Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 12 › Seite 93

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-02-03, Seite 93

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lutherische und unkirchliche Verhalten des Hr. Pst. Stohlmann in dieser Sache offenbar wird.

Was nun die persönliche Gesinnung Kossuth's, die herrschende Gesammtrichtung seiner Seele auf Gott und Menschen, betrifft, so ist diese in ihrem innersten Wesen freilich nur Gott, dem Herzenskündiger, allein bekannt, vor dem die geheimsten Bewegungen auch seiner Seele als ein aufgeschlagenes Buch daliegen.

In Betreff aber der Kundgebung seiner Gesinnung in seiner herrschenden Handlungsweise, seit er als der Führer der Ungarischen Erhebung wider den Kaiser von Oestreich eine geschichtliche Person geworden ist, so achte ich, würde man ein ungerechtes Urtheil über ihn fällen, wenn man ihn schlechthin mit den angesehensten deutschen Volksbewegern und Volkserregern wider die Fürsten in eine Klasse setzte. Denn wohl die meisten dieser letzteren treten zugleich ganz offen als entschiedene Ungläubige und Gottlose, ja zum Theil als grobe Gottesleugner und Menschenvergötterer auf, die, vom Irrlicht des Teufels geblendet, in ihren dämonischen Freiheitsgelüsten eigentlich den gründlichen Umsturz aller göttlichen und menschlichen Ordnung, der Kirche, der Obrigkeit, der Ehe, des Eigenthums anstreben, um auf den Trümmern desselben die Herrschaft des Lügners und Mörders von Anbeginn, eine höllische und teuflische Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aufzurichten, die Schreckenszeit der Französischen Revolution zu erneuern und unter dem Scheine der Völkerbefreiung doch eigentlich nur die eigene Tyrannei zur Herrschaft und Geltung zu bringen und unwissentlich als Großwürdenträger Seiner höllischen Majestät, als neue Marats, Dantons und Robespierres Alles in Blut zu ersäufen. Und da sie, der Gesinnung nach, abgesagte und erbitterte Feinde des HErrn und seines Gesalbten so wie des Wortes und der Kirche Gottes sind, so würden sie, wenn sie erst die äußere Gewalt hätten, gar bald die Maske abwerfen und den blutigen Vertilgungskrieg wider die Gläubigen des HErrn in allen Kirchen führen.

Zu diesen nun Kossuth zu zählen, wäre, wie gesagt, eine entschiedene Ungerechtigkeit, hervorgegangen aus gegnerischem blinden Partheihaß und fleischlichem Eifer. Denn unsres Wissens ist keine geschichtliche Thatsache vorhanden, die zu solchem Urtheil irgendwie berechtigte.

Auf der andern Seite aber müssen wir, obwohl sich Kossuth selber in der Kirche zu Brooklyn einen „Lutheraner“ genannt hat, auf das Entschiedenste in Abrede stellen, daß er ein bibelklarer und bibelfester, bekenntnißtreuer und gesunder Sohn der lutherischen Kirche sei. Denn wäre er dies wirklich im Jahre 1848 gewesen, wäre ihm die Bibel in That und Wahrheit „das Buch des Lebens,“ wie er sich neuerdings den ihn damit beschenkenden Buchdruckern erklärt hat, so wäre er nicht in die Ungarische Erhebung wider Oestreich verflochten, vielweniger das Haupt geworden.

Ein gesunder lutherischer Christ nämlich weiß ein für alle Mal aus Gottes Wort, daß ein Volk, sofern es nicht blos christlich heißen, sondern auch christlich sein und handeln will, niemals und nirgend ein Recht vor Gott hat, sich mit gewaffneter Hand wider die Obrigkeit zu setzen, die dermalen Gewalt über dasselbe hat. Und möge dieselbe noch so unväterlich und ungerecht sein, möge sie noch so gewaltthätig alte verbriefte Vorrechte vernichten, noch so tyrannisch die Unterthanen mit Abgaben und fast unerträglichen Lasten beschweren, Recht und Gerechtigkeit in vielen Fällen untertreten, die Gewaltigen und Reichen widerrechtlich begünstigen und die ärmeren arbeitenden Klassen über die Maßen belasten: so handeln doch nimmer die Unterthanen (mögen sie in einer näheren oder ferneren Gehorsamspflichtigkeit zur herrschenden Regierung stehen, habe diese Namen, welche sie wolle) als Christen d. i. Gottes Worte gemäß, aus dem Glauben u. mit gutem Gewissen, wenn sie nach allerlei fruchtlosen Versuchen gütlicher Vorstellung ihrer gerechten Beschwerden und Bitte um deren Abstellung, endlich durch Aufstand mit der Gewalt der Waffen sich selbst Recht zu verschaffen suchen.

