Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 12 › Seite 92

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-02-04, Seite 92

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wahl von Gemeinden und in jeder solchen Gemeinde nur mit einer Auswahl von Gliedern wird beginnen lassen, auf daß von diesen Einzelanfängen aus allmälig die Gesammtheit ergriffen und durchsäuert werde."

Zeichen der Zeit.

(Fortsetzung.)

Wir können nicht umhin, unseren Lesern die Fortsetzung jener Corespondenz mitzutheilen, die sich in den neuesten Nummern des „Zuschauers am Potomac" findet und wovon wir bereits in der letzten Nummer des „Lutheraner" den Anfang mitgetheilt haben. Dieselbe lautet wie folgt:

Der in meinem letzten Briefe geschilderte Verfall der Religion in Deutschland konnte nicht verfehlen auch auf die Deutschen in den Ver. Staaten seinen Einfluß auszuüben. Schon seit den letzten 15 Jahren haben sich Gemeinden hier gebildet, die der „Vernunft zu ihrem Rechte verhelfen um den „blinden Autoritäts-Glauben," und der „Pfaffenherrschaft" den Fehdehandschuh hinwarfen. Der „Lichtfreund" „Antipfaff" und die „Fackel" waren die leitenden Zeitschriften dieser Bewegung; Ginal und Försch die hervorragendsten Persönlichkeiten. Obgleich viele politische Zeitschriften hie und da Zeichen gaben diese Richtung zu begünstigen, so war dennoch das Selbstinteresse hinreichend, dieselben in Schranken zu halten, da die öffentliche Meinung sich allzu deutlich dagegen aussprach und man nicht gerne seine Abonnenten verlor. In Folge der politischen Umwälzungen die im Jahre 1848 in Deutschland stattfanden, kamen eine Anzahl politische Flüchtlinge hier an, die der antireligiösen Richtung eine neue Schwungkraft gaben, und als Herausgeber der einflußreichsten Zeitungen, deren Leitung ihnen wegen ihres literarischen Rufes übertragen wurde, haben sie diese Richtung nun förmlich organisirt. Nun bestreben sie sich aber nicht mehr blos den „blinden Autoritäts-Glauben" und die „Pfaffenherrschaft" zu stürzen und der „Vernunft" zu ihrem Rechte zu verhelfen, sondern alle Verhältnisse der menschlichen Gesellschaft, der Familie und des Staates, sollten total umgewandelt werden. Der Glaube an Gott soll ausgerottet, das Eigenthum abgeschaft, die Ehe aufgehoben werden. Alles dieses hofft man zu erreichen durch die Arbeitervereine, die man von Deutschland aus, hierher verpflanzt hat und deren vorgeschobene Aussicht untadelhaft ist. Sie sind eine freiwillige Vergesellschaftung; sie suchen allgemeine und gewerbliche Fortbildung, sittliche Kräftigung und gesellige Erheiterung, deren sie bedürftig sind, und wollen sie in Gemeinschaft einander verschaffen. Sie bezwecken Verbrüderung und gegenseitige Unterstützung. Alles dies wäre untadelhaft; aber dabei bleiben sie nicht stehen; über Gott und Christus, über Kirche und Religion geht's zum Kampf wider Eigenthum, Familie, Ehe und Sittlichkeit. Der Präsident des Arbeitercongresses, der kürzlich in Philadelphia gehalten wurde, Herr Rosenthal, hat in dem von ihm herausgegebenen Sonntagsblatte „Wilde Rosen" erklärt: „Ich bin Atheist! Als solcher läugne ich das Dasein eines Wesens, von dem Alles, was da ist und nicht da ist, ausgehen soll, und das man gewöhnlich mit dem Namen Gott belegt.

Lasset uns nun einen Blick werfen auf die „Arbeitervereine" in Deutschland, nach deren Vorbilde die deutschen Arbeitervereine in den Vereinigten Staaten entstanden sind, um verstehen zu lernen nach welchem Ziele dieselben streben.

