Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 17 › Seite 133

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-04-16, Seite 133

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch 6 · Kampf 10 · Organiſtenamt 4

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das Gebet in JEsu Namen, die Thränen. Ein jeder, auch nur versteckter, verkleideter Zwang erbittert nur die Gemüther; hier muß Freiheit herrschen, die Freiheit, die in dem weltlichen Reiche blos auf dem Papiere steht, in Christi Reiche allein zur That wird. Ein Christenthum, das durch Polizeidiener oder Schergen geschützt oder aufrecht erhalten werden soll, ist kein Christenthum, sondern ein Gott Mäusim im Heiligthume (Dan. 11, 38. 39.); wo aber wilde Nacken gebändigt und gebeugt werden sollen, da übernimmt der Heilige Geist die Zucht, und das Wort gibt das Fleisch zum Verderben, auf daß die Seele gerettet werde zum Tage Christi (1 Cor. 5, 5.). Obenan unter allen Kirchenwaffen steht die heilige, durchdringende, mächtig waltende Kraft der Wahrheit im Zeugnisse; denn was wäre ohne diese Wahrheit unser Gebet und unsere Bitte anders als ein Mundeshauch, unsere Thränen anders als die erheuchelten einer Hure, die für Geld feil ist? Da aber kommt nun das Wunderliche, scheinbar Widersprechende zum Vorschein, daß gerade das mitleidsvolle Herz JEsu die Waffen scharf und immer schärfer macht. Da hört man, daß ein Apostel, der sogar für seine Brüder dem Fleische nach verbannt zu sein wünschte von Christo (Röm. 9, 3.), ein Anathema über alle und über sich selbst herabruft, wenn sie oder jemand, und wäre es auch ein Engel vom Himmel, das Evangelium anders predigen wollte, als es von Anfang gepredigt war (Gal. 1, 8.). Da hört man den von Liebe glühenden Johannes (so hatte der Liebeszorn, den er hier im Anfange zeigt, sich bei ihm verklärt) die Grenzlinien so scharf ziehen, daß es bei ihm heißt: „Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht (1 Joh. 5, 12.). Daran wird es offenbar, welche die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels sind; wer nicht recht thut, der ist nicht von Gott, und wer nicht seinen Bruder lieb hat (1 Joh. 3, 10.). Ja so ist es, die Waffen des Zeugnisses der Wahrheit sind so scharf, weil die Liebe Christi und das Mitleid mit den Verirrten das Herz bewegen, machtvolle Waffen, geschmiedet aus dem festesten Stahl, der nimmer abbiegt, und noch dazu täglich geschärft wird am Worte selbst. Und Niemand kann sie führen, der nicht zuvor selbst die Schärfe derselben empfunden hat, durch dessen Seele nicht das Schwert gegangen ist, von welchem der Apostel schreibet: Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer, denn kein zweischneidig Schwert, und durchdringet, bis daß es scheidet Seele und Geist und Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens (Hebr. 4, 12.). Das ist die rechte Barmherzigkeit, das rechte Mitleid mit der Seele, sowie es hingegen die größte Unbarmherzigkeit ist, wenn ein Mensch sich zum Lehrer aufwirft und das Wort verkündiget, von dem er selbst nicht weiß, ob es gewiß ist, oder wenn ein solcher nicht fragt nach der rechten Seelenspeise, dem Worte des Lebens, wenn es ihm ein Geringes dünkt, ob er auch den Glauben der Gemeine in ihrem Grunde und Wesen antaste, als ob er der Herr darüber wäre. Wo aber die Wahrheitswaffe in ihrer Schärfe recht gebraucht wird, da kann das mitleidsvolle Herz JEsu in seinen Jüngern bei ihrer Bitte, ihrem Gebete, ihren Thränen sich nicht verbergen. Ihre Bitte wird wie eine Bitte Christi selbst, ihr Gebet in seinem Namen ein erhörliches, ihre gottseligen Thränen ein Liebesfeuer, welches das wilde Feuer der Herzen dämpft. Wo alles dieses nichts verfängt, da zeigt uns der HErr, was wir thun sollen. Er ging von einem Markte Samariens in den andern, sowie er seinen Jüngern, als er sie aussandte, befohlen hatte: „Wo euch Jemand nicht annehmen, noch eure Rede hören wird, so gehet heraus von demselbigen Hause oder Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen.“ (Matth. 10, 14.) Die Wahrheit weicht lieber, als daß sie je ihre Waffen vertausche; sie sind ihr von Gott in die Hand gelegt. — Dr. A. G. Rudelbach. Kirchenspiegel, S. 432 ff.

