Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 18 › Seite 139

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-04-27, Seite 139

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Wäre die Synode wirklich eine evang. lutherische, so könnte sie auch unmöglich mit der unlutherischen, ja antilutherischen Generalsynode gemeinschaftliche Sachen machen z. B. in der Herausgabe der Liturgie und Kirchenagende (S. 29 u. f.).

Endlich hat sich die Synode in reformirten und presbyterischen Kirchen mit denen zu gemeinschaftlichen Gottesdiensten versammelt (S. 3.), deren Bekenntniß sie doch als falsch verwerfen muß, wenn sie wirklich ihr eigenes lutherisches Bekenntniß für recht hält. Ja, sie hat sich ganz besonders in einen mehrfachen Widerspruch verwickelt, indem sie auch dem Gottesdienste in einer Methodisten-Kirche beigewohnt hat (ebendaselbst); denn der erwählte Text Psalm 93, 5: „Dein Wort ist die rechte Lehre,“ ließ, wenn er recht erklärt und angewendet wurde, nichts anders erwarten, als eine Widerlegung aller falschen Lehre mit Einschluß der methodistischen und eine Anpreisung der rechten Lehre, nämlich der lutherischen.

Ich muß hierbei noch erwähnen, daß die Synode den Beschluß gefaßt hat, auch mit den Unitäts-Brüdern (Brüdergemeinde oder Herrnhuther) in ein vertrauteres Verhältniß zu treten (S. 14 u. 17.). Hat denn aber nicht ein einziger von den 51 anwesenden Predigern die geringste Kenntniß von der Masse des Sauerteigs falscher Lehre gehabt, womit die Schriften dieser Secte angefüllt sind, von der Lügenhaftigkeit ihres Vorgebens, ächte Nachfolger der alten mährischen Brüder und treue Anhänger der Augsb. Confession zu sein, von ihrer Schmähsucht gegen die lutherische Kirche und ihre rechtschaffenen Lehrer, von ihrem Bekehrungs- oder vielmehr Verführungseifer, durch welche sie viele lutherischen Christen auf ihre Seite brachten! Sind denn alle Pennsylvanische Prediger so gar unbekannt mit der kirchlichen Vorzeit ihres eigenen Staates, daß sie nicht das Geringste davon wissen, wie der ehrwürdige Mühlenberg, diese gerechte Seele, durch die ungerechten Werke des Grafen Zinzendorf, des Stifters dieser Secte, und seiner Anhänger je und je gequält und dadurch das Werk des Herrn in vielen Gemeinden so sehr erschwert wurde, und wie er in diesem Werke des Herrn eben so wenig mit den Herrnhuthern gemeinschaftliche Sache machen konnte und wollte, als einst Serubabel mit den Samaritern, der nicht zugab, daß dieselben Theil nahmen am Tempelbau. Wie aber diese dann seine und des Volkes ärgste Feinde wurden, was Esra 4. 1. u. f. beschrieben wird, also zeigten sich auch die Herrnhuther feindselig gegen Mühlenberg; ja auch die Namensverwandtschaft zwischen beiden ist merkwürdig, denn Samaria heißt auf deutsch Herrnhuth. Hat etwa der Aufsatz im deutschen Kirchenfreund mit der prahlerischen Überschrift „Zinzendorf der erste lutherische Prediger in Amerika“ die Stimmführer der Synode so irre gemacht, daß sie jenen Ehrennamen ihrem ehrwürdigen Vater Mühlenberg ohne allen Widerspruch rauben ließen und ist es nicht in aller Beziehung ein beklagenswerthes Zeugniß, das eine ganze lutherisch sein wollende Synode gegen die Stimme aller lutherischen Lehrer, und namentlich gegen ihre eigenen Vorgänger im Amte, so wie gegen sich selbst ablegt, wenn sie ohne alles Bedenken auf das Gerathewohl hin ihrem Präsidenten nachspricht „die Herrnhuther haben das nämliche Glaubensbekenntniß mit uns“ und demgemäß beschließt, in ein vertrauteres Verhältniß mit ihnen zu treten?

