Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 6 › Seite 43

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-11-11, Seite 43

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recht Deutsch und unsre Muttersprache heißen: eine christliche Gemeinde oder Versammlung, oder aufs allerbeste und klärste eine heilige Christenheit.

Also auch das Wort Communio, das daran gehänget ist, sollte nicht Gemeinschaft, sondern Gemeine heißen, und ist nichts anders denn die Glosse oder Auslegung, da jemand hat wollen deuten, was die christliche Kirche heißet: dafür haben die Unsern, so weder Lateinisch noch Deutsch gekonnt haben, gemachet: Gemeinschaft der Heiligen, so doch keine Deutsche Sprache so redet noch verstehet. Aber recht Deutsch zu reden, sollte es heißen: eine Gemeine der Heiligen, das ist, eine Gemeinde, da eitel Heilige sind, oder noch klärlicher: eine heilige Gemeine. Das rede ich darum, daß man die Worte verstehe, weil es so in die Gewohnheit eingerissen ist, daß schwerlich wieder herauszureißen ist, und soll bald Ketzerei sein, wo man ein Wort ändert.

Das ist aber die Meinung und Summa von diesem Zusatz: Ich glaube, daß da sei ein heiliges Häuflein und Gemeine auf Erden eiteler Heiligen, unter Einem Haupt, Christo, durch den heiligen Geist zusammen berufen, in Einem Glauben, Sinne und Verstand, mit mancherlei Gaben, doch einträchtig in der Liebe, ohne Rotten und Spaltung. Derselbigen bin ich auch ein Stück und Glied, aller Güter, so sie hat, theilhaftig und Mitgenosse, durch den heiligen Geist dahin gebracht und eingeleibet, dadurch daß ich Gottes Wort gehört habe und noch höre, welches ist der Anfang, hinein zu kommen. Denn vorhin, ehe wir dazu kommen sind, sind wir gar des Teufels gewesen, als die von Gott und von Christo nichts gewußt haben. So bleibt der heilige Geist bei der heiligen Gemeinde oder Christenheit bis auf den jüngsten Tag, dadurch er uns holet, und brauchet sie dazu, das Wort zu führen und zu treiben, dadurch er die Heiligung machet und mehret, daß sie täglich zunehme und stark werde im Glauben und seinen Früchten, so er schaffet.“

3. Aus der Streitschrift wider Aleveld.
(Th. 18. S. 1208. u. 1210. Walchsche Ausg.)

„Die Schrift redet von der Christenheit gar einfältiglich, und nur auf eine Weise; über welche sie haben zwo andere in den Brauch gebracht. Die erste Weise nach der Schrift ist, daß die Christenheit heißet eine Versammlung aller Christgläubigen auf Erden; wie wir im Glauben beten: Ich gläube in den Heiligen Geist, eine Gemeinschaft der Heiligen. Diese Gemeine oder Versammlung heißet aller deren, die im rechten Glauben, Liebe und Hoffnung leben, also, daß der Christenheit Wesen, Leben und Natur sei nicht eine leibliche Versammlung, sondern eine Versammlung der Herzen in einem Glauben, wie Paulus saget Ephes. 4, 5: Eine Taufe, ein Glaube, ein HErr. Also, ob sie schon sind leiblich von einander getheilet tausend Meilen, heißen sie doch eine Versammlung im Geist, dieweil ein jeglicher prediget, gläubet, hoffet, liebet und lebet, wie der andere. Wie wir singen vom Heiligen Geist: der du hast allerlei Sprachen in die Einigkeit des Glaubens versammelt. Das heißet nun eigentlich eine geistliche Einigkeit, von welcher die Menschen heißen eine Gemeine der Heiligen: welche Einigkeit allein genug ist, zu machen eine Christenheit, ohne welche keine Einigkeit, es sei der Stätte, Zeit, Person, Werk oder was es sein mag, eine Christenheit machet.