Die sämmtlichen Urmelodien zu dem „Kirchengesangbuch für evang.-lutherische Gemeinden ungeänderter Augsburgischer Confession“.

Gesammelt von F. Hoddick, Organist.

Vor einigen Tagen ist uns ein also betiteltes Melodienbüchlein zu dem von der hiesigen Gemeinde herausgegebenen Gesangbuch durch die Güte des Herrn Verlegers Koch & Co. (New York, William Straße Nr. 160) zugekommen. Dasselbe enthält alle zu unserm Gesangbuch nöthige, wenn auch nicht sämmtliche Grund-Melodien, mit Ausnahme von folgenden fünf Gesängen in Prosa: Nr. 7. Kyrie. 96. Also heilig. 133. Komm, Heiliger Geist, erfüll'. 147. Jesaja, dem Propheten. 368. Litanei; welche fehlenden wohl in den meisten Gemeinden nicht vermißt werden. Das Ganze umfaßt 141 Grundmelodien, darunter sich ohngefähr 28 als Zugabe befinden, welche zu Liedern gehören, die unser Gesangbuch nicht enthält, unter andern die Melodie zu dem herrlichen Liede: Jerusalem, du hochgebaute Stadt. Die Noten sind im Violinschlüssel gegeben. Zur Bequemlichkeit ist ein Register vorgesetzt, welches zu jeder Nummer des Liedes im Gesangbuch die Nummer der Melodie im Büchlein angibt. Die Ausstattung, Druck, Papier, Einband ꝛc. ist vortrefflich und der Preis so niedrig, als er nur sein kann (18¾ Cts., à 12 St. $1.20, à 100 St. $8.00). Zu haben ist das Büchlein außer in der oben bezeichneten Verlagshandlung in allen deutschen Buchhandlungen in den Vereinigten Staaten. Wir zweifeln nicht, daß hiermit dem Bedürfniß vieler Gemeinden, welche unser Gesangbuch eingeführt haben, entsprochen und abgeholfen ist, und daß viele die Arbeit Herrn Hoddick's mit Dank gebrauchen werden; wir fürchten jedoch, daß der Absatz des Werkleins geringer sein dürfte, als er unter andern Umständen sein würde. In den Gemeinden nemlich, in welchen unser Gesangbuch gebraucht wird, und zwar gerade in den an Gliedern zahlreichsten, verschafft sich der Choralgesang in seinen ursprünglichen Tönen und Rhythmen immer mehr Eingang; und wir sind fest überzeugt: gibt Gott ferner Gnade, daß der alte lutherische Glaube mehr und mehr in unsern Gemeinden erwacht, so werden diese Gemeinden auch mehr und mehr der mit der Glaubenserstorbung in die Kirche eingedrungenen und mit dem Rationalismus in derselben herrschend gewordenen neuen schleppenden, leeren, todten Singweise herzlich müde werden und den alten ursprünglichen, in ausdrucksvollem Takte daher schreitenden, glaubenslebendigen Kirchengesang des 16. und 17. Jahrhunderts mit seinen eigenthümlichen kirchlichen Tonarten annehmen. Wir hoffen dies um so zuversichtlicher, da Hr. Dr. Layriz bei Besorgung einer neuen Auflage seines vortrefflichen Choralbuchs auch unser Gesangbuch berücksichtigt hat, so daß nun unseren Gemeinden Gelegenheit gegeben ist, unsere alten lutherischen Kernlieder auch nach ihrer ursprünglichen Melodie und Harmonie singen zu lernen und die Kraft unseres lutherischen Kirchengesanges zu erfahren, wie sie sich einst zur Zeit der Reformation geäußert hat. Es ist uns leider nur der erste Band des Layriz'schen Werkes bis jetzt zugekommen. Der Titel desselben ist folgender: „Kern des deutschen Kirchengesanges, zweite, umgearbeitete und sehr vermehrte Auflage, als Versuch zur Herstellung eines nach Ton, Rhythmus und Harmonie rectificirten Choralbuchs, zum Gebrauch ev.-lutherischer Gemeinden deutscher Zunge, herausgegeben von Dr. Friedrich Layriz. Erste Abtheilung, 130 der zumeist zum Kirchengebrauch geeigneten Choräle enthaltend. Nördlingen, in der C. H. Beck'schen Buchhandlung. 1849.“ Mit der zweiten Abtheilung umfaßt dieses Werk ohngefähr 330 Choräle. — So herzlich wir wünschen, daß die höchst dankenswerthe Mühe Herrn Hoddicks ihre Entschädigung finden möge, so hoffen wir doch, daß das liebe Büchlein keine zweite Auflage erleben möge und daß, wenn Herr Hoddick sich dazu verstehen sollte, eine Melodiensammlung nach Layriz zu veranstalten, diese nicht nur eben so schnell verkauft, sondern auch für die Zukunft das Normalbuch unseres amerikanisch-lutherischen Kirchengesangs werden werde.

