Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 19 › Seite 147
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-05-11, Seite 147
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So verließen wir denn noch an selbigem Tage München wieder, zwar mit leerer Casse, aber auch mit leichtem fröhlichem Gewissen, und das war uns natürlich lieber, als wenn das Gegentheil der Fall gewesen wäre. Was hätte auch eine Unterstützung an irdischen Mitteln unserer Anstalt und unserer Synode überhaupt für Segen bringen können, wenn dieselbe durch Verschweigung, ja offenbare Verleugnung der Wahrheit erkauft worden wäre?
(Fortsetzung folgt.)
Weder — Noch geantwortet; sie hatten nehmlich erklärt, daß sie weder die Bedingungen, die sie an ihr Bleiben in der Landeskirche geknüpft, aufgeben, noch ihre Ämter selbst niederlegen könnten. In einem vor kurzem erhaltenen Schreiben vom 9. März d. J. von der Hand Herrn Pastor Löhe's schreibt mir derselbe, daß die Sache noch beim Alten stehe, nur daß in einem neueren Consistorialrescript die Drohung der Suspension ausgesprochen sei. Die große Schaar von Laien, welche die Petition um das volle Recht lutherischer Abschließung und Constituirung mit an das Oberconsistorium richteten, ist im Auftrage der Consistorien vorgerufen worden (aus Neuendettelsau jedoch nur die Vorsteher), um sie eines Besseren zu belehren. Herr Past. L. setzt hinzu: „Mit Ausnahme eines Kirchenvorstehercollegiums ist alles treu geblieben.“ Professor Dr. Delitzsch ist eifrig bemüht, die Herrn Pastor Löhe Nahestehenden zur Förderung der Sache desselben im Geist zusammenzubringen. „Prof. Delitzsch“, schreibt Past. Löhe ferner, hat über Abendmahlsgemeinschaft geschrieben, fast ganz richtig.“ Letzterer meldet mir auch Folgendes: „Harleß schrieb mir kurz nach Ihrem Weggang, daß er Ihre Schrift in den Aushängebogen lese, sie symbol- und schriftgetreu finde; bemerkte aber in einem späteren Briefe, daß er von Nordamerika herüber Wunderliches gehört habe über Ihre Ansichten! —!— Wir können uns wohl denken, daß wir hier Freunde haben, die uns einen solchen Freundschaftsdienst mit Vergnügen erweisen, manch' „Wunderliches über unsere Ansichten“ nach Deutschland zu berichten. Wir hoffen aber mit Gott, daß sich das „Wunderliche“ bald aufklären und wohl auf den dienstfertigen Berichterstattern sitzen bleiben werde. Gott hat uns einen Beruf gegeben, der uns aufgefordert hat, schon seit einer Reihe von Jahren öffentlich unseren Glauben mündlich und schriftlich auszusprechen (und dieses von uns öffentlich ausgesprochenen Glaubens schämen wir uns nicht, sondern sind vielmehr entschlossen, mit Gottes Hilfe und Gnade dabei zu bleiben und darauf zu sterben): wer daher die Wahrheit liebt, sollte billig, wenn er von unserem Glauben berichten wollte, das vorlegen, wozu wir uns selbst öffentlich bekannt haben, und mit seinen Ansichten über unsere möglichen „Ansichten“ zu Hause bleiben. — Dann würde jedoch freilich wohl der „fromme Zweck“, den der christliche Berichterstatter mit seinen Berichten verbindet, vor allem bei einem Harleß, mehr als unerreicht bleiben.
Kurze Geschichte und Charakteristik
aller Gesammtausgaben
von
Dr. M. Luther's Werken
mit besonderer Rücksicht auf die Erlanger Ausgabe bei Carl Heider 1826—49.
(Aus der Zeitschrift für Protestantismus und Kirche N. F. Band XIX.)
