Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 24 › Seite 187

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-07-27, Seite 187

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folgt: „Liebet Eure Feinde, segnet, die Euch fluchen, thut wohl denen, die Euch hassen, bittet für die, so Euch beleidigen und verfolgen, auf daß Ihr Kinder seid Eures Vaters im Himmel.“

Es ist vergeblich, daß Ihr mit Eurem Munde wohl so frech seid, dieses Verhalten eine schimpfliche und knechtische Selbsterniedrigung zu nennen, aber Euer innerstes Gewissen zeugt dennoch wider Euren Mund und Ihr könnet nicht darüber hinweg, diese sittliche Schönheit des wahren Christenthums dennoch im Geheimen anzuerkennen und eine übermenschliche göttliche Kraft darin zu erblicken. —

So seid Ihr also schon durch die Bekehrung der Heiden während 1800 Jahren, wenngleich wider Euren Willen, in Eurer Vernunft und Gewissen gedrungen und gezwungen, als von einer göttlichen Wirkung auf die göttliche Kraft der heiligen Schrift zurückzuschließen; und mag sich hin und her im Laufe der Geschichte, wie z. B. in dem Missions-Eifer Karl's des Großen, in dem Fanatismus der spanischen Priester in Mexico und Peru viel Menschliches und Fleischliches mit hineingemengt haben, so wird doch dadurch die göttliche Thatsache niemals aufgehoben, die ja auch von einer unpartheiischen Weltgeschichte allewege bezeuget wird, daß das Evangelium von Christo eine Kraft Gottes sei, selig zu machen Alle, die daran glauben und Sklaven des Teufels zu freien Kindern und Erben Gottes wunderbar umzuwandeln. —

Aber auch im äußeren Umfange der Christenheit, innerhalb der christlichen Kirche sind die großen Thaten des göttlichen Wortes und sonderlich des gnadenreichen Evangeliums nicht also im Winkel geschehen, daß Ihr gar nichts davon wissen solltet.

Oder solltet Ihr wirklich gar nichts davon gesehen oder durch glaubwürdige Leute gehört haben, wie gar manche sittlich versunkenen und verkommenen Menschen, grobe Uebertreter göttlicher und menschlicher Gebote, Flucher, Lästerer, Meineidige, Mörder, Räuber, Diebe, Betrüger, Hurer, Ehebrecher, Fresser, Säufer, Lügner, Verleumder, an welchen alle menschlichen Besserungsversuche sich als durchaus ohnmächtig erwiesen und welche die menschliche Gesellschaft als die Grundsuppe und den Abschaum alles Verderbens bereits von sich ausgestoßen und moralisch geächtet und vernichtet hatte, ja die zum Theil schon von dem rächenden Arm der bürgerlichen Gerechtigkeit ergriffen waren — wie gar manche dieser sittlich verfaulten und menschlich unheilbaren Elenden durch die sanfte und doch so mächtige Gewalt des Evangeliums von Christo, nachdem sie zuvor durch das Gesetz Gottes ihr Sündenelend reumüthig erkannt und bekannt hatten, innerlich gründlich geheilt und gleichsam aus grausamen Tigern, reißenden Wölfen, tückischen Hyänen, unreinen Säuen, geilen Böcken, giftigen Schlangen, geizigen Hamstern und listigen Füchsen zu Lämmern und Tauben wunderbarlich umgewandelt wurden?

Und wiederum, könnt Ihr etwa den glaubwürdigen Zeugnissen der Geschichte zum Trotz, das Umgekehrte leugnen, wie gar manche edle und hochbegabte Fürsten, siegreiche Feldherren, weise Staatsmänner, berühmte Gelehrte u. gefeierte Künstler, tiefe Denker u. geistvolle Dichter, die leuchtenden Sterne ihres Jahrhunderts, die Beglücker der Menschheit, die Zierde der Welt all ihre Kronen, Ruhm, Macht, Ehre, Weisheit und Kunst zu den Füßen dessen niedergelegt haben, überwunden durch die Herrlichkeit seines Wortes, den Ihr einen gekreuzigten Juden lästert?

