Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 25 › Seite 195
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-08-04, Seite 195
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sondern um recht mildthätig sein zu können; und wenn Gott unsere Arbeit und unser Geschäft segnet, so geschieht also auch das nicht darum, damit wir etwas haben, was wir unter Schloß und Riegel legen, sondern was wir zur Ehre Gottes und zu unseres Nächsten Nutzen verwenden können. Ich zweifle nicht, liebe Brüder, wenn ihr dies überlegt, so werdet ihr auch darin mit mir übereinstimmen: wenn ihr euch nur selbst überwinden und euer Herz von dem Sauerworbenen losreißen wollet, so könnt ihr auch helfen.
Und warum solltet ihr es endlich auch nicht thun wollen? Bedenket, wenn die kluge Welt ein Capital zusammengebracht hat, so ist sie meist nicht des Sinnes, ihre Silber- und Goldstücke im Kasten verrosten zu lassen, sondern sie ist darauf bedacht, das Capital so schnell und so sicher als möglich zu verleihen, um dasselbe in Sicherheit zu bringen und daraus Zinsen auf Zinsen zu ziehen. Giebt es nicht Tausende, besonders in unserem neuen Vaterlande, die es für etwas Unverzeihliches ansehn würden, wenn sie auch nur eine kleine Summe eine kurze Zeit todt bei sich liegen haben sollten? die, sobald sie ein rundes Sümmchen gesammelt haben, schon die Procente berechnen, welche ihnen dasselbe in einem Jahre gebracht haben müsse, und es daher kaum eine Nacht bei sich behalten mögen? Heißt das nicht klug handeln? Nun, ihr lieben Brüder, in diesem Punkte könnet ihr von den Weltkindern viel lernen. Denn (wie der HErr sagt): „Die Kinder dieser Welt sind klüger, denn die Kinder des Lichts, in ihrem Geschlecht.“ Luc. 16,8. Meine Meinung ist jedoch nicht etwa, daß ihr euer Geld auf Interessen geben und die Zinsen der Kirche schenken sollt! O, keineswegs, ihr Lieben; denn dann müßten ja die, welche euer Geld euch abborgen, damit Handel und Wandel treiben und das Geld euch erst verdienen, was ihr der Kirche geben wollt; dann hättet also eigentlich nicht ihr die Kirche beschenkt, sondern eure Debitoren. Nein in der heiligen Schrift steht: „Wer sich des Armen erbarmt, der leihet dem HErrn; der wird ihm wieder Gutes vergelten.“ Sprüchw. 19,17. Sehet da den rechten, gottseligen Wucher, den ihr treiben sollt. Gott nehmlich, den eigentlich niemand zu seinem Schuldner machen kann, weil wir Gott uns schon selbst ganz schuldig sind, ist doch so gütig, daß er, wenn jemand sein Geld und Gut aus Liebe zu seinem Nächsten opfert, sich für den Schuldner eines solchen mildthätigen Menschen ansehen, jede Gabe als ein ihm geliehenes Capital in sein Buch schreiben, Zinsen auf Zinsen berechnen und hier und dort reiche Interessen auszahlen will. Wie? ist das nicht ein guter Weg, sein Geld wohl anzulegen? Ist der nicht ein besserer, als den die Weltkinder einschlagen? Denn diese verlieren nicht nur oft, trotz aller Vorsicht, ihr verliehenes Capital sammt allen Zinsen; sondern im Tode, wenn sie nun darben, haben sie auch ihr Verleihen nicht zu genießen. Wer hingegen das Seine für Zwecke der Liebe verwendet, der hat einen Schuldner, bei dem sein Capital sicherer steht, als wenn es auf alle Hypotheken der Welt ausgethan wäre, und der nicht nur das Capital richtig wiedererstatten, sondern auch hier in der Zeit und dort in alle Ewigkeit so hohe Zinsen auszahlen wird, daß alle Weltkinder darob erschrecken (Weish. Sal. Cap. 5.), die Christen aber ewig jauchzen und frohlocken werden.