Das Centralorgan der Arbeitervereine in Deutschland ist „die Verbrüderung." In dieser Zeitschrift stehen die Reden Proudhon's, Louis Blancs, Fröbels und Robespierres immer obenan. Sie ruft in einer ihrer Nummern: „Die Diener der Kirche verbinden sich mit den Heulern des Staates, weil beider Lebensinteresse dasselbe ist: beide speculiren auf Unterdrückung der freien Menschenwürde. Sie wollen das Volk um die Erde bestehlen, drum weisen sie es mit Assignaten auf den Himmel; sie erhalten es mit satanischer List in der für den blinden Kirchenglauben erforderlichen Zerknirschung, indem sie es leiblich verkümmernlassen. Drum haben es die Pfaffen in ihrem wohlverstandenen Interesse von jeher mit der Minderheit, mit Fürsten und Adel, gehalten gegen das Volk und dessen materielle Erlösung aus Druck und Elend.

In einer Versammlung sprach sich ein Redner folgendermaßen aus: „Feuerbach hat uns gelehrt, uns den geistigen Gott, den wir als außer uns bestehend, von uns getrennt vorstellen, in uns zu verlegen und anzuschauen. So wollen wir auch den materiellen Gott der Welt, den Mammon, nicht außer uns, nicht uns gegenüber bestehen lassen, sondern in uns aufnehmen. — Auf ein ewiges Leben, auf Vergeltung dort oben, hoffen wir nicht, so lange es hier unten nicht besser wird: — Das Besserhabenwollen dort oben hat der Egoismus erfunden und die Habgier. — Sagt der Pfarrer tröstend: Dort oben wirds vergolten! — oder: Der liebe Gott wird helfen! — Wir — warten nicht, wollen uns nicht darauf verlassen."

Eine andere Stimme ruft: „Die Religion ist gleichgültig oder feindlich gegen die Wahrheit, sofern diese nicht in ihrem Interesse, dem Gleichgewicht der Seele dient. — Der rechte Zweifel kehrt nicht zum Glauben zurück, sondern schreitet zur That. — Was die Kritik zerstört hat, findest du in der Welt wieder, die ein würdiger Gegenstand der Liebe ist. — Das ist die Liebe der neuen Demokratie. — Es giebt nichts Absolutes."

Es schalt Feuerbach, der die deutsche Nation vom Wahne der Religion erlösen wollte, einen Pfaffen, der noch immer einen Götzen, die Liebe zu dem Menschen, predigt; diese Religion müsse vernichtet werden durch den Egoismus.

Diese Ansichten leben und weben in Deutschland nicht in Büchern, sondern werden schon auf den Straßen und in Wirthshäusern gesungen. So wird im Weberliede das von Tausenden in vielen Herbergen, auf den Landstraßen und in vielen Vereinen gesungen wird, das Leichentuch Altdeutschlands gewoben. Drei Flüche werden eingeschlagen. Der erste Fluch gilt dem „Könige der Reichen," die beiden andern lauten also:

Fluch dem Gott, dem blinden, dem tauben,
Zu dem wir vergeblich gebetet im Glauben,
Auf den wir vergeblich gehofft und geharrt,
Er hat uns gefoppt, er hat uns genarrt.
Wir weben! wir weben!

Fluch dem schlechten Vaterlande,
In dem unser Erbtheil nur Elend und Schande.
Altdeutschland! wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch!
Wir weben! wir weben!

Aus dem so eben Mitgetheilten geht deutlich hervor, daß die Arbeiterbewegung in Deutschland den Umsturz der Religion beabsichtigt. Gott und Vaterland, die zwei heiligsten Begriffe sucht man zu zertrümmern! Ja, um dies zu erzwecken muß die hehre Dichtkunst in den Koth herabgezogen und zur Trägerin der furchtbarsten Gotteslästerung gemacht werden. So singt Titus Ulrich in seinem Hohenliede:

„Ich bin zu stolz,
Zu trösten mich mit dir,
Mit dir, den sie zitternd nennen,
Den Herrn, — den Allmächtigen!
Wie wahr sind die Worte des Dichters:
Was in des tollsten Wahnsinns Graus
Von Pöbellippen nie erklungen:
Ein Deutscher Dichter sprach es aus,
Ein Deutscher Dichter hat's gesungen."

