Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 25 › Seite 197
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-08-04, Seite 197
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von ihnen empfahen, denn sie verdammen uns als Ketzer, und rühmen sich die rechten Christen (zu sein), welches wir nicht dulden, willigen, noch leiden sollten, wir wollten denn Gottes Wort und uns selbst verdammen.
Nonna.
Unter den Frauen des christlichen Alterthums, die, obwohl bescheiden im häuslichen Kreise verbleibend, doch durch ihre Söhne weit hinauswirken durften auf das Ganze der Kirche, haben sich vornehmlich drei dem gesegneten Andenken der Christenwelt empfohlen: Anthusa, die Mutter des Johannes Chrysostomus, Monika, die Mutter des Augustinus, und diejenige, der wir diese Blätter widmen, Nonna, die Mutter des Gregorius von Nazianz. Durch diesen Sohn Gregorius, einen der vorzüglichsten griechischen Kirchenlehrer im vierten Jahrhundert, wegen eifriger und erfolgreicher Vertheidigung der Lehre von der Gottheit Christi mit dem Beinamen des „Theologen“ beehrt, ist auch der Name der Mutter in der Kirche berühmt geworden.
Das Land, in welchem sie, zuerst vielleicht auf einem Landsitze Arianzus, dann in der kleinen Stadt Nazianzus lebte, trug damals den Namen Kappadocien und bildete, dem inneren Kleinasien angehörig, einen Theil des ungeheuren Römerreiches. Die Kappadocier galten für tapfer, aber auch für treulos, tückisch und verwildert, und waren selbst in einem gangbaren Sprichwort übel berüchtigt. Gerade unter einem verwilderten Geschlecht jedoch erweckt sich der göttliche Geist oft um so kräftigere Werkzeuge, und unter verdorbenen Umgebungen bildet sich das christliche Leben um so reiner, fester und strenger heran. Dazu kam, daß das Christenthum damals in diesen Gegenden zwar weit verbreitet, aber noch nicht allgemein durchgedrungen war. Es galt also noch Kampf mit dem Heidenthum und einen strengen Gegensatz gegen alles Heidnische. Das alles sehen wir in dem Wesen der Nonna sich abspiegeln.
Nonna, aus einer angesehenen, längst christlichen Familie abstammend, war mit Sorgfalt im Christenthum erzogen worden. Ihr Gatte dagegen, welcher auch Gregorius hieß, gehörte einer nichtchristlichen Religionspartei an, deren Mitglieder den Namen Anbeter des Höchsten, Hypsistarier führten. Der eifrig christlichen Nonna war es ein tiefer Herzenswunsch, ihren Ehegenossen für das Christenthum zu gewinnen. Unter stetem Flehen zu Gott drang sie in ihn mit Bitten und Mahnungen; vor allem aber suchte sie ihm ihren Glauben durch thätige Frömmigkeit und liebevolle Hingebung zu empfehlen. Das letztere war ohne Zweifel das wirksamste. Daran können wir nicht zweifeln, wenn wir uns das Wesen der Nonna mit den Worten ihres Sohnes vergegenwärtigen: „Sie war eine Hausfrau nach dem Sinne Salomo's; in allen Dingen ihrem Gatten nach den Gesetzen der Ehe unterthan, schämte sie sich nicht, in wahrer Frömmigkeit seine Lehrerin und Führerin zu sein. Sie löste die schwere Aufgabe, eine höhere Bildung, vornehmlich in der Erkenntniß göttlicher Dinge, und strenge Uebung der Andacht mit pünktlicher Sorge für ihr Hauswesen zu vereinigen. War sie im Hause thätig, so schien sie von den Uebungen der Frömmigkeit nichts zu wissen; beschäftigte sie sich mit Gott und seiner Verehrung, so schien ihr jedes irdische Geschäft fremd zu sein: so war sie bei jedem ganz und ungetheilt. Erfahrungen hatten ihr unbegränztes Vertrauen auf die Wirkungen des glaubensvollen Gebetes eingeflößt. Sie war daher die fleißigste