Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 23 › Seite 179
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-07-17, Seite 179
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Blute erkauft hat. Euer ist endlich alle Gabe und Trost des heiligen Geistes, kurz, „alles,“ spricht der Apostel selbst, „es sei Paulus oder Apollo, es sei Kephas oder die Welt, es sei das Leben oder der Tod, es sei das Gegenwärtige oder das Zukünftige.“
Doch Paulus sagt nicht nur zu allen gläubigen Christen: „Alles ist euer,“ sondern er setzt auch hinzu: „Ihr aber seid Christi.“ Hiermit macht Paulus die Herrlichkeit der gläubigen Christen noch größer. Hiermit erklärt er, daß die Christen niemanden, auch keinem unter den höchsten Aposteln, angehören; daß sie als Christen (denn hier ist freilich nicht von den Christen die Rede als Bürgern eines irdischen Reiches), daß sie, sage ich, als Christen niemanden über sich haben, als Christum; daß sie niemand's Eigenthum sind, als Christi; daß niemand über sie herrschen, niemand ihnen Gesetze geben, niemand ihnen etwas gebieten, niemand einen Gehorsam von ihnen fordern kann, als Christus; daß niemand ihr Haupt, ihr HErr, ihr König, ihr Vater, ihr Meister, ihr Hirt, ihr Führer, ihr Lehrer ist, als Christus. Wenn der Apostel spricht: „Ihr aber seid Christi,“ so ist es daher hiermit entschieden: die Christen sind nicht um der Prediger willen da, sondern die Prediger um der Christen willen; nicht die Christen sind die Diener der Prediger, sondern die Prediger die Diener der Christen; hiermit sind die Prediger von jeglichem Throne, den sie sich unter den Christen zu erbauen erkühnen wollen, herabgestoßen und es unwiderruflich durch den heiligen Geist selbst vor Himmel und Erde, vor Engeln und Menschen mit kurzen und runden Worten bezeugt: Die Kirche ist über die Prediger, nicht die Prediger über die Kirche; nicht die Kirche hat das Amt und alle seine Herrlichkeit durch die Prediger, sondern die Prediger haben dasselbe durch die Kirche.
Hiermit stimmt denn herrlich, was derselbe hl. Apostel an anderen Stellen von den Christen sagt, sie seien die Gemeinde des HErrn, welche da ist sein Leib, nehmlich die Fülle deß, der alles in allem erfüllet, das Jerusalem, das droben ist, die Freie, die aller Gläubigen Mutter ist, die Stadt des lebendigen Gottes, die Gemeinde der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, die jungfräuliche Braut JEsu Christi, des Sohnes Gottes. Damit stimmt ferner, was St. Petrus von den Christen schreibt: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priesterthum, das heilige Volk, das Volk des Eigenthums, daß ihr verkündigen sollt die Tugenden deß, der euch berufen hat von der Finsterniß zu seinem wunderbaren Licht.“ Damit stimmt endlich, was Christus selbst von seinen Gläubigen sagt: „Einer ist euer Meister, Christus; Ihr aber seid alle Brüder. Ihr wisset, daß die weltlichen Fürsten herrschen, und die Mächtigen unter ihnen haben Gewalt und man heißt sie gnädige Herren. Aber also soll es unter euch nicht sein; sondern der Größeste unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener;“ und was Christus ferner an einer anderen Stelle von seinen Gläubigen sagt: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein; und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein. Denn wo zween oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“
Sagt darum, welche Creatur darf es nun wagen, über einen gläubigen Christen herrschen zu wollen? Wer es sich erkühnen wollte, der soll wissen: ein jeder gläubige Christ ist ein Glied am Leibe JEsu Christi, des Sohnes Gottes; so wenig nun irgend eine Creatur im Himmel und auf Erden über Christum, den Sohn Gottes, herrschen kann, so wenig hat irgend ein erschaffenes Wesen, und wenn es ein Engel oder Erzengel wäre, Macht, einem Christen, als einem Christen, ein Gebot zu stellen und ihn sich unterthan zu machen. Wer dessen sich unterfängt, der ist ein Kirchenräuber, der vergreift sich damit an Christo selbst, der macht sich damit selbst zu Gott, ja, erhebt sich über Gott, wird ein Werkzeug und Genosse des Antichrists, und begeht die Sünde Satans, der von dem Sohne Gottes selbst begehrte, daß er vor ihm niederfalle und ihn anbete.
