Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 12 › Seite 89

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-02-04, Seite 89

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Der Lutheraner.

(Offenb. Joh. Cap. 14 v. 6. 7.)

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergeht nun und nimmermehr."

Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.

Redigirt von C. F. W. Walther.

Jahrg. 7.  St. Louis, Mo., den 4. Februar 1851.  No. 12.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. - In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft.

Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redakteur, alle anderen aber, welches Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.

(Eingesandt von P. Keyl.)

Die alten bewährten Maßregeln der luth. Kirche zur reichlichen Übung des Wortes Gottes. *)

*) Erst jetzt liefern wir den Schluß dieser Abhandlung, nachdem derselbe von dem Verfasser auf unser Bitten zum zweiten Male eingesendet worden, da das erste uns zugesendete den Schluß enthaltende Manuscript in der Feuersbrunst, von der wir den Lesern bereits Meldung gethan, zerstört worden war. D. R.

(Schluß.)

3. Abschnitt.

Es hat vielleicht Manchen befremdet, daß der vorige Abschnitt nicht bis auf die Gegenwart herabreicht; es sei doch, sagt man, auch in den hiesigen Gemeinden seit den letzten zehn Jahren besser geworden, es beginne an vielen Orten an die Stelle der Gleichgültigkeit in Glaubenssachen wenigstens ein Verlangen nach rechter Entschiedenheit zu treten. Wir verkennen dies keineswegs, allein dadurch wird uns die Frage am Schlusse des vorigen Abschnitts: Was nun zu thun sei, nicht ferner, sondern näher gerückt, besonders da sich bei jenen an sich erfreulichen Wahrnehmungen auch Manches findet, was uns nicht ruhiger, sondern bänger macht. Es wird nämlich, um jetzt von den Predigern abzusehen, in den Gemeinden nicht selten ein doppelter Uebelstand bemerkbar. Wenn, wie es jetzt bei Tausenden der Fall ist, der Mensch erst nach einer größeren oder minderen Abgewichenheit von seinem Taufbunde, wieder zu einem rechtschaffenen Wesen in Christo zurückkehrt, so gehet es nicht ohne manche gewaltsame Erschütterungen ab und immer hat sich da während jener Zeit Mancherlei in des Menschen Gedanken und Sitten hineingebildet, was nicht aus dem Geiste Christi herkommt, auch nicht mit Blitzesschnelle von ihm weicht, sondern vielfach hemmend entgegen tritt. Dazu gesellt sich aber der zweite Übelstand, daß solchen Wiederkehrenden von ihrer Jugend gewöhnlich gar keine richtige Erkenntniß beiwohnt. Sie werden von dem Worte Gottes getroffen und ergriffen, allein es fehlt ihnen an klarer Einsicht in die Lehre; und dieser Zustand, der jedem Wahne und jeder Unbesonnenheit offen ist, gehet natürlich Hand in Hand mit der eben erwähnten Erregtheit, woraus jenes methodistische Wesen hervorgeht, was sich jetzt unter der Verkündigung des Wortes Gottes so leicht zeigt; bisweilen hat wohl auch mancher Prediger, obwohl ganz unbewußt, dieses Wesen dadurch genährt, daß er mehr erwecklich als lehrhaft predigte, oft aber zeigt es sich auch da, wo ihm von Seiten des Predigers entgegengearbeitet wird; und so hat jeder rechtschaffene Prediger die doppelte Aufgabe, die abgefallenen Kinder wieder zu ihrer Mutter, der Kirche, zurückzuführen und die ihr zugeführten bei ihr zu erhalten.

Wenn nun dieses Ziel selbst zur Zeit der Reformation nicht vollständig erreicht werden konnte, da einzelne abgefallene Sekten, z. B. die Socinianer, sich nicht zur Kirche zurückführen ließen, und andere zurückgeführte Glieder, z. B. die Wiedertäufer, eine neue Sekte stifteten, was ists Wunder, wenn auch heutzutage neben dem guten Saamen des Wortes Gottes das Unkraut aufgehet, das der Feind heimlich säet und wenn gerade da, wo die heilsame Lehre am reinsten gepredigt wird, die meisten Irrlehren sich geltend machen, so, daß dadurch viele von der Rückkehr zur Kirche oder vom Bleiben bei ihr abgehalten werden!

Was ist nun unter solchen Umständen zu thun?