Vorbemerkung des Redakteurs:
Eine Hauptursache, warum in der lutherischen Kirche so bald von dem ursprünglichen Lehrtypus derselben abgewichen worden und nach und nach selbst mancher papistische Sauerteig, oft gerade unter dem Scheine und Vorgeben besonders strenger Orthodoxie, in dieselbe eingedrungen ist, ist ohne Zweifel dies, daß durch Betrug des Teufels den Lutheranern gerade die Schriften Luther's allmählich fast ganz aus den Händen gekommen sind. Dies ist unstreitig auch eine Hauptursache, warum hier in Amerika so wenig klare Erkenntniß davon, was eigentlich lutherisch sei, zu finden ist, und daß viele selbst redliche Männer, welche gern ihrer lutherischen Kirche treu sein wollen, so leicht von falschen Lehrern getäuscht werden, die ihre falsche, entweder papistische, oder reformirte, oder schwarmgeisterische, Lehre mit großer Zuversichtlichkeit, ja wohl mit den verwegensten Bannflüchen gegen die, die anders wie sie lehren, als die alleinig echt lutherische ausrufen und anpreisen (die aber daher nicht unterlassen, hie und da, freilich mit der unschuldigsten Miene von der Welt, einen Stein auf den theuren Luther und die von ihm geführte Lehre zu werfen, und so das Vertrauen zu Luthern zu untergraben und das Verlangen nach seinen Schriften zu schwächen suchen. †) Soll es nun wieder besser werden, so ist kein anderer Weg, als daß Prediger und Laien, nächst dem Worte Gottes selbst und nächst den öffentlichen Bekenntnißschriften, Luther's Werke sich anschaffen und darin fleißig studiren. Ja, das ist das recht eigentliche Specificum gegen die Krankheit unserer armen Kirche und gegen den zerstörenden verderblichen Einfluß ihrer trüglichen Arbeiter. Für diejenigen, denen die gründliche Erkenntniß der wahren lutherischen Lehre am Herzen liegt und die nicht schon dahin gekommen sind, daß sie, gerade was sie für gut befinden, eo ipso für echt lutherisch angesehen wissen wollen, theilen wir daher hier die folgende vergleichende Uebersicht in Betreff der verschiedenen Ausgaben der sämmtlichen Werke Luther's mit. Mögen dadurch recht viele auf diese, wenigstens jedem lutherischen Prediger fast unentbehrlichen, aber in diesen verführungsvollen Zeiten auch jedem Laien, der nicht von jedem Winde der Lehre bewegt werden will, so nöthigen Schriften aufmerksam, und bewogen werden, es sich lieber an einer Bequemlichkeit und Erquickung abgehen zu lassen, als länger ohne diesen Schatz zu bleiben, der eine große Bibliothek mehr als ersetzt. Wir hoffen um so mehr, daß sich bald recht viele finden werden, die die Kosten der Anschaffung dieses Werkes nicht scheuen, da wir von der Heider'schen Buchhandlung in Erlangen die Zusicherung erhalten haben, daß ein jeder, welcher von hier aus die von derselben besorgte vortreffliche neue Ausgabe unmittelbar bezieht, das ganze, gegenwärtig aus 70 Bänden bestehende, Werk für 31 Gulden 30 Kreuzer (also für 13 amerikanische Thaler) erhalten soll.
†) Einen Beweis, wie insonderheit alle Hierarchen ihre geheime Feindschaft wider den ehrlichen Luther und seine Pabst und Päbstlein vernichtenden Schriften nicht verbergen können, liefert das Buffaloer Informatorium.
* * *
Luther's sämmtliche Werke sind im Ganzen nicht öfter als sechs Mal gedruckt worden, nämlich 1. zu Wittenberg in 19 Foliobänden, von 1539 — 1558; — 2. zu Jena in 12 Foliobänden, von 1555 — 1558; — 3. zu Altenburg in 10 Foliobänden, von 1661 — 1664; — 4. zu Leipzig in 23 Foliobänden, von 1729 — 1740; — 5. zu Halle in 24 Quartbänden, von 1740 — 1753; — 6. zu Erlangen von 1826 — 1849 in 66 Octavbänden. Diese Ausgaben sind aber von sehr ungleichem Werthe, und wir hoffen deßhalb nichts Ueberflüssiges zu thun, wenn wir dieselben, mit Rücksichtnahme auf die Geschichte ihrer Entstehung, hier kürzlich charakterisiren.
1. Die Wittenberger Ausgabe.
1539 — 1558.