(Eingesandt.)

Spuren, daß das Evangelium schon in den Zeiten der Apostel in Amerika gepredigt sei.

Es ist zu bemerken, daß Johannes Goropius in Origines, Marinus Siculus l. 15. Hist. Hisp., sowie auch Neander in Cosmogr., pag. 7 sqq. aus Plato im Timäus, Strabo, Plinius u. s. w. nachweisen, Amerika sei den Alten nicht fremd gewesen, sondern ganz bekannt unter dem Namen Atlantis, und nachdem es lange verborgen geblieben, sei es zu unserer Zeit wieder entdeckt; die Schifffahrt aber nach dem neuen Welttheile sei von den Alten unterlassen, theils auf

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prayer in the name of JEsus, the tears. Every compulsion, even if only concealed and disguised, merely embitters men's minds; here freedom must reign, the freedom which in the worldly kingdom stands only on paper, but in Christ's kingdom alone becomes a deed. A Christianity that is to be protected or upheld by constables or bailiffs is no Christianity, but a god of fortresses in the sanctuary (Dan. 11, 38. 39.); but where wild necks are to be tamed and bowed, there the Holy Ghost undertakes the discipline, and the Word delivers the flesh to destruction, that the soul may be saved in the day of Christ (1 Cor. 5, 5.). Foremost among all the weapons of the Church stands the holy, penetrating, mightily prevailing power of the truth in testimony; for without this truth, what would our prayer and our petition be but a breath of the mouth, our tears but the feigned tears of a harlot who is for sale for money? But here there now comes to light the strange, seemingly contradictory fact, that it is precisely the compassionate heart of JEsus that makes the weapons sharp and ever sharper. Here we hear that an apostle, who even wished for his brethren according to the flesh to be himself accursed from Christ (Rom. 9, 3.), calls down an anathema upon all, and upon himself, if they or anyone, even were it an angel from heaven, should preach the Gospel otherwise than it was preached from the beginning (Gal. 1, 8.). Here we hear John, glowing with love (so had the wrath of love, which he shows here at the beginning, been transfigured in him), draw the boundary lines so sharply that with him it reads: "He that hath the Son of God hath life; he that hath not the Son of God hath not life (1 John 5, 12.). In this the children of God are manifest, and the children of the devil; whosoever doeth not righteousness is not of God, neither he that loveth not his brother (1 John 3, 10.). Yes, so it is: the weapons of the testimony of the truth are so sharp because the love of Christ and compassion for the erring move the heart; mighty weapons, forged of the firmest steel, which never bends, and which moreover is daily sharpened on the Word itself. And no one can wield them who has not first himself felt their sharpness, through whose soul the sword has not passed, of which the apostle writes: The Word of God is quick, and powerful, and sharper than any two-edged sword, and piercing even to the dividing asunder of soul and spirit, and of the joints and marrow, and is a discerner of the thoughts and intents of the heart (Heb. 4, 12.). That is true mercy, true compassion for the soul, just as, on the other hand, it is the greatest unmercifulness when a man sets himself up as a teacher and proclaims the word of which he himself does not know whether it is certain, or when such a one does not ask after the right food of the soul, the Word of life, when it seems to him a small matter whether he assail the faith of the congregation in its ground and being, as if he were lord over it. But where the weapon of truth is rightly used in its sharpness, there the compassionate heart of JEsus cannot hide itself in His disciples in their petition, their prayer, their tears. Their petition becomes like a petition of Christ Himself, their prayer in His name one that is heard, their godly tears a fire of love which quenches the wild fire of hearts. Where all this avails nothing, there the LORD shows us what we are to do. He went from one market-town of Samaria to another, just as He had commanded His disciples when He sent them out: "Whosoever shall not receive you, nor hear your words, depart out of that house or city, and shake off the dust of your feet." (Matth. 10, 14.) The truth would rather withdraw than ever exchange its weapons; they have been laid in its hand by God. — Dr. A. G. Rudelbach. Kirchenspiegel, p. 432 ff.