Hiebei müssen wir nun Christi Wort hören, der, vor Pilato von seinem Königreich gefraget, antwortet also: Mein Reich ist nicht von dieser Welt, Joh. 18. v. 36. Das ist je ein klarer Spruch, damit die Christenheit wird ausgezogen von allen weltlichen Gemeinen, daß sie nicht leiblich sei. Und dieser blinde Romanist machet eine leibliche, gleich den andern, Gemeine daraus. Er sagt noch klärer Luc. 17, 20. 21: Das Reich Gottes kommt nicht mit einer äußerlichen Weise, und wird niemand sagen: siehe da, oder hie ist es. Denn nehmet wahr, das Reich Gottes ist in euch inwendig. —

Darum, wer da saget, daß eine äußerliche Versammlung oder Einigkeit machet eine Christenheit, der redet das seine mit Gewalt; und wer die Schrift darauf zeucht, der führet die göttliche Wahrheit auf seine Lügen, und macht Gott zu einem falschen Zeugen.“ —

4. Aus der Streitschrift wider Emser.
(Th. 18. S. 1652.)

„Deine bloßen Rationes will ich auch nicht; sie sind zu faul und tügen nichts. Das will ich dir zeigen an einer, die dich die allerfeinste gedeucht hat. Da ich die Christliche Kirche eine geistliche Versammlung genennet hatte, spottest du mein, als wollte ich eine Kirche bauen, wie Plato eine Stadt, die nirgend wäre; und läßt dir deinen Zufall herzlich gefallen, als habest du es fast wohl troffen. Sprichst: Wäre das nicht eine feine Stadt, so geistliche Mauern, geistliche Thürme, geistliche Büchsen, geistlich Roß, und alles geistlich wäre? Und ist deine endliche Meinung, die Christliche Kirche möge nicht ohne leibliche Stadt, Raum und Güter bestehen.

Antworte ich: Lieber Murnar, soll ich um der Ration willen die Schrift leugnen, und dich über Gott setzen? Warum antwortest du nicht auf meine Sprüche? Als: Non est respectus personarum apud Deum (bei Ihm ist kein Ansehen der Person), Ephes. 6, 9. Et Regnum Dei intra vos est. Et Regnum Dei non venit cum observatione. Nec dicent: Ecce hic aut illic est (das Reich Gottes ist inwendig in euch und kommt nicht mit äußerlichen Geberden. Man wird auch nicht sagen: Siehe hie, oder da ist es) Luc. 17, 20. 21. Und Christus Joh. 3, 6. Was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Ich meine je, du heißest das Reich Gottes die Christliche Kirche, oder uns, in welchen Gott lebt und regiert? Wie soll ich denn deiner Vernunft folgen, und Christum leugnen, der hier klärlich spricht: Es sei keine Statt, Raum, noch äußerliche Weise am Reich Gottes, und sei nicht hier noch da; sondern ein Geist in unserm inwendigen? Du aber sagst, es sei hie und da.“

5. Aus der Schrift von Conciliis und Kirchen.
(Th. 16. S. 2777. u. f.)

Gleichwie sie von den Vätern und Concilien schreiben und nicht wissen, was Väter und Concilia sind, allein mit den ledigen Buchstaben uns übertäuben wollen; also schreien sie auch von der Kirchen. Aber daß sie sollten sagen, was doch, wer doch, wo doch die Kirche sei, da thäten sie so viel Dienstes nicht, weder der Kirchen noch Gott, daß sie darnach fragten oder trachteten. Gern haben sie es, daß man sie für die Kirche halte, als Papst, Cardinäle, Bischöffe, und ließe sie doch unter diesem Namen eitel Teufelsschüler sein, die nichts denn eitel Büberei und Schalkheit üben möchten. Wohlan, hintan gesetzt mancherlei Schriften und Theilung des Worts Kirche, wollen wir diesmal einfältig bei dem Kinderglauben bleiben, der da sagt: Ich gläube eine heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen. Da deutet der Glaube klärlich, was die Kirche sei, nämlich eine Gemeinschaft der Heiligen, das ist: ein Haufe oder Sammlung solcher Leute, die Christen und heilig sind; das heißt ein christlicher heiliger Haufe, oder Kirchen. Aber dies Wort Kirche ist bei uns allzumal undeutsch, und giebt den Sinn oder Gedanken nicht, den man aus dem Artikel nehmen muß.

