Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 1 › Seite 4

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-08-31, Seite 4

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um nur sein Leben zu retten, so stimmt das schlecht dazu, daß der Engel Weihnachten von ihm gesagt hat: „welcher ist Christus, der HErr, in der Stadt David's." Eben so wenig wird sein JEsusname dadurch verherrlicht, daß um seinetwillen „alle Kinder in Bethlehem und an ihren ganzen Grenzen, die da zweijährig und darunter waren" geschlachtet werden. Und da er am Ende wieder ganz in der Stille nach Nazareth getragen wird, und Er, der verheißene „Zweig aus der Wurzel Isai" (Jes. 11, 1.), der sehnlich erwartete Sohn David's, nicht einmal in dem Stamme bleiben darf, dem er nach seiner menschlichen Natur angehört, so scheint auch jede Spur von dem Wunderglanze verschwunden zu sein, der das Christkindlein trotz seiner Niedrigkeit umstrahlte. — Wir wissen aber, daß es daran gar nicht liegt, wie es uns vorkommt. Hätte Gott auf eine solche Weise seinen lieben Sohn in die Welt senden können, wie wir Menschen es wünschen möchten, und wie es seiner Herrlichkeit würdig wäre, so hätte es keiner Erlösung bedurft. Wäre die Welt danach, daß sie den Glanz der himmlischen Klarheit zu ertragen vermöchte, so läge sie eben nicht im Argen. Gottes Macht wäre freilich groß genug, sie zu zwingen, daß sie sein Reich dulden müßte, selbst wenn es ihre Nichtigkeit offenbarte. Das wäre aber keine willige Unterwerfung derer, die von der Welt ausgehen und sich zu Christo bekennen. Wie die Welt einmal ist, kann sie nicht bestehen, ohne sich als Gottes Feindinn zu erzeigen. Erst wenn sie, wie Sodom und Gomorrha, untergegangen sein wird, wird ihre Feindschaft aufhören das Reich Christi zu bedrohen. Die Zeit war aber damals noch nicht gekommen, als Gott erst sein eignes Blut daran wenden wollte, die Welt mit sich zu versöhnen, wie sie denn jetzt noch nicht gekommen ist. Daraus ergibt sich genugsam, daß sich vor dem Jesuskindlein die Mächte, die in dieser Welt herrschen, nicht neigen konnten, und es deshalb der Ehre ermangeln mußte, die ihm doch gebührte.

Das reicht hin, uns darüber zu beruhigen, wie es doch möglich war, daß Christus vor einem elenden Menschen, dem gottlosen Herodes, flüchtig ward, und auch nach seiner Bewahrung vor dessen Mordanschlägen in Nazareth, dem entlegenen Winkel von Israel, sich verborgen hielt.

Wir wollen nun unser Evangelium näher ansehen, so werden wir finden, daß wir uns nicht etwa nur über den Inhalt desselben zu verständigen haben, damit er unserem Glauben keinen Anstoß gebe, sondern daß er reich genug ist an Licht und Trost, um uns zur Verständigung über vieles zu gereichen, das uns sonst gar leicht ärgern, betrüben und entmuthigen möchte. Es lehrt uns nämlich:

Wie die Kirche, gleich dem HERRN, unbeschadet ihrer Herrlichkeit in dieser Welt herbergt.

I., Sie bleibt kaum vor ihr:

1., wegen der Verfolgung,

2., wegen der großen Bedürftigkeit,

3., wegen der noch größern Furchtsamkeit.

II., Sie herrscht dennoch in ihr:

1., durch der Engel Heer,

2., durch der Frommen Gehorsam,

3., durch Gottes Strafgerichte.

I.

