Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 12 › Seite 95
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-02-04, Seite 95
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Beza 11) antworten: Weder alle, noch auch einige Kinder werden in der That im Augenblick der Taufe wiedergeboren, sondern die Wohlthat der Wiedergeburt folge bei Kindern durch das Hören des Wortes erst zu ihrer von Gott bestimmten Zeit auf die Handlung der Taufe; und mit Piscator: 12) Nicht einmal von den Erwählten ist es wahr, daß Gott seinen Bund in der Beschneidung selbst mit ihnen gemacht habe. — Oder auf den Gebrauch des heil. Abendmahls, das zur Stärkung des Glaubens eingesetzt ist? Aber aus dem haben sie ja schon längst die sacramentliche Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi geächtet, und nur eine Gegenwart in gewisser Beziehung und der Aehnlichkeit nach, das heißt, eine Gegenwart des weit abwesenden Leibes Christi übrig gelassen. — Oder auf das Wohlwollen unsres Mittlers Christi? Aber derselbe, lehren sie ja, ist nur nach seiner göttlichen Natur (die da ist ein verzehrend Feuer) uns gegenwärtig, eine menschliche Natur nach welcher er unser Bruder ist, ist so weit von uns entfernt, wie der höchste Himmel von der untersten Erde. — Oder auf das Gefühl des Glaubens? Aber das Gefühl des Glaubens verschwindet oft in unserem Herzen, besonders zur Zeit der Anfechtung; der Angefochtene wird also schließen: Ich fühle keinen Glauben, also habe ich keinen Glauben, also will Gott nicht, daß ich Glauben habe, also bin ich in der Zahl der Verworfenen. — Oder auf die Bezeugungen des Glaubens? Aber welche Kennzeichen des Glaubens auch immer von den Gegnern vorgebracht werden mögen, die können auch bei denen aufgezeigt werden, die aus der Gnade Gottes gefallen sind; diese haben aber nach der Lehre der Gegner niemals den wahren Glauben gehabt; also kann auch niemand gewiß sein, daß er den wahren Glauben der Auserwählten habe. — Oder auf das Amt des Wortes und der Sacramente? Aber der Angefochtene wird mit Beza 13) antworten: der beschimpft Gott selbst, welcher glaubt, daß Gott entweder Menschen, durch deren Mund er redet, oder dem äußeren Worte Gottes selbst, oder den sacramentlichen Zeichen auch nur das geringste seiner göttlichen Wahrheit zuschreibe, dadurch die Menschen erneuert und in Christo zum ewigen Leben erhalten werden sollen.
11) In præf. prioris respons. ad colloqu. Mompelg. p. 24.
12) In resp. ad Hoffm. p. 88. 13) Part. 2 resp. ad acta colloqu. Mompelg. pag. 116.
Wenn wir nun aber die Reinheit der himmlischen Lehre und die Stütze und Grundlage unseres Glaubens unversehrt erhalten wollen, so dürfen wir keineswegs von irgend welcher Religionsmengerei träumen, oder diese Irrthümer als ob sie geringe wären, verhüllen, sondern müssen die Wahrheit mit allen Kräften tapfer verfechten. Wir, denen befohlen ist, die Kriege des Herrn zu führen, laßt uns schärfen gegen sie das Schwerdt des Wortes Gottes, laßt uns ihnen begegnen zum Streit, laßt uns in Schlachtordnung stehen, die Lenden gegürtet mit Wahrheit, laßt uns zugleich auch den Schild des Glaubens vorhalten und die vergifteten Geschosse ihrer Streitigkeiten auffangen, und dieselben wenden und auf sie desto eifriger zurück schleudern. Das nämlich sind die Kriege des Herrn, die David und die übrigen Erzväter führten. Laßt uns gegen sie stehen für unsere Brüder. Es ist besser, ich sterbe, als daß Jemand von meinen Brüdern von ihnen geraubt und erbeutet werde, und als daß sie, mit spitzfindigen Worten sich einschleichend, Kinder und Säuglinge in Christo gefangen führen.
Joh. Gerh. ep. dedicat. ad tom. IV. loc. theol.
Die falschen Friedensboten.