Denn Apostelg. 19, 39. 40. heißt der Canzler Ecclesiam, die Gemeine oder das Volk, so zu Hauf auf den Markt gelaufen war, und spricht: Man mags in einer ordentlichen Gemeine ausrichten. Item, da er das gesagt, ließ er die Gemeine gehen. An diesen und mehr Orten heißet Ecclesia oder Kirche nichts anders, denn ein versammlet Volk, ob sie wohl Heiden und nicht Christen waren: gleichwie die Rathsherren fordern ihre Gemeine aufs Rathhaus. Nun sind in der Welt mancherlei Völker; aber die Christen sind ein besonder berufen Volk, und heißen nicht schlecht Ecclesia, Kirchen oder Volk, sondern Sancta, Catholica, Christiana, das ist, ein christlich, heilig Volk, das da gläubet an Christum, darum es ein Christlich Volk heißt, und hat den heiligen Geist, der sie täglich heiliget, nicht allein durch die Vergebung der Sünden, so Christus ihnen erworben hat, (wie die Antinomer närren) sondern auch durch Abthun, Ausfegen und Tödten der Sünden, davon sie heißen ein heilig Volk. Und ist nun die heilige christliche Kirche so viel als ein Volk, das Christen und heilig ist, oder wie man zu reden pfleget, die heilige Christenheit: item die ganze Christenheit. Im alten Testament heißt es Gottes Volk. Esa. 1, 11. 12. 43. ꝛc.

Und wären im Kinderglauben solche Worte gebraucht worden, ich gläube, daß da sei ein christlich heilig Volk, so wäre alle Jammer leichtlich zu vermeiden gewest, der unter dem blinden undeutlichen Wort (Kirche) ist eingerissen. Denn das Wort: christlich, heilig Volk, hätte klärlich

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be called in right German and our mother tongue: a Christian congregation or assembly, or, best and plainest of all, a holy Christendom.

Thus also the word Communio, which is attached to it, ought not to be called Gemeinschaft, but Gemeine, and is nothing else than the gloss or interpretation of someone who wished to explain what the Christian Church is called: for this our people, who knew neither Latin nor German, have made: Gemeinschaft der Heiligen, though no German speech speaks or understands it so. But to speak right German, it ought to be called: eine Gemeine der Heiligen, that is, a congregation in which there are none but saints, or still more plainly: a holy congregation. This I say in order that one may understand the words, since it has so become the custom that it can hardly be torn out again, and it is soon to be heresy if one changes a word.

But this is the meaning and sum of this addition: I believe that there is a holy little flock and congregation on earth of none but saints, under One Head, Christ, called together by the Holy Ghost, in One faith, mind and understanding, with manifold gifts, yet harmonious in love, without sects and schism. Of the same I also am a part and member, a partaker and joint-sharer of all the goods which it has, brought thither and incorporated by the Holy Ghost, through this, that I have heard and still hear God's Word, which is the beginning of entering in. For formerly, before we came to this, we were altogether the devil's, as those who knew nothing of God and of Christ. So the Holy Ghost abides with the holy congregation or Christendom until the last day, whereby He fetches us, and uses it to carry on and drive the Word, whereby He works and increases sanctification, so that it may daily grow and become strong in faith and in the fruits which He produces."

3. From the Polemic against Aleveld.
(Vol. 18, col. 1208 and 1210, Walch edition.)

"The Scripture speaks of Christendom quite simply, and in one way only; over against which they have brought two others into use. The first way according to the Scripture is that Christendom is called an assembly of all believers in Christ upon earth; as we pray in the Creed: I believe in the Holy Ghost, a communion of saints. This congregation or assembly is called the assembly of all those who live in right faith, love and hope, so that the being, life and nature of Christendom is not a bodily assembly, but an assembly of hearts in one faith, as Paul says, Eph. 4, 5: One baptism, one faith, one LORD. Thus, though they be bodily divided from one another a thousand miles, they are nevertheless called an assembly in the Spirit, since each one preaches, believes, hopes, loves and lives like the other. As we sing of the Holy Ghost: Thou who hast gathered all manner of tongues into the unity of the faith. That is now properly a spiritual unity, from which men are called a congregation of saints: which unity alone is enough to make a Christendom, without which no unity, be it of place, time, person, work or whatever it may be, makes a Christendom.

