Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 22 › Seite 173

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-06-25, Seite 173

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Heiden 1 · Heiden 2 · Miſſion 15 · Miſſion 32 · Opfer 5

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Resten menschlicher Leiber, und seinen majestätischen Fuß umgaben unregelmäßige Haufen scheußlicher Schädel, welche sich dort seit vielen Jahren aufgesammelt hatten. Tausende von Geiern, welche unsere unwillkommene Annäherung gescheucht hatte, schwebten in Kreisen über ihrem ekelhaften Fraße und stießen dann und wann furchtlos nieder auf einen halb verzehrten Schenkel oder Arm.“

Ist das nicht greulich? Aber das Bedauerlichste dabei ist, daß sie mit derlei grausamen Opfern Gott einen Dienst zu thun vermeinen. Bei andern heidnischen Völkern wiederum gehen die Menschenopfer weniger im Schwange, aber sie quälen ihren Leib auf eine gräßliche Weise, um ihr verschuldetes Gewissen, das nach Frieden schreiet, stille zu machen. So berichtet uns einer unserer Missionare, der unter den Heiden in Ostindien am Evangelio arbeitet:

„Ganz nahe an der Stadt liegt ein Dörfchen am Meeresstrande, das von Fischern bewohnt wird. Diese bilden eine eigene Kaste (Abtheilung) und halten ein eignes Fest zur Ehre ihres Götzen. Dasselbe begann Abends um 5 Uhr und zwar damit, daß sechs mit Blumenkränzen und mit Bändern geschmückte Männer unter Fechten und Tanzen in die auf dem Festplatze gelegenen Pagoden (indische Götzentempel) gingen. Ihnen folgten Weiber mit Opferspeisen auf dem Kopfe; auch eine Ziege wurde hineingeführt. Nachdem das Blut derselben geopfert worden, wurde der Rumpf wieder herausgeschleift. Ich trat in den Vorhof der Pagode. Bald kamen einige von den sechs Männern, die sich zum Feste geweiht hatten, an die Thür. Sie sahen mager und eingefallen aus, denn sie hatten sich durch achttägiges Fasten vorbereiten müssen. Sie bückten sich nun zur Hälfte nieder; der Rücken wurde ihnen mit heiliger Asche aus der Pagode eingerieben. Dann trat ein Mann herzu, faßte die Haut auf der einen Seite des Rückens mit beiden Händen und zog sie in die Höhe, ein anderer stand mit einem Haken zur Seite, den er durch die fingerdicke Hautfalte steckte. Gleicherweise wurde auf der andern Hälfte des Rückens verfahren. Die beiden Haken waren an einem Strick befestigt, und an diesem wurde der Mann gehalten und geführt. So oft ein Haken angebracht wurde, erhob die umstehende Menge ein Geschrei, und der Mann sprang auf und fing wie unsinnig mit einem andern zu fechten und zu tanzen an. Hierauf wurde derselbe zur Schwungmaschine geführt, zu einem Baume von 50—60 Fuß Höhe, darüber ein Querbalken gelegt war. An dem einen Ende desselben wurde der Mann an dem Stricke aufgehangen, so daß er an den beiden Haken, beinahe wagerecht schwebend, in der Luft hing. Sodann wurde er in die Höhe geschnellt, indem man das andere Ende des Querbalkens zur Erde zog. Nun wurde der Balken in dem Kreise herumgeführt, wozu es ungefähr zehn Minuten brauchte, und während dieser ganzen Zeit sang der Aufgehängte immer fort und schlug mit Händen und Füßen den Tact dazu ꝛc.“

Das ist aber nur ein einzelnes und noch dazu sehr gewöhnliches Beispiel von solcher unsinnigen Selbstquälerei. Andere hängen sich mit den Füßen an einem Baume auf und lassen den Kopf baumeln; noch andere begraben sich bis an den Hals in die Erde, wieder andere strecken beide Arme in die Höhe, bis sie ganz erstarren und absterben, und das Alles, — um ihre Sünden los zu werden.