Der alte Cyriakus Spangenberg von Eisleben, Luthers guter Freund, hat im Jahre 1555 ein feines Büchlein herausgegeben unter dem Titel „Die Eleganzien des alten Adams oder Formularbüchlein der Alten-Adams-Sprache, der jetzigen neuen Welt sehr bräuchlich.“ Darin beurtheilt dieser treue Knecht Christi 60 damals im Munde des Volkes lebende böse Sprüchwörter. Das 12. lautet: Um Friedenswillen soll man ein wenig gemach thun.“ Hierüber spricht sich Spangenberg u. A. folgendermaßen aus: „Man findet jetziger Zeit auch unter denen, die große Theologen sein wollen, die sich befleißen also zu reden und zu schreiben, daß sie das Gegentheil, Papisten, Schwärmer, und Rotten, nicht erzürnen oder zu Unwillen bewegen. Was ist das anderes, denn Christo seinen Gang also regieren, daß er neben der Schlange hergehe und sie nicht auf den Kopf trete, damit sie nicht steche? Haben uns solches die Apostel und Propheten gelehrt oder vorgethan? Nein, wir werden es wahrlich anders in ihren Schriften und Exempeln befinden. Aber sie und wer ihnen folgt, müssen der jetzigen Welt Thoren und Narren sein; wiederum wer es also machen kann und sein Bekenntniß also stellen, daß es niemand irret, der wird in allen Ehren gehalten und zum höchsten gerühmet, und sind jetzo keine Theologen angenehmer, denn die Junker Leisetritt, und: „Thue mir nichts, so beiße ich dich wieder nicht; und die Tüncher, Vergleicher und Bestreicher, die aus zweierlei streitigen Lehren eine machen und allerlei Amnestias (Bündnisse, nach welchen das Geschehene für ungeschehen angesehen werden soll) in Religionssachen anstellen, declariren und concordiren können. Ach, das sind so holdselige und feine Lehrer, dat sind neue streitige Kerles, die wellen wir hebben: Ich fürchte aber, man habe ihrer allzuviel und werde ihrer mehr, denn es nütz und gut ist, durch Gottes Verhängniß und Strafe bekommen. Gott erhalte die Seinen.“
Wir theilen noch folgende zwei „Eleganzien“ des alten Adams mit, welche Spangenberg in seinem Büchlein beurtheilt. Die 1. ist: „Unser HErr Gott suchet ein Ding so gar genau nicht;“ die 54. lautet; Ein jeder kömmt durch seinen Glauben in Himmel, gleichwie mancherlei Kaufleute, ein jeder auf seiner Straße, gen Frankfurt auf die Messe kommen.“ Scheint hiernach der alte Adam der alten Zeiten nicht ziemlich derselbe gewesen zu sein, wie der in der neuen, in unseren aufgeklärten Zeiten?
Die Mitteldinge.
Viele, sonst recht wohlwollende Leute wundern sich nicht wenig darüber, daß die sog. Altlutheraner so manche Mitteldinge (Ceremonien und dergl.), die sie bisher gebraucht haben und deren Gebrauch man ihnen sonderlich zum Vorwurf macht, nicht alsobald fahren lassen. Sie meinen, thäten dieselben dies, so würde alsbald Ruhe und Friede werden; wer sollte aber nicht solch’ theure Güter gern um einen so geringen Preis erkaufen? Welche Hartnäckigkeit, welche Geringachtung der Seelen gehöre daher dazu, sich zu einem solchen geringen Opfer nicht verstehen zu wollen! — Solche bedenken aber nicht, daß es sich hier nicht um Mitteldinge, sondern um die Lehre, insonderheit um die von der christlichen Freiheit handelt, welche der böse Feind auf diesem Wege zu fälschen und zu rauben sucht; daß wir, wenn wir auch jetzt durch Nachgeben ein wenig Ruhe stifteten, damit später desto größere Unruhe und Verwirrung der Gewissen anrichten würden. Diesen Kampf hat Gott sei Dank! die Kirche schon einmal durchgekämpft in bessern Zeiten und uns, ihren Kindern, für unsere traurige Zeit ein herrliches Vorbild gelassen. Es geschah dies in den nächsten Jahren nach Luthers Tode in den sogenannten interimistischen Streitigkeiten, in welchen es sich darum handelte, ob man nicht in den sogenannten Mitteldingen den Papisten weichen und dadurch eine Wiederannäherung anbahnen solle. In dieser Zeit schrieben die vortrefflichen Theologen J. Wigand und Matth. Judex unter Anderem Folgendes, was noch jetzt wohl zu beherzigen ist: „Alle Adiaphora oder Mitteldinge, beide kleine und große, hören auf Mitteldinge zu sein, im Fall, da man eine Noth und Gezwang, oder einen Gottesdienst daraus macht, oder so das Bekenntniß darauf stehet, oder da irgend Ärgerniß damit begangen wird, oder da man einen bösen Schein eines Abfalls von der rechten Kirchen und einer Collusion (eines geheimen Einverständnisses mit den Irrgläubigen), Verrätherei und Gesellschaft mit den Verfolgern von sich gibt und die gottlosen Verfolger dadurch in ihrer Verstockung und falschen Meinung stärket, und den Geist Gottes in den Christen betrübet und dem Namen Gottes eine Schande und Unehre anlegt.