Denn es steht nun einmal geschrieben Röm. 13.: „Jedermann sei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat; denn es ist keine Obrigkeit, ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun wider die Obrigkeit setzet, der widerstrebet Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden über sich ein Urtheil empfahen.

Diese Worte des HErrn nun — von St. Paulus zudem in einer Zeit geschrieben, da Kaiser Nero, ein grausamer und fast wahnwitziger Unmensch, Römischer Kaiser war — diese Worte sind nun klar genug für Jeden, der sie ohne gefärbte Brille, d. i. ohne menschlich vorgefaßte Meinung liest; sie sprechen schlechthin von Obrigkeit, ohne alle nähere Beschreibung, ob sie gerecht oder ungerecht sei, ob sie ihre gebietende, ihre gesetzgebende und vollziehende Macht gewaltthätig erlangt habe oder nicht, ob sie diese oder jene Länder und Völker durch Krieg und Sieg unter sich gebracht, oder durch erbliche Thronfolge überkommen oder ob diese sich ihr selbst freiwillig untergeordnet bedingt oder unbedingt, ob sie beschränkt oder unbeschränkt regiere, ob sie nach dem äußerlichen Rechte ihre Gewalt gerecht oder ungerecht handhabe; denn so gottlos sie immerhin, ihrer herrschenden Gesinnung nach, sein und handeln möge, ihr Stand und Amt ist von Gott geordnet; und läßt sie nur Gottes Wort, den Glauben und das Gewissen frei, gebietet sie nichts, das wider die 10 Gebote und den christlichen Glauben streitet — da allerdings Christen Gott mehr gehorchen müssen, als den Menschen — so müssen dieselben, so sie anders Christi Nachfolger und Kinder Gottes sein wollen, eher alles leiden und lassen, Hab und Gut, Haut und Haar, Leib und Leben, als daß sie sich gewaltthätig wider die Obrigkeit setzen, Gott in das Richter- und Rächeramt fallen und durch Aufruhr und Empörung mit gewaffneter Hand sich selbst Hülfe schaffen.

Unterthanen, als Christen, haben wider noch so gottlose und ungerechte Obrigkeit durchaus keine anderen Waffen, als bescheidene Vorstellung und demüthige Bitte, in welcher es ihnen mehr leid sein muß, daß die Regenten Unrecht thun, als daß sie, die Regierten, Unrecht leiden. Hilft solches Bitten nichts, sondern wird der Druck darnach eher härter als schwächer, so haben sie die Sache Gott zu befehlen, der gesagt hat: Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn (Gottes); denn es steht geschrieben: „Ich will vergelten, spricht der HErr.“ Und fahren sie darin fort und üben sie sich ferner, im Glauben und in der Liebe Christi für ihre verblendete und bethörte Obrigkeit Fürbitte zu thun, so wird Gott über kurz oder lang der Zweien Eines thun, entweder er wird ihre gottlose und ungerechte Obrigkeit bekehren oder, so sie fortfährt, Ihm zu widerstehen, sie hinabstoßen, als der die Gewaltigen vom Stuhle stößet und schrecklich ist unter den Königen auf Erden und die Königreiche giebt, wem Er will.