1. Herodes will Jesum tödten. Sein Mordanschlag ist so wohl berechnet, daß er nur durch ein Wunder verhindert werden kann. Denn menschliche Macht darf dem Fürsten nicht wehren, auch dem gottlosen Herodes nicht. Könige haben ihren Richter droben. — Es ist das nicht der einzige Versuch, das Jesuskindlein umzubringen. Der Fürst dieser Welt, dessen Werkzeug Herodes nur war, den dieser Herodes als sein treuer Knecht nur vorstellt, da er ja selbst nichts weiter als ein ohnmächtiger Mensch ist, schnaubt bis an den jüngsten Tag mit viel größerer Mordgier gegen das Häuflein der gläubigen Kinder Gottes, als damals gegen das Jesuskindlein in Bethlehem. Und eben so wenig wie in dieser Verfolgung greift in den übrigen eine höhere Hand ein, sie abzuwenden. Die Welt hat in ihrer Bosheit freien Lauf. Wer hat ihr gewehrt, Stephanum zu steinigen und die Christengemeine zu Jerusalem wie eine verscheuchte Heerde Schaafe zu zerstreuen? Wer hat sie verhindert, den Apostel Jakobus mit dem Schwert zu enthaupten? Wer hat dem Blutvergießen Einhalt gethan, wovon der Erdkreis troff, als das römische Reich sich gegen den HERRN und Seinen Gesalbten erhob? Wer hat dem Wüthen der Irrlehrer gesteuert, dem Zorn des Antichrists in Rom und seinen Scheiterhaufen Schranken gesetzt? Wer hat dem entfesselten Fleisch empörter Völker, hochmüthiger Spötter, gottloser Schreiber und Schreier in den letzten Tagen untersagt, mit einem furchtbaren Schlachtgeheul Gott zu bedrohen? Wer hat den Teufel zurückgehalten, endlich aus den gesprengten Reihen der Christenvölker, mitten aus den Schaaren der Getauften ein Heer zu werben, das an schamloser Verhöhnung alles Heiligen, an frecher Verleugnung jeder Spur des Ebenbildes Gottes unter den wüthendsten Feinden der Christenheit in der alten Heidenwelt seines Gleichen nicht hat, das durch den Schrecken, den es in der Welt auf die mannichfaltigste Weise, hier mit der Faust, dort mit den Waffen fleischlicher Weisheit vor sich her verbreitet, das Jesuskind aus der Welt hinauszuscheuchen sich vermißt?

2. Daß Jesus fliehen muß, zeigt schon, wie er kaum vor den Mächten bleibt, die in dieser Welt herrschen. Nun geschieht aber seine Bewahrung so, daß er dadurch eine noch tiefere Erniedrigung erleidet. Denn einem armen Menschenkinde wird sie befohlen. „Stehe auf," spricht der Engel zu Joseph, Maria's vertrautem Manne, und nimm das Kindlein und seine Mutter zu Dir." Der allmächtige Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde, wird in die geringen Arme eines gemeinen Mannes gelegt, damit es gepflegt und erhalten werde. Von dessen Gehorsam gegen das Wort des Engels hangt es nun ab, ob der Sohn Gottes gerettet werde. Fürsten halten nicht darüber, keine Obrigkeit bedroht den Pfleger Jesu, falls dieser es unterlassen will, um deßwillen, der sein Kind nicht ist, Beschwerden und Gefahren zu übernehmen. Wen muß nicht auch dieß überzeugen, daß Jesus kaum vor der Welt bleibt? — Das ist aber nur ein Abbild der Erhaltung unserer Kirche bis an den jüngsten Tag. Während die Mächte dieser Welt sie bedrohen und von der Erde zu vertilgen trachten, kann sie doch des menschlichen Armes und soll sie dessen nicht entbehren. Sie bedarf solcher Pfleger, wie Joseph einer war, um nur auf dieser Welt zu bleiben. Der HErr empfängt für sich und seine Jünger von gottseligen Weibern Unterhalt, die sich seiner in seiner Armuth annahmen und dadurch ihren Dank für die Rettung ihrer Seelen bezeugten. Die neugewonnenen Glieder der Kirche legen ihre Habe zu den Füßen der Apostel nieder und reichen damit diesen den Schatz dar, aus welchem die Gemeine Gottes nehmen soll, was sie bedarf, damit die Apostel ihr das Wort predigen können und die Armen ihre Nothdurft empfangen, die, weil sie Christen geworden sind, von der Welt verlassen werden. In den verschiedensten Gemeinen sammeln die Apostel Almosen, damit in der Zeit großer Bedrängniß die Stammgemeine in Jerusalem nicht des leiblichen Hungers sterbe, weil sie den geistlichen stillte. So ist es fortgegangen: die das Evangelium predigen, müssen sich vom Evangelio nähren. Damit es gepredigt werden könne, müssen milde Gaben, als freiwillige Opfer der Liebe Christi, Pflanzstätten treuer Kirchendiener gründen und erhalten. Gott reicht nur in ganz besonders schweren Prüfungsstunden durch Engels Hand das geröstete Brot dem Elias dar. Im Allgemeinen weis't er dem Leibe seiner Gläubigen den Gebrauch der ordentlichen Mittel an, durch den auch die Ungläubigen erhalten werden. Und weil gerade diejenigen, durch deren Dienst das Bekenntniß des Glaubens erhalten und die Kirche fort und fort erbaut werden soll, wenn sie ihre Arbeit nicht unterlassen wollen, selbst keinen Zugang zu der einzigen Quelle der Nahrung und Nothdurft dieses Leibes und Lebens haben; so ist das Jesuskindlein den Armen dieses und jenes Joseph's befohlen, so daß sein Leben von dem freiwilligen Gehorsam derer abhangt, die mit dem Worte Gottes auch den Befehl desselben annehmen: „Nimm das Kindlein zu dir!" Es hat deswegen die Kirche nicht immer gleich kümmerliche Tage, wie ja der HErr Jesus von Reichen und Armen zu Gaste gebeten wurde. Während ihr zu Zeiten selbst die eigenen Kinder die Thür zu weisen scheinen, oder ihr doch zu verstehen geben, daß Jesus von Joseph's Gnade leben müsse, sind hin und wieder auch wohl die Fürsten der Erde ihre Säugammen, und legen Krone und Scepter, sammt dem Purpur königlicher Herrlichkeit auf ihren Altären nieder. Aber schon dieser Wechsel zeigt, wie kümmerlich auch in den herrlichsten Tagen, die

