Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 7 › Seite 55

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-11-26, Seite 55

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Pfarrer etwas unbequem, wenn er eine Zeit lang wegen der Melodie nicht singen lassen kann, was am besten zu seiner Predigt paßt; aber es geht doch, und muß geschehen, wenn etwas bezweckt werden soll.

Natürlich müssen die eingeübten Melodieen fleißig wiederholt werden, denn nur Uebung macht den Meister.

„Ja, sagst du, das mag wohl auf dem Lande und in kleinen Gemeinden gehen, aber in der Stadt und bei großen Gemeinden!“ Ich geb zu, daß es in mancher Beziehung auf dem Lande und in kleinen Gemeinden leichter geht, als in der Stadt und in größeren Gemeinden; unmöglich ists aber auch da nicht, wenn man nur guten Willen hat, und die Sache nicht ganz ungeschickt anfängt. „Lust und Lieb zu einem Ding, macht all' Müh' und Arbeit g'ring!“ Freilich, „auf einen Hieb fällt kein Baum;“ Geduld, Ausdauer bedarf es, auf dem Lande, wie in der Stadt; es wird Jahrzehende dauern, bis wir wieder einen ordentlichen Kirchengesang bekommen. Ueberdies hat man in Städten gar manche Hilfsmittel für diesen Zweck, die man auf dem Lande entbehrt. Da sind gewöhnlich viele Musikfreunde, kirchliche Singchöre, Gesangvereine, Liedertafeln ꝛc., auch andere Musiker, welche die Choräle, bis sie gelernt sind (aber ja nicht länger!) auf ihren Instrumenten (nur nicht auf Geigen und Pfeifen, die gehören nun einmal nicht in die Kirche) vorspielen und begleiten könnten. Das Alles hat man in der Regel auf dem Lande nicht. Es kommt nur darauf an, die in einer Stadt vorhandenen musikalischen Kräfte gehörig zu benutzen, die Leute für den Zweck, den man erreichen will, zu gewinnen. Geschähe das, so würde nicht mehr, wie es leider bisher oft der Fall war, die Sache auf dem Lande einen besseren Fortgang haben als in der Stadt. Daß es aber in der Stadt doch auch geht, das seh ich an der Stadt, in der ich wohne.

Unsere Kirche hat an ihren Chorälen einen großen Schatz, sie hat damit schon viele Seelen erfreut und getröstet; die Jesuiten sagten von Luther, er habe mehr Seelen durch seine Lieder, als durch seine Predigten gemordet (wie sie sich ausdrückten), d. h. für die reine Lehre gewonnen, also eigentlich nicht zum Tode, sondern zum Leben gebracht. Soll dieser Schatz uns verloren gehen, sollen wir ihn nur wie unter Schloß und Riegel, zum Anschauen unter Glas und Rahmen, oder gar wie einen alten Trödel in der Rumpelkammer, aber nicht zum freien und fleißigen Gebrauche, haben? Das wäre aber der Fall, wenn wir unsere alten guten Lieder gar nicht, oder nicht in der rechten Weise singen könnten. Psalm 33, 3 heißt es: „Singet dem Herrn ein neues Lied, machet es gut auf Saitenspielen mit Schalle.“ Das ist ein Wort, das auch auf uns und auf unseren Kirchengesang paßt. Wir wollen auch neue Lieder singen, nemlich die alten, die leider für uns, weil man sie so lange nicht mehr gesungen hat, zu neuen geworden sind. Wir haben lange genug herzlich schlecht gesungen; es ist Zeit, daß wirs endlich einmal wieder gut machen; wir machens aber dann gut, wenn wir die Lieder so singen, wie sie ursprünglich gedichtet und in Musik gesetzt wurden. Dazu hab auch ich hier mein Scherflein beitragen wollen; es sollte mir lieb sein, wenn es nicht ganz umsonst geschehen wäre.

Schilderung des Pabstes und seiner Geistlichkeit von Petrarca.