Beterin, und überwand durch das Gebet auch die tiefsten Empfindungen des Schmerzes über eigene und fremde Leiden. Sie hatte dadurch eine solche Gewalt über ihre Seele erlangt, daß sie bei allem Traurigen, was ihr begegnete, nie einen Klagelaut ausstieß, ehe sie Gott dafür gedankt hatte. Am wenigsten hielt sie es für geziemend, Thränen zu vergießen oder ein Trauerkleid anzulegen an den Tagen der christlichen Festfreude; so vollständig war sie durchdrungen von dem Gedanken: eine gottliebende Seele müsse alles Menschliche dem Göttlichen unterordnen. Wichtiger als die Uebungen der Andacht war ihr thätiger Gottesdienst: Unterstützung der Wittwen und Waisen, Besuchen der Armen und Kranken. Unerschöpflich war ihre Freigebigkeit, ja fast in Leidenschaft ausartend, so daß sie—auch dies sind die Worte ihres Sohnes—wohl zu sagen pflegte: sie könnte, wenn es anginge, sich selbst und ihre Kinder verkaufen, um das erlöste Geld den Armen zu geben. Ein tägliches Vorbild dieser Art konnte auf den Gatten nicht ohne Einfluß bleiben. Er fand sich zuletzt von seiner Gattin überwunden und ein Traum befestigte entweder seinen Entschluß oder brachte ihn zu voller Klarheit. Es war ihm, als ob er die Stelle Psalm 122, 1. sänge: „Ich freue mich deß, das mir geredet ist, daß wir werden in's Haus des Herrn gehen.“ Gregorius wurde im Beisein von Bischöfen, die gerade damals zur ersten großen Kirchenversammlung nach Nicäa reisten, (325) getauft; er verblieb nun auch nicht mehr lange im Laienstande, sondern ward Priester und bald nachher zum Bischof der in letzter Zeit vernachlässigten Gemeinde von Nazianz verordnet. Dieses Amt bekleidete er mit Kraft und Milde 45 Jahre lang bis zu einem fast hundertjährigen Alter. „Er war—um auch über ihn das Zeugniß seines Sohnes anzuführen—ein Mann von feurigem Geist und ruhigem Antlitz; sein Leben war voll Hoheit, sein Sinn voll Demuth; sein Wesen schlicht und recht, fromm ohne Scheinheiligkeit; seine Kleidung einfach, sein Umgang sanft und zuvorkommend; er theilte gern mit, aber die Freude des Gebens überließ er seiner Gattin.“
Nachdem in solcher Weise Nonna ihren Gatten für Christenthum und kirchliches Wirken gewonnen, war der feste Grund zu einem christlichen Familienleben gelegt. Die Eltern hatten drei Kinder, eine Tochter Gorgonia, zwei Söhne, Gregorius und Cäsartus. Sie waren unter sich sehr verschieden, namentlich die Brüder. Am nächsten stand wohl dem Herzen der Mutter der Sohn Gregorius, der nachmals berühmte Theologe, und auf ihn ging auch am meisten, man kann sagen schon mit der Muttermilch, ihr Geist über.
Nonna hatte sich einen Sohn gewünscht und denselben, wenn er ihr zu Theil werden sollte, schon vor der Geburt dem Dienste Gottes gelobt. Als sie wirklich eines Knaben genas, der nach dem Vater Gregorius genannt ward, eilte sie mit ihm zur Kirche und legte zum Zeichen der Weihe seine zarten Hände auf die heilige Schrift. Gregorius verglich nachher oft seine Mutter mit der Anna, die ihren Sohn Samuel auch schon vor der Geburt dem Dienste des Herrn geheiligt hatte. Natürlich erzog Nonna den ihr geschenkten Sohn ganz in dem Sinne ihres Gelübdes. Frühe gab sie ihm, nach dem Vorbild der ersten Weihe, die heilige Schrift auch zum Lesen und zur Beherzigung in die Hand und pflegte in ihm den ernsten, innerlichen, von der Welt abgezogenen Sinn, der einen Grundzug seines Wesens ausmachte.
Die Mutter Nonna überlebte alle die Ihrigen, mit Ausnahme ihres Sohnes Gregorius, der auch ihr die letzten Pflichten der Liebe und Verehrung erweisen konnte.
