Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 14 › Seite 110

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-03-04, Seite 110

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Synode von Ohio im Juni 1850 zu Neu-Bremen, Ohio, vorgefallen, den wir jedoch an und für sich, als etwas Hergebrachtes und Gewohntes, nicht zur allgemeinen Kenntniß bringen würden, wenn er nicht höchst lehrreich wäre und gründlichen Aufschluß über die eigentliche Gesinnung der Synode von West-Ohio gäbe, nämlich daß sie, bei all ihrem Sichbekennen zu den kirchlichen Symbolen, eine Feindin der bekenntnißtreuen Lutheraner und eine Freundin der bekenntnißlosen Unionisten ist.

Die Sache ist nämlich diese:

Vor drei Jahren wurde der Pastor P. Heid von drei luth. Gemeinden in und bei Wappaconetto, Auglaize Co., Ohio, berufen. Zwei jedoch von diesen war er nach einiger Zeit Gewissens halber genöthigt wieder aufzugeben; denn sie wollten nur einen Predigthalter, aber keinen Seelsorger, widerstrebten der von dem Herrn Christo in Matth. 18, 15—17 geordneten Kirchenzucht unter dem Vorgeben ihrer amerikanischen Freiheit, und wollten auf keinerlei Weise, trotz aller Belehrung, ihrem Pastor gestatten, sie vor dem Genuß auch nur des ersten Abendmahls einzeln zu befragen, um sich, so viel als möglich, von ihrer Befähigung zum würdigen Genusse des heil. Abendmahls zu unterrichten, und nicht durch seine Schuld unwürdige Gäste zu absolviren und zu communiciren, sich also nicht theilhaftig zu machen fremder Sünden.

Da kam Herr Pastor Gogelen, früher, wenn ich nicht irre, Glied der luth. Synode von Pennsylvanien, in jene Gegend und übernahm zuerst die Bedienung einer kleinen unirten Gemeinde in St. Marys, zehn Meilen von Wappaconetto, wohin er sich dann begab, sich von jenen losen Leuten „dingen“ ließ und ohne nähere Erkundigung offenbar Gottlosen flugs das h. Abendmahl reichte; denn so leichtfertig und gewissenlos handelte dieser Miethsprediger, daß er nicht nur nicht vor der Übernahme jener sog. Gemeinde in und um Wappac. zu Pastor Heid kam und ihn um den Stand der Dinge befragte, noch sonst auf unpartheiische Weise zur richtigen Anschauung der Sachlage zu gelangen trachtete, sondern vielmehr Pastor Heid spröde abwies, als dieser zu ihm kam und den geschichtlichen Hergang dieses betrübten Handels ihm mittheilte und ihn dringend ermahnte, sich nicht so verderblich theilhaftig zu machen fremder Sünden, indem er offenbar Böswillige und Störrige, die des Herrn Christi heilsame Zucht und Ordnung, trotz aller an sie gewandten Geduld und Lehre, verachteten und verwürfen, als christliche Gemeinde anerkenne und bediene und sie dadurch in ihrer Bosheit und Unbußfertigkeit stärke. Denn auf solche Vorhaltung erwiederte Pastor Gogelen dem Pastor Heid „ich bin examinirt und ordinirt und lasse mir von Ihnen nichts sagen“.

Da nun Pastor Heid gehört hatte, daß sich Pastor Gogelen an die Ohio-Synode anzuschließen gedenke, so that jener, wozu sein Gewissen ihn antrieb. Er erzählte nämlich bei der letzten Synodal-Versammlung zu Neu-Bremen dem Herrn Präsidenten, Pastor Spielmann, in Gegenwart dreier Glieder der Synode, den Hergang der Sache, um die Synode vor sofortiger Aufnahme des Pastor Gogelen zu warnen. Der Herr Präsident sagte, er wolle dieses Alles vorbringen, da Herr Pastor Gogelen sich schon um Aufnahme gemeldet habe. Pastor Heid ersuchte ihn, dieses am folgenden Tage zu thun, weil er noch so lange in Neu-Bremen zu bleiben gedächte und gegenüber von Pastor Gogelen gern auf Befragen nähere Auskunft geben wolle. Als nun gleichwohl am andern Tage nichts davon zur Sprache kam, so fragte Pastor Heid noch einmal bei dem Präsidenten nach und erhielt zur Antwort, daß dieser Handel nicht in der Synode, sondern im Ministerio vorkomme.*) Dahin hatte nun freilich Pastor Heid keinen Zutritt. Wie aber diese Sache werde gehandelt werden, ließ sich doch schon aus einem Vorfalle abnehmen, der an demselben Tage in der Synodal-Versammlung sich ereignete.

