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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-08-31, Seite 1

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Der Lutheraner.

(Offenb. Joh. Cap. 14, v. 6. 7.)

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr."

Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.

Redigirt von C. F. W. Walther.

Jahrg. 9.  St. Louis, Mo., den 31. August 1852.  No. 1.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben voraus zubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. - In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft.

Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redakteur, alle anderen aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.

Vorwort des Redakteurs

zum neunten Jahrgang des „Lutheraner."

Mit dieser ersten Nummer eines neuen Jahrgangs überschreitet unser „Lutheraner" einen wichtigen Wendepunkt seiner Laufbahn. Der Kampf, den derselbe während der verflossenen acht Jahre gekämpft hat, war, wie die Leser wissen, hauptsächlich gegen diejenigen gerichtet, wel- entweder erklärte offene Gegner unserer evangelisch lutherischen Kirche und ihrer reinen heiligen Lehre sind, oder die es doch selbst bekannt haben, daß sie zwar der lutherischen Kirche angehören wollen, aber mit der Lehre und Praxis derselben nicht mehr übereinstimmen können. Mit kurzen Worten, der Hauptkampf des „Lutheraner" war bisher theils gegen die Secten, theils gegen die sogenannten Neulutheraner (sollte heißen: Pseudolutheraner) gerichtet. Mit Freuden dürfen wir auch wohl hierbei zur Ehre Gottes bekennen, daß dieser Kampf kein fruchtloser und ungesegneter gewesen ist, Es ist seit den letzten hinter uns liegenden acht Jahren in vieler Beziehung wirklich besser geworden, und laut vieler Zeugnisse, die gegen uns abgelegt worden sind, hat Gott hierzu auch unser geringes Zeugniß gebraucht und gesegnet. Nicht nur ist jedoch jener bisher von dem „Lutheraner" bereits geführte Kampf noch nicht ausgekämpft: ein neuer Gegner hat sich auch in der letzten Zeit in den Weg gestellt, den er von nun an wohl vor andern wird berücksichtigen müssen. Es ist dies eine Partei von eigenthümlicher Art. Dieselbe geht nehmlich zwar nicht weniger, als die sogenannten Neulutheraner, von dem Vorbild der Lehre unserer Kirche ab, gibt aber dabei vor, gerade am treuesten und strengsten die reine Lehre unserer Kirche festzuhalten, ja, die eigentliche Vertreterin der lutherischen Orthodoxie, wenn nicht in der ganzen Welt, doch hier in Amerika zu sein. Wir meinen die Partei Pastor Grabau's in Buffalo.

Daß es aber zwischen unserer Synode und dieser Partei zu einem Zusammenstoß gekommen ist, dies hat folgende Bewandniß. Im Jahre 1839 wanderten mehrere sächsische Pastoren, den bekannten Pastor Stephan an der Spitze, mit ohngefähr 800 Seelen hier ein, und zwar in den Staat Missouri. Diese Pastoren, zu denen auch der Schreiber dieses gehörte, standen in dem Wahne, die treuesten Söhne und Diener unserer evangelisch-lutherischen Kirche zu sein, aber sie waren nichts weniger, als dies. Durch Stephan irre geleitet, hegten sie vielmehr durchaus römische Begriffe von Kirche, von Predigtamt und Predigergewalt. Und diese Irrthümer hatten eben die Folge gehabt, daß nicht nur sie selbst ihre Aemter und Gemeinden in Deutschland verlassen, sondern daß sie auch so viele Seelen, die durch sie in Deutschland erweckt worden waren, verleitet hatten, mit ihnen auszuwandern, um hier die „wahre seligmachende Kirche" aufzubauen. Doch was geschah? Als wir sächsischen Prediger eben im Begriff waren, hier eine Kirche nach den falschen römischen Grundsätzen, welche wir damals von Kirche, Amt und Amtsgewalt hatten, einzurichten, wurde es offenbar, daß unser Lehrer und Führer ein Heuchler, ja, heimlich ein grober Sünder gewesen sei! Bei dieser Entdeckung wurde es bald offenbar, daß unser Glaube vielfach auf menschliche Autorität, und nicht allein auf Gottes Wort gegründet gewesen war. Wir fingen jetzt an, was wir bis jetzt für wahr und echt lutherisch gehalten hatten, einer strengen Prüfung zu unterwerfen, und siehe! mit Erstaunen und Bestürzung erkannten wir, daß wir bis jetzt die Bibel und die symbolischen Bücher unserer lutherischen Kirche durch eine gefärbte Brille gesehen und, insonderheit von Kirche, Amt und Amtsgewalt, anstatt biblisch-lutherisch, eigentlich römisch-papistisch geglaubt und gelehrt, unsere Gemeinden verführt, dieselben ihrer christlichen Freiheit, so viel an uns war, beraubt und endlich in das größte geistliche und leibliche Elend geführt hatten. Gott gab jedoch Gnade, daß sowohl wir Prediger, als unsere Gemeinden von Herzen Buße thaten, ihre Sünden und Verirrungen privatim und öffentlich bekannten, mit großem Ernste die Lehre unserer Kirche aus Gottes Wort, den Symbolen und den Schriften der alten rechtgläubigen Lehrer nun kennen zu lernen suchten und zu derselben von ganzem Herzen zurückkehrten.