“ — Dies bedenke man doch und muthe den Altlutheranern nicht zu, daß sie auch nur das Geringste um der Irrgläubigen willen abthun sollten. Um derjenigen willen, welche mit uns in der Lehre aufrichtig einig geworden auch das Liebste hinzugeben (so dadurch Gott nicht verunehrt, seine Wahrheit nicht gekränkt und den Schwachen zu Hülfe gekommen wird), sind wir herzlich willig und bereit. Amsdorf erzählt von einem gottseligen Bürger zu Zwickau, Jost Schalreuther, der in jener Zeit um Gottes Worts willen gestorben ist, er habe zu sagen gepflegt, wenn der Mitteldinge gedacht worden sei: „Wenn der Teufel und der Antichrist mich hießen das Vaterunser beten, so wollt ichs nicht thun.“
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Beza 11) answer: Neither all, nor even some children are in fact born again at the moment of Baptism, but the benefit of regeneration follows in children, through the hearing of the Word, only at their time appointed by God after the act of Baptism; and with Piscator: 12) Not even of the elect is it true that God made His covenant in circumcision itself with them. — Or to the use of the holy Supper, which was instituted for the strengthening of faith? But from that they have indeed long since banished the sacramental communion of the body and blood of Christ, and left only a presence in a certain relation and by way of likeness, that is, a presence of the body of Christ far absent. — Or to the good will of our Mediator Christ? But He, they teach, is present with us only according to His divine nature (which is a consuming fire), while a human nature, according to which He is our brother, is as far removed from us as the highest heaven from the lowest earth. — Or to the feeling of faith? But the feeling of faith often vanishes in our heart, especially in the time of temptation; the tempted man will therefore conclude: I feel no faith, therefore I have no faith, therefore God does not will that I should have faith, therefore I am in the number of the reprobate. — Or to the testimonies of faith? But whatever marks of faith may be brought forward by the adversaries, these can also be pointed out in those who have fallen from the grace of God; but these, according to the doctrine of the adversaries, never had true faith; therefore no one can be certain that he has the true faith of the elect. — Or to the office of the Word and of the sacraments? But the tempted man will answer with Beza 13): he blasphemes God Himself who believes that God ascribes even the least of His divine truth either to men through whose mouth He speaks, or to the outward Word of God itself, or to the sacramental signs, whereby men are to be renewed and preserved in Christ unto eternal life.
11) In præf. prioris respons. ad colloqu. Mompelg. p. 24.
12) In resp. ad Hoffm. p. 88. 13) Part. 2 resp. ad acta colloqu. Mompelg. pag. 116.
But if we would keep unimpaired the purity of heavenly doctrine and the support and foundation of our faith, we dare by no means dream of any sort of religious mixture, or conceal these errors as though they were slight, but must valiantly defend the truth with all our might. We, to whom it is commanded to wage the wars of the Lord, let us whet against them the sword of the Word of God, let us meet them in battle, let us stand in battle array, our loins girt about with truth, let us at the same time hold up the shield of faith, and catch the poisoned darts of their disputations, and turn them, and hurl them back upon them all the more eagerly. For these are the wars of the Lord which David and the other patriarchs waged. Let us stand against them for our brethren. It is better that I die than that any of my brethren be robbed and plundered by them, and that they, creeping in with subtle words, lead captive children and sucklings in Christ.