Die Arbeiterbewegung in Deutschland sucht aber auch die Rechte des Eigenthums abzuschaffen. Eines ihrer Organe parodirt die Schöpfungsgeschichte also:

„Im Anfang war das Eigenthum und es schuf Himmel und Erde, Schöpse, Kälber und Schafe und Menschen, und sprach zu dem Menschen: du sollst mir unterthänig sein, denn ich bin das Eigenthum."

„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brod essen — steht geschrieben. Den Spruch hat wohl ein Schlaukopf erdacht, und nun macht man uns weis, er sei ein göttlicher Ausspruch.

Der Communist Born ruft: „Schmach über diejenigen, welche euch sagen, daß es Reiche und Arme geben müsse, weil Gott es so gewollt. Ja, der Pulsschlag eures Herzens sagt euch, daß der Glaube Lüge ist. Der Genuß und wieder der Genuß ist es, der in jedem Blutstropfen lebt und zur Regsamkeit, zum Handeln antreibt."

„Den Interessen der Besitzlosen sind die Interessen der Besitzenden entgegengesetzt. Die leitende Idee der gegenwärtigen Gesellschaft ist die Selbstsucht; ihr Wahlspruch: Jeder für sich, Jeder gegen Alle! — Nicht gleiche Vertheilung der Güter wollen wir, nein! Denn wenn der Privaterwerb beibehalten wird, so erneuert sich der alte Zustand nach wenig Jahren, durch die Spekulation der Habsüchtigen und Schlauen. Wir wollen Organisation der Arbeiter

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tion of congregations, and in every such congregation will let it begin only with a select number of members, in order that from these single beginnings the whole body may gradually be seized and leavened."

Signs of the Times.

(Continuation.)

We cannot refrain from communicating to our readers the continuation of that correspondence which is found in the latest numbers of the "Zuschauer am Potomac," and of which we already gave the beginning in the last number of the "Lutheraner." It reads as follows:

The decay of religion in Germany described in my last letter could not fail to exert its influence also upon the Germans in the United States. Already for the last fifteen years congregations have been formed here which threw down the gauntlet to "blind faith in authority" and to "priestcraft," in order to help "Reason to her right. The "Lichtfreund," "Antipfaff" and the "Fackel" were the leading periodicals of this movement; Ginal and Försch the most prominent personalities. Although many political periodicals here and there gave signs of favoring this tendency, yet self-interest was sufficient to keep them within bounds, since public opinion declared itself all too plainly against it, and one did not like to lose one's subscribers. In consequence of the political upheavals which took place in Germany in the year 1848, a number of political refugees arrived here, who gave the antireligious tendency a new impetus, and as editors of the most influential newspapers, the direction of which was entrusted to them on account of their literary reputation, they have now formally organized this tendency. Now they strive no longer merely to overthrow "blind faith in authority" and "priestcraft" and to help "Reason" to her right, but all relations of human society, of the family and of the State, are to be totally transformed. The faith in God is to be rooted out, property abolished, marriage done away. All this one hopes to attain through the workingmen's societies, which have been transplanted hither from Germany and whose pretended aim is irreproachable. They are a voluntary association; they seek general and industrial improvement, moral strengthening and social cheer, of which they stand in need, and wish to procure them for one another in fellowship. They aim at brotherhood and mutual support. All this would be irreproachable; but they do not stop there; over God and Christ, over Church and religion it goes on to the battle against property, family, marriage and morality. The president of the Workingmen's Congress, which was lately held in Philadelphia, Mr. Rosenthal, has declared in the Sunday paper "Wilde Rosen" published by him: "I am an atheist! As such I deny the existence of a being from whom all that is and is not is supposed to proceed, and which is commonly designated by the name God.

