Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 24 › Seite 186

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-07-27, Seite 186

185 186 187 188 189 190 191 192

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

⤓ Download .txt · copy text

186

folgungen der Kirche durch die römischen Kaiser Tausende und aber Tausende lieber ihr Leben dahin gegeben unter den grausamsten Qualen, als daß sie auch nur einen Theil der hl. Schrift, der in ihren Händen war, der heidnischen Obrigkeit hätten ausgeliefert.

Wohl wisset Ihr — oder könntet es doch wissen — wie im Laufe der Jahrhunderte der Teufel, als der Vater der Lügen, eine Grundlehre der hl. Schrift nach der andern durch seine falschen Lehrer gefälscht und verderbt hat, um dadurch die ganze Summe der Heilswahrheit zu verderben und wo möglich zu nichte zu machen, aber der gnädige und starke Gott hat mächtiglich geholfen, treue Zeugen, einen Athanasius, Augustin, Luther, erweckt, mit seinem reinen und kräftigen Worte die Lügen und Irrthümer zerstreuet und die heilsame Lehre um so klarer an das Licht gebracht; er hat auch die Schriften der englischen und französischen Gottesleugner, Eurer Väter im Unglauben, nach kurzer Dauer in die verdiente Schande und in die Nacht der Vergessenheit hinabgestoßen; und vergeblich ist Euer Bemühen, euren Abgott Tom Paine wieder zu erwecken, dessen geschminkter Leiche Ihr kein Leben einblasen werdet. Nur das wisset Ihr nicht, daß und wie es Gottes Gericht sei — da nun einmal der Mensch ohne Glauben nicht bestehen kann — daß ihr solchen Lügen-Aposteln glauben müsset, da ihr seinen Aposteln nicht glauben wollet.

Es sind also alle Eure listigen Anschläge und wüthenden Anläufe wider die hl. Schrift, diese Veste der Wahrheit, völlig umsonst und verloren, und eher müssen Eure harten Köpfe alle an ihr zerschellen, ehe ihr auch nur einen Stein ihres göttlichen Baues aus seiner Stelle rücken solltet.

Ihr wisset aber auch gar wohl aus der innern Beschaffenheit der hl. Schrift, daß sie göttlichen Ursprungs und nicht aus menschlichem Priestertrug entstanden sei; denn wie wäre diesem möglich gewesen, Jahrhunderte vorher eine Reihe in sich zusammenhangender Weissagungen zukünftiger Begebenheiten aufzuzeichnen, die zu ihrer Zeit ohne menschliche Veranstaltung und Leitung in Erfüllung gingen und eine geschichtliche Wahrheit wurden, die selbst von gleichzeitigen heidnischen Geschichtschreibern berichtet wird?

Wie wäre es möglich, daß z. B. Moses und die Propheten Lügner oder doch Schwärmer gewesen, indem sie ihr Zeugniß erheben: „So spricht der HErr!“ da eben theils die Weissagung, wie oben gemeldet, stets in Erfüllung gegangen ist, theils ferner die heil. Gebote, die sie handeln, in Uebereinstimmung stehen mit dem Sittengesetz, das gleichfalls Gott der vernünftigen menschlichen Natur innerlich eingepflanzt hat und in beiden vollkommene Liebe zu Ihm und gleiche zum Nächsten erfordert, was eben die natürliche Stimme Eures eigenen Gewissens wider Euch bezeuget? Und was hatten denn diese Männer Gottes von ihrem Weissagen, Lehren, Strafen und Drohen für Reichthum, Ehre und Wohlleben von der Masse ihres Volkes? Nichts als Armuth, Schmach, Schande, Haß, Elend, Noth und Trübsal, diese und jene auch den Tod. Ja! hätten sie dem verderbten Haufen nach der Lust seines Fleisches, nach seinen frechen Freiheits-Gelüsten wider den HErrn und den Gehorsam gegen seine Gebote geschmeichelt und ihnen gepredigt, wonach ihnen die Ohren jückten, wie Ihr es thut gegen die abtrünnigen und ungehorsamen Kinder, gegen das unschlachtige und verkehrte Geschlecht dieser Zeit — dann hätten sie freilich euren Lohn davongetragen, Geld, Ehre, Ansehn und gute Tage.

Welche wahrheitsliebende Männer sie aber waren und nur um die Ehre Gottes und um das Heil des Nächsten eiferten — das geht daraus gleichfalls hervor, daß sie keinesweges sich in ihnen selbst für vollendete Heilige halten, vielmehr beflissen sind, ihr sündliches Straucheln und Fallen nicht zu verbergen, wie von Moses, David und Jeremiah bekannt ist, sondern es freimüthig zu bekennen, damit eben kein Mensch sich an ihre Personen hänge, sondern allein an das Wort des lebendigen Gottes.