Joh. Gerh. ep. dedicat. ad tom. IV. loc. theol.
The False Messengers of Peace.
The old Cyriakus Spangenberg of Eisleben, Luther’s good friend, in the year 1555 published a fine little book under the title “Die Eleganzien des alten Adams oder Formularbüchlein der Alten-Adams-Sprache, der jetzigen neuen Welt sehr bräuchlich.” In it this faithful servant of Christ appraises 60 wicked proverbs then living in the mouth of the people. The 12th reads: For the sake of peace one should go a little gently.” Concerning this Spangenberg expresses himself, among other things, as follows: “One finds in the present time also among those who wish to be great theologians such as take pains so to speak and write that they may not anger or vex the opposite party, Papists, enthusiasts, and sects. What is that other than so to direct Christ’s going that He walk alongside the serpent and not tread on its head, lest it sting? Have the apostles and prophets taught or set us an example of such a thing? No, we shall surely find it otherwise in their writings and examples. But they, and whoever follows them, must be fools and simpletons to the present world; on the other hand, whoever can so manage and so frame his confession that it offends no one, he is held in all honors and highly extolled, and there are now no theologians more agreeable than Sir Softstep, and: ‘Do me no harm, then I will not bite thee back’; and the whitewashers, reconcilers and daubers, who make one out of two conflicting doctrines and can arrange, declare and concord all manner of Amnestias (agreements by which what has happened is to be regarded as not having happened) in matters of religion. Ah, those are such lovely and fine teachers, those are new quarrelsome fellows, those we will have: But I fear there are too many of them already and there will be more, since it is useful and good to get them through God’s dispensation and punishment. God preserve His own.”
We give yet the following two “Eleganzien” of the old Adam which Spangenberg appraises in his little book. The 1st is: “Our Lord God does not look for a thing so very exactly;” the 54th reads; Everyone comes to heaven by his faith, just as all sorts of merchants, each on his own road, come to the fair at Frankfurt.” Does not the old Adam of the old times seem to have been pretty much the same as the one in the new, in our enlightened times?
The Mitteldinge.
Many otherwise quite well-meaning people wonder not a little that the so-called Old Lutherans do not at once give up so many adiaphora (ceremonies and the like) which they have hitherto used and the use of which is made a special reproach to them. They think that if they did this, quiet and peace would at once ensue; and who would not gladly buy such precious goods at so small a price? What obstinacy, what contempt of souls, therefore, it must take not to be willing to submit to so slight a sacrifice! — Such persons do not consider that here it is not a question of adiaphora, but of doctrine, especially of that concerning Christian liberty, which the evil foe seeks by this way to falsify and to rob; that if we, even now, by yielding, established a little quiet, we should thereby produce later all the greater unrest and confusion of consciences. This conflict, God be thanked! the Church has already once fought through in better times, and has left us, her children, for our sorrowful time a glorious example. This took place in the first years after Luther’s death in the so-called Interimistic controversies, in which the question was whether, in the so-called Mitteldinge, one should not yield to the Papists and thereby prepare a rapprochement. At that time the excellent theologians J. Wigand and Matth. Judex wrote, among other things, the following, which is still well worth taking to heart: “All Adiaphora or Mitteldinge, both small and great, cease to be Mitteldinge when a necessity and constraint, or a divine service, is made of them, or if the confession depends upon them, or if any offense is given thereby, or if one gives the evil appearance of a falling away from the true Church and of a collusion (a secret understanding with the heterodox), of treachery and fellowship with the persecutors, and thereby strengthens the godless persecutors in their obduracy and false opinion, and grieves the Spirit of God in the Christians and lays shame and dishonor upon the name of God.” — Let this be considered, and let no one demand of the Old Lutherans that they should give up even the least thing for the sake of the heterodox. For the sake of those who have become sincerely one with us in doctrine, we are heartily willing and ready to give up even what is dearest (provided God is thereby not dishonored, His truth not injured, and the weak helped). Amsdorf relates of a godly citizen of Zwickau, Jost Schalreuther, who in that time died for God’s Word’s sake, that he was wont to say, when the Mitteldinge were mentioned: “If the Devil and the Antichrist bade me say the Lord’s Prayer, I would not do it.”