Folge deß geschah es nun, daß man ihm alle seine Bücher, sogar auch die Bibel wegnahm; nur den Psalter und Luthers Hauspostille behielt er noch übrig, weil sie einer seiner Bedienten versteckt hatte. Bei dieser Gelegenheit sagte er denn ganz gelassen: „Ob sie mir schon meine Bücher nehmen, sollen sie mir doch, was ich daraus gelernt habe, nicht aus dem

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a party) and the Emperor should decide in matters of religion. To this the faithful confessor replied: "We will abide steadfastly by the doctrine and confession which we, together with our father, and other princes and cities also, publicly delivered at Augsburg, and will sooner give up the electorate, land and people, yea, even our neck, than let ourselves be torn away from God's Word."

Ought not the so-called Lutheran General Synod of this country feel itself deeply ashamed in face of such a magnanimous and precious confession, that it indeed wishes to be Lutheran, that is, orthodox, and yet so loosely and frivolously does not confess itself honestly and sincerely even to this Augsburg Confession, to say nothing of the other confessional writings, but rejects the articles concerning the holy Sacraments, without being able to furnish the proof that they are not founded upon God's Word? Yea, has not lately the chief spokesman of these pseudo-Lutherans, Herr Dr. Schmucker, Professor of Theology at Gettysburg, in rare ignorance or impudence, not been ashamed to assert that the doctrine of the Confession concerning the bodily presence of Christ in the holy Supper is a remnant of the Roman Catholic Church?

No less faithful to the confession did John Frederick show himself on the occasion of the so-called Augsburg Interim. This was, namely, an order and form patched together at the Emperor's command by two Catholic and one so-called Lutheran theologian (Agricola), as to how matters of religion in the holy Roman Empire should be conducted in the meantime until the settlement of a general council. But this Interim was drawn up very cunningly, craftily and deceitfully; for although much was conceded therein to the Evangelicals, as for example the marriage of priests and communion in both kinds, yet even these concessions were regarded only as a kind of favor, until the decisions of the future council, and not as the good right of the Protestants; and besides, a multitude of papistical ceremonies were set up again as necessary, which had already fallen and been abolished in the evangelical territories. In sum, the whole papacy lay hidden again in substance in this Interim, and had the Evangelicals all accepted it, their confession and its public exercise in worship would have been at an end.

Now since the Emperor, who was at that time completely victorious and mighty, pressed the Lutherans unceasingly in all manner of ways, now with promises, now with threats, to accept this Interim, not a few fell away and only a few remained steadfast. But to these belonged the magnanimous Duke of Saxony, John Frederick.

Even before the patching together of the Interim the Emperor had him come before him at Munich and demanded of him, "that he should desist from his error and submit to the Council, then he would be his gracious lord and make good his sufferings, so that he should be content."

The Duke, whose courage of faith and fidelity to the confession had remained unshaken through all changes of outward circumstances until then, gave the Emperor here also an answer which bore a powerful witness to such a disposition. It was this: "Most gracious Emperor! I stand here before Your Imperial Majesty as a poor prisoner; I do not deny that I have confessed the truth and for its sake have forsaken goods and estate, wife and child, land and people, in short everything that God has given and granted me in this world, and have no more than this imprisoned body, which indeed is not in my power but in the power and might of Your Imperial Majesty; and since I stand bare before all the world and am also to forsake that which is eternal by my recantation, God forbid it, for I have set my highest comfort therein, that I know for certain, though I must lose this poor body together with life for it, that God will give me something better. It would also ill become me to lead many thousands of men into great offence by my wanton recantation, since I have so long confessed the truth and should at the last fall away from it. Therefore, most gracious Emperor, Your Imperial Majesty has me in your power; do with me as with a prisoner; but I will abide by the truth I have recognized and suffer for it as an example to others, whatever God and Your Imperial Majesty lay upon me."

The Emperor must also have felt the force of this speech and the nobleness in the whole bearing of the Duke; for he was not able to endure his gaze any longer, but turned away without answering him a syllable.

After the proclamation of the Interim at the Diet the Emperor sent his chief ministers with the commission to the Duke: "he should first accept this Interim himself in most humble obedience to His Imperial Majesty, and then also promote the same among his sons and procure that it be observed among their subjects."

The Imperial ministers pressed him with threats and promises to comply with the Emperor's command; but he remained insensible to both and declared to them repeatedly that he would not depart from the Augsburg Confession.

In order to be the more certain that they would report his true mind to the Emperor, he put his answer on paper in German and Latin and requested them to deliver it to the Emperor without fail. He says therein as follows: "Whereas Your Imperial Majesty has again earnestly caused request to be made of us to consent to the Interim, we must in most humble submission declare that we have been so instructed from our youth, and have also learned by diligent search of the prophetic and apostolic writings, and, as we testify before God, hold without any wavering in our conscience, that the articles of the Augsburg Confession, and what belongs thereto, are the true, Christian, pure doctrine, so grounded in Holy Scripture that nothing of weight can be brought against it; wherefore also our dear lord and father of blessed memory, together with us and others of the same Confession, appealed to a general, free, Christian council. Since, then, we are steadfastly convinced in our conscience of the imperishable truth of God, we are also bound to be obedient and thankful to God for such unspeakable grace, and not to fall away from it, as dear as the inheriting of eternal salvation is to us, and the avoiding of eternal damnation in hell."

"If we were to accept the Interim as Christian and godly, we would have to condemn deliberately against our conscience the Augsburg Confession and what we have hitherto believed of the Gospel of Jesus Christ, in many excellent articles upon which salvation depends, and approve with the mouth what we believed in the heart to be altogether contrary to Holy Scripture; and consequently miserably misuse and cruelly blaspheme the name of God, and also deceive with colored words both the high Majesty of God in heaven and our worldly authority on earth, which would be the right sin against the Holy Ghost, of which Christ has threatened that it should not be forgiven, neither in this world nor in that to come. Since we are thus held captive in our conscience, we pray in all submission that Your Imperial Majesty would not take it ill that we cannot consent to the Interim, but finally abide by the Augsburg Confession and look only to this, how after this miserable life we may become partakers of eternal joy. Herewith we testify before the face of God that we seek nothing else but the divine honor and how we may be received as an heir of eternal life. As to what concerns outward matters, we have always been desirous to render Your Imperial Majesty most humble obedience with all fidelity, as God knows, and also intend henceforth to keep inviolably what we have promised, vowed and sworn to Your Imperial Majesty."

The Imperial ministers, however, did not deliver this glorious confession to the Emperor, but gave him only an oral report that the Elector decidedly refused to recognize the Interim, without, however, as it seems, reporting to the Emperor at the same time the honorable grounds of his refusal and his otherwise humble submission and devotion. In consequence of this it happened that all his books, even the Bible, were taken from him; only the Psalter and Luther's Hauspostille he still retained, because one of his servants had hidden them. On this occasion he said quite calmly: "Although they take my books from me, they shall yet not take out of the