Wohl daher allen, die zur Gemeinschaft der gläubigen Christen gehören! Sie sind Bürger einer himmlischen freien kaiserlichen Reichsstadt. Die unter ihnen nach ihrer Wahl das Regieramt verwalten, bilden nicht einen privilegirten Stand, vermöge dessen sie etwas besäßen, was die Christen nicht besäßen und was diesen nur durch sie zu theil werden könnte: sondern jene öffentlichen Amtsträger sind nur die Verwalter der Güter, die die Christen besitzen; sie sind nicht ihre Herren, sondern ihre Mitbürger und Diener; der Christen einiger Herr aber ist JEsus Christus, der König aller Könige und Herr aller Herren. Sie sind Glieder einer großen Familie, in welcher sie nicht nur alle Propheten und Apostel, sondern selbst alle himmlische Geister als ihre Brüder begrüßen. Sie sind Sprößlinge eines auserwählten Geschlechtes von priesterlicher Würde und von königlichem, ja göttlichem Adel.
Hienieden sind diese Christen freilich mit Christo in dem Stande der Erniedrigung; hier tragen sie daher noch, der Welt unbekannt, die Dornenkrone der Schmach, der Verachtung, der Unterwerfung und Unterdrückung; für menschliches Auge noch unsichtbar, liegen sie als Gottes Weizen noch verborgen unter dem Unkraute der sichtbaren Gemeinden; ihr Leben ist hier noch verborgen mit Christo in Gott: wenn aber Christus, ihr Leben, sich offenbaren wird, dann werden sie auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit; dann werden sie als Priester Gottes, des Allerhöchsten, in heiligem Schmuck ewig an den Altären des Himmels stehen und ihm ewige Opfer des Lobes darbringen, und, auf ihren Häuptern königliche Kronen tragend, in dem ererbten Reiche, das ihnen bereitet war von Anbeginn der Welt, als wahre Könige ewig mit Christo triumphiren und herrschen.
2.
Doch, meine Theuren, nachdem wir nun so erstlich die wunderbare Herrlichkeit der gläubigen Christen in dem Spiegel des Wortes ein wenig beschaut haben, so laßt mich euch nun 2. vor die Seele führen, wie ihnen dieselbe nach und nach immer lauter abgesprochen worden und welch' eine schmähliche und verderbliche Herrschaft die Priester über die Christen vor der Reformation sich angemaßt haben.
Daß es dahin kommen werde, dies hat schon St. Paulus im 2. Capitel seines 2. Briefes an die Theß. den Christen zur Warnung vorausgesagt. Als nehmlich mehrere thessalonichische Christen meinten, daß der jüngste Tag schon zu ihren Zeiten vorhanden sei, antwortete ihnen der hl. Apostel mit den merkwürdigen Worten: „Lasset euch niemand verführen in keinerlei Weise. Denn er kommt nicht,“ nehmlich der jüngste Tag, „es sei denn, daß zuvor der Abfall komme, und geoffenbaret werde der Mensch der Sünde, und das Kind des Verderbens. Der da ist ein Widerwärtiger, und sich überhebt über alles, das Gott oder Gottesdienst heißt, also, daß er sich setzet in den Tempel Gottes, und giebt sich vor, er sei Gott.“ Hiermit sagt es der hl. Apostel voraus, daß in dem Tempel Gottes d. h. in der christlichen Kirche, ein Antichrist oder Widerchrist seinen Thron aufschlagen und sich göttliche Gewalt über die Christen anmaßen werde.