*) Es ist übrigens dieses Verfahren in dem vorliegenden Falle wider allen richtigen kirchlichen Brauch. Denn muß nicht der ganzen Synode, also auch den Licenziirten (diesem seltsamen Zwitterwesen zwischen Candidaten und Ordinirten) und den Deputirten es Gewissens- und Herzenssache sein, aus eigener Anschauung, etwa durch ein öffentlich gehaltenes Colloquium, sich zu überzeugen, ob der Pastor, der Aufnahme in die Synode begehrt, rechtgläubig oder irrgläubig sei?

Es begab sich nämlich daß Herr Kleinegees, ein Licenziirter, in dem wirklich ein rechtschaffener Ernst und Lauterkeit der Gesinnung zu sein scheint, auftrat und sich Belehrung erbat, wie er sein lutherisches Gewissen mit seiner „unirten Gemeinde“ in Einklang bringen und sein amtliches Verfahren in und mit ihr ferner einrichten solle; denn obwohl er in Unwissenheit und in pietistisch-unionistischem Liebeswahn diese Gemeinde angenommen hatte, so war er doch, durch heilsame Amtserfahrung und durch genauere Erkenntniß der Gegenlehre und des Zusammenhangs zwischen Bekenntniß und Praxis zu der Einsicht gekommen, daß das Bedienen vermischter Gemeinden, als solcher, nicht zum Aufbau, sondern zur Zerstörung der luth. Kirche gereiche.

Auf jene Frage und Bitte um Belehrung trat nun—der Schreiber dieses war nämlich gegenwärtig—eine ziemlich lange tiefe Stille ein, und es schien zumal den Vätern der Synode diese Frage eher verdrießlich, als erwünscht zu sein, theils weil der Geschäftsgang der Synode dadurch unterbrochen wurde und z. B. die Gelder zur Synodalkasse noch nicht eingezahlt waren, womit herkömmlich die edle Sitzungszeit theilweise todtgeschlagen wird,**) theils weil sie, wie aus dem endlich gegebenen Rath so ziemlich klar wird, in dem unangenehmen Zustande der Rathlosigkeit sich befanden, theils weil vielleicht hier und da ein schlafendes Gewissen etwas unsanft durch jene Frage aufgewekt wurde und dem erwachenden ehrwürdigen Vater das Sprüchwort einfiel: „Arzt, hilf dir selber“.

**) Indeß nämlich wichtige Bekenntniß- und Lehrfragen mit ungründlicher Eile beseitigt werden, bringen sie Stunden lang während der Sitzung mit Einzahlung der Gelder in die Synodal- oder Erziehungskasse oder mit Einreichung der Parochialberichte zu—Geschäfte, die doch ein jeder ganz gut außer der Sitzungszeit mit dem Secretair oder Cassirer abmachen kann.

Endlich trat nun der ehrwürdige Vater, Herr Pastor Heinecke aus Miamisberg auf und ertheilte den wohlweisen Rath, der auch später zum Synodalbeschluß erhoben wurde, nämlich: „Beschlossen, daß wir, als Synode, die Bildung gemischter oder sog. unirter Gemeinden mißbilligen und unsern Predigern anrathen, daß, wo solche schon bestehen, sie dieselben nur als luth. Prediger bedienen“.

Da aber hierüber keine weitere Erklärung erfolgte und eine sachgemäße Frage nur eine zornige Abfertigung, aber keine Antwort von dem Herrn Rathgeber erfuhr, so waren Herr Kleinegees, (und andere Amtsbrüder in ähnlicher Lage) eben so klug, als zuvor; denn das begehrte ja Herr Kleinegees grade zu wissen, auf welche Weise er eben als luth. Prediger seine unirte Gemeinde noch ferner bedienen könne, nachdem er selber zur Erkenntniß der Wahrheit gekommen sei.

Hätte der liebe Gott nun nicht anderswoher für den Frager gesorgt, so hätte natürlich jener sog. Rath sein Gewissen nach wie vor in der Schwebe und peinlicher Ungewißheit gelassen, wie er doch nun eigentlich als luther. Prediger mit seiner unirten Gemeinde ferner zu verfahren habe, ohne wider die Wahrheit oder wider die Liebe wesentlich zu verstoßen, d. i. ohne die göttliche Wahrheit der heil. Schrift und das darauf gegründete Bekenntniß der luth. Kirche durch unionistische Handlungsweise ferner zu verleugnen und ohne anderseits sofort die Gemeinde zu verlassen, die er doch durch seine frühere Übernahme als luth. Prediger, in ihrem Unionswahn gestärkt hatte.