Auf Verlangen des Churfürsten Johann Friedrich's sollten schon zu Luther's Lebzeiten dessen Schriften gesammelt und zusammengedruckt werden. Luther sah dies nicht gern, sondern wünschte vielmehr, daß alle seine Bücher „dahinten geblieben und untergegangen“ wären. Weil er aber ihre Sammlung nicht hindern konnte, so tröstete er sich wenigstens mit dem Gedanken, „daß seine Bücher mit der Zeit im Staube bleiben und vergessen werden würden, besonders wo er durch Gottes Gnade etwas Gutes geschrieben habe.“ Die Redaktion der Sammlung übertrug er selbst dem M. Georg Rörer, welcher unter dem Beistande des bald darnach verstorbenen Casp. Creuziger, die ersten vier deutschen Bände besorgte, bis er einem Rufe nach Dänemark folgte, worauf Georg Major an seine Stelle trat. So lange Luther lebte, las er jederzeit den letzten Druck selbst; aber sogleich nach seinem Tode ließ man sich kryptokalvinische Textveränderungen und Auslassungen zu Schulden kommen. Die ganze Sammlung besteht aus 12 deutschen und 7 lateinischen Bänden in Folio. Von den deutschen erschien der erste 1539 mit Luther's Vorrede bei Hans Lufft. Der zweite wurde zwar noch bei Luther's Lebzeiten in Nic. Schirlenzens Druckerei begonnen, aber wegen der Kriegsunruhen und insbesondere wegen der Gefangennehmung des Churfürsten, erst 1548 in einer andern Druckerei vollendet. Er hat zwar auch eine Vorrede Luther's, mit einem Zusatz von Georg Rörer, dieselbe scheint aber nicht sowohl von Luther selbst geschrieben, als vielmehr aus dessen Schriften blos zusammengestellt zu sein. Der 3. — 12. Band erschien in den Jahren 1550 — 58. Das Register zu diesen 12 Bänden hat der Korrektor der Lufft'schen Druckerei, Georg Walther gefertigt und 1558 bei Hans Lufft in 4. herausgegeben. Die einzelnen Bände dieser Ausgabe sind späterhin in verschiedenen Druckereien öfters wieder gedruckt worden, so daß man drei bis vier vollständige Ausgaben von 1539 — 1600 annehmen kann, deren jedoch keine planmäßig als ein Ganzes veranstaltet worden ist.
Von den 7 lateinischen Bänden erschien der erste 1545 bei H. Lufft, mit zwei Vorreden, von Luther und Melanchthon. Hierin bekennt Luther, daß er in seinen ersten Büchern aus Demuth dem Papste noch viele und große Artikel eingeräumt, die er später als die höchsten Gotteslästerungen und Gräuel verdammt habe, daher er bitte, man möge solche Schriften mit
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So we left Munich again that same day, to be sure with an empty purse, but also with a light, cheerful conscience, and that was naturally dearer to us than if the opposite had been the case. For what blessing would a support in earthly means have been able to bring to our institution and to our Synod generally, if it had been purchased by concealment, yes, by open denial of the truth?
(To be continued.)
Neither — Nor; they had namely declared that they could neither give up the conditions which they had attached to their remaining in the State church, nor themselves lay down their offices. In a letter recently received, of the 9th of March of this year, from the hand of Pastor Löhe, he writes me that the matter still stands as before, except that in a more recent consistorial rescript the threat of suspension has been pronounced. The great number of laymen who, together with the petition for the full right of Lutheran separation and constitution, addressed it also to the Oberconsistorium, have been summoned by order of the consistories (from Neuendettelsau, however, only the elders), in order to be instructed better. Pastor L. adds: "With the exception of one college of church elders, everything has remained faithful." Professor Dr. Delitzsch is zealously endeavoring to bring together in spirit those standing near Pastor Löhe for the furtherance of his cause. "Prof. Delitzsch," Pastor Löhe writes further, "has written on communion at the Lord's Supper, almost quite correctly." The latter also reports to me the following: "Harleß wrote me shortly after your departure that he was reading your writing in the advance sheets and found it true to the symbols and to Scripture; but remarked in a later letter that he had heard strange things from North America about your views! —!—" We can well imagine that we have friends here who would with pleasure render us such a friendly service, to report much "strange" about our views to Germany. But we hope with God that the "strange" will soon clear up and probably remain sitting on the officious reporters. God has given us a calling which has required us, already for a series of years, to express our faith publicly, orally and in writing (and of this faith publicly expressed by us we are not ashamed, but are rather resolved, with God's help and grace, to remain by it and to die upon it): whoever therefore loves the truth, ought in fairness, when he wishes to report of our faith, to set forth that to which we ourselves have publicly confessed, and to stay at home with his views about our possible "views." — Then, however, to be sure, the "pious purpose" which the Christian reporter connects with his reports would, above all with a Harleß, remain more than unattained.
Brief History and Characterization
of all Complete Editions
of
Dr. M. Luther's Works
with special regard to the Erlangen
edition by Carl Heider 1826—49.
(From the Zeitschrift für Protestantismus und Kirche, N. F. Volume XIX.)