Zuerst starb ums Jahr 368 oder 369 Cäsarius. Als seine irdischen Reste zu den Gräbern der Märtyrer hingetragen wurden, folgte auch Nonna dem Zuge, nicht im Trauerkleide, sondern im weißen Gewande festlicher Freude. Sie erkannte die christliche Bedeutung des Todes als einer Geburt zum höheren Leben, und überwand ihre Trauer durch heilige Psalmgesänge.
Bald darauf folgte im Tode die Schwester Gorgonia. Auch sie war nach der Weise der Mutter eine wackere Hausfrau und fromme Christin gewesen. Nach dem Tode sich sehnend, hatte sie nicht nur ein Vorgefühl desselben, sondern auch eine Ahnung von Zeit seines Eintretens. Sie bereitete sich darauf vor, wie auf einen Festtag, versammelte Gatten, Kinder und alle die Ihrigen um ihr Lager und nahm von ihnen unter christlichen Gesprächen über ein besseres Leben Abschied. Es war eine heilige Feier, an der auch die alte Mutter Theil nahm. Schon schien die Sterbende nicht mehr zu athmen, da bewegten sich noch einmal ihre Lippen und hauchten mit dem Geiste die Worte des Lobliedes aus: „Ich liege und schlafe ganz mit Frieden.“
Nach langer und schwerer Krankheit, in welcher die Tröstungen des Evangeliums seine Stärkung waren, verschied, vermuthlich im Frühling 374 auch der Vater Gregorius. Ihm hat sein Sohn in einer Leichenrede ein dauerndes Denkmal gesetzt. In dieser Rede ruft der Sohn der einsamen Mutter folgende Worte zu: „Das Leben, meine Mutter, und der Tod, wie man das nennt, obgleich sie sehr verschieden zu sein scheinen, gehen doch in einander über und treten eines an des andern Stelle. Das Leben beginnt von Verderbniß, unserer allgemeinen Mutter, und geht durch Verderbniß hindurch, indem uns das Gegenwärtige immer entrissen
English translation AI translation
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received from them, for they condemn us as heretics, and boast of being the true Christians, which we ought not to tolerate, consent to, or suffer, unless we would condemn God's Word and ourselves.
Nonna.
Among the women of Christian antiquity who, though remaining modestly within the circle of the home, were yet permitted through their sons to exert a far-reaching influence upon the whole Church, three have especially commended themselves to the blessed remembrance of Christendom: Anthusa, the mother of John Chrysostom; Monica, the mother of Augustine; and she to whom we dedicate these pages, Nonna, the mother of Gregory of Nazianzus. Through this son Gregory, one of the most distinguished Greek teachers of the Church in the fourth century, honored with the surname "the Theologian" for his zealous and successful defense of the doctrine of the Godhead of Christ, the name of the mother also has become renowned in the Church.
The land in which she lived, first perhaps on a country estate, Arianzus, then in the small town of Nazianzus, bore at that time the name Cappadocia and, belonging to the interior of Asia Minor, formed a part of the vast Roman Empire. The Cappadocians were reputed brave, but also faithless, crafty, and savage, and were themselves ill-famed in a current proverb. Yet precisely among a savage race the divine Spirit often raises up the more powerful instruments, and amid corrupt surroundings the Christian life develops the purer, firmer, and stricter. To this it may be added that Christianity at that time was indeed widely spread in these regions, but had not yet penetrated everywhere. There was thus still a struggle with heathenism and a stern opposition to everything heathen. All this we see mirrored in the character of Nonna.