Wohlan denn, liebe Brüder, hier ist Gelegenheit, dem lieben Gott etwas zu leihen. Wer will es nun wagen auf den Schuldbrief hin, den Gott schon durch Sprüchw. Sal. 19, 17. ausgestellt hat, Gottes Gläubiger zu werden? Nur ihm, der auch allein die Herzen lenken und willig machen kann, sei die Sache befohlen. Er erwecke euch alle, euch auch diesmal als fröhliche Geber zu erweisen, so wird er es auch an sich nicht fehlen lassen und eure Gabe gewißlich segnen sowohl an der Anstalt, als an euch selbst, hier und dort. Amen.
Unser lieber Synodal-Cassirer, Herr F. W. Barthel allhier, wird die Güte haben, eingehende Beisteuern in Empfang zu nehmen und darüber öffentlich zu quittiren.
Wer ist ein Ketzer, und was ist eine Rotte oder Secte?
Es gibt in unseren Tagen und hiesigen Landes Lutheraner, welche mit dem Titel: Rotte, Secte, Rottirer, Ketzer, ꝛc., ziemlich freigebig umgehen, so daß es kein Wunder wäre, wenn Einfältige über den Begriff von diesen Dingen in die größte Verwirrung geriethen. Wir lassen daher zu heilsamen Unterrichte für manche unserer Leser über die genannten Ausdrücke einige Zeugnisse aus Schriften von namhaften Theologen unserer Kirche hier folgen.
J. Gerhard: „Daß jemand ein eigentlich sogenannter Ketzer (oder Rottirer) sei, dazu gehört:
1. Daß er eine Person sei, welche durch das Sacrament der Taufe in die sichtbare Kirche aufgenommen worden ist;
2. Daß er im Glauben irre, mag er nun den Irrthum erst selbst einführen, oder einen dergleichen von einem anderen angenommenen hegen; wiewohl jenes einem Erzketzer oder Ketzerhaupte, dieses aber einem Ketzer eigen zu sein scheint;
3. Daß der Irrthum geradezu (directe) an den Grund des Glaubens anstoße;
4. Daß mit dem Irrthum eine Bosheit und Hartnäckigkeit verbunden sei, vermöge welcher er, auch nachdem er mehrmals ermahnt wurde, nichtsdestoweniger seinen Irrthum halsstarrig vertheidigt;
5. Daß er Trennungen und Aergernisse in der Kirche erregt und die Einigkeit derselben zerreißt. (Loc. th. XXVI. §371.)
J. Gerhard: „Die griechischen Wörter, welche in unserer Bibel mit den deutschen Wörtern: „Rotte, Secte,“ und Ketzer übersetzt sind, kommen von einem griechischen Wort her, welches „auswählen, vorziehen,“ bedeutet; denn eine Ketzerei ist eine Privatmeinung, welche sich jemand vor dem christlichen und (wahrhaft) katholischen Glauben auswählt, hegt und hartnäckig vertheidigt. Welche aber eigentlich und sonderlich Ketzer zu nennen seien, dies bedarf einer genauen Untersuchung, daher Augustinus schreibt, es sei schwer zu definiren, wer ein Ketzer sei. Der Pabst und die päbstlichen Kirchenrechtslehrer stellen fest, daß derjenige ein Ketzer sei, welcher nicht allen und jeden Dekreten des Pabstes gehorche. So werden denn im päbstlichen Reiche für Ketzer gehalten, welche die Bibel in der Muttersprache lesen; welche am Freitag Fleisch essen, ꝛc. Joh. Aventinus berichtet, daß ein deutscher Bischof Virgilius mit Namen, ein in der Mathematik bewanderter Mann, vom Pabst Zacharias nach Rom citirt und als ein Ketzer verdammt worden sei, weil er dafür gehalten habe, daß es Antipoden (Gegenfüßler) gebe. — Einige begreifen unter dem Namen der Ketzer alle Widersacher der christlichen Religion und der himmlischen Wahrheit, mögen sie sich nun innerhalb oder außerhalb der Kirche befinden. Nun sind aber die Ketzer nicht außerhalb der Kirche zu suchen, sondern in der sichtbaren Kirche, in die sie durch das Einweihungssakrament aufgenommen worden sind. Vergl. 1. Cor. 11, 29. Matth. 13, 24. Apost. 20, 13. Einige nennen überhaupt denjenigen einen Ketzer, welcher nach wiederholter Mahnung zur Besserung nichtsdestoweniger Folge zu leisten sich weigert. Aber diese Bedeutung ist zu allgemein, weil auf diese Weise alle hartnäckig Widerspenstigen Ketzer und alle Städte und Häuser von Ketzern voll wären. In den Sitten ist, eigentlich zu reden, keine Ketzerei, sondern in der Lehre und im Bekenntniß, daher die Ketzer so beschrieben werden, daß sie Zertrennung und Aergerniß anrichten neben der Lehre. Röm. 16, 17. Indessen leugnen wir nicht, daß Fehler in den Sitten, als Ehrsucht, Neid, Stolz, Geiz, u. s. w. bei den Ketzern meistens mit dem Irrthum verbunden seien. Manche sehen alle Schismatiker (die eine Spaltung anrichten) für Ketzer an, aber wenn man genau und eigentlich reden will, so sind die Ketzer von den Schismatikern unterschieden. Welches aber jener Unterschied zwischen einem Ketzer und Schismatiker sei, legt Augustinus aus. „Ketzer,“ spricht er, „indem sie falsch von Gott glauben, verletzen den Glauben selbst; Schismatiker aber verlassen durch ungerechte Spaltungen die brüderliche Liebe, obgleich sie dasselbe glauben, was wir glauben.