Aber auch diese geschichtliche Thatsache wird Euch schwerlich so gar verborgen sein, wie dieser und jener edle nach wesentlicher, Herz und Kopf zugleich befriedigender Wahrheit und Gottes-Erkenntniß ringende Geist, nachdem er umsonst in den tiefsinnigsten Denkern aller Zeiten und Völker nach ihr gesucht und geforscht, sie endlich in der heiligen Schrift fand, in welcher in der That, wenngleich nicht in der Form des wissenschaftlichen Denkens, enthalten und offenbaret sind, dem aufrichtigen Wahrheitssinn alle Schätze der Weisheit und der Erkenntniß über Gott und Mensch, Natur und Geschichte und, soweit dem Menschen hienieden das Erkennen bestimmt ist, alle Räthsel und Widersprüche des menschlichen Herzens und Lebens befriedigend gelöst sind, die ohne das geoffenbarte Gotteswort dunkel und unaufgelöst daliegen.

Und sollte der höchste Triumph des göttlichen Wortes und seiner mächtigen Wirkung, auch auf dem Gebiete des Denkens und Wissens, Euch so gänzlich fremd und unbekannt sein, wie der in ihm waltende und dasselbe durchdringende Geist der göttlichen Wahrheit je und je mit unwiderstehlicher Gewalt auch Solche ergriffen u. überzeugt hat, die eigentlich daran gingen, die heil. Schrift zu widerlegen und ihr göttliches Ansehen darniederzuwerfen? Aber freilich waren diese von Gottes Wort besiegten Feinde nicht Gesellen Eures Schlages, die Ihr Euch mit vorsätzlicher Bosheit des Herzens und Willens, mit Haß und Empörung wider Gott, mit stetiger Erstickung der natürlichen Stimme des Gewissens, mit felshartem Angesichte und frecher Hurenstirn gegen den Allmächtigen setzet und, obwohl ohnmächtige Würmer des Staubes, die Er mit einem Fußtritt zertreten könnte, dennoch wähnet, Ihn von seinem Throne zu stürzen und sein Wort der Wahrheit zu entkräften. Nein! in jenen aufrichtigen Seelen saß der Zweifel nicht im bösen Herzen und Willen, sondern nur im unerleuchteten Verstande, und darum ließ sich der Gnädige und Allweise zu ihrer Schwäche und Thorheit herab und löste ihnen durch Erleuchtung des heiligen Geistes einen scheinbaren Widerspruch der Schrift nach dem andern, so daß sie innerlich immer mehr von der Einheit und Zusammenstimmung der heil. Schrift überzeugt und ihrer als göttlicher Wahrheit gewiß wurden. Ihr aber, so lange Ihr in Eurer Bosheit des Herzens und Willens wider Gott verharret, sollt nach seinem gerechten Gericht die Wahrheit nicht erkennen, sondern in seinem Wort, darin Er sich ebenso Euch verbirgt, als jenen offenbart, nichts als Finsterniß, Irrthum, Thorheit, Unsinn und Aberwitz finden; denn wie man Gott suchet, so findet man ihn, und mit den Verkehrten ist er verkehrt.

Jene herrlichen Thatsachen aber von den gewaltigen Wirkungen des göttlichen Wortes auf den Gebieten des Lebens und Wissens könnet Ihr, da sie im Ganzen und Einzelnen das Zeugniß der Geschichte für sich haben, unmöglich leugnen, ohne Euern bösen Willen wider die Ueberführung Eures Verstandes und Gewissens klar an den Tag zu geben. —

Was wollet Ihr aber schließlich dem antworten, der, nachdem er früher eine geraume Zeit einer Eurer verehrtesten Helden und Abgötter war, jetzt, von der gewaltigen Hand Gottes ergriffen und heilsam gedemüthigt, eine gar andere Sprache redet und zugleich darin Zeugniß und Urtheil über und wider Euch erhebt? Ich meine nämlich den begabten deutschen Dichter H. Heine in Paris, der durch Jahrzehnte mit Euch des HErrn gespottet und sein Wort verachtet, dagegen den Menschen und seine Weisheit und Fleischeslust verherrlicht und vergöttert hat.

O wie erkennet er jetzt in den Schmerzen der Krankheit und unter dem Siechthum des Leibes die Ohnmacht und Nichtigkeit seiner früheren Phantasien und Träume, die Thorheit seiner Weisheit, das Bodenlose und Trostlose seiner Philosophie, die Verkehrtheit seines Herzens und Willens!

Wie ist sein Gewissen aus seiner Betäubung erwacht, aus der Unterdrückung hervorgebrochen, aus dem Verstummten ein laut redender Zeuge geworden!

