Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 12 › Seite 90

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-02-04, Seite 90

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Worts, sondern von dem Mangel daran herkommen und deshalb wird nicht das Verschweigen, sondern das Darbieten und zwar das immer reichlichere Darbieten des ganzen Schatzes der heilsamen Lehre die Schäden heilen. Dies ist um so nöthiger, je kärglicher schon die Formen der Unterweisung sind, die uns der Rationalismus überliefert hat und die gewöhnlich in weiter nichts, als in der Katechese für die Jugend und in der Predigt des Hauptgottesdienstes bestehen. Es ist nun die Frage, wie das kirchliche Lehrwesen in der Gegenwart nach dem Vorbilde der Vergangenheit am zweckmäßigsten anzuordnen sei.

Indem wir nun die frühere Reihenfolge der verschiedenen Unterrichts-Formen beibehalten, beginnen wir mit der Predigt über die Evangelien. Daß diese Texte und zwar ausschließlich für die Hauptgottesdienste beizubehalten seien, dafür haben wir mehr als einen Grund; einmal nämlich enthalten sie für die die Festhälfte des Kirchenjahrs, d. h. vom Advent bis zum Trinitatisfest, die geschichtlichen Grundlagen von den Hauptartikeln unsers christlichen Glaubens, welche dem größten Theile nach durch keine andre biblischen Abschnitte ersetzt werden können, und in der andern Hälfte des Kirchenjahrs, d. h. in der Reihenfolge der Trinitatissonntage, bieten sie in den Wunderwerken und Predigten des HErrn Christi den reichsten Stoff zur Unterweisung dar.

Fürs Andere sind diese evangelischen Abschnitte bei den meisten Zuhörern noch der letzte Rest von dem, was noch etwa aus der Bibel im Gedächtniß geblieben ist. Wollen wir dieses letzte Ueberbleibsel unbenutzt liegen lassen, so werden wir damit das letzte Mittel zu irgend einer weitern Anknüpfung verlieren. Sollte uns nicht auch hierin das weise Verhalten Dr. Luthers und seiner Mitarbeiter ein Muster sein, die auf den Grund dieses letzten Überbleibsels biblischen Wissens den weitern Auf- und Ausbau der heilsamen Lehre anfiengen und fortführten? Die Evangelien waren dem Volke, wie auch Dr. Luthern selbst eine Zeitlang, die ganze Bibel und er benutzte diese einzelnen Texte, um das Volk an der Hand derselben wieder zur ganzen Bibel zurückzuführen. Dabei ist das zweimalige Verlesen der Evangelien, nämlich nach dem sogenannten Hauptliede und zu Anfang der Predigt, wie dieß von Alters her üblich war, keineswegs eine bloße lästige Wiederholung, sondern es gehört zum Ganzen der Gottesdienstordnung. An Orten, wo einzelne Feste nicht mehr an besondern Tagen gefeiert werden, wäre es rathsam, die Evangelien derselben wenigstens in dem nächsten Sonntags-Nachmittagsgottesdienst zu erklären.

Endlich liegt in den vorgeschriebenen Evangelien ein großer Schutz für den Prediger, denn da heißt es: Diesen Text schreibt der Tag mir vor und wenn ich den Text auslege, so sage ich, was ich sagen muß. Das giebt dem Prediger einen freudigen Muth, die Wahrheit im Namen Gottes zu sagen und die Gemeinde erkennt darin eine demüthige Unterordnung unter das Wort Gottes, welches die Kirche ihren Dienern vorschreibt. Wo freie Textwahl statt findet, da giebt es, wenn der Prediger irgend ein mißliebiges Wort redet, weit weniger Schutz vor allerlei Beschuldigungen der absichtlichen Beziehung auf gewisse Personen und Ereignisse.