“ Es kann jedoch nicht geleugnet werden, daß zwischen einem Schisma, (einer Spaltung) besonders wenn es bereits eingewurzelt ist und einer Secte eine große Verwandschaft stattfindet; denn obgleich bisweilen nur eine Trennung entsteht, so greift sie doch schwerlich um sich und kommt, so zu sagen, zu Kräften ohne Ketzerei, und schwerlich wird jemand von der Lauterkeit des Glaubens abgehen, der nicht, wenn er Anhänger findet, eine Trennung von der Kirche, dieser Säule der Wahrheit, machen sollte. Einige erklären schlechthin diejenigen für Ketzer, welche in Betreff des christlichen Glaubens und der Schriftauslegung irren. Aber nicht alle, welche in Betreff des Glaubens und der Schrift-
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but in order to be able to be truly charitable; and when God blesses our labor and our business, then this also is done not for this reason, that we may have something to lock up under lock and key, but something which we can use to the honor of God and to our neighbor's profit. I do not doubt, dear brethren, that if you consider this, you will also agree with me in this: if you will only overcome yourselves and tear your heart away from what you have earned with sweat, you can help.
And why, finally, should you not be willing to do it? Consider, when the shrewd world has gathered together a capital, it is for the most part not of a mind to let its silver and gold pieces rust in the chest, but it is intent upon lending out the capital as quickly and as safely as possible, in order to bring it into security and to draw from it interest upon interest. Are there not thousands, especially in our new fatherland, who would regard it as something unpardonable if they should have even a small sum lying dead by them for a short time? who, as soon as they have collected a round little sum, already reckon the percentages which it must have brought them in a year, and therefore can hardly bear to keep it by them for a single night? Is that not acting shrewdly? Well, dear brethren, in this point you can learn much from the children of the world. For (as the Lord says): "The children of this world are in their generation wiser than the children of light." Luke 16:8. My meaning, however, is not that you should put out your money at interest and give the interest to the Church! Oh, by no means, dear ones; for then those who borrow your money from you would have to trade and traffic with it and first earn the money for you, which you wish to give to the Church; then it would not really be you who had made a gift to the Church, but your debtors. No, in Holy Scripture it is written: "He that hath pity upon the poor lendeth unto the LORD; and that which he hath given will he pay him again." Prov. 19:17. Behold there the right, godly usury which you are to practice. God, namely, whom no one can really make his debtor, since we are already wholly indebted to God for ourselves, is nevertheless so gracious that when anyone sacrifices his money and goods out of love to his neighbor, He regards Himself as the debtor of such a charitable man, writes every gift in His book as a capital lent to Him, reckons interest upon interest, and will pay out rich interest here and there. How? Is that not a good way to invest one's money well? Is it not a better one than that which the children of the world pursue? For these not only often lose, in spite of all caution, their loaned capital together with all the interest; but in death, when they must now go in want, they have no enjoyment of their lending either. But he who, on the other hand, applies what is his to works of love has a debtor with whom his capital stands more securely than if it were put out on all the mortgages of the world, and who will not only duly repay the capital, but also pay out here in time and there in all eternity such high interest that all the children of the world shall be terrified thereat (Wisd. of Sol., ch. 5), but Christians shall rejoice and exult forever.