Denn natürlich war er nun in seinem Herzen und Gewissen gehalten, seiner Gemeinde, ob Gott wollte, auch die Augen aufzuthun, und sie auf dem Wege gründlichen Unterrichts über die reine Lehre der luther. Kirche und die falsche Lehre der Reformirten von dem Unding und der Lüge der jetzigen Union göttlich zu überzeugen, damit entweder die ganze bisher unirte Gemeinde oder doch ein Theil derselben eine luth. Gemeinde werde. Wolle dagegen entweder die ganze Gemeinde schon von vornherein solchen Unterricht verwerfen oder nach demselben störrig und böswillig eine unirte Gemeinde bleiben, so habe doch Herr Kleinegees redlich das Seine gethan und könne sie getrost verlassen.

Wiewohl nun also jener obige Rath und spätere Beschluß der Synode kein eigentlicher Rath und keine väterliche Handleitung für den jungen Amtsbruder war, so ist doch nicht zu leugnen, daß er einen Schein von kirchlicher Gesinnung hatte.

Wie wenig ernstlich es aber damit gemeint war, wurde alsbald am Nachmittag klar; denn da sprach sich der luth. Pastor, Herr Gogelen, der Bittsteller um Aufnahme in die Synode, ganz offen und unumwunden für die Union und die herkömmliche unionistische Handlungsweise der (sogenannten) luth. Pastoren aus, ohne auch nur von einer Seite her Widerlegung und Zurechtweisung durch die Synode zu erfahren; ja zum Zeichen ihrer brüderlichen Einigkeit mit Herrn

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Synod of Ohio in June 1850 at New Bremen, Ohio, which we should not, however, in and of itself, as something customary and habitual, bring to general knowledge, if it were not most instructive and did not give thorough information concerning the real disposition of the Synod of West Ohio, namely, that it, with all its professing of the churchly Symbols, is an enemy of the confession-faithful Lutherans and a friend of the confessionless Unionists.

The matter is namely this:

Three years ago the pastor, P. Heid, was called by three Lutheran congregations in and near Wappaconetto, Auglaize Co., Ohio. Two of these, however, he was after some time compelled in conscience to give up again; for they wanted only a preacher, but no pastor of souls, resisted the church discipline ordained by the Lord Christ in Matt. 18, 15—17 under the pretext of their American liberty, and would in no wise, in spite of all instruction, permit their pastor, before the partaking even of the first Communion, to question them individually, in order to inform himself, as far as possible, of their fitness for the worthy partaking of the Holy Supper, and not, through his own fault, to absolve and to commune unworthy guests, and thus not to make himself partaker of other men's sins.

Then came Pastor Gogelen, formerly, if I am not mistaken, a member of the Lutheran Synod of Pennsylvania, into that region, and took over first the care of a small united congregation at St. Marys, ten miles from Wappaconetto, whither he then betook himself, let himself be "hired" by those loose people, and without closer inquiry straightway gave the Holy Supper to manifestly godless persons; for so frivolously and unconscientiously did this hireling preacher act that he not only did not, before taking over that so-called congregation in and around Wappac., come to Pastor Heid and ask him about the state of affairs, nor otherwise seek in an impartial manner to attain a right view of the matter, but rather coldly repulsed Pastor Heid, when the latter came to him and communicated to him the historical course of this sorrowful affair and urgently admonished him not to make himself so ruinously partaker of other men's sins, in that he acknowledged and served as a Christian congregation manifestly malicious and stubborn persons, who despised and rejected the wholesome discipline and order of the Lord Christ, in spite of all the patience and instruction bestowed upon them, and thereby strengthened them in their wickedness and impenitence. For to such a representation Pastor Gogelen replied to Pastor Heid, "I am examined and ordained and will not be told anything by you."

Now when Pastor Heid had heard that Pastor Gogelen intended to join the Ohio Synod, he did that to which his conscience impelled him. He related, namely, at the last Synodical meeting at New Bremen, to the Herr President, Pastor Spielmann, in the presence of three members of the Synod, the course of the matter, in order to warn the Synod against the immediate reception of Pastor Gogelen. The Herr President said he would bring forward all this, since Pastor Gogelen had already applied for admission. Pastor Heid requested him to do this on the following day, because he intended to remain in New Bremen so long, and in the presence of Pastor Gogelen would gladly give further information upon inquiry. When nevertheless on the other day nothing of it came up, Pastor Heid asked the President once more, and received for answer that this affair did not belong to the Synod, but to the Ministerium.*) To that, to be sure, Pastor Heid had no access. How this matter would be handled, however, could already be gathered from an occurrence which took place on the same day in the Synodical meeting.