Daß die Synode das nicht wirklich ist, was sie zu sein vorgiebt, nämlich lutherisch, sieht man auch aus ihrem Verfahren hinsichtlich des Berufs zum heiligen Predigtamt. Würde diese wichtige Lehre wie sie im 14. Artikel der Augsb. Confession so kurz und bündig dargelegt ist, von den Predigern besser erkannt und den Gemeinden besser zum Bewußtsein gebracht werden, so würde das leidige miethweise Dingen auf ein Jahr, etwas ganz Unbiblisches und darum Unchristliches, immer mehr abgethan werden. Man muß erstaunen, wenn man das Verzeichniß von dem Wechsel der Predigerstellen Seite 6 und folgende durchlies’t und da findet, wie diejenigen, die sich evangelisch-lutherisch nennen, so ganz unevangelisch und unlutherisch ihre Stellen wechseln, wie man die Kleider wechselt. Da nimmt der eine „einstweilen nur aus Mitleiden“ eine fremdgläubige Gemeinde an, ein anderer will eine andere Gemeinde „auf ein Jahr“ bedienen. Zehn Prediger haben ihre Stellen „aufgegeben, niedergelegt oder verlassen“ und nur bei einem einzigen ist ein Grund, nämlich Mangel an Unterstützung angegeben. Gefällt es einem Prediger nicht mehr an einer Gemeinde, kann er anderswo „besser ausmachen“ so geht er mir nichts dir nichts fort, wie ein Gast aus dem Wirthshause, wenn er sein Glas Bier getrunken hat, und gefällt einer Gemeinde der Prediger nicht „gleicht sie ihn nicht mehr“, so kündigt sie ihm auf, wie ein Farmer seinem Knecht. Nun wenn das evangelisch-lutherisch sein soll, so bewahre Gott jeden Prediger und jede Gemeinde vor solchem Lutherthum.

Dasselbe gilt von der sogenannten Licensirung der Candidaten, die sich aus einer Zeit herschreibt, in der man sich immer mehr Lincenzen (Freiheiten) in der Abweichung von der rechten Lehre und den bewährten Kirchengebräuchen erlaubte; der, welcher einmal rechtmäßig berufen und ordinirt wird, ist dann nicht mehr Candidat, d. h. nicht mehr ein solcher, der erst einen Beruf erwartet, sondern der ihn wirklich erhalten hat und demgemäß ordentlicher Pfarrer ist. Steht nicht jenes Verfahren, Candidaten alle Amtsverrichtungen eines Pfarrers zu übertragen, ohne sie doch für wirkliche Pfarrer anzusehen, in offenbarem Widerspruch mit dem Texte der Ordinationsrede Apostelgeschichte 2, 42: „Sie blieben beständig in der Apostel Lehre“ (S. 43.), da ja weder in der ganzen Lehre der Apostel noch in der kirchlichen Praxis eine Spur davon zu finden ist? —

Der Vorschlag des Präsidenten, daß das Ministerium eine ächt christliche evangelisch-lutherische Kirchenordnung ausarbeiten möchte, verdient als sehr zeitgemäß nicht nur von Seiten dieser, sondern auch aller andern Synoden eine ernste Berücksichtigung, die dieselbe aber bei dieser Synode nicht gefunden hat. Es ist auffallend, daß die Synode einen so wichtigen Gegenstand nicht einmal zur Berathung aufgenommen hat, während sie doch weit geringfügigeren Dingen ihre Aufmerksamkeit schenkte. Erklärlich ist aber diese Erscheinung, wenn man die unzähligen Schwierigkeiten bedenkt, die mit der Abfassung und Einführung einer solchen Kirchenordnung verbunden sind, vor denen den Mitgliedern des Ministeriums wahrscheinlich ein geheimes Grauen angewandelt ist, weßhalb sie sich lieber stellen wollten, als hätten sie nichts von einem solchen Vorschlage gehört oder ihn wieder vergessen; vielleicht wissen viele gar nicht einmal, was Alles in eine solche Kirchenordnung gehört, z. B. die Kapitel von der Lehre, vom Predigtamt, von der Kirchenzucht, von Bestellung der Kirchenämter, von den Schulen und Kirchenvisitationen. Eine solche Kirchenordnung abzufassen, die „ächt christlich evangelisch-lutherisch“ wäre und sich doch auch zugleich „nach dem Geiste unserer Kirche in diesem Lande richtete“, der leider jetzt so ächt unevangelisch und unlutherisch ist: das ist ein wahres Meisterstück.