Du mußt aber nicht denken, lieber Leser, daß diese armen Creaturen nun einmal doch keinen Geschmack finden würden an dem süßen Evangelio von Christo. Ach nein, es sind gar manche unter ihnen, die das Wort vom Sünderheilande nur zu hören brauchen, um dem Evangelio zuzufallen. So hören wir z. B. einen unsrer schwarzen Brüder, der die Gnade Gottes in JEsu Christo an seinem Herzen erfahren hat, an der Nordspitze von Afrika, sehnsüchtig klagen: „Warum schicken uns die Weißen nicht mehr Missionare? warum kommen sie nicht?“ — Und eine arme Mutter auf den Südseeinseln, die, ehe sie noch das Evangelium aus dem Munde der Missionare vernommen, ihre neun Kinder mit eigner Hand gemordet hatte, sehen wir vor die Missionare treten, und hören sie in ihrem großen Schmerze jammern:

„Warum seid ihr nicht früher hierher gekommen? ich habe neun Kinder gehabt, und habe alle neun mit eigner Hand gemordet! Nun bin ich eine elende, kinderlose Wittwe! Wäret ihr früher gekommen, so wäre ich jetzt eine glückliche Mutter, und wollte meine neun gemordeten Kinder dem HErrn erziehen! Ach, warum seid ihr nicht früher gekommen?“

Endlich macht ein bekehrter Heide in Ostindien, der nun dort den Missionaren bereits hilft, seinem nach England heimgekehrten Lehrer, Missionar Wilkinson, folgende Bestellung an uns Christen in Europa:

„Vor allem sage ihnen, daß William Churrun (so heißt der bekehrte Heide), nun durch Gottes Gnade ein Knecht JEsu Christi, einst ein Knecht der Sünde war, und noch immer ein Knecht der Sünde sein würde, hätten sie dich nicht gesandt, mir von dem für die Sünder gekreuzigten Heiland der Welt zu sagen. Sage ihnen dafür meines Herzens innigsten Dank. — Sodann sage ihnen, daß ich mich wundere, daß sie nur einen oder zwei Missionare senden. Was sind Einer oder Zwei? Wissen sie nicht, daß noch viele Millionen meiner armen Heidenbrüder ohne Gott sind? O sage ihnen, daß William, der ihnen seinetwegen dankt, sie doch Anderer wegen anklagen muß. Du hast mir gesagt, daß viele Millionen Leute in England wohnen, und da denk' ich: gut, viele Millionen! und nur einer oder zwei Missionare kommen nach Indien, um die Millionen zu retten, die in Sünden verloren gehen! Sage ihnen, daß wir dreihundert und dreißig Millionen Götter haben, deren Sclaven wir sind. Und sage ihnen, daß, wenn auch diese Götter nie zuvor gesprochen haben, doch am Tage des Gerichts der Gott der Christen, der da ist der Gott der ganzen Welt, einem jeden dieser Götter eine Zunge geben wird, um sie anzuklagen, daß sie nicht mehr Missionare nach Indien gesandt haben.“

Aus dem Allem siehest du auch, lieber Leser, daß die unter die Heiden ausgesandten Missionare, obwohl unter großen Schwierigkeiten, doch nicht etwa erfolglos arbeiten. Ich könnte dir ganze Inseln nennen, die ihre Götzen weggeworfen, sich zu dem lebendigen Gotte bekehrt haben, ganze Volksstämme, die aus Müßiggängern, Wollüstlingen, Menschenfressern Diener JEsu Christi geworden sind und nun ein stilles und geruhiges Leben führen und das Ihre schaffen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Aber dazu ist auf diesen wenigen Blättern kein Raum. Ich begnüge mich, dir noch eine Stelle aus einer heidnischen Zeitung, die zu Calcutta in Ostindien erscheint, mitzutheilen. Darin wehklagt ein dem Evangelio feindselig gesinnter Heide, daß die Missionare durch ihre Predigt vom Evangelio seine Hindu-Religion um ihr Ansehen bringen und zu nichte machen. Höre, wie er die ihm gleichgesinnten Feinde des Evangeliums unter den Hindus anredet:

„O ihr heiligen Leute, rühmet euch dessen nicht länger, daß ihr Hindus seid. Meinet ihr, eure Kinder werden der Religion ihrer Väter (der Hindu-Religion nämlich) getreu bleiben? — O, gebet solche Hoffnung auf! Die Missionsmänner, die ihr Vaterland verlassen haben und nach Indien gekommen sind, ziehen nun in Schaaren durch alle Straßen und Gassen, um die Hindu-Religion zu vernichten, — und thörichte Knaben lassen sich, wie gierige Fische, durch ihre Zauberei angeln und fangen. (Die Missionare nemlich richten ihr Augenmerk vornehmlich auf die unbefangene Jugend, indem sie Schulen anlegen.) Viele Knaben haben ihre Familien, ihre Kaste, ihre Religion aufgegeben, sind in die Familie JEsu eingetreten, haben sich in die Geheimnisse der Bibel einweihen lassen, und haben ihre eigene Würde dadurch geschändet, daß sie sich unterrichten ließen. Der Leopard des Waldes (damit scheint er den eifrigen Missionar zu vergleichen) verschlingt einen nach dem andern von diesen Knaben, die an Verstand den Thieren gleich sind. In der letzten Woche erhob abermals ein Kind seine Flügel, und flog auf den Baum der Liebe JEsu. (Die Kinder nemlich besuchen sehr gern die christlichen Schulen.) Niemand weiß, was noch weiter geschehen wird. Wie der Opferblock zu Kaligat, so sind die Opferblöcke der Missionsmänner Tag und Nacht bereit, und wo sie eine Gelegenheit finden, bringen sie ihre Schlachtopfer dar, und tödten es (d. h. entreißen es dem Heidenthum). Wir fürchten uns vor ihnen mehr, als vor Cholera, Fieber und Schlangenbiß; denn diese mögen geheilt werden durch Zaubermittel und Arznei, aber für die Krankheit (so nennt er die Neigung zum Evangelio), welche die Missionare beibringen, hilft weder Zaubermittel noch Arznei. Sie sind gelehrte Leute und verstehen sich auf den Unterricht gut: ist es zu verwundern, wenn sinnlose Kinder durch sie betrogen werden

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remains of human bodies, and about his majestic foot lay irregular heaps of loathsome skulls, which had been gathered there through many years. Thousands of vultures, which our unwelcome approach had frightened away, hovered in circles above their disgusting feast and now and then swooped down fearlessly upon a half-devoured thigh or arm."

Is that not horrible? But the most lamentable thing about it is that they imagine they are doing God a service with such cruel sacrifices. Among other heathen peoples, again, human sacrifices are less in vogue, but they torment their bodies in a dreadful manner in order to quiet their guilty conscience, which cries out for peace. Thus one of our missionaries, who labors among the heathen in the East Indies at the Gospel, reports to us:

"Quite near the city lies a little village on the seashore, which is inhabited by fishermen. These form a caste of their own (division) and hold a festival of their own in honor of their idol. It began in the evening at 5 o'clock, and indeed with six men, adorned with garlands of flowers and with ribbons, going with fencing and dancing into the pagodas (Indian idol temples) situated on the festival ground. Women followed them with food offerings upon their heads; a goat also was led in. After its blood had been offered, the trunk was dragged out again. I stepped into the forecourt of the pagoda. Presently some of the six men who had consecrated themselves for the festival came to the door. They looked lean and sunken, for they had had to prepare themselves by fasting eight days. They now bent down halfway; their backs were rubbed with holy ashes from the pagoda. Then a man stepped up, took hold of the skin on one side of the back with both hands and pulled it up, while another stood at the side with a hook, which he thrust through the fold of skin, thick as a finger. The same was done on the other half of the back. The two hooks were fastened to a rope, and by this the man was held and led. As often as a hook was put in, the crowd standing around raised a cry, and the man leaped up and began, as if insane, to fence and to dance with another. Thereupon he was led to the swinging machine, to a tree fifty or sixty feet high, over which a crossbeam was laid. At one end of it the man was hung up by the rope, so that he hung in the air by the two hooks, floating almost level. Then he was snapped up into the height, by pulling the other end of the crossbeam to the earth. Now the beam was carried around in a circle, which took about ten minutes, and during this whole time the man hung aloft sang continually and beat time with hands and feet, etc."