*) This procedure, moreover, in the present case is contrary to all right churchly usage. For must it not be a matter of conscience and heart to the whole Synod, therefore also to the Licentiates (this strange hybrid creature between candidates and ordained men) and to the Deputies, to convince themselves from their own observation, perhaps through a publicly held colloquy, whether the pastor who seeks admission into the Synod is orthodox or heterodox?

It happened, namely, that Herr Kleinegees, a Licentiate, in whom there seems to be a really upright earnestness and sincerity of disposition, came forward and asked for instruction how he should bring his Lutheran conscience into harmony with his "united congregation," and how he should further arrange his official proceeding in and with it; for although in ignorance and in pietistic-unionistic delusion of love he had accepted this congregation, he had nevertheless come, through wholesome experience in office and through more exact knowledge of the opposing doctrine and of the connection between confession and practice, to the insight that the serving of mixed congregations, as such, tends not to the upbuilding but to the destruction of the Lutheran Church.

Upon that question and request for instruction there ensued—the writer of this was namely present—a rather long, deep silence, and it seemed especially to the Fathers of the Synod that this question was rather vexatious than welcome, partly because the course of business of the Synod was thereby interrupted, and, for example, the moneys for the Synodical treasury had not yet been paid in, with which, as is customary, the noble time of session is partly killed,**) partly because they, as becomes tolerably clear from the counsel finally given, found themselves in the disagreeable condition of perplexity, partly because perhaps here and there a sleeping conscience was somewhat roughly awakened by that question, and the proverb occurred to the awakening reverend Father: "Physician, heal thyself."

**) For while important questions of confession and doctrine are disposed of with groundless haste, they spend hours during the session in paying in the moneys into the Synodical or education treasury or in handing in the parochial reports—business which anyone could very well settle outside the time of session with the secretary or cashier.

At last the reverend Father, Herr Pastor Heinecke of Miamisburg, came forward and gave the very wise counsel, which was later raised also to a Synodical resolution, namely: "Resolved, that we, as a Synod, disapprove the formation of mixed or so-called united congregations and advise our preachers that, where such already exist, they serve them only as Lutheran preachers."

But since no further explanation followed thereupon, and a pertinent question met with only an angry dismissal, but no answer from the Herr Counsellor, Herr Kleinegees (and other brethren in office in similar position) were just as wise as before; for that was precisely what Herr Kleinegees desired to know, in what manner he, as a Lutheran preacher, could further serve his united congregation, after he himself had come to the knowledge of the truth.

Had the dear God not provided for the questioner from some other quarter, that so-called counsel would of course have left his conscience, as before, in suspense and painful uncertainty how he should actually proceed further as a Lutheran preacher with his united congregation, without offending essentially against the truth or against love, that is, without further denying, by unionistic manner of acting, the divine truth of the Holy Scripture and the confession of the Lutheran Church founded upon it, and without, on the other hand, forthwith forsaking the congregation which he had, by his earlier taking charge as a Lutheran preacher, strengthened in its Union delusion.

For naturally he was now bound in his heart and conscience to open the eyes also of his congregation, if God so willed, and to convince it divinely, by the way of thorough instruction concerning the pure doctrine of the Lutheran Church and the false doctrine of the Reformed, of the absurdity and the lie of the present Union, that either the whole congregation, hitherto united, or at least a part of it might become a Lutheran congregation. If, on the other hand, the whole congregation should reject such instruction from the outset, or after it should obstinately and maliciously remain a united congregation, then Herr Kleinegees had honestly done his part and could leave it with a good conscience.

Although, then, that above counsel and later resolution of the Synod was no real counsel and no fatherly guidance for the young brother in office, it is yet not to be denied that it had a semblance of churchly disposition.

How little earnestly it was meant, however, became clear soon in the afternoon; for then the Lutheran pastor, Herr Gogelen, the petitioner for admission into the Synod, declared himself quite openly and plainly for the Union and the customary unionistic manner of acting of the (so-called) Lutheran pastors, without experiencing from a single side any refutation and reproof by the Synod; yea, in token of their brotherly unity with Herr