Diese apostolische Weissagung ist nun allerdings nicht alsobald völlig erfüllt worden. So lange die treuen und demüthigen Apostel noch lebten und in der Kirche das Wächteramt noch verwalteten, sorgten sie dafür, daß kein Priesterstolz aufkommen und die heiligen Freiheiten und Rechte der Kinder Gottes antasten durfte. Unter der apostolischen Kirchenregierung hatten und übten daher die gemeinen Christen das Recht der Wahl ihrer Prediger, das Recht des Urtheils über die Lehre, das Recht in den Kirchengerichten und Synoden zu reden, zu stimmen und zu richten, das Recht die Kirchenordnungen zu machen und sich selbst aufzulegen ꝛc. Satan feierte jedoch schon damals nicht, so daß schon der Apostel klagen mußte: „Es reget sich schon bereits die Bosheit heimlich.“ Schon zu der Zeit der Apostel nehmlich fanden sich hie und da ehr- und herrschsüchtige Lehrer, welche in der Kirche anstatt des Hirtenstabes des göttlichen Wortes das Scepter ihres Willens und Eigendünkels zu führen suchten. So erwähnt Johannes in seinem 3. Briefe eines gewissen Diotrephes, von welchem er sagt, er habe in seiner Gemeinde der Erste sein wollen, habe Brüder nicht aufnehmen wollen, und denen gewehrt, die dies thun wollten, und sie eigenmächtig in den Bann gethan und aus der Gemeinde gestoßen.
Kaum hatten jedoch die theuren Apostel ihre Augen geschlossen, so regte sich die vormals heimlich schleichende Bosheit schon offenbarer. Hegesippus, der erste christliche Kirchengeschichtschreiber, sagt: Bis zu dem Tode Johannis des Apostels sei die Kirche eine Jungfrau gewesen,
English translation AI translation
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blood purchased. Yours, finally, is every gift and comfort of the Holy Ghost; in short, "all things," says the Apostle himself, "whether Paul, or Apollos, or Cephas, or the world, or life, or death, or things present, or things to come."
But Paul does not say only to all believing Christians: "All things are yours," but he adds also: "And ye are Christ's." Hereby Paul makes the glory of believing Christians greater still. Hereby he declares that Christians belong to no man, not even to any of the highest Apostles; that as Christians (for here, to be sure, the discourse is not of Christians as citizens of an earthly realm), that they, I say, as Christians have no one over them but Christ; that they are no one's property but Christ's; that no one can rule over them, no one give them laws, no one command them anything, no one demand obedience from them, but Christ; that no one is their Head, their Lord, their King, their Father, their Master, their Shepherd, their Leader, their Teacher, but Christ. When the Apostle says: "Ye are Christ's," it is therefore hereby decided: Christians are not there for the sake of the preachers, but the preachers for the sake of the Christians; the Christians are not the servants of the preachers, but the preachers the servants of the Christians; hereby the preachers are cast down from every throne which they presume to build for themselves among Christians, and it is irrevocably testified by the Holy Ghost Himself before heaven and earth, before angels and men, in short and plain words: The Church is above the preachers, not the preachers above the Church; not the Church has the office and all its glory through the preachers, but the preachers have the same through the Church.
With this the same holy Apostle's words in other places about Christians agree gloriously, that they are the congregation of the Lord, which is His body, namely the fulness of Him that filleth all in all, the Jerusalem which is above, the free, which is the mother of all believers, the city of the living God, the church of the firstborn, which are written in heaven, the virgin bride of Jesus Christ, the Son of God. With this agrees further what St. Peter writes of Christians: "But ye are a chosen generation, a royal priesthood, an holy nation, a peculiar people; that ye should shew forth the praises of him who hath called you out of darkness into his marvellous light." With this agrees finally what Christ Himself says of His believers: "One is your Master, even Christ; and all ye are brethren. Ye know that the princes of the Gentiles exercise dominion over them, and they that are great exercise authority upon them, and they are called gracious lords. But it shall not be so among you; but he that is greatest among you shall be as the younger, and he that is chief as he that doth serve;" and what Christ further says in another place of His believers: "Verily I say unto you, Whatsoever ye shall bind on earth shall be bound in heaven; and whatsoever ye shall loose on earth shall be loosed in heaven. For where two or three are gathered together in my name, there am I in the midst of them."