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Der Lutheraner.

(Rev. John, Chap. 14, v. 6. 7.)

"God's Word and Luther's doctrine shall pass away neither now nor evermore."

Published by the German Ev. Luth. Synod of Missouri, Ohio and other States.

Edited by C. F. W. Walther.

Year 9.  St. Louis, Mo., August 31, 1852.  No. 1.

Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who are to pay the same in advance and bear the postage. - In St. Louis each single number is sold for 5 Cents.

Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the Editor; all others, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

Preface of the Editor

to the ninth year of the "Lutheraner."

With this first number of a new year our "Lutheraner" passes an important turning-point in its career. The conflict which it has fought during the past eight years was, as the readers know, directed chiefly against those who wel- either are avowed open opponents of our Evangelical Lutheran Church and of her pure, holy doctrine, or who have themselves at least confessed that they indeed wish to belong to the Lutheran Church, but can no longer agree with her doctrine and practice. In short, the main conflict of the "Lutheraner" has hitherto been directed partly against the sects, partly against the so-called New Lutherans (it ought to be called: Pseudo-Lutherans). We may also well confess here with joy, to the honor of God, that this conflict has not been a fruitless and unblessed one. In the last eight years behind us things have in many respects really become better, and according to many testimonies that have been given concerning us, God has also used and blessed our slight testimony to this end. Yet not only is the conflict already waged hitherto by the "Lutheraner" not yet fought out: a new adversary has also placed himself in its way in recent times, whom it will henceforth have to take into account before others. This is a party of a peculiar kind. For it departs, indeed, no less than the so-called New Lutherans, from the pattern of the doctrine of our Church, yet pretends at the same time to hold fast most faithfully and strictly the pure doctrine of our Church, indeed to be the true representative of Lutheran orthodoxy, if not in the whole world, yet here in America. We mean the party of Pastor Grabau in Buffalo.

How it came about, however, that a collision occurred between our Synod and this party, has the following explanation. In the year 1839 several Saxon pastors, with the well-known Pastor Stephan at their head, immigrated hither with about 800 souls, namely into the State of Missouri. These pastors, to whom the writer of this also belonged, were under the delusion that they were the most faithful sons and servants of our Evangelical Lutheran Church, but they were anything but this. Led astray by Stephan, they rather entertained thoroughly Romish notions of Church, of the ministry and of ministerial authority. And these errors had precisely the consequence that not only they themselves left their offices and congregations in Germany, but that they also misled so many souls who had been awakened in Germany through them to emigrate with them, in order to build up here the "true saving Church." But what happened? When we Saxon preachers were just on the point of setting up here a church according to the false Romish principles which we then held concerning Church, office and ministerial authority, it became manifest that our teacher and leader was a hypocrite, indeed secretly a gross sinner! Upon this discovery it soon became manifest that our faith had been founded in many respects upon human authority, and not upon God's Word alone. We now began to subject to a strict examination what we had hitherto held to be true and genuinely Lutheran, and behold! with astonishment and dismay we recognized that until now we had looked at the Bible and the symbolical books of our Lutheran Church through colored spectacles, and, especially concerning Church, office and ministerial authority, instead of in a biblical-Lutheran way, had actually believed and taught in a Romish-papistic way, had misled our congregations, had robbed them of their Christian liberty, so far as in us lay, and had finally led them into the greatest spiritual and bodily misery. God, however, gave grace that both we preachers and our congregations repented from the heart, confessed our sins and errors privately and publicly, and with great earnestness sought now to learn the doctrine of our Church from God's Word, the Symbols and the writings of the old orthodox teachers, and returned to it with our whole heart.