Diese drei angeführten Vortheile der ev. Pericopen sollten uns von mehr Gewicht sein, als aller gegen sie ausgesprochene Tadel; denn denen, welche sie nur darum abzuthun scheinen, weil sie alt sind, kann man mit dem gewiß geistesfreien Melanchthon antworten: „Das ist eine Pest und ein Verderben der Kirche, daß die Menschen auch in der Lehre, welche der Kirche eigenthümlich ist, die Neuheit lieben, wie Hieronymus Schurff mit Recht urtheilt: er glaube, es sei dies die Ursache oder habe wenigstens den ersten Anlaß zur Verfälschung der Kirchenlehre gegeben, daß die Lehrer sich bestrebt hätten, Neues zu lehren, und das Volk, Eckel empfindend gegen das Hergebrachte, etwas Neues habe hören wollen."

Bei dieser Sucht nach etwas Neuem, welche so manche Prediger und Gemeinden beherrscht, wird ganz die dringende Nothwendigkeit vergessen, die alten theuern Hauptwahrheiten, welche die ev. Texte darbieten, immer aufs Neue zu predigen, und diese Sucht hat zum unermeßlichen Schaden der Kirche viele Lehrer verführt. die oft wiederkehrenden Dinge immer in neue Formen zu gießen, damit sie wieder neuen Reiz bekämen, ganz zuwider dem Sinne S. Pauli, der da sagt: Daß ich euch immer einerlei schreibe, verdrießt mich nicht und macht euch desto gewisser. Philipp. 3, 1. Daher sagt Dr. Kl. treffend: „Sehen wir doch an Luther, daß er, ob er wohl trotz uns geistreich war, doch die rechten großen Hauptsachen immer wieder und häufigst mit fast denselben Worten treibt, ja daß er sich nicht scheut, über dieselben Pericopen nach Jahresfrist Predigten von demselben Inhalt zu halten;" Warum will man ihm hierin nicht nachfolgen? Ich kenne einen Prediger, der es seit neun Jahren mit immer günstigerem Erfolge gethan hat. In jedem Jahre hat er über das ganze Evangelium gepredigt d. h. den ganzen Text erklärt und das ganze Vorbild der darin enthaltenen Lehre gegeben. Im ersten Jahre hat er die Summe von beiden aus den Postillen Dr. Luthers zusammengestellt, in den folgenden Jahren hat er je einen Theil der Predigt weitläufiger, die andern aber kürzer behandelt und nach vier bis fünf Jahren ist er wieder zur Darlegung der Summe zurückgekehrt, alles aber mit strenger Festhaltung der Lehre und Lehrweise, wie er sie in Dr. Luthers Predigten fand, obwohl, wie sich von selbst versteht, unter steter Berücksichtigung der besondern Bedürfnisse seiner Zuhörer. Er und andere, die eine ähnliche Weise befolgten, haben in der Wahl, Anordnung und Behandlung des Stoffes an der Hand Dr. Luthers immer gewissere Tritte gethan, namentlich geriethen sie fast niemals in Verlegenheit wegen des Mangels an Stoff, wohl aber oft wegen allzugroßer Reichhaltigkeit desselben.

Was nun fürs Andre das Vorlesen der heil. Schrift oder die sogenannten Bibellectionen betrifft, so wären dieselben wegen des großen Mangels an Bibelkenntniß so wie wegen der häufigen Vernachlässigung des zusammenhängenden Bibellesens in den Häusern dringend anzurathen, besonders wenn damit der Gebrauch der Dietrichschen Summarien verbunden würde. Allein es ist nicht abzusehen, wie man hier zu Lande Zeit dazu finden könnte; fände man sie aber namentlich in Städten bei den Abendgottesdiensten, so würde es in den meisten Fällen gerathner sein, dieselben zur Auslegung einzelner biblischen Bücher anzuwenden. Wohl aber wäre es sehr zu wünschen, daß die Bibellectionen mit Summarien in Schulen und Häusern immer allgemeiner würden; in den Schulen nämlich würden sie einen geeigneten Übergang von den einzelnen biblischen Geschichten zu der zusammenhängenden Ein- und Übersicht derselben bilden, in den Häusern aber würden sie der Jugend zur Wiederholung und Vorbereitung, den Erwachsenen aber zur Nachholung des Versäumten und zu einer vollständigeren Kenntniß der Bibel dienen. Freilich müßte man dann auf eine neue und wohlfeile Ausgabe jener meisterhaften Summarien bedacht sein, worin nicht nur die fehlenden ergänzt, sondern auch am Rande die Hinweisungen in die einzelnen Stücke des Katechismus beigefügt würden. Von dem großen Nutzen dieser Summarien habe ich mich seit einer Reihe von Jahren durch vielfältige Erfahrungen überzeugt.