Zudem sollen gottselige Christen unter dem Drucke harter und ungerechter Fürsten auch dieses bedenken, daß Gott dieselben nach seiner heilsamen Strafordnung wider das unschlachtige und verkehrte Geschlecht, dessen allezeit die Mehrzahl in jedem Staate ist, zur Geißel gesetzt hat, ähnlich wie er andere gemeine Plagen, Hunger, Schwert und Pestilenz in die Lande und unter die Völker sendet, daß die Unbußfertigen sich bekehren und den HErrn, ihren Gott, suchen. Die Gläubigen aber, wie sie diese und andere Landplagen als das liebe Kreuz Christi williglich aufnehmen und tragen, um in täglicher Tödtung des alten und täglicher Belebung des neuen Menschen immer gründlichere Christen zu werden und nicht blos Bekenner, sondern auch Nachfolger ihres HErrn und Heilandes zu sein, so lassen sie sich böse Fürsten auch dazu dienen, durch die sie also, wider deren Wissen und Willen, zu den rechten freien Bürgern des Himmelreichs immer geschickter werden; denn wie der Teufel mit all seiner List und Gewalt doch nichts anderes kann, als dem HErrn Christo beständig in die Hände zu arbeiten, so können seine Diener, die gottlosen Fürsten, auch nichts anders, als durch ihre noch so arge Wütherei und Unsinnigkeit das Reich Gottes immer mehr zu bauen.

Wahre Christen nun, die sich also, wie eben kürzlich angezeigt, auch gegen ungerechte Obrigkeit halten, das sind rechtschaffene Lutheraner, nämlich Leute, die nicht der Bibel einen blos äußerlichen Respekt im Allgemeinen beweisen, solche Stellen aber, die den faulen Fleck treffen, entweder dahinten lassen, oder ihnen, nach menschlichem Dünkel, einen fremden Sinn unterschieben, sondern die mit ungeheuchelter Ehrfurcht sich jedem erkannten klaren und maßgebenden Gottesworte unterwerfen, den liebsten Wahn aus dem Herzen reißen, ja eben lieber die rechte Hand abhauen und das rechte Auge ausreißen, alle Einreden der fleischlichen Vernunft, alles Blendwerk herrschender Zeitmeinungen, alles Gaukelspiel und Schwärmerei der Kinder des Tages,

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lutheran and unchurchly conduct of Pastor Stohlmann in this matter becomes manifest.

As for Kossuth's personal disposition, the ruling bent of his soul toward God and men, this, in its inmost nature, is of course known to God alone, the Searcher of hearts, before whom the most secret stirrings even of his soul lie open as an unfolded book.

But as regards the manifestation of his disposition in his prevailing manner of acting, since he became a historical person as the leader of the Hungarian uprising against the Emperor of Austria, I think that one would pass an unjust judgment upon him if one simply placed him in one class with the most prominent German agitators and stirrers-up of the people against princes. For most of these latter, indeed, appear at the same time quite openly as avowed unbelievers and godless men, yes, partly as gross deniers of God and deifiers of man, who, blinded by the will-o'-the-wisp of the devil, in their demonic lust for freedom are really striving after the thorough overthrow of all divine and human order, of the Church, of the government, of marriage, of property, in order to erect upon the ruins of the same the dominion of the liar and murderer from the beginning, a hellish and devilish liberty, equality and fraternity, to renew the Reign of Terror of the French Revolution, and, under the semblance of the liberation of the peoples, really to bring only their own tyranny to dominion and authority, and unwittingly, as grand dignitaries of His infernal Majesty, as new Marats, Dantons and Robespierres, to drown everything in blood. And since, in disposition, they are sworn and embittered enemies of the LORD and His Anointed, as also of the Word and the Church of God, they would, as soon as they had the outward power, very quickly throw off the mask and wage a bloody war of extermination against the believers of the LORD in all churches.

To count Kossuth among these would be, as said, a decided injustice, arising from hostile blind party hatred and fleshly zeal. For to our knowledge there is no historical fact in existence which in any way would entitle one to such a judgment.

On the other hand, however, we must most decidedly deny, although Kossuth himself in the church at Brooklyn called himself a "Lutheran," that he is a Bible-clear and Bible-firm, confession-true and sound son of the Lutheran Church. For had he really been this in the year 1848, had the Bible been to him in deed and in truth "the book of life," as he has lately declared to the printers who presented it to him, then he would not have been entangled in the Hungarian uprising against Austria, much less have become its head.

