Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 5 › Seite 34
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-10-26, Seite 34
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erlangen kann, so lange Gott über ihn als einen Verächter und Lästerer der Wahrheit zürnt? Aber nein, daran denkt er nicht, sein liebevoll unirtes Seelsorger-Herz sieht nur auf den leidenden Nächsten, liebt diesen mehr als Gott, sorgt für diesen zuerst, wenn Florencourt nur zum Frieden kommt; die Wahrheit, Gottes Wort, Gottes Ehre mag gekränkt, verachtet bleiben, das hat ihm nicht viel zu bedeuten, — und lieber sollten doch zehntausend Florencourts auf einem Haufen in die Hölle fahren, ehe Gott gelästert, und in seinem Wort zum Lügner gemacht würde. —
Auch wir haben ein Herz für eine so arme, durch den traurigen Zustand der unirten Kirche verwirrte und verirrte Seele, aber ein solches hengstenbergisches Gebet wagen wir nicht vor den HErrn zu bringen, weil wir vorher wissen, daß es Ihm mißfällig ist, und daß Er es nicht erhören will; denn Er hat uns gelehrt, daß Niemand in's Himmelreich, zum Frieden kommen soll, er habe denn zuvor Buße gethan. Daher hoffen auch wir, daß der barmherzige Heiland diesem unglücklichen Manne nahe treten möge, aber zuerst, um den Blitz Seines Gesetzes in dessen verfinsterte Seele leuchten zu lassen, daß er den Gräuel seiner Sünde erkenne, daß er erschrecke, daß er verachtet hat den Sohn Gottes, den und den allein zu hören ihm von Gott dem Vater befohlen ist, daß er erkenne, daß wer dem Sohne Gottes widerspricht, der Teufel ist, und wenn es selbst der heiligste Pabst in Rom wäre, daß er erkennt, daß er elende Menschensatzungen Gottes Willen gleich, ja übersetzt hat und so in die große und schwere Sünde gefallen ist, Gottes Ehre schmählich verletzt, und Gottes Kinder gräulich geärgert zu haben. Und dann möge ihm der barmherzige Heiland ferner Kraft geben, daß er seine Sünde auch bekenne, sich vor dem öffentlich Blamirtwerden nicht schäme, Spott und Schande nicht fürchte, und so das gegebene Aergerniß wieder tilge. Und endlich möge er, durch Gottes erbarmende Gnade zur Erkenntniß der Wahrheit und Lüge gelangt, um Gottes willen nicht Beides, Wahrheit und Lüge, mit einander uniren, um Gottes willen nicht den gottlosen Rath dieses Hengstenberg befolgen, nämlich ein elender Heuchler werden, der die Wahrheit liebt, aber die Lüge nicht haßt, der die Wahrheit bekennt, aber die Lüge nicht verwirft, der Christo nachfolgt, aber Belial nicht verläßt, der sich „an das Christliche, das ihm seine jetzige Kirche in Uebereinstimmung mit der verlassenen darbietet, anschließt,“ aber sich von dem großen, gräulichen Reste des noch übriggebliebenen Unchristlichen nicht abschließt, der hinkt auf beiden Seiten, der nicht warm und nicht kalt ist, den der HErr ausspukt aus seinem Munde. — Was mag Hengstenberg nur von einem Luther denken, der auch gern „mit getröstetem Herzen nach Jerusalem gepilgert wäre,“ aber sich nicht nur anschloß an das Christliche in der katholischen Kirche, sondern unerbittlich, als ein unbestechlicher, edler Kämpfer Gottes alles Unchristliche in derselben öffentlich aufdeckte, abwies und niederkämpfte, und sich und die Seinen von der katholischen Kirche losriß und aus der „babylonischen Gefangenschaft“ befreite. Muß Luther nicht für Hengstenberg ein ungenügsamer, ungeduldiger Schismatiker sein? Welches Urtheil aber Luther über einen Hengstenberg hat, einen Lehrer. der zu den Irrthümern stille schweigt, und will gleichwohl ein rechter Lehrer sein, das können wir aus Luther's eigenen Worten hören: (Gespräch mit Dr. Georg Major. XIV, 1477.) „Wer seine Lehre, Glauben und Bekenntniß für wahr, recht und gewiß hält, der kann mit Anderen, so falsche Lehre führen, oder derselben zugethan sind, nicht in einem Stalle stehen, noch immerdar gute Worte dem Teufel und seinen Schuppen geben. Ein Lehrer, der zu den Irrthümern stille schweigt, und will gleichwohl ein rechter Lehrer sein, der ist ärger, denn ein öffentlicher Schwärmer, und thut mit seiner Heuchelei größern Schaden, denn ein Ketzer, und ist ihm nicht zu vertrauen; er ist ein Wolf und ein Fuchs, ein Miethling und ein Bauchdiener u. s. w. und darf Lehre, Wort, Glauben, Sacrament, Kirchen und Schulen verachten und übergeben; er liegt entweder mit den Feinden heimlich unter einer Decke, oder ist ein Zweifler und Windfaher, und will sehen, wo es hinaus wolle, ob Christus oder der Teufel obsiegen werde, oder ist ganz und gar bei sich selbst ungewiß, und nicht würdig, daß er ein Schüler, will geschweigen ein Lehrer heißen solle, und will Niemand erzürnen, noch Christo sein Wort reden, noch dem Teufel und der Welt wehe thun.“ —