Petrarca, einer der größten und gefeiertsten Dichter Italiens, geboren 1304, gestorben 1374, schildert das Pabstthum seiner Zeit rücksichtlich des Glaubens und Lebens unter anderem folgendermaßen: „Du siehst hier,“ in Avignon, wo sich damals der Pabst aufhielt, „du siehst hier ein Volk, das nicht nur feindlich gesinnt ist gegen Christus, sondern selbst unter Christi Fahne gegen Christus sich empört, dem Satan dient und nach Christi Blut dürstend frech spricht: uns gebührt zu reden, wer ist unser Herr? Es ist ein hartherziges, gottloses, hoffährtiges, gieriges Volk; ein Volk, das den HErrn wie Judas Ischarioth verräth; Christi Namen Tag und Nacht preist und dennoch ihn verhandelt.“ „In diesem Reich des Geizes, schreibt er in einem anderen Briefe, wird nichts für Schaden geachtet, wenn nur das Geld sicher ist. Die Hoffnung des ewigen Lebens ist ihnen Fabel und alles was von der Hölle erzählt wird; die Auferstehung des Fleisches, der Welt Ende, die Zukunft Christi zum Gericht, halten sie für Possen. Wahrheit gilt ihnen für Thorheit, Enthaltsamkeit für Blödigkeit, Schamhaftigkeit für große Schmach; endlich freches Sündigen für hohen Sinn und treffliche Freiheit; je schändlicher das Leben, um so glänzender, je mehr Verbrechen, um so mehr Ruhm. Ich geschweige die Nothzüchtigungen, die Räubereien, die Blutschande, die Ehebrüche, welche jetzt dem päbstlichen Muthwillen Spielereien sind.“ — „Soll ich, heißt es an einer dritten Stelle, Babylon (Avignon) zum Aufenthalt wählen, um zu sehen, wie die Guten unterdrückt, die Bösen erhoben werden, die Adler kriechen, die Esel fliegen, soll ich die Wölfe frei, die Lämmer gebunden sehn, Christum vertrieben, den Antichrist als Herrn, Beelzebub als Richter sehen?“— So beschreibt Petrarca das, was die römischen Handlanger den „Mittelpunkt alles christlichen katholischen Lebens“ nennen; ein Mann, der da schreiben konnte: „Visa loquor, non audita,“ d. h. ich rede von Dingen, die ich selbst gesehen und nicht von Hörensagen weiß. Uebrigens darf man nicht meinen, daß Petrarca darum an der Religion der Bibel selbst irre geworden sei; ja, so groß dieses großen Dichters Bewunderung war, mit welcher derselbe die alten heidnischen Classiker studirte und benutzte, so schreibt er doch von diesen (den heidnischen Classikern): „Sie waren Menschen, gelehrt so weit nur menschliche Forschung und Sachkenntniß reicht, auch glänzend durch Beredtsamkeit, beglückt mit Naturgaben, aber bedauernswerth durch Entbehren des höchsten und unaussprechlichen Gutes. Da sie ihren Kräften vertrauten, und das wahre Licht nicht suchten, so sind sie oft nach Art der Blinden gefallen. Wir wollen ihre Geistesgaben bewundern, doch so, daß wir den Schöpfer dieser Gaben verehren. Wir wollen Mitleiden mit den Irrthümern jener Männer fühlen, uns aber Glück wünschen und erkennen, daß wir aus Gnaden ohne all' unser Verdienst unsern Vorfahren vorgezogen wurden von ihm, der sein Geheimniß den Weisen verbarg, den Unmündigen aber gnädig offenbarte. Laßt uns so philosophiren, daß wir die Weisheit lieben. Die wahre Weisheit Gottes ist aber Christus. Um wahrhaft zu philosophiren, müssen wir ihn vor Allem lieben und ehren. Laßt uns vor Allem Christen sein. Laßt uns Philosophisches, Poetisches, Hostorien so lesen, daß Christi Evangelium immer von unsres Herzens Ohren vernommen werde, durch welches allein wir hinlänglich gelehrt und glücklich, ohne welches wir aber um so ungelehrter und elender werden würden, als wir viel gelernt. Nur auf das Evangelium kann der menschliche Fleiß, als auf das einzig unerschütterliche Fundament aller wahrer Wissenschaft, sicher bauen.“ Petrarca ehrte und liebte Augustinus vor allen Kirchenvätern; dessen „Bekenntnisse“ gehörten zu seinen Lieblingsbüchern.

Schon vor Petrarca hatte der, wenigstens gleich große, italiänische Dichter Dante (gest. 1321) von den Päbsten gesungen:

„Daß schlecht die Welt durch eure Habsucht ist,
„Die Guten sinken und die Schlechten ragen.
„Euch Hirten meinte der Evangelist
„Bei ihr, die sitzend auf den Meereswogen,
„Mit Königen zu huren sich vermißt.“ Offbg. 17, 1-6.

Und insonderheit hatte Dante den heil. Petrus also von Pabst Bonifaz VIII. redend eingeführt:

„Der meines Stuhls sich anmaaßt dort auf Erden,
„Des Stuhls, des Stuhls, auf dem kein Hirt jetzt wacht,
„Vor Christi Blick, zum Schutze seiner Heerden,
„Hat meine Grabstatt zum Kloak gemacht.“

Das neue Pennsylvanische Gesangbuch.