The Complete Original Melodies for the "Kirchengesangbuch für evang.-lutherische Gemeinden ungeänderter Augsburgischer Confession".

Collected by F. Hoddick, Organist.

A few days ago there came to us a little book of melodies, bearing this title, for the hymnal published by the congregation here, through the kindness of the publisher, Mr. Koch & Co. (New York, 160 William Street). It contains all the basic melodies needed for our hymnal, though not every one, with the exception of the following five chants in prose: No. 7. Kyrie. 96. Also heilig. 133. Komm, Heiliger Geist, erfüll'. 147. Jesaja, dem Propheten. 368. Litanei; which missing ones will probably not be missed in most congregations. The whole comprises 141 basic melodies, among which about 28 are added as a supplement, belonging to hymns which our hymnal does not contain, among others the melody to the glorious hymn: Jerusalem, du hochgebaute Stadt. The notes are given in the treble clef. For convenience a register is prefixed, which gives, for every number of the hymn in the hymnal, the number of the melody in the little book. The appointments, printing, paper, binding, etc., are excellent, and the price as low as it can possibly be (18¾ cts., at 12 copies $1.20, at 100 copies $8.00). The little book is to be had, besides at the publishing house named above, in all German bookstores in the United States. We do not doubt that the need of many congregations which have introduced our hymnal is hereby met and relieved, and that many will use Mr. Hoddick's work with thanks; we fear, however, that the sale of the little work will be smaller than it would be under other circumstances. For in the congregations, namely, in which our hymnal is used, and indeed precisely in those largest in membership, choral singing in its original tones and rhythms is gaining ever more entrance; and we are firmly convinced: if God grants further grace that the old Lutheran faith awakens more and more in our congregations, then these congregations too will grow more and more heartily weary of the new, dragging, empty, dead manner of singing which has intruded into the Church with the death of faith and become dominant in it with Rationalism, and will adopt the old original church song of the 16th and 17th centuries, striding along in expressive measure and alive with faith, with its peculiar ecclesiastical modes. We hope this the more confidently since Dr. Layriz, in preparing a new edition of his excellent chorale book, has also taken our hymnal into account, so that our congregations are now given the opportunity to learn to sing our old Lutheran hymns of the core repertoire also according to their original melody and harmony, and to experience the power of our Lutheran church song as it once manifested itself in the time of the Reformation. Unfortunately only the first volume of Layriz's work has reached us so far. Its title is as follows: "Kern des deutschen Kirchengesanges, zweite, umgearbeitete und sehr vermehrte Auflage, als Versuch zur Herstellung eines nach Ton, Rhythmus und Harmonie rectificirten Choralbuchs, zum Gebrauch ev.-lutherischer Gemeinden deutscher Zunge, herausgegeben von Dr. Friedrich Layriz. Erste Abtheilung, 130 der zumeist zum Kirchengebrauch geeigneten Choräle enthaltend. Nördlingen, in der C. H. Beck'schen Buchhandlung. 1849." With the second part this work comprises about 330 chorales. — As heartily as we wish that Mr. Hoddick's most thankworthy labor may find its compensation, yet we hope that the dear little book may not see a second edition, and that, should Mr. Hoddick consent to prepare a collection of melodies according to Layriz, this may not only sell just as quickly, but may also become for the future the standard book of our American-Lutheran church song.

(Submitted.)

Traces that the Gospel was preached in America already in the times of the apostles.

It is to be observed that Johannes Goropius in Origines, Marinus Siculus l. 15. Hist. Hisp., as also Neander in Cosmogr., pag. 7 sqq., prove from Plato in the Timaeus, Strabo, Pliny, etc., that America was not unknown to the ancients, but was quite well known under the name of Atlantis, and after it had long remained hidden, was discovered again in our time; but that navigation to the new continent was given up by the ancients, partly on