Die römisch-katholische Kirche ist eine Mörderin, eine falsche Prophetin, natürlich nicht das aus der römisch-katholischen Kirche noch möglicherweise zu extrahirende Christliche, denn das ist eben die römisch-katholische Kirche nicht, sondern die wirkliche römisch-katholische Kirche, wie sich dieselbe in ihren Bekenntnissen darlegt, dieser Tropfen Wahrheit in einem Lügenocean, diese, nicht durch wenig, sondern durch viel Sauerteig ganz durchsäuerte Masse, — diese römisch-katholische Kirche ist eine Mörderin, eine falsche Prophetin. Der Sohn Gottes sagt nun: „sehet euch vor vor den falschen Propheten!“ und der Apostel: „weichet von denselbigen!“ „gehet aus von ihnen, und sondert euch ab!,“ und unsere Bekenntnißschriften, Schmalk. Art. Anhang: „Alle Christen sollen sich auf das fleißigste hüten, daß sie solche gottlose Lehre, Gotteslästerung und unbillige Wütherei sich nicht theilhaftig machen, sondern sollen vom Pabst und seinen Gliedern oder Anhang, als von des Antichrist's Reich, weichen und es verfluchen, wie Christus befohlen hat: hütet euch vor den falschen Propheten. Und Paulus gebeut, daß man falsche Prediger meiden und als einen Gräuel verfluchen soll.“ Aber dieser unirte Dr. der Theologie versteht es besser, greift, wie Luther sich ausdrückt, dem HErrn Christus in's Maul, sagt: mit nichten sehet euch vor vor den falschen Propheten, sondern bleibet bei ihnen und höret sie, das schadet Nichts, wenn ihr nur die Vorsicht anwendet und nicht eben die ganze durchsäuerte Masse überschluckt, sondern vorher erst ein wenig experimentirt, den Sauerteig aus der durchsäuerten Masse ausscheidet, und dieses Präparat zu euch nehmet. Gott sagt: „weichet, gehet aus, sondert euch ab!“ Aber Hengstenberg, der große Hengstenberg in Berlin: weichet nicht, gehet nicht aus, sondert euch nicht ab! O der gottesfürchtigen, frommen, unirten Theologen und Scheidekünstler unserer Zeit! —
Also Florencourt soll sich „an das Christliche, das ihm seine jetzige Kirche in Uebereinstimmung mit der verlassenen darbietet, anschließen.“ Ein schöner praktischer Rath das! Wie, um Alles in der Welt, denkt sich das der deutsche Professor, wie soll der arme, arme Florencourt das anfangen? Wenn er z. B., um nur die nächstliegenden Fälle zu berühren, in die Kirche geht, soll er sich da mit dem herrlichen Weihwasser besprengen oder nicht? Welches wäre da das übereinstimmende Christliche, an das er sich anzuschließen hätte? Und wenn nun die Messe angeht, dieser schändliche Götzendienst, was soll der Mann da machen? Augen und Ohren mit den Händen abwechselnd verstopfen und wieder öffnen, je nachdem Wahrheit oder Lüge, Götzendienst oder Gottesdienst kommt, oder soll er Alles wie ein gentleman ruhig an sich vorübergehen lassen und derweil ein stilles pater noster beten, oder soll er lieber, um diesen Uebelständen auszuweichen, gar nicht in den Gottesdienst gehen, ein Heiliger auf eigene Faust werden? Aber er könnte doch, zufällig über die Straße gehend, einem vorüberziehenden Frohnleichnamspopanz begegnen, der Unglückliche! wie soll er sich nun verhalten? Aufrechtstehen, oder niederknieen, oder am besten Beides uniren und gebückt stehen? — Nein, nein, dieser milde, gutgemeinte Rath ist ein herzlich schlechter, einem verführten, verirrten Manne so etwas anzuhoffen, ist in der That liebelos und unbarmherzig! Es bleibt dabei, ist die Gottes-Liebe nicht ächt, so taugt die Nächsten-Liebe gar nichts. — So geht es mit der Union, wie mit allen fixen Ideen, die weder auf einem Befehl noch einer Verheißung Gottes ruhen, und doch die Kirche Gottes bauen wollen, sie sind ebenso gegen Gott, wie gegen den Nächsten, und dienen dem Satan! —
Solche Aeußerungen eines Hengstenberg, eines Hauptes und Führers der Union, führen uns zu einigen Bemerkungen über das jetzige „Stadium“ der Union überhaupt. Wie alle Zeiterscheinungen ihre Zeit haben, so auch die Union, diese aber hat ihre Zeit gehabt; denn wenn auch die Vornehmen und Weisen derselben noch so Glänzendes und Weitumfassendes hoffen und weissagen, es ist doch nun einmal ganz offenbar und unleugbar, daß die einzelnen Kirchenströme jetzt nicht mehr, wie noch vor wenigen Jahren, in das überaus enge und beengende Bett der Union einfließen, sondern sich aus demselben herausdrängen. Man hat sich darum auch genöthigt gesehen, das Flußbett zu erweitern, und nennt es nun nicht mehr Uni-
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obtain, so long as God is angry with him as a despiser and blasphemer of the truth? But no, he does not think of that; his lovingly Unionist pastor's heart looks only to the suffering neighbor, loves him more than God, cares for him first, if only Florencourt comes to peace; the truth, God's Word, God's honor may remain injured and despised, that does not matter much to him, — and rather ten thousand Florencourts should go to hell all in a heap, than that God should be blasphemed and made a liar in His Word. —
We also have a heart for a soul so poor, bewildered and led astray by the sad condition of the Unionist church, but such a Hengstenbergian prayer we dare not bring before the LORD, because we know beforehand that it is displeasing to Him, and that He will not hear it; for He has taught us that no one shall come into the kingdom of heaven, to peace, unless he have first done repentance. Therefore we also hope that the merciful Savior may draw near to this unhappy man, but first, in order to let the lightning of His Law shine into his darkened soul, that he may recognize the abomination of his sin, that he may be terrified that he has despised the Son of God