Preliminary Remark of the Editor:
One chief cause why in the Lutheran church the original type of doctrine of the same has been departed from so soon, and little by little even much papistic leaven, often precisely under the appearance and pretext of especially strict orthodoxy, has penetrated into it, is without doubt this, that through the deceit of the devil the writings of Luther have gradually almost wholly gone out of the hands of the Lutherans. This is undoubtedly also a chief cause why here in America so little clear knowledge is to be found of what is really Lutheran, and why many even honest men, who gladly wish to be true to their Lutheran church, are so easily deceived by false teachers, who proclaim and extol their false doctrine, whether papistic, or Reformed, or fanatical, with great confidence, yes, quite with the most audacious anathemas against those who teach otherwise than they, as the only genuinely Lutheran (who, however, do not therefore fail, here and there, to be sure with the most innocent mien in the world, to cast a stone at the dear Luther and the doctrine led by him, and so seek to undermine confidence in Luther and to weaken the desire for his writings. †) If it is now to become better again, there is no other way than that preachers and laymen, next to the Word of God itself and next to the public Confessions, procure Luther's works and study diligently therein. Yes, that is the really proper specific against the sickness of our poor church and against the destructive, pernicious influence of her deceitful workers. For those to whom thorough knowledge of the true Lutheran doctrine lies at heart, and who have not already come to the point of wishing that precisely what they find good be regarded eo ipso as genuinely Lutheran, we therefore communicate here the following comparative survey concerning the various editions of the complete works of Luther. May many thereby be made attentive to these writings, almost indispensable at least to every Lutheran preacher, but in these seductive times also so necessary to every layman who will not be tossed about by every wind of doctrine, and may they be moved to let themselves go without a convenience and refreshment rather than to remain longer without this treasure, which more than replaces a great library. We hope the more that quite many will soon be found who do not shun the cost of procuring this work, since we have received from the Heider bookhouse in Erlangen the assurance that everyone who obtains directly from here the excellent new edition provided by the same shall receive the whole work, at present consisting of 70 volumes, for 31 gulden 30 kreuzer (that is, for 13 American dollars).
†) A proof how all hierarchs in particular cannot conceal their secret enmity against the honest Luther and his writings, which annihilate pope and popelings, is furnished by the Buffalo Informatorium.
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Luther's complete works have in all been printed not more than six times, namely 1. at Wittenberg in 19 folio volumes, from 1539 — 1558; — 2. at Jena in 12 folio volumes, from 1555 — 1558; — 3. at Altenburg in 10 folio volumes, from 1661 — 1664; — 4. at Leipzig in 23 folio volumes, from 1729 — 1740; — 5. at Halle in 24 quarto volumes, from 1740 — 1753; — 6. at Erlangen from 1826 — 1849 in 66 octavo volumes. These editions, however, are of very unequal value, and we hope therefore to do nothing superfluous if we briefly characterize them here, with regard to the history of their origin.
1. The Wittenberg Edition.
1539 — 1558.
At the desire of the Elector John Frederick, Luther's writings were to be collected and printed together already in Luther's lifetime. Luther did not like to see this, but wished rather that all his books had "remained behind and perished." But since he could not hinder their collection, he comforted himself at least with the thought "that his books would in time remain in the dust and be forgotten, especially where he had written something good by God's grace." The editing of the collection he himself committed to M. George Rörer, who, with the assistance of Casp. Creuziger, who died soon afterwards, took charge of the first four German volumes, until he followed a call to Denmark, whereupon George Major took his place. As long as Luther lived, he always read the last printing himself; but immediately after his death crypto-Calvinistic alterations of the text and omissions were allowed to be perpetrated. The whole collection consists of 12 German and 7 Latin volumes in folio. Of the German the first appeared in 1539 with Luther's preface at the press of Hans Lufft. The second was indeed begun still in Luther's lifetime in the printing house of Nic. Schirlenz, but on account of the disturbances of war and especially on account of the capture of the Elector, was completed only in 1548 in another printing house. It has indeed also a preface of Luther's, with an addition by George Rörer, but this seems not so much to have been written by Luther himself as rather merely compiled from his writings. The 3rd — 12th volume appeared in the years 1550 — 58. The index to these 12 volumes was prepared by the corrector of the Lufft printing house, George Walther, and published in 1558 by Hans Lufft in 4to. The individual volumes of this edition were afterwards frequently printed again in various printing houses, so that one may assume three to four complete editions from 1539 — 1600, of which, however, none was arranged according to plan as a whole.
Of the 7 Latin volumes the first appeared in 1545 from H. Lufft, with two prefaces, by Luther and Melanchthon. Herein Luther confesses that in his first books he had, out of humility, still conceded to the Pope many and great articles, which he later condemned as the highest blasphemies and abominations, wherefore he begs that one might such writings with