Let us now cast a glance at the "workingmen's societies" in Germany, after whose pattern the German workingmen's societies in the United States arose, in order to learn to understand toward what goal they strive.

The central organ of the workingmen's societies in Germany is "die Verbrüderung." In this periodical the speeches of Proudhon, Louis Blanc, Fröbel and Robespierre stand always at the head. It cries in one of its numbers: "The servants of the Church ally themselves with the howlers of the State, because the vital interest of both is the same: both speculate upon the oppression of free human dignity. They want to rob the people of the earth, and therefore point them with assignats to heaven; they keep them with satanic cunning in the contrition required for blind churchly faith, while they let them dwindle bodily. Therefore the priests, in their well-understood interest, have always held with the minority, with princes and nobility, against the people and its material redemption from oppression and misery.

In an assembly a speaker expressed himself as follows: "Feuerbach has taught us to transfer into ourselves, and to look upon in ourselves, the spiritual God whom we picture as existing outside of us, separated from us. So also we will not let the material god of the world, Mammon, exist outside of us, over against us, but will take him up into ourselves. - In an eternal life, in recompense up yonder, we do not hope, as long as it does not grow better down here: - The wanting to be better off up yonder has been invented by egoism and by greed. - When the pastor says consolingly: Up yonder it will be requited! - or: The dear God will help! - We - do not wait, will not rely upon that."

Another voice cries: "Religion is indifferent or hostile toward truth, so far as this does not serve its interest, the equilibrium of the soul. - True doubt does not return to faith, but proceeds to action. - What criticism has destroyed, thou findest again in the world, which is a worthy object of love. - That is the love of the new democracy. - There is nothing absolute."

Feuerbach, who wished to redeem the German nation from the delusion of religion, was railed at as a priest who still preaches an idol, the love of man; this religion, it was said, must be annihilated by egoism.

These views live and move in Germany not in books, but are already sung in the streets and in taverns. Thus in the Weaver's Song, which is sung by thousands in many hostels, on the highways and in many societies, the winding-sheet of Old Germany is woven. Three curses are woven in. The first curse is for the "King of the Rich"; the two others run thus:

Curse on the God, the blind, the deaf,
To whom we prayed in vain in faith,
On whom we hoped in vain and waited,
He has mocked us, he has fooled us.
We weave! we weave!

Curse on the wretched fatherland,
In which our inheritance is only misery and shame.
Old Germany! we weave thy winding-sheet,
We weave therein the threefold curse!
We weave! we weave!

From what has just been communicated it appears plainly that the workingmen's movement in Germany intends the overthrow of religion. God and fatherland, the two holiest conceptions, one seeks to shatter! Yea, to accomplish this the sublime art of poetry must be dragged down into the mire and made the bearer of the most dreadful blasphemy. Thus sings Titus Ulrich in his Hohenlied:

"I am too proud
To console myself with thee,
With thee, whom they call trembling,
The Lord, - the Almighty!
How true are the words of the poet:
What in the horror of the maddest frenzy
From mob-lips never has resounded:
A German poet spoke it out,
A German poet has sung it."

The workingmen's movement in Germany seeks, however, also to abolish the rights of property. One of its organs parodies the history of creation thus:

"In the beginning was Property, and it created heaven and earth, sheep, calves and lambs, and men, and said to man: thou shalt be subject to me, for I am Property."

"In the sweat of thy face shalt thou eat thy bread - so it is written. This saying some sharper has doubtless devised, and now one makes us believe it is a divine utterance.

The Communist Born cries: "Shame on those who tell you that there must be rich and poor, because God has so willed. Yea, the pulse-beat of your heart tells you that faith is a lie. Enjoyment, and again enjoyment, is what lives in every drop of blood and drives to activity, to action."

"The interests of the propertyless are opposed to the interests of the possessors. The ruling idea of the present society is selfishness; its watchword: Every man for himself, every man against all! - Not equal distribution of goods do we want, no! For if private acquisition is retained, the old condition renews itself after few years, through the speculation of the covetous and the cunning. We want organization of the workers