Well then, dear brethren, here is an opportunity to lend something to the dear God. Who will now venture, upon the note of hand which God has already issued through Prov. of Sol. 19:17, to become God's creditor? To Him alone, who also alone can turn hearts and make them willing, be the matter committed. May He awaken you all to show yourselves this time also cheerful givers; then He will also not be lacking on His part, and will surely bless your gift, as well upon the institution as upon yourselves, here and there. Amen.
Our dear Synodical Treasurer, Mr. F. W. Barthel of this place, will have the kindness to receive incoming contributions and to acknowledge them publicly.
Who Is a Heretic, and What Is a Sect or Faction?
There are in our day and in this country Lutherans who deal quite liberally with such titles as: faction, sect, schismatic, heretic, etc., so that it would be no wonder if simple people fell into the greatest confusion over the meaning of these things. We therefore let follow here, for the wholesome instruction of some of our readers, a few testimonies concerning the said expressions from writings of renowned theologians of our Church.
J. Gerhard: "That anyone be a heretic (or factionist) properly so called, it is requisite:
1. That he be a person who has been received into the visible Church through the sacrament of Baptism;
2. That he err in faith, whether he himself first introduce the error, or cherish one of the kind accepted from another; although the former seems to be proper to an arch-heretic or head of heretics, the latter however to a heretic;
3. That the error strike directly (directe) at the foundation of the faith;
4. That with the error there be joined a malice and obstinacy, by virtue of which he, even after he has been admonished repeatedly, nevertheless stubbornly defends his error;
5. That he cause divisions and offenses in the Church and rend its unity. (Loc. th. XXVI. §371.)
J. Gerhard: "The Greek words which in our Bible are rendered by the German words: "Rotte, Secte," and Ketzer, come from a Greek word which means "to choose out, to prefer;" for a heresy is a private opinion which one chooses out for himself in preference to the Christian and (truly) catholic faith, cherishes and obstinately defends. But who in particular and in the strict sense are to be called heretics, this requires an exact investigation, whence Augustine writes that it is hard to define who a heretic is. The Pope and the papal canonists lay down that he is a heretic who does not obey all and every decree of the Pope. Thus in the papal realm those are held to be heretics who read the Bible in their mother tongue; who eat meat on Friday, etc. John Aventinus reports that a German bishop, Virgilius by name, a man versed in mathematics, was cited to Rome by Pope Zacharias and condemned as a heretic because he held that there are antipodes (those who stand on the opposite side of the earth). — Some comprehend under the name of heretics all adversaries of the Christian religion and of the heavenly truth, whether they be within or without the Church. But now the heretics are not to be sought outside the Church, but in the visible Church, into which they have been received through the sacrament of initiation. Compare 1 Cor. 11:29, Matt. 13:24, Acts 20:13. Some call by the name of heretic in general him who, after repeated admonition to amendment, nevertheless refuses to obey. But this meaning is too general, because in this way all obstinately refractory persons would be heretics, and all cities and houses would be full of heretics. In morals, properly speaking, there is no heresy, but in doctrine and in confession, wherefore heretics are so described that they cause division and offense contrary to the doctrine. Rom. 16:17. Yet we do not deny that faults in morals, such as ambition, envy, pride, avarice, etc., are for the most part joined with error in heretics. Some regard all schismatics (who cause a division) as heretics, but if one wishes to speak exactly and properly, the heretics are distinguished from the schismatics. But what that difference is between a heretic and a schismatic Augustine explains. "Heretics," says he, "in believing falsely concerning God, violate the faith itself; schismatics, however, forsake brotherly love through unrighteous divisions, although they believe the same that we believe." It cannot, however, be denied that between a schism, (a division) especially when it is already rooted, and a sect there is a great kinship; for although sometimes only a separation arises, it hardly spreads, and comes, so to speak, to strength, without heresy, and hardly will anyone depart from the purity of faith who would not, if he finds adherents, make a separation from the Church, this pillar of the truth. Some declare simply those to be heretics who err in respect of the Christian faith and of the interpretation of Scripture. But not all who in respect of the faith and the Scrip-