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merely to save His life, this agrees ill with what the angel said of Him at Christmas: "which is Christ the Lord, in the city of David." Just as little is His name of JESUS glorified by the fact that for His sake "all the children that were in Bethlehem, and in all the coasts thereof, from two years old and under" are slaughtered. And since at last He is carried back quite in secrecy to Nazareth, and He, the promised "Branch out of the root of Jesse" (Is. 11, 1.), the long-awaited Son of David, may not even remain in the tribe to which He belongs according to His human nature, every trace seems also to have vanished of the wondrous radiance which shone about the Christ-child in spite of His lowliness. — But we know that it does not at all depend upon how it appears to us. Could God have sent His dear Son into the world in such a manner as we men might wish, and as would be worthy of His glory, there would have been no need of redemption. Were the world such that it could bear the splendor of the heavenly brightness, it would not lie in wickedness. God's power would indeed be great enough to compel it to tolerate His kingdom, even though this exposed its nothingness. But that would be no willing submission of those who go out from the world and confess themselves to Christ. As the world once is, it cannot exist without showing itself an enemy of God. Not until it shall have perished, like Sodom and Gomorrah, will its enmity cease to threaten the kingdom of Christ. But the time had not yet come then, when God was first to spend His own blood to reconcile the world to Himself, as indeed it has not yet come now. From this it follows sufficiently that the powers which rule in this world could not bow before the Christ-child, and that He therefore had to lack the honor which was nevertheless His due.

This suffices to set us at rest as to how it was possible that Christ became a fugitive from a wretched man, the godless Herod, and also, after His preservation from his murderous designs, kept Himself hidden in Nazareth, that remote corner of Israel.

Let us now look more closely at our Gospel, and we shall find that we have not merely to come to an understanding concerning its contents, lest it give offense to our faith, but that it is rich enough in light and comfort to bring us to an understanding of much that might otherwise all too easily vex, sadden and discourage us. For it teaches us:

How the Church, like the LORD, without detriment to her glory, lodges in this world.

I., She scarcely remains before it:

1., on account of persecution,

2., on account of great want,

3., on account of still greater timidity.

II., She nevertheless rules in it:

1., through the host of angels,

2., through the obedience of the pious,

3., through God's judgments of punishment.