Ihr aber gehet auf nichts aus, als das blinde unwissende Volk an eure Personen zu hängen, daß es Eure Thorheiten und Lügen als nagelneue Weisheit und Wahrheit, eure Lästerungen des Heiligen als männlichen Freimuth, Euer Höhnen und Hassen Gottes, Euren frechen Hochmuth und Stolz wider den HErrn als die Würde und edle Freiheit der menschlichen Natur anerkennen. Nicht der Bibel, als Gottes Wort, sollen sie trauen, aber, was Ihr redet, das soll wie vom Himmel geredet sein, das soll gelten auf Erden.

Ihr wisset aber auch selber gar wohl von den mächtigen Wirkungen dieses, dem Ursprunge und dem Inhalte nach wesentlich und eigentlich göttlichen Wortes, welche Thaten es gewirkt hat im Laufe der Jahrhunderte — Thaten, die nicht im Winkel geschehen sind, davon auch die Weltgeschichte Zeugniß giebt, und gegen welche gehalten alle Entdeckungen bisher unbekannter Erdtheile, alle Erfindungen im Bereich menschlicher Kunst und Wissenschaft, alle Erkenntniß und Lehre aus der Erforschung natürlicher Dinge und der menschlichen Seele, so wie der Geschichte des menschlichen Geschlechts in allen Völkern und Zeiten, alle Erzeugnisse der schönen Künste — Summa Alles, was die Menschen aus natürlichen Kräften und Gaben hervorgebracht haben, in den Schatten zurücktritt und gleichsam in ein Nichts zerrinnet. Denn was haben auch die berühmtesten Entdecker, Erfinder, Feldherrn, Staatsmänner, Gelehrte und Künstler, Denker und Dichter anderes gewirkt und geleistet, als, im besten Falle, allerlei zeitlichen Nutzen und Vortheil, mancherlei irdische Erkenntniß und Erfahrung.

Was ist dies aber gegen die weltumbildende und welterneuernde Kraft des göttlichen Wortes, die von der Geschichte sonderlich seit Christi Geburt, die diese billig auch in ihrer Zeitrechnung als den Wendepunkt der Geschichte des menschlichen Geschlechts hinstellt, unablässig bezeugt wird? —

Oder — ich frage Euch selber und fordere Eure Vernunft und Gewissen zum Urtheil heraus — wäre es möglich und denkbar, daß diese niedergeschriebenen Fabeln von dem gekreuzigten Juden, Jesus von Nazareth, wie Ihr Ihn und die Evangelien lästert, durch die mündliche Verkündigung der Apostel und ihrer Nachfolger abergläubische Götzendiener und rohe, wilde Barbaren, bis daher aller Gesittung entfremdet, um die tägliche leibliche Selbsterhaltung mit der Natur kämpfend, unter einander und mit benachbarten Völkern, Stämmen und Horden in stetem Kampf und Krieg, in unersättlicher Rachsucht, in grausamen Blutdurste sich gegenseitig aufreibend, hin und her auch den erzürnten Gott und das erschreckte Gewissen durch gräuliche Menschenopfer zu stillen versuchend — ich frage Euch, wäre es möglich und denkbar, daß die Predigt von einem gekreuzigten Juden durch 18 Jahrhunderte solche entartete und verkommene Völker, Stämme und Horden diesem elenden, verlorenen Zustande entrissen und durch den Glauben an Christum zu wahren Anbetern des dreieinigen Gottes im Geiste und in der Wahrheit umgewandelt, zu einer Gemeinde des lebendigen Gottes, d. i. zur Kirche Christi gesammelt und durch die von Innen heraus mit stillmächtiger Gewalt umbildende Kraft seines Geistes zu friedsamen, gesitteten, verständigen, liebreichen, in allerlei heilsamer menschlicher Wissenschaft und Künsten des Friedens heranreifenden, in den Rechtsverband des burgerlichen Gemeinwesens, d. i. der Staaten, sich friedlich vereinigenden Menschen gleichsam neugeboren hätte? —

Innerhalb dieses großen Weltwunders aber, das ihr, als eine Thatsache der Weltgeschichte, dieser nicht ins Angesicht leugnen könnt und das sich auch jetzt vor unsern Augen im 5ten Erdtheile wiederholt — innerhalb desselben, wie viel tausend und aber tausend einzelne Seelen sind nicht durch dieses gnadenreiche Evangelium von der Finsterniß zum Lichte, von der Gewalt des Satans zu Gott bekehrt worden?