Endlich sollen wir allen Fleiß anwenden, um auch die fortgehende Auslegung ganzer biblischen Bücher wiederum in Uebung zu bringen. Auf dem Lande wird dies freilich schwieriger sein, als in Städten, wo sich eher ein Abendgottesdienst für diesen Zweck einführen läßt. Die Theilnahme daran wird nie die Sache Aller, sondern nur Einzelner sein, die ein Verlangen nach einem reicheren Verständniß der h. Schrift empfinden, wie einst der Kämmerer der Königin Candaces, als er im Propheten Jesaias las [Apostelgesch. 8, 26 - 39]; und gewiß wird ein rechtschaffener Diener Christi gern ein solches Verlangen stillen, wie dies dort Philippus that und ob es auch nur Wenige haben, so sind doch gerade diese Wenigen gewöhnlich der rechte Kern der Gemeinde, an deren Pflege demnach unendlich Viel gelegen ist. Von der zweckmäßigsten Weise dieser Auslegungen ist schon oben im 1. Abschnitt die Rede gewesen. Wenn dabei mit Alt- und Neutestamentlichen Büchern und namentlich mit den Briefen der Apostel abgewechselt wird, so bieten sie zugleich einen Ersatz für die eigentlichen Epistelpredigten statt, wenn die letzteren wegen der sonntäglichen Katechismusübung in Wegfall kommen. Nur ist zu rathen, daß man sich mit der Erklärung der schwierigsten und wichtigsten begnüge und sich auch dabei kurz fasse, um wo möglich in jeder Predigt ein Capitel, in den geschichtlichen Büchern des A. Testaments wohl auch mehrere erklären zu können.

Wir kommen nun zu der Beantwortung der

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Word, but from the want of it; and therefore it is not silence, but the offering, and indeed the ever more abundant offering, of the whole treasure of the wholesome doctrine that will heal the hurts. This is the more needful the more meagre already are the forms of instruction which Rationalism has handed down to us, and which usually consist in nothing further than the catechization of the young and the sermon of the chief service. The question now is how the church's teaching is, in the present, to be most fittingly ordered after the pattern of the past.

Retaining now the earlier order of the various forms of instruction, we begin with the sermon on the Gospels. That these texts, and indeed exclusively, are to be retained for the chief services, for this we have more than one reason; first, namely, they contain for the festival half of the church year, that is, from Advent to Trinity Sunday, the historical foundations of the chief articles of our Christian faith, which for the most part cannot be replaced by any other portions of Scripture, and in the other half of the church year, that is, in the series of the Sundays after Trinity, they offer in the miracles and sermons of the LORD Christ the richest material for instruction.

In the second place, these evangelical portions are with most hearers the last remnant of what may still have remained in memory from the Bible. If we are willing to let this last remainder lie unused, we shall thereby lose the last means of any further connection. Should not the wise conduct of Dr. Luther and his co-workers be a pattern for us also in this, who on the ground of this last remainder of biblical knowledge began and carried forward the further upbuilding and development of the wholesome doctrine? The Gospels were to the people, as also to Dr. Luther himself for a time, the whole Bible, and he used these single texts to lead the people by their hand back again to the whole Bible. In this the twofold reading of the Gospels, namely after the so-called chief hymn and at the beginning of the sermon, as was customary from of old, is by no means a mere tiresome repetition, but belongs to the whole of the order of service. In places where individual festivals are no longer celebrated on their special days, it would be advisable to explain the Gospels of the same at least in the next Sunday afternoon service.

Finally, there lies in the prescribed Gospels a great protection for the preacher, for then it is said: This text the day prescribes to me, and when I expound the text, I say what I must say. This gives the preacher a joyful courage to speak the truth in the name of God, and the congregation recognizes therein a humble subordination under the Word of God, which the Church prescribes to her servants. Where free choice of text takes place, there is, if the preacher speaks any word that gives displeasure, far less protection against all manner of accusations of intentional reference to certain persons and events.