For a sound Lutheran Christian knows once for all from God's Word that a people, so far as it wishes not merely to be called Christian but also to be and to act Christian, never and nowhere has a right before God to set itself with armed hand against the authority which for the time being has power over it. And let the same be ever so unfatherly and unjust, let it ever so violently destroy old chartered privileges, ever so tyrannically burden the subjects with taxes and almost intolerable loads, trample right and justice underfoot in many cases, unlawfully favor the mighty and the rich, and overburden the poorer working classes beyond measure: yet the subjects (be they in a nearer or remoter obligation of obedience to the ruling government, let it bear what name it will) never act as Christians, that is, according to God's Word, out of faith and with a good conscience, when, after all manner of fruitless attempts at amicable representation of their just grievances and petition for their removal, they at last seek by insurrection, with the force of arms, to procure right for themselves.

For it stands written once for all, Rom. 13: "Let every soul be subject unto the higher powers. For there is no power but of God: the powers that be are ordained of God. Whosoever therefore resisteth the power, resisteth the ordinance of God: and they that resist shall receive to themselves damnation.

These words of the LORD, then, written by St. Paul moreover at a time when Emperor Nero, a cruel and almost frenzied monster, was Roman Emperor, these words are clear enough for everyone who reads them without colored spectacles, that is, without a humanly preconceived opinion; they speak simply of authority, without any closer description, whether it be just or unjust, whether it has obtained its commanding, its legislative and executive power by violence or not, whether it has brought this or that country and people under itself by war and victory, or has come into possession by hereditary succession, or whether these have voluntarily subordinated themselves to it, conditionally or unconditionally, whether it governs in a limited or unlimited manner, whether it administers its power justly or unjustly according to outward right; for however godless it may be and act, according to its ruling disposition, its station and office is ordained of God; and if it but leaves God's Word, faith and conscience free, and commands nothing that conflicts with the Ten Commandments and the Christian faith — since Christians indeed must obey God rather than men — then these, if they would be followers of Christ and children of God, must rather suffer and endure everything, goods and chattels, skin and hair, body and life, than that they should set themselves violently against the authority, fall into the office of judge and avenger belonging to God, and by riot and rebellion with armed hand help themselves.

Subjects, as Christians, have against even the most godless and unjust authority absolutely no other weapons than modest representation and humble petition, in which it must grieve them more that the rulers do wrong than that they, the ruled, suffer wrong. If such petitioning avails nothing, but the pressure afterward becomes harder rather than lighter, they are to commit the matter to God, who has said: Avenge not yourselves, dearly beloved, but rather give place unto wrath (of God); for it is written: "Vengeance is mine; I will repay, saith the LORD." And if they continue therein and further exercise themselves, in faith and in the love of Christ, to make intercession for their blinded and infatuated rulers, then God will before long do one of the two: either He will convert their godless and unjust rulers, or, if they continue to withstand Him, He will cast them down, as He who putteth down the mighty from their seat and is terrible to the kings of the earth and giveth the kingdoms to whom He will.

Moreover, godly Christians under the pressure of hard and unjust princes should also consider this, that God has set the same as a scourge, according to His wholesome order of chastisement, against the perverse and crooked generation, of which the majority in every state is at all times composed, much as He sends other common plagues, famine, sword and pestilence, into the lands and among the peoples, that the impenitent may be converted and seek the LORD their God. But the believers, as they willingly accept and bear these and other afflictions of the land as the dear cross of Christ, in order, by the daily mortification of the old man and daily quickening of the new man, to become ever more thorough Christians and not merely confessors but also followers of their LORD and Saviour, so they let evil princes also serve them to this end, by whom they, against their knowledge and will, become ever more fit to be the true free citizens of the kingdom of heaven; for as the devil with all his craft and power can do nothing else than work constantly into the hands of the LORD Christ, so his servants, the godless princes, can likewise do nothing else than, by their ever so wicked raging and madness, ever further build the kingdom of God.

True Christians, then, who thus, as just now indicated, conduct themselves also toward unjust authority, those are upright Lutherans, namely people who do not show the Bible a merely outward respect in general, but such passages as touch the sore spot either leave behind, or, according to human conceit, impose upon them a strange sense, but who with unfeigned reverence submit themselves to every recognized clear and authoritative word of God, tear their dearest delusion out of the heart, yes, rather cut off the right hand and pluck out the right eye, all objections of fleshly reason, all the dazzling show of ruling opinions of the time, all jugglery and fanaticism of the children of the day,