Früher beteten sie als Götter die einzelnen erschaffenen Naturdinge und Naturkräfte an, die wohlthätigen, um sich, wie sie wähnten, dadurch ihre Gunst zu erhalten, die schädlichen, um die drohenden Uebel abzuwenden, beides aber aus knechtischer Furcht; und in wahnwitzigem Aberglauben und Abgötterei knieeten sie nieder vor Holz und Stein, den Gebilden ihrer eigenen Hand, die da Augen hatten und nicht sahen, Ohren, und nicht hörten; — nach ihrer Bekehrung zu Christo aber erkannten, verehrten, beteten sie an den dreieinigen Gott, den Schöpfer, Erhalter u. Regierer des ganzen Weltalls, lobten und priesen ihn aus heiliger Liebe und in kindlicher Dankbarkeit um all seine großen Thaten und Werke; und in Zeiten blutiger Verfolgung, wie viele Einzelne haben nicht auf dem Scheiterhaufen, auf dem glühenden Roste, unter den Zähnen der wilden Thiere in unüberwindlichem Glaubensmuth und in der seligen Gewißheit des ewigen Lebens den als ihren einigen HErrn und Heiland bekannt und angerufen, Ihn gelobet und gepriesen, den Ihr, durch das Irrlicht des Satans geblendet, als einen gekreuzigten Juden haltet und übel verlästert. Und wenn Ihr gleich, wider die innerste Stimme Eures Gewissens, Euch unterfinget, dieses für fromme Schwärmerei zu erklären, so müsset Ihr doch noch mehr durch die Thatsache zu Schanden werden, daß diese Heiligen des HErrn mitten in ihren Qualen und Nöthen und in ihrem oft so peinvollen langsamen Dahinsterben keinen Haß, Zorn, Bitterkeit und Rachgefühle wider ihre Peiniger und Quäler in ihren Herzen genährt, sondern Gott angerufen haben, diesen armen Verblendeten, die nicht wußten, was sie thaten, Gnade zur Buße zu schenken, und also die Weisung Ihres HErrn mit ihrem Leben be-

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

186

secutions of the Church by the Roman emperors, thousands upon thousands gave up their lives under the most cruel torments rather than deliver up to the heathen authorities even a part of the Holy Scriptures that was in their hands.

Well do you know — or at least might know — how in the course of the centuries the devil, as the father of lies, has falsified and corrupted one fundamental doctrine of the Holy Scriptures after another through his false teachers, in order thereby to corrupt the whole sum of the saving truth and, if possible, to bring it to nothing; but the gracious and mighty God has mightily helped, has raised up faithful witnesses, an Athanasius, an Augustine, a Luther, and with His pure and powerful Word has scattered the lies and errors and brought the wholesome doctrine to the light so much the more clearly; He has also, after a short duration, thrust down into well-deserved disgrace and into the night of oblivion the writings of the English and French deniers of God, your fathers in unbelief; and vain is your effort to raise up again your idol Tom Paine, into whose painted corpse you will never breathe life. Only this you do not know, that and how it is God's judgment — since man, after all, cannot subsist without faith — that you must believe such apostles of lies, since you will not believe His apostles.

All your crafty devices and furious assaults against the Holy Scriptures, this fortress of the truth, are therefore wholly in vain and lost, and sooner must your hard heads all be dashed to pieces against it than that you should move even one stone of its divine structure out of its place.

But you also know quite well from the inner nature of the Holy Scriptures that they are of divine origin and did not arise from human priestcraft; for how would it have been possible for the latter to set down, centuries beforehand, a series of coherent prophecies of future events, which in their time were fulfilled without human arrangement and direction and became an historical truth, which is reported even by contemporary heathen historians?

How would it be possible that Moses, for example, and the prophets should have been liars or at least enthusiasts, when they lift up their testimony: "Thus saith the LORD!" seeing that, partly, the prophecy, as reported above, has always been fulfilled, and partly, further, the holy commandments which they treat of stand in agreement with the moral law, which likewise God has implanted inwardly in rational human nature, and which in both requires perfect love to Him and the like to the neighbor, which is just what the natural voice of your own conscience testifies against you? And what, then, did these men of God get from their prophesying, teaching, rebuking and threatening, in riches, honor and good living from the mass of their people? Nothing but poverty, disgrace, shame, hatred, misery, distress and tribulation, this one and that one even death. Yes! had they flattered the corrupt multitude according to the lust of its flesh, according to its insolent longings for liberty against the LORD and obedience to His commandments, and preached to them what their ears itched for, as you do to the apostate and disobedient children, to the froward and perverse generation of this time — then indeed they would have carried off your reward, money, honor, standing and good days.