Jetzt schämt er sich nicht zu bekennen, „daß er zu Gott zurückgekehrt sei, wie der verlorne Sohn, nachdem er lange Zeit bei den Hegelianern die Schweine gehütet;“ jetzt erklärt er offen, daß er den „Gott der Pantheisten (Weltvergötterer u. Leugner des persönlichen Gottes) nicht gebrauchen könne, da er ein armes träumerisches Wesen und mit der Welt verwebt und verwachsen, ja gleichsam in ihr eingekerkert sei, willenlos und ohnmächtig; denn um einen Willen zu haben, müsse man eine Person sein, und zudem, wenn man einen Gott begehre, der zu helfen vermag, so müsse man auch seine Persönlichkeit, seine Außerweltlichkeit und seine heiligen Attribute (Eigenschaften): die Allgüte, die Weisheit, die Allgerechtigkeit ꝛc. annehmen. Deshalb habe er denn auch solche Gedichte, die nur halbweg „Anzüglichkeiten“ gegen den lieben Gott enthielten, mit ängstlichem Eifer den Flammen überliefert; denn es sei besser, daß die Verse brennen, als der Versifex (der Versmacher).“ Sodann bemerkt er, „daß der Gott der Pantheisten im Grunde gar kein Gott sei und daß überhaupt die Pantheisten eigentlich nur verschämte Atheisten seien, die sich weniger vor der Sache, als vor dem Schatten, den sie an die Wand wirft, nämlich vor dem Namen fürchten. Und da nun einmal nur zu wählen sei zwischen dem absoluten Bibelgott und dem Atheismus, so bekenne er, daß er zu dem alten Aberglauben (wie nämlich die Feinde den wahren Glauben nennen) zu einem persönlichen Gotte zurückgekehrt sei; und obgleich die hohe Geistlichkeit des Atheismus — nämlich Ihr und Eures Gelichters — ihr Anathema über ihn ausgesprochen habe und die fanatischen Pfaffen des Unglaubens ihn gern auf die Folter gespannt, damit er seine Ketzerei bekenne, „so wolle er dies vor der Tortur thun und eben bekennen, daß er wie der verlorne Sohn zurückgekehrt sei. Auch wolle er dieses keinesweges vertuschen, wie es mancher aufgeklärte wohlmeinende Freund versucht habe.“

Sehet da! dieser Heine, einer Eurer früheren Lieblinge und Hauptleute, der nach Gottes

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lows: "Love your enemies, bless them that curse you, do good to them that hate you, and pray for them which despitefully use you, and persecute you; that ye may be the children of your Father which is in heaven."

It is in vain that you are bold enough with your mouth to call this conduct a shameful and slavish self-abasement, but your innermost conscience nevertheless testifies against your mouth, and you cannot get past acknowledging this moral beauty of true Christianity nevertheless in secret, and perceiving in it a superhuman divine power. —

So then, through the conversion of the heathen during 1800 years you are already, though against your will, urged and compelled in your reason and conscience to infer from a divine effect back to the divine power of the Holy Scriptures; and though here and there in the course of history, as for example in the missionary zeal of Charlemagne, in the fanaticism of the Spanish priests in Mexico and Peru, much that was human and fleshly may have been mingled in, yet the divine fact is thereby never done away, which is indeed everywhere attested also by an impartial history of the world, that the Gospel of Christ is the power of God unto salvation to every one that believeth, and wondrously transforms slaves of the devil into free children and heirs of God. —

But also within the outward compass of Christendom, within the Christian Church, the great deeds of the divine Word, and especially of the gracious Gospel, have not so been done in a corner that you should know nothing of them.

Or should you really have seen nothing of it, or heard from trustworthy people, how very many morally sunken and depraved men, gross transgressors of divine and human commandments, cursers, blasphemers, perjurers, murderers, robbers, thieves, deceivers, whoremongers, adulterers, gluttons, drunkards, liars, slanderers, on whom all human attempts at improvement proved utterly powerless, and whom human society, as the dregs and scum of all corruption, had already cast out from itself and morally outlawed and annihilated, yea, who in part had already been seized by the avenging arm of civil justice — how very many of these morally rotten and humanly incurable wretches, through the gentle and yet so mighty power of the Gospel of Christ, after they had first recognized and confessed their sinful misery with repentance by the Law of God, were thoroughly healed within, and as it were out of cruel tigers, ravening wolves, sly hyenas, unclean swine, lecherous goats, poisonous serpents, greedy hamsters and cunning foxes were wondrously transformed into lambs and doves?

And again, can you, in defiance of the trustworthy testimonies of history, deny the contrary, how very many noble and highly gifted princes, victorious generals, wise statesmen, renowned scholars and celebrated artists, deep thinkers and spirited poets, the shining stars of their century, the benefactors of mankind, the ornament of the world, have laid down all their crowns, fame, power, honor, wisdom and art at the feet of Him, overcome by the glory of His Word, whom you blaspheme as a crucified Jew?