Ein Correspondent des “Lutheran Standard,” der sich „Hermann“ zeichnet, sucht in den letzten Nummern dieses Blattes zu erweisen, daß die Kritick des neuen Pennsylvanischen Gesangbuchs, welche im „Lutheraner“ erschienen ist, eine ungerechte sei. Ob dem wirklich so sei, dürfen wir wohl dem Urtheil unserer Leser ruhig überlassen. Wer ein zartes Gewissen für Reinheit der Lehre und gegen alle, auch die geringste Verfälschung des Wortes Gottes hat (2 Cor. 4, 2.), bedarf nach dem Vorgelegten unserer Antikritik nicht, wem aber diese Zartheit des Gewissens fehlt, dem würde unser Gegenzeugniß doch nur als Thorheit und Aergerniß erscheinen. Wir wollen es daher lieber bei unserem Gebete bewenden lassen, daß Gott das gute Werk besserer Erkenntniß, welches Er in den Synoden, wo das bezeichnete Gesangbuch Eingang gefunden, sichtlich angefangen hat, fördern und vollenden wolle; ist das geschehen, so werden wir uns bald auch im Urtheil über das neue Gesangbuch in brüderlichem Einverständniß die Hände reichen. Nur Eins, was Hr. „Hermann“ ausspricht, können wir nicht mit Stillschweigen übergehen. Er schreibt nehmlich, „es erfordere ein großes Maaß von Liebe, welche er auszuüben willig sei, zu glauben, daß das Gerede unseres Correspondenten im Lutheraner von dem Artikel der Rechtfertigung durch den Glauben durch etwas anderes hervorgerufen worden sei oder etwas anderes beabsichtige, als Vorurtheile gegen das neue Gesangbuch zu erwecken und die Circulation des Gesangbuchs der Missouri-Synode zu befördern.“ Ist jemals ein ungerechter Verdacht auf uns geworfen worden, so ist es dieser, als ob wir mit der göttlichen Wahrheit Handel trieben und aus der Gottseligkeit ein Gewerbe machten. Gott vergebe dies dem lieben Herrn Hermann. Wir wollen diesen seinen lieblosen Seitenhieb gern auf Rechnung der menschlichen Schwachheit schreiben, die so leicht sich reizen läßt, dem Gegner auch

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pastor somewhat inconvenient, if for a time, on account of the melody, he cannot have sung what suits his sermon best; but it can be done, and must be done, if anything is to be accomplished.

Naturally the melodies that have been practiced must be diligently repeated, for only practice makes the master.

"Yes," you say, "that may well work in the country and in small congregations, but in the city and with large congregations!" I grant that in some respects it goes more easily in the country and in small congregations than in the city and in larger congregations; but it is not impossible there either, if one has only good will, and does not set about the matter altogether clumsily. "Pleasure and love for a thing make all toil and labor light!" To be sure, "one stroke does not fell a tree;" patience and perseverance are needed, in the country as in the city; it will take decades until we again get a proper church singing. Besides, in cities one has many a help for this purpose which one lacks in the country. There are usually many friends of music there, church singing choirs, singing societies, Liedertafeln, etc., and other musicians also, who could play the chorales ahead and accompany them on their instruments (only not on fiddles and pipes, which simply do not belong in church) until they are learned (but by all means not longer!). All that one as a rule has not in the country. It depends only on properly using the musical powers present in a city, and on winning the people for the purpose one wishes to attain. If that were done, it would no longer be, as unfortunately it has often been hitherto, that the matter makes better progress in the country than in the city. That it does go in the city too, however, I see from the city in which I live.

Our Church has in her chorales a great treasure; she has already gladdened and comforted many souls with it; the Jesuits said of Luther that he had murdered more souls by his hymns than by his sermons (as they expressed it), that is, had won them for the pure doctrine, and so really brought them not to death but to life. Are we to lose this treasure, are we to have it only as under lock and key, for looking at under glass and frame, or even as old lumber in the junk room, but not for free and diligent use? That would be the case, however, if we could not sing our good old hymns at all, or not in the right manner. In Psalm 33, 3 it is said: "Sing unto the Lord a new song, play well upon the stringed instruments with a loud noise." That is a word which fits us also, and our church singing. We also wish to sing new songs, namely the old ones, which unfortunately have become new to us because they have so long no longer been sung. We have sung heartily badly long enough; it is time that we at last make it good again; but we make it good when we sing the hymns as they were originally written and set to music. To this I too have wished to contribute my mite here; I should be glad if it had not been done altogether in vain.

Description of the Pope and his Clergy by Petrarch.