Say, therefore, what creature dares now venture to want to rule over a believing Christian? Whoever should presume to do so, let him know: every believing Christian is a member of the body of Jesus Christ, the Son of God; as little as any creature in heaven and on earth can rule over Christ, the Son of God, so little has any created being, even if it were an angel or archangel, power to lay a command upon a Christian, as a Christian, and to make him subject to himself. Whoever undertakes this is a church-robber, he thereby lays hands on Christ Himself, he thereby makes himself God, yea, exalts himself above God, becomes a tool and companion of the Antichrist, and commits the sin of Satan, who demanded of the Son of God Himself that He should fall down before him and worship him.
Blessed therefore are all who belong to the communion of believing Christians! They are citizens of a heavenly, free, imperial city. Those among them who by their choice administer the office of government do not form a privileged estate by virtue of which they would possess something which Christians would not possess and which could come to these only through them: but those public office-bearers are only the stewards of the goods which Christians possess; they are not their lords, but their fellow-citizens and servants; but the only Lord of Christians is Jesus Christ, the King of kings and Lord of lords. They are members of a great family, in which they greet as their brethren not only all the prophets and apostles, but even all heavenly spirits. They are scions of a chosen race of priestly dignity and of royal, yea, divine nobility.
Here below, to be sure, these Christians are with Christ in the state of humiliation; here, therefore, they still bear, unknown to the world, the crown of thorns of disgrace, of contempt, of subjection and oppression; still invisible to human eye, they lie as God's wheat still hidden among the tares of the visible congregations; their life here is still hid with Christ in God: but when Christ, who is their life, shall appear, then shall they also appear with Him in glory; then shall they, as priests of God, the Most High, in holy attire stand forever at the altars of heaven and offer Him eternal sacrifices of praise, and, wearing royal crowns upon their heads, in the inherited kingdom prepared for them from the foundation of the world, as true kings triumph and reign forever with Christ.
2.
But, my dear ones, now that we have first beheld a little in the mirror of the Word the wonderful glory of believing Christians, let me now place before your soul, 2., how this same glory was by degrees ever more loudly denied them, and what a shameful and ruinous dominion the priests before the Reformation arrogated to themselves over Christians.
That it would come to this, St. Paul already foretold as a warning to Christians in the 2nd chapter of his 2nd Epistle to the Thess. When, namely, several Thessalonian Christians supposed that the Last Day was already at hand in their times, the holy Apostle answered them with the remarkable words: "Let no man deceive you by any means: for that day shall not come," namely the Last Day, "except there come a falling away first, and that man of sin be revealed, the son of perdition; who opposeth and exalteth himself above all that is called God, or that is worshipped; so that he as God sitteth in the temple of God, shewing himself that he is God." Hereby the holy Apostle foretells that in the temple of God, that is, in the Christian Church, an Antichrist or Adversary of Christ would set up his throne and arrogate to himself divine power over Christians.
This apostolic prophecy was, to be sure, not at once fully fulfilled. As long as the faithful and humble Apostles still lived and still held the office of watchman in the Church, they took care that no priestly pride should arise and dare to assail the holy liberties and rights of the children of God. Under the apostolic government of the Church the common Christians therefore had and exercised the right of choosing their preachers, the right of judgment concerning doctrine, the right to speak, to vote, and to judge in church courts and synods, the right to make church ordinances and to impose them on themselves, etc. Satan, however, did not rest even then, so that the Apostle already had to complain: "The mystery of iniquity doth already work." Even at the time of the Apostles, namely, there were found here and there teachers greedy for honor and power, who sought to wield in the Church, instead of the shepherd's staff of the divine Word, the sceptre of their own will and conceit. Thus John mentions in his 3rd Epistle a certain Diotrephes, of whom he says that he wished to be first in his congregation, would not receive brethren, and forbade those who wished to do so, and arbitrarily put them under the ban and cast them out of the congregation.
Hardly, however, had the dear Apostles closed their eyes when the wickedness, formerly creeping in secret, stirred more openly. Hegesippus, the first Christian church historian, says: Until the death of John the Apostle the Church had been a virgin,