But what truth-loving men they were, and zealous only for the honor of God and the salvation of the neighbor — this also appears from the fact that they by no means hold themselves to be perfect saints, but rather are careful not to conceal their sinful stumbling and falling, as is known of Moses, David and Jeremiah, but to confess it frankly, so that no man should cling to their persons, but only to the Word of the living God.

You, however, aim at nothing but to make the blind, ignorant people cling to your persons, that they may acknowledge your follies and lies as brand-new wisdom and truth, your blasphemies against the Holy as manly candor, your mocking and hating of God, your insolent arrogance and pride against the LORD as the dignity and noble freedom of human nature. Not the Bible, as God's Word, are they to trust, but what you speak is to be as if spoken from heaven, that is to count on earth.

But you yourselves also know quite well the mighty effects of this Word, divine in its origin and its content, essentially and properly, what deeds it has wrought in the course of the centuries — deeds which were not done in a corner, of which also the history of the world bears witness, and in comparison with which all discoveries of hitherto unknown parts of the earth, all inventions in the realm of human art and science, all knowledge and learning from the investigation of natural things and of the human soul, as also of the history of the human race among all peoples and times, all products of the fine arts — in sum, everything that men have brought forth from natural powers and gifts, recedes into the shadow and as it were dissolves into nothing. For what else have even the most renowned discoverers, inventors, generals, statesmen, scholars and artists, thinkers and poets accomplished and achieved than, at best, all sorts of temporal use and advantage, many kinds of earthly knowledge and experience.

But what is this compared with the world-transforming and world-renewing power of the divine Word, which is unceasingly attested by history, especially since the birth of Christ, which history justly makes also in its reckoning of time the turning-point of the history of the human race? —

Or — I ask you yourselves and challenge your reason and conscience to judgment — would it be possible and conceivable that these written-down fables of the crucified Jew, Jesus of Nazareth, as you blaspheme Him and the Gospels, should through the oral proclamation of the apostles and their successors have as it were newly born superstitious idolaters and rude, wild barbarians, hitherto estranged from all civilization, struggling with nature for their daily bodily self-preservation, in constant strife and war among themselves and with neighboring peoples, tribes and hordes, in insatiable vengefulness, in cruel thirst for blood destroying one another, and here and there also seeking to appease the angered god and the terrified conscience by horrible human sacrifices — I ask you, would it be possible and conceivable that the preaching of a crucified Jew through 18 centuries should have rescued such degenerate and ruined peoples, tribes and hordes from this wretched, lost condition, and through faith in Christ transformed them into true worshipers of the triune God in spirit and in truth, gathered them into a congregation of the living God, that is, into the Church of Christ, and by the power of His Spirit, transforming from within with quiet might, into peaceable, civilized, sensible, loving men, ripening in all manner of wholesome human science and arts of peace, peacefully uniting in the legal bond of civil society, that is, of states? —

Within this great wonder of the world, however, which you, as a fact of the history of the world, cannot deny to its face, and which is repeated even now before our eyes in the fifth continent — within this, how many thousands upon thousands of individual souls have not been converted by this gracious Gospel from darkness to light, from the power of Satan to God?

Formerly they worshiped as gods the several created things and forces of nature, the beneficent, in order, as they imagined, thereby to obtain their favor, the harmful, to avert the threatening evils, both however from slavish fear; and in insane superstition and idolatry they knelt down before wood and stone, the products of their own hands, which had eyes and saw not, ears, and heard not; — but after their conversion to Christ they knew, revered and worshiped the triune God, the Creator, Preserver and Ruler of the whole universe, praised and extolled Him out of holy love and in childlike gratitude for all His great deeds and works; and in times of bloody persecution, how many individuals have not, upon the stake, upon the glowing grate, under the teeth of wild beasts, in invincible courage of faith and in the blessed certainty of eternal life, confessed and called upon as their only Lord and Savior, praised and extolled Him, whom you, blinded by the will-o'-the-wisp of Satan, hold to be a crucified Jew and blaspheme foully. And though you, against the innermost voice of your conscience, presume to declare this to be pious enthusiasm, you must yet be put to shame the more by the fact that these saints of the LORD, in the midst of their torments and distresses and in their often so painful slow dying, harbored in their hearts no hatred, wrath, bitterness and feelings of revenge against their tormentors and persecutors, but called upon God to grant these poor blinded ones, who knew not what they did, grace unto repentance, and thus the direction of their Lord with their life con-