These three advantages of the evangelical pericopes here set forth ought to be of more weight with us than all the censure pronounced against them; for to those who seem to put them away only because they are old, one may answer with the certainly free-minded Melanchthon: "It is a plague and a ruin of the Church that men love novelty also in the doctrine which is peculiar to the Church, as Hieronymus Schurff rightly judges: he believes that this is the cause, or at least has given the first occasion, for the falsification of the doctrine of the Church, that the teachers strove to teach new things, and the people, feeling loathing toward what had been handed down, wished to hear something new."

By this craving for something new, which rules so many preachers and congregations, the pressing necessity is quite forgotten of preaching ever anew the old, dear chief truths which the evangelical texts present, and this craving has, to the immeasurable harm of the Church, seduced many teachers to cast the oft-recurring matters ever into new forms, that they might again gain new charm, quite contrary to the mind of St. Paul, who says: To write the same things to you, to me indeed is not grievous, but for you it is safe. Phil. 3, 1. Therefore Dr. Kl. says aptly: "Do we not see in Luther that, although he was spiritual in spite of us, he yet drives home the right great chief matters again and again and most frequently with almost the same words, yea, that he does not shrink from delivering, upon the same pericopes after a year's time, sermons of the same content;" Why will men not follow him in this? I know a preacher who for nine years has done it with ever more favorable success. In every year he has preached upon the whole Gospel, that is, has explained the whole text and given the whole pattern of the doctrine contained therein. In the first year he put together the sum of both from the Postils of Dr. Luther, in the following years he treated one part of the sermon more at length, and the others more briefly, and after four to five years he has returned again to the setting forth of the sum, but everything with strict adherence to the doctrine and manner of teaching as he found it in Dr. Luther's sermons, although, as is a matter of course, with constant regard to the special needs of his hearers. He and others who followed a similar manner have taken ever surer steps, in the choice, arrangement and treatment of the material, by the hand of Dr. Luther; in particular they almost never fell into embarrassment from want of material, but often indeed from too great abundance of it.

As to the second matter, the reading aloud of the Holy Scriptures, or the so-called Bible lessons, these would, on account of the great want of knowledge of the Bible, as also on account of the frequent neglect of connected Bible reading in the homes, be urgently to be recommended, especially if the use of Dietrich's Summaries were joined with it. But it is not to be seen how one could find time for it in this country; yet if one should find it, especially in cities at the evening services, it would in most cases be more advisable to employ them for the exposition of single books of the Bible. But it would be much to be desired that the Bible lessons with Summaries might become ever more general in schools and homes; in the schools, namely, they would form a suitable transition from the single biblical histories to the connected survey and overview of the same; in the homes, however, they would serve the young for repetition and preparation, the grown for making up what has been neglected and for a more complete knowledge of the Bible. To be sure, one would then have to be concerned for a new and cheap edition of those masterly Summaries, in which not only those that are lacking would be supplied, but also on the margin the references to the several parts of the Catechism would be added. Of the great usefulness of these Summaries I have for a number of years been convinced by manifold experience.

Finally we ought to apply all diligence to bring again into practice also the continuous exposition of whole books of the Bible. In the country this will indeed be more difficult than in cities, where an evening service for this purpose can more readily be introduced. The participation in it will never be the concern of all, but only of individuals, who feel a desire for a richer understanding of the Holy Scripture, as once the chamberlain of Queen Candace, when he read in the prophet Esaias [Acts 8, 26 - 39]; and surely an upright servant of Christ will gladly still such a desire, as Philip did there; and though there be but few, yet just these few are usually the right core of the congregation, on whose care therefore infinitely much depends. Of the most fitting manner of these expositions mention has already been made above in the first section. If in doing so there is alternation with Old and New Testament books, and especially with the Epistles of the Apostles, they offer at the same time a substitute for the proper Epistle sermons, if the latter fall away on account of the Sunday catechism exercise. Only it is to be advised that one content himself with the explanation of the most difficult and most important parts, and also in this be brief, in order, if possible, to be able to explain in every sermon one chapter, and in the historical books of the Old Testament perhaps several.

We come now to the answering of the