Was wir unter den gegenwärtigen Umständen für eine Kirchenordnung erwarten dürfen, wenn ja noch eine zu Stande kommt, das zeigt die neue Liturgie oder Kirchenagende vom Jahre 1842. An derselben haben drei Committeen von neun lutherischen Predigern vier ganze Jahre gearbeitet, drei Synoden haben den Druck derselben einstimmig beschlossen, und schon jetzt muß man wieder daran denken, eine neue, und, was man nicht gern laut werden läßt, verbesserte Auflage zu veranstalten, weil man doch allmählig anfängt, sich dieses Machwerks zu schämen. Die mit der Verbesserung dieser Agende beauftragte Committee ist damit im Laufe eines ganzen Jahrs noch immer nicht zu Stande gekommen, und es ist leicht möglich, daß der jetzt erneuerte Auftrag (S. 29 u. fl.) auch nach abermaligem Verlauf eines Jahres noch nicht zur völligen Ausführung gebracht ist. Sollte dieses aber auch geschehen, so wird die Erfahrung lehren, daß es nur ein Flicken neuer Lappen auf ein altes Kleid ist, wodurch der Riß nur immer ärger wird. Was soll man aber dazu sagen, daß die Committee angewiesen wird, „mit einer ähnlichen der Generalsynode zu wirken?“ Heißt das nicht den Bock zum Gärtner stellen?

Die Hauptschwierigkeit bei diesem Unternehmen liegt wohl darin, daß man eigentlich selbst nicht weiß, was man will, ob man 3/4, 1/2, 1/4, oder noch weniger lutherisch sein will. So viel ist aber wohl bei den Meisten ausgemacht, ganz lutherisch will man nicht sein.

Aehnlich ist es mit der neuen Ausgabe des kleinen lutherischen Katechismus, welche ebenfalls von der Synode beschlossen worden ist (S. 31). Es soll deßhalb der in den ältesten Gemeinden üblich gewesene Katechismus abgedruckt werden, wobei aber wieder die Frage entsteht, ob derselbe wirklich ein wortgetreuer Abdruck des ursprünglichen Katechismus ist. Jedoch ist dabei die Bedingung gestellt worden

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Were the Synod truly an Evang. Lutheran one, it could also not possibly make common cause with the unlutheran, yea anti-Lutheran General Synod, e.g. in the publication of the liturgy and church agenda (p. 29 ff.).

Finally, the Synod has assembled in Reformed and Presbyterian churches with those people for common services (p. 3.), whose confession it must nevertheless reject as false, if it truly holds its own Lutheran confession to be right. Yea, it has entangled itself most especially in a manifold contradiction, in that it has also attended the service in a Methodist church (ibidem); for the chosen text, Psalm 93, 5: "Thy Word is the right doctrine," allowed one, if it was rightly explained and applied, to expect nothing else than a refutation of all false doctrine, including the Methodist, and a commendation of the right doctrine, namely the Lutheran.

I must further mention here that the Synod has passed the resolution to enter also into a more intimate relation with the Unity Brethren (Moravian Church, or Herrnhuters) (p. 14 and 17.). Had, then, not a single one of the 51 preachers present the slightest knowledge of the mass of the leaven of false doctrine with which the writings of this sect are filled, of the mendacity of their pretense of being genuine successors of the old Moravian Brethren and faithful adherents of the Augsb. Confession, of their rage for reviling the Lutheran Church and its upright teachers, of their zeal for conversion, or rather seduction, through which they brought many Lutheran Christians over to their side! Are all the Pennsylvania preachers, then, so utterly unacquainted with the church history of their own state that they know not the least of how the venerable Mühlenberg, that righteous soul, was by the unrighteous works of Count Zinzendorf, the founder of this sect, and of his adherents, ever and again tormented, and thereby the work of the Lord in many congregations was made so very hard, and how he in this work of the Lord could and would make as little common cause with the Herrnhuters as Zerubbabel once did with the Samaritans, who did not permit them to take part in the building of the temple. But as these then became his and the people's worst enemies, which is described Ezra 4. 1. ff., so also the Herrnhuters showed themselves hostile toward Mühlenberg; yea, even the kinship of names between the two is remarkable, for Samaria means in German Herrnhuth. Has perhaps the essay in the deutscher Kirchenfreund with the boastful title "Zinzendorf the First Lutheran Preacher in America" so confused the leaders of the Synod that they let that name of honor be robbed from their venerable father Mühlenberg without any contradiction; and is it not in every respect a lamentable testimony which a whole Synod that would be Lutheran bears against the voice of all Lutheran teachers, and particularly against its own predecessors in office, as also against itself, when it without any scruple, at haphazard, repeats after its President "the Herrnhuters have the very same confession of faith with us" and accordingly resolves to enter into a more intimate relation with them?