Nonna, descended from a respected family, Christian for a long time, had been carefully brought up in Christianity. Her husband, on the other hand, who was likewise named Gregory, belonged to a non-Christian religious party whose members bore the name Worshipers of the Most High, Hypsistarians. To the zealously Christian Nonna it was a deep wish of her heart to win her spouse for Christianity. With constant supplication to God she pressed him with entreaties and admonitions; but above all she sought to commend her faith to him by active piety and loving devotion. The latter was without doubt the most effectual. We cannot doubt this when we call to mind the character of Nonna in the words of her son: "She was a housewife after the mind of Solomon; in all things subject to her husband according to the laws of marriage, she was not ashamed, in true piety, to be his teacher and guide. She solved the hard problem of uniting a higher education, especially in the knowledge of divine things, and strict exercise of devotion, with punctual care for her household. When she was busy in the house, she seemed to know nothing of the exercises of piety; when she occupied herself with God and his worship, every earthly business seemed foreign to her: so entirely and undividedly was she present in each. Experiences had instilled in her an unbounded confidence in the effects of believing prayer. She was therefore the most diligent of those who pray, and through prayer overcame even the deepest feelings of grief over her own and others' sufferings. She had thereby gained such power over her soul that, in all sorrowful things that befell her, she never uttered a cry of lamentation before she had thanked God for it. Least of all did she think it fitting to shed tears or put on mourning garments on the days of Christian festal joy; so completely was she penetrated by the thought that a soul that loves God must subordinate everything human to the divine. More important to her than the exercises of devotion was active service of God: support of widows and orphans, visiting the poor and the sick. Inexhaustible was her liberality, even almost degenerating into passion, so that she was wont to say—these also are the words of her son—that she would, if it were possible, sell herself and her children, in order to give the money received to the poor." Such a daily example could not remain without influence upon the husband. He found himself at last overcome by his wife, and a dream either confirmed his resolution or brought it to full clearness. It seemed to him as if he were singing the passage Psalm 122:1: "I was glad when they said unto me, Let us go into the house of the Lord." Gregory was baptized in the presence of bishops who were just then journeying to the first great council at Nicaea (325); he did not remain long afterward in the lay estate, but became a priest and soon after was appointed bishop of the congregation of Nazianzus, which had lately been neglected. This office he filled with strength and gentleness for 45 years, to an age of almost a hundred years. "He was"—to cite concerning him also the testimony of his son—"a man of fiery spirit and calm countenance; his life was full of dignity, his mind full of humility; his character simple and upright, pious without hypocrisy; his dress plain, his intercourse gentle and courteous; he gladly imparted, but the joy of giving he left to his wife."
After Nonna had in such a manner won her husband for Christianity and churchly work, the firm foundation for a Christian family life was laid. The parents had three children, a daughter Gorgonia, two sons, Gregory and Caesarius. They were very different from one another, especially the brothers. Nearest to the mother's heart stood probably the son Gregory, the afterwards renowned theologian, and upon him her spirit passed over most of all, one may say with his mother's milk.
Nonna had wished for a son, and had vowed him, if he should fall to her lot, to the service of God even before his birth. When she was indeed delivered of a boy, who was named Gregory after his father, she hastened with him to the church and, as a sign of consecration, laid his tender hands upon the Holy Scriptures. Gregory afterward often compared his mother with Hannah, who likewise had devoted her son Samuel to the service of the Lord even before his birth. Naturally Nonna brought up the son given to her wholly in the spirit of her vow. Early she gave him, after the pattern of the first consecration, the Holy Scriptures also to read and to lay to heart, and cultivated in him the earnest, inward mind, withdrawn from the world, which formed a fundamental trait of his character.
The mother Nonna outlived all her family, with the exception of her son Gregory, who could render to her also the last duties of love and veneration.
First, about the year 368 or 369, died Caesarius. When his earthly remains were carried to the graves of the martyrs, Nonna also followed the procession, not in mourning dress, but in the white garment of festal joy. She recognized the Christian significance of death as a birth to a higher life, and overcame her grief by holy psalms.
Soon after, the sister Gorgonia followed in death. She too had been, after the manner of her mother, a worthy housewife and a pious Christian. Longing for death, she had not only a foretaste of it, but also a presentiment of the time of its coming. She prepared herself for it as for a feast day, gathered her husband, children, and all her kindred about her couch, and took leave of them in Christian conversation about a better life. It was a holy celebration, in which the aged mother also took part. The dying woman seemed already no longer to breathe, when once more her lips moved and breathed out with her spirit the words of the song of praise: "I will both lay me down in peace, and sleep."
After a long and severe illness, in which the consolations of the Gospel were his strength, the father Gregory also departed, probably in the spring of 374. His son set up to him in a funeral oration a lasting monument. In this oration the son calls out to his lonely mother the following words: "Life, my mother, and death, as men call it, although they seem to be very different, yet pass over into one another and take each other's place. Life begins from corruption, our common mother, and passes through corruption, in that the present is always snatched away from us