I.

1. Herod wants to kill Jesus. His murderous plot is so well calculated that it can be hindered only by a miracle. For human power may not withstand the prince, not even the godless Herod. Kings have their Judge above. — This is not the only attempt to destroy the Christ-child. The prince of this world, whose instrument Herod was only, whom this Herod only represents as his faithful servant, since he himself is nothing more than a powerless man, snorts until the last day with much greater bloodthirstiness against the little flock of the believing children of God than he did then against the Christ-child in Bethlehem. And just as little as in this persecution does a higher hand intervene in the others to avert them. The world has free course in its wickedness. Who restrained it from stoning Stephen and from scattering the Christian congregation at Jerusalem like a frightened flock of sheep? Who hindered it from beheading the Apostle James with the sword? Who put a stop to the shedding of blood with which the whole earth ran, when the Roman Empire rose against the LORD and His Anointed? Who checked the raging of the heretics, set bounds to the wrath of the Antichrist in Rome and his funeral piles? Who has forbidden the unchained flesh of rebellious nations, of haughty scoffers, of godless writers and shouters, in the last days, to threaten God with a fearful battle-howl? Who has held back the devil from finally recruiting, out of the shattered ranks of the Christian nations, out of the midst of the throngs of the baptized, an army which in shameless mockery of everything holy, in insolent denial of every trace of the image of God, has not its equal among the most furious enemies of Christendom in the old heathen world, which, by the terror which it spreads before it in the world in the most manifold manner, here with the fist, there with the weapons of fleshly wisdom, presumes to scare the Christ-child out of the world?

2. That Jesus must flee shows already how He scarcely remains before the powers that rule in this world. Now, however, His preservation takes place in such a way that He thereby suffers a still deeper humiliation. For it is committed to a poor child of man. "Arise," says the angel to Joseph, Mary's espoused husband, and take the young child and his mother unto thee." The almighty God, the Creator of heaven and earth, is laid in the lowly arms of a common man, that He may be cared for and preserved. Upon his obedience to the word of the angel it now depends whether the Son of God shall be saved. Princes do not enforce it, no authority threatens the guardian of Jesus, in case he should be minded to omit, for the sake of one who is not his child, to undertake hardships and dangers. Whom must not this also convince that Jesus scarcely remains before the world? — But this is only an image of the preservation of our Church until the last day. While the powers of this world threaten her and seek to exterminate her from the earth, she can nevertheless not, and shall not, dispense with the human arm. She needs such guardians as Joseph was, merely to remain in this world. The LORD receives for Himself and His disciples sustenance from godly women, who took care of Him in His poverty and thereby testified their thanks for the rescue of their souls. The newly gained members of the Church lay their possessions at the feet of the apostles and thereby hand to them the treasure out of which the congregation of God shall take what it needs, that the apostles may preach the Word to it, and the poor receive their necessities, who, because they have become Christians, are forsaken by the world. In the most various congregations the apostles gather alms, that in the time of great tribulation the mother congregation at Jerusalem might not die of bodily hunger, because it had stilled the spiritual. So it has gone on: those who preach the Gospel must live by the Gospel. That it may be preached, charitable gifts, as free-will offerings of the love of Christ, must found and maintain nurseries of faithful ministers of the Church. God, only in quite especially severe hours of trial, reaches by the hand of an angel the baked bread to Elijah. In general He directs the body of His believers to the use of the ordinary means, by which the unbelievers also are sustained. And since precisely those through whose service the confession of the faith is to be maintained and the Church built up on and on, if they will not neglect their work, have themselves no access to the only source of the nourishment and necessities of this body and life; therefore the Christ-child is committed to the poor of this and that Joseph, so that His life depends upon the free-will obedience of those who with the Word of God accept also the command of the same: "Take the young child unto thee!" The Church therefore does not always have equally distressed days, just as the LORD Jesus was invited as a guest by rich and poor. While at times even her own children seem to show her the door, or at least give her to understand that Jesus must live by Joseph's favor, now and then even the princes of the earth are her nursing-mothers, and lay down crown and scepter, together with the purple of royal glory, upon her altars. But even this change shows how distressed, even in the most glorious days, the