That the Synod is not really what it pretends to be, namely Lutheran, one sees also from its procedure with regard to the call to the holy Ministry. Were this important doctrine, as it is so briefly and concisely set forth in the 14th Article of the Augsb. Confession, better understood by the preachers and brought better to the consciousness of the congregations, the wretched hiring by the year, something quite unbiblical and therefore unchristian, would more and more be abolished. One must be astonished when one reads through the list of the changes of pastoral charges, page 6 and following, and finds there how those who call themselves Evangelical Lutheran change their places so quite unevangelically and unlutheranly, as one changes clothes. There the one takes "for the present only out of compassion" a congregation of another faith, another wishes to serve another congregation "for a year." Ten preachers have "given up, resigned or left" their places, and only in the case of a single one is a reason given, namely want of support. If a preacher no longer likes it in a congregation, if he can "do better" elsewhere, off he goes without more ado, like a guest from the tavern when he has drunk his glass of beer; and if the preacher does not please a congregation, "it does not like him any more," it gives him notice, like a farmer his hired man. Now if that is to be Evangelical Lutheran, then God preserve every preacher and every congregation from such Lutheranism.

The same holds of the so-called licensing of candidates, which dates from a time in which one allowed oneself ever more licenses (liberties) in deviation from the right doctrine and the tried church usages; he who is once lawfully called and ordained is then no longer a candidate, i.e. no longer one who is first awaiting a call, but one who has actually received it and accordingly is a regular pastor. Does not that procedure, of committing to candidates all the official functions of a pastor without regarding them nevertheless as actual pastors, stand in manifest contradiction to the text of the ordination address, Acts 2, 42: "They continued stedfastly in the apostles' doctrine" (p. 43.), since there is not a trace of it to be found either in the whole doctrine of the apostles or in the church's practice? —

The President's proposal that the Ministerium should draw up a genuinely Christian Evangelical Lutheran church order deserves, as very timely, earnest consideration not only on the part of this, but also of all other synods, which, however, it has not found with this Synod. It is striking that the Synod has not even taken up for deliberation so important a subject, while it nevertheless gave its attention to far more trifling things. This phenomenon is explicable, however, when one considers the countless difficulties connected with the drawing up and introduction of such a church order, before which a secret dread has probably come over the members of the Ministerium, on account of which they preferred to pretend as though they had heard nothing of such a proposal or had forgotten it again; perhaps many do not even know what all belongs in such a church order, e.g. the chapters on doctrine, on the ministry, on church discipline, on the appointment of church offices, on schools and church visitations. To draw up such a church order, which should be "genuinely Christian Evangelical Lutheran" and yet at the same time should "conform to the spirit of our Church in this country," which unfortunately is now so genuinely unevangelical and unlutheran: that is a true masterpiece.

What we may expect in the present circumstances for a church order, if indeed one is still to come into being, is shown by the new liturgy or church agenda of the year 1842. Three committees of nine Lutheran preachers labored on it four whole years, three synods unanimously resolved its printing, and already now one must think again of preparing a new and, what one does not like to have known aloud, improved edition, because one is gradually beginning to be ashamed of this botched work. The committee charged with the improvement of this agenda has still not finished in the course of a whole year, and it is easily possible that the order now renewed (p. 29 ff.) will not yet be fully carried out even after another lapse of a year. But should this also happen, experience will teach that it is only patching new pieces upon an old garment, whereby the rent only becomes ever worse. But what is one to say to this, that the committee is instructed "to act with a similar one of the General Synod?" Does that not mean setting the goat to be gardener?

The chief difficulty in this undertaking lies probably in this, that one does not properly know oneself what one wants, whether one will be 3/4, 1/2, 1/4, or still less Lutheran. So much, however, is probably settled with most, that one does not wish to be wholly Lutheran.

It is similar with the new edition of the small Lutheran Catechism, which likewise has been resolved upon by the Synod (p. 31). Accordingly the catechism that was in use in the oldest congregations is to be reprinted, whereupon, however, the question again arises whether the same is truly a word-for-word reprint of the original catechism. However, the condition has been laid down in this connection