Einen guten Rath müssen wir sogleich von der Hand weisen eben deßhalb, weil er nicht gut ist und das ist der, nicht so schroff und streng zu sein und namentlich nicht alle andre Lehre so schonungslos zu verdammen, denn das sei ja wider die christliche Liebe. Mit nichten, antworten wir, denn St. Paulus giebt auch das als ein Kennzeichen der christlichen Liebe an, daß sie sich nicht freue der Ungerechtigkeit, sondern der Wahrheit. 1 Cor. 13, 6; in solcher Liebe hat uns Christus ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußtapfen, indem er nicht nur mit großer Geduld die Schwachen, wie namentlich seine Jünger solche waren, getragen, sondern auch mit großem Eifer alle Verderber der heilsamen Lehre gestraft, ja sie zum Hause des HErrn hinausgetrieben hat. Luk. 19, 45. 46. Er hat uns seinen Dienern ein für allemal geboten: Lehret sie halten Alles, was ich euch befohlen habe, und das geringste Nachdenken zeigt, daß alle Auswüchse in Lehre und Leben nicht von einem Uebermaße der Mittheilung göttl.

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Der Lutheraner.

(Rev. John, chap. 14, vv. 6, 7.)

"God's Word and Luther's doctrine pure shall to eternity endure."

Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio and other States.

Edited by C. F. W. Walther.

Year 7.  St. Louis, Mo., February 4, 1851.  No. 12.

Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at the yearly subscription price of One Dollar for subscribers living at a distance, who are to pay the same in advance and to bear the postage. - In St. Louis each single number is sold for 5 cents.

Only the letters which contain communications for the paper are to be sent to the editor; all others, containing anything of a business nature, orders, cancellations, moneys, etc., are to be sent hither under the address Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

(Sent in by Pastor Keyl.)

The Old Approved Measures of the Lutheran Church for the Abundant Exercise in the Word of God. *)

*) Only now do we furnish the conclusion of this treatise, after the author, at our request, has sent it in for a second time, the first manuscript sent us, which contained the conclusion, having been destroyed in the conflagration of which we have already given the readers notice. The Editor.

(Conclusion.)

Third Section.

It may perhaps have surprised some that the preceding section does not reach down to the present day; it is said that in the congregations here also things have grown better in the last ten years, and that in many places there is beginning to take the place of indifference in matters of faith at least a desire for true decision. We by no means fail to recognize this; but thereby the question at the close of the preceding section, what is now to be done, is brought not farther off but nearer to us, especially since in those observations, pleasing in themselves, there is also found much that makes us not easier but more anxious. For, to leave the preachers out of account for the present, a twofold evil is not seldom noticeable in the congregations. When, as is now the case with thousands, a man returns to an upright life in Christ only after a greater or lesser departure from his baptismal covenant, it does not go off without many violent convulsions, and in that interval there has always been formed in the man's thoughts and habits many a thing which does not come from the Spirit of Christ, nor departs from him with the swiftness of lightning, but in many ways stands in the way and hinders. To this is joined, however, the second evil, that such returning persons usually have no right knowledge left from their youth. They are smitten and seized by the Word of God, but they lack clear insight into the doctrine; and this condition, which is open to every delusion and every rashness, goes naturally hand in hand with the agitation just mentioned, out of which proceeds that Methodistic temper which now so readily shows itself under the preaching of the Word of God; at times, indeed, many a preacher, though quite unconsciously, has nourished this temper by preaching more to awaken than to teach, but often it shows itself also where it is worked against on the preacher's part; and so every upright preacher has the twofold task of leading the fallen children back to their mother, the Church, and of keeping with her those who have been brought to her.

Now if this aim could not be fully attained even in the time of the Reformation, since individual fallen sects, for instance the Socinians, would not let themselves be led back to the Church, and other members who had been led back, for instance the Anabaptists, founded a new sect, what wonder is it if even in our day the tares spring up beside the good seed of the Word of God, which the enemy sows secretly, and if just where the wholesome doctrine is preached most purely, the most false doctrines assert themselves, so that thereby many are kept from returning to the Church or from remaining in her!

What, then, is to be done under such circumstances?

One good counsel, as it is called, we must at once put away from us, for the very reason that it is not good, and it is this: not to be so harsh and strict, and especially not to condemn all other doctrine so unsparingly, for that, it is said, is contrary to Christian love. By no means, we answer, for St. Paul gives this also as a mark of Christian love, that it rejoiceth not in iniquity, but rejoiceth in the truth. 1 Cor. 13, 6; in such love Christ has left us an example, that we should follow his steps, in that he not only bore with great patience the weak, such as his disciples in particular were, but also with great zeal rebuked all corrupters of the wholesome doctrine, yea, drove them out of the house of the LORD. Luke 19, 45. 46. He has commanded us his servants once for all: Teach them to observe all things whatsoever I have commanded you, and the slightest reflection shows that all excrescences in doctrine and life do not spring from an excess of the communication of the divine