Petrarch, one of the greatest and most celebrated poets of Italy, born 1304, died 1374, describes the papacy of his time with respect to faith and life, among other things, as follows: "You see here," in Avignon, where the Pope then resided, "you see here a people which is not only hostile to Christ, but even under Christ's banner rebels against Christ, serves Satan, and thirsting for Christ's blood says boldly: it is for us to speak, who is our lord? It is a hard-hearted, godless, haughty, greedy people; a people which betrays the LORD like Judas Iscariot; praises Christ's name day and night, and yet trades him away." "In this realm of avarice," he writes in another letter, "nothing is counted a loss, if only the money is safe. The hope of eternal life is a fable to them, and all that is told of hell; the resurrection of the flesh, the end of the world, the coming of Christ to judgment, they hold for foolery. Truth counts with them as folly, temperance as faint-heartedness, modesty as great disgrace; finally, bold sinning as a lofty mind and excellent freedom; the more shameful the life, the more brilliant, the more crimes, the more fame. I say nothing of the rapes, the robberies, the incest, the adulteries, which are now sport to papal wantonness." — "Shall I," it is said in a third place, "choose Babylon (Avignon) for my abode, to see how the good are oppressed and the wicked exalted, how the eagles creep and the asses fly, shall I see the wolves free, the lambs bound, Christ driven out, Antichrist as lord, Beelzebub as judge?" — So Petrarch describes that which the Roman hirelings call the "center of all Christian Catholic life"; a man who could write: "Visa loquor, non audita," that is, I speak of things which I have myself seen and do not know from hearsay. For the rest, one must not think that Petrarch on that account became doubtful of the religion of the Bible itself; yes, great as was this great poet's admiration with which he studied and used the old heathen classics, he nevertheless writes of these (the heathen classics): "They were men, learned so far as human research and knowledge of things reaches, also brilliant in eloquence, blessed with natural gifts, but to be pitied for lacking the highest and unspeakable good. Since they trusted in their powers, and did not seek the true light, they have often fallen after the manner of the blind. Let us admire their gifts of mind, but so that we revere the Creator of these gifts. Let us feel compassion for the errors of those men, but congratulate ourselves and acknowledge that we, by grace, without all our merit, were preferred to our forefathers by him who hid his mystery from the wise, but graciously revealed it to babes. Let us so philosophize that we love wisdom. The true wisdom of God, however, is Christ. To philosophize truly, we must above all love and honor him. Let us above all be Christians. Let us so read philosophical and poetical works and histories that Christ's Gospel may always be heard by the ears of our heart, by which alone we are sufficiently learned and happy, without which, however, we should be the more unlearned and wretched the more we have learned. Only upon the Gospel, as upon the sole unshakable foundation of all true knowledge, can human diligence build securely." Petrarch honored and loved Augustine above all the Church Fathers; his "Bekenntnisse" were among his favorite books.

Even before Petrarch the Italian poet Dante (died 1321), at least as great, had sung of the Popes:

"That the world is wicked through your avarice,
"The good sink down and the wicked rise.
"You shepherds the Evangelist had in mind
"Where she that sits upon the waves of the sea
"Presumes to commit fornication with kings." Rev. 17, 1-6.

And in particular Dante had introduced St. Peter speaking thus of Pope Boniface VIII.:

"He who on earth usurps my seat,
"My seat, my seat, on which no shepherd now watches
"Before Christ's face, for the protection of his flocks,
"Has made my burial place a sewer."

The New Pennsylvania Hymn Book.

A correspondent of the "Lutheran Standard," who signs himself "Hermann," seeks in the last numbers of that paper to prove that the criticism of the new Pennsylvania hymn book which appeared in the "Lutheraner" is an unjust one. Whether this is really so we may well calmly leave to the judgment of our readers. Whoever has a tender conscience for purity of doctrine and against all falsification of the Word of God, even the least (2 Cor. 4, 2.), needs no counter-criticism of ours after what has been set forth; but to him who lacks this tenderness of conscience our counter-testimony would appear only as foolishness and offence. We would therefore rather let it rest with our prayer that God would further and complete the good work of better knowledge which He has visibly begun in the synods where the hymn book in question has found entrance; when that is done, we shall soon give one another the hand also in judgment of the new hymn book, in brotherly agreement. Only one thing which Mr. "Hermann" states we cannot pass over in silence. He writes, namely, "it required a great measure of charity, which he was willing to exercise, to believe that the talk of our correspondent in the Lutheraner about the article of justification by faith was called forth by anything else or intended anything else than to awaken prejudices against the new hymn book and to promote the circulation of the hymn book of the Missouri Synod." If ever an unjust suspicion has been cast upon us, it is this, as if we traded with the divine truth and made a trade of godliness. May God forgive this to dear Mr. Hermann. We are glad to put this uncharitable side-blow of his down to the account of human weakness, which so easily lets itself be provoked, even the opponent also