But this is only a single and, moreover, very ordinary example of such senseless self-torture. Others hang themselves up by the feet from a tree and let the head dangle; still others bury themselves up to the neck in the earth, yet others stretch both arms up into the air until they grow quite stiff and die, and all this — in order to be rid of their sins.

But you must not think, dear reader, that these poor creatures would after all find no taste in the sweet Gospel of Christ. Ah no, there are very many among them who need only hear the word of the Savior of sinners in order to fall to the Gospel. Thus we hear, for example, one of our black brethren, who has experienced in his heart the grace of God in JESUS Christ, at the northern tip of Africa, longingly lamenting: "Why do the white men not send us more missionaries? why do they not come?" — And a poor mother on the South Sea islands, who, before she had yet heard the Gospel from the mouth of the missionaries, had murdered her nine children with her own hand, we see stepping before the missionaries, and hear her wailing in her great grief:

"Why did you not come hither sooner? I had nine children, and have murdered all nine with my own hand! Now I am a miserable, childless widow! Had you come sooner, I should now be a happy mother, and would bring up my nine murdered children for the LORD! Ah, why did you not come sooner?"

Finally, a converted heathen in the East Indies, who now already helps the missionaries there, sends to his teacher, Missionary Wilkinson, who has returned home to England, the following message to us Christians in Europe:

"Above all, tell them that William Churrun (so the converted heathen is called), now by God's grace a servant of JESUS Christ, was once a servant of sin, and would still be a servant of sin, had they not sent you to tell me of the Savior of the world crucified for sinners. Tell them for this my heart's most hearty thanks. — Then tell them that I wonder that they send only one or two missionaries. What are One or Two? Do they not know that many millions of my poor heathen brethren are still without God? O tell them that William, who thanks them for his own sake, must yet accuse them for the sake of others. You told me that many millions of people live in England, and then I think: well, many millions! and only one or two missionaries come to India to save the millions who are perishing in sins! Tell them that we have three hundred and thirty million gods, whose slaves we are. And tell them that, even though these gods never spoke before, yet on the day of judgment the God of the Christians, who is the God of the whole world, will give a tongue to each one of these gods, to accuse them that they have not sent more missionaries to India."

From all this you see also, dear reader, that the missionaries sent out among the heathen, although under great difficulties, do not labor without result. I could name to you whole islands that have cast away their idols and been converted to the living God, whole tribes who from idlers, voluptuaries and man-eaters have become servants of JESUS Christ and now lead a quiet and peaceable life and do their own work in all godliness and honesty. But there is no room for that on these few pages. I content myself with communicating to you yet one passage from a heathen newspaper which appears at Calcutta in the East Indies. In it a heathen hostile to the Gospel laments that the missionaries by their preaching of the Gospel are bringing his Hindu religion into discredit and bringing it to naught. Hear how he addresses the enemies of the Gospel among the Hindus who are of like mind with himself:

"O you holy people, boast no longer that you are Hindus. Do you think your children will remain true to the religion of their fathers (the Hindu religion, namely)? — O, give up such hope! The missionaries, who have left their fatherland and come to India, now go in throngs through all streets and lanes in order to destroy the Hindu religion, — and foolish boys let themselves be angled for and caught, like greedy fishes, by their sorcery. (The missionaries, namely, direct their attention chiefly to the unprejudiced youth, by establishing schools.) Many boys have given up their families, their caste, their religion, have entered into the family of JESUS, have let themselves be initiated into the mysteries of the Bible, and have disgraced their own dignity by letting themselves be instructed. The leopard of the forest (by which he seems to mean the zealous missionary) devours one after another of these boys, who are equal to the beasts in understanding. Last week once more a child raised its wings, and flew upon the tree of the love of JESUS. (The children, namely, very gladly attend the Christian schools.) No one knows what will yet happen further. Like the sacrificial block at Kalighat, so the sacrificial blocks of the missionaries are ready day and night, and wherever they find an opportunity they offer up their victims, and kill it (that is, wrest it from heathendom). We fear them more than cholera, fever and snake-bite; for these may be healed by charms and medicine, but for the sickness (so he calls the inclination toward the Gospel) which the missionaries impart, neither charm nor medicine helps. They are learned people and understand teaching well: is it to be wondered at if senseless children are deceived by them