Here we must now hear Christ's word, who, being asked by Pilate concerning His kingdom, answers thus: My kingdom is not of this world, John 18, v. 36. That is surely a clear saying, whereby Christendom is drawn out from all worldly communities, that it be not bodily. And this blind Romanist makes of it a bodily community, like the others. He says still more plainly, Luke 17, 20. 21: The kingdom of God cometh not with outward show, neither shall they say: Lo here, or lo there. For behold, the kingdom of God is within you. —

Therefore, whoever says that an outward assembly or unity makes a Christendom, speaks his own with violence; and whoever draws the Scripture to this, leads the divine truth over to his lies, and makes God a false witness." —

4. From the Polemic against Emser.
(Vol. 18, col. 1652.)

"Thy bare Rationes I will not have either; they are too rotten and are good for nothing. That I will show thee by one which seemed to thee the very finest. When I had called the Christian Church a spiritual assembly, thou mockest me, as though I would build a church, as Plato a city that was nowhere; and thou lettest thy conceit please thee heartily, as if thou hadst hit it right well. Thou sayest: Would not that be a fine city, having spiritual walls, spiritual towers, spiritual guns, spiritual horses, and everything spiritual? And thy final opinion is, that the Christian Church cannot subsist without a bodily city, space and goods.

I answer: Dear Murnar, shall I, for the sake of reason, deny the Scripture, and set thee above God? Why dost thou not answer my texts? Such as: Non est respectus personarum apud Deum (with Him there is no respect of persons), Eph. 6, 9. Et Regnum Dei intra vos est. Et Regnum Dei non venit cum observatione. Nec dicent: Ecce hic aut illic est (the kingdom of God is within you, and cometh not with outward show. Neither shall they say: Lo here, or lo there) Luke 17, 20. 21. And Christ, John 3, 6: That which is born of the Spirit is spirit. I think surely thou callest the kingdom of God the Christian Church, or us, in whom God lives and reigns? How then shall I follow thy reason, and deny Christ, who here plainly says: There is no place, space, nor outward manner in the kingdom of God, and it is not here or there; but a Spirit in our inward parts? But thou sayest, it is here and there."

5. From the Writing on Councils and Churches.
(Vol. 16, col. 2777 ff.)

Just as they write about the Fathers and Councils and do not know what Fathers and Councils are, and seek merely with the bare letters to deafen us; so also they cry about the Church. But that they should say what, who, and where the Church is, in that they would do so little service, either to the Church or to God, that they would ask or care about it. They like it well that men should hold them for the Church, such as Pope, Cardinals, Bishops, and would let them, under this name, be none but disciples of the devil, who would practice nothing but knavery and wickedness. Well then, setting aside the manifold writings and divisions of the word Church, we will this time remain simply with the children's Creed, which says: I believe one holy Christian Church, the communion of saints. There the Creed plainly declares what the Church is, namely a communion of saints, that is: a multitude or gathering of such people as are Christians and holy; that is called a Christian holy multitude, or Kirchen. But this word Kirche is with us altogether un-German, and does not give the sense or thought which one must take from the Article.

For in Acts 19, 39. 40. the town clerk calls Ecclesiam the congregation or the people who had run together to the market-place, and says: It may be settled in a lawful assembly. Likewise, when he had said this, he let the assembly go. In these and more places Ecclesia or Church means nothing else than an assembled people, though they were heathen and not Christians: just as the councilmen summon their assembly to the town hall. Now there are in the world manifold peoples; but the Christians are a peculiar called people, and are not simply called Ecclesia, Churches or people, but Sancta, Catholica, Christiana, that is, a Christian, holy people, which believes in Christ, wherefore it is called a Christian people, and has the Holy Ghost, who sanctifies it daily, not only through the forgiveness of sins, which Christ obtained for them (as the Antinomians dream), but also through the putting away, sweeping out and mortifying of sins, whence they are called a holy people. And the holy Christian Church is now as much as a people which is Christian and holy, or as one is wont to say, the holy Christendom: likewise the whole Christendom. In the Old Testament it is called God's people. Isa. 1, 11. 12. 43. etc.

And if such words had been used in the children's Creed, I believe that there is a Christian holy people, all the misery would easily have been avoided which has broken in under the blind, unintelligible word (Kirche). For the words: Christian, holy people, would plainly have