But even this historical fact will hardly be so wholly hidden from you, how this and that noble spirit, wrestling for an essential truth satisfying heart and head at once, and for the knowledge of God, after he had sought and searched for it in vain among the profoundest thinkers of all times and peoples, found it at last in the Holy Scriptures, in which indeed, though not in the form of scientific thinking, are contained and revealed, to the sincere sense of truth, all the treasures of wisdom and of knowledge concerning God and man, nature and history, and, so far as knowing is appointed to man here below, all riddles and contradictions of the human heart and life are satisfactorily solved, which without the revealed Word of God lie dark and unsolved.

And should the highest triumph of the divine Word and of its mighty working, even in the realm of thinking and knowing, be so wholly strange and unknown to you, how the spirit of divine truth dwelling in it and pervading it has ever and again with irresistible power seized and convinced even such as actually set out to refute the Holy Scriptures and to cast down its divine authority? But indeed these enemies, vanquished by God's Word, were not fellows of your sort, who with premeditated wickedness of heart and will, with hatred and rebellion against God, with constant stifling of the natural voice of conscience, with a face of flint and a harlot's brow set yourselves against the Almighty, and, though powerless worms of the dust, whom He could crush with one footstep, yet imagine that you can hurl Him from His throne and make His Word of truth of none effect. No! in those sincere souls the doubt sat not in an evil heart and will, but only in the unenlightened understanding, and therefore the Gracious and All-wise condescended to their weakness and folly, and by the enlightenment of the Holy Ghost solved for them one seeming contradiction of the Scripture after another, so that they became inwardly more and more convinced of the unity and harmony of the Holy Scripture and certain of it as divine truth. But you, so long as you persist in your wickedness of heart and will against God, shall by His righteous judgment not recognize the truth, but find in His Word, wherein He hides Himself from you just as He reveals Himself to those, nothing but darkness, error, folly, nonsense and absurdity; for as one seeks God, so one finds Him, and with the froward He is froward.

Those glorious facts, however, concerning the mighty effects of the divine Word in the realms of life and knowledge, you cannot possibly deny, since in general and in particular they have the testimony of history on their side, without betraying plainly your evil will against the conviction of your understanding and conscience. —

But what will you finally answer to him who, after he had for a considerable time been one of your most revered heroes and idols, now, seized by the mighty hand of God and wholesomely humbled, speaks quite another language, and at the same time raises therein testimony and judgment over and against you? I mean, namely, the gifted German poet H. Heine in Paris, who for decades with you mocked the Lord and despised His Word, but glorified and deified man and his wisdom and fleshly lust.

O how he now recognizes, in the pains of sickness and under the wasting of the body, the powerlessness and nothingness of his former fancies and dreams, the folly of his wisdom, the bottomlessness and comfortlessness of his philosophy, the perversity of his heart and will!

How his conscience has awakened from its stupor, broken forth from suppression, and out of a silenced one become a loudly speaking witness!

Now he is not ashamed to confess "that he has returned to God, like the prodigal son, after he had long kept the swine with the Hegelians;" now he declares openly that he "cannot use the God of the Pantheists (deifiers of the world and deniers of the personal God), since he is a poor dreamy being, interwoven and grown together with the world, yea, as it were imprisoned in it, without will and powerless; for in order to have a will one must be a person, and besides, if one desires a God who is able to help, one must also assume His personality, His being beyond the world, and His holy attributes (qualities): the all-goodness, the wisdom, the all-righteousness, etc. Therefore he had also, with anxious zeal, committed to the flames such poems as contained only halfway 'allusions' against the dear God; for it is better that the verses burn than the versifex (the verse-maker)." Then he remarks, "that the God of the Pantheists is at bottom no God at all, and that Pantheists in general are really only bashful Atheists, who fear less the thing than the shadow which it casts on the wall, namely the name. And since there is now only a choice between the absolute God of the Bible and Atheism, he confesses that he has returned to the old superstition (as the enemies call the true faith), to a personal God; and although the high priesthood of Atheism — namely you and your kind — has pronounced its anathema upon him, and the fanatical priests of unbelief would gladly have stretched him on the rack, that he might confess his heresy, he would do this before the torture and confess it freely, that he has returned like the prodigal son. Nor would he in any way hush this up, as many an enlightened, well-meaning friend has tried to do."

Behold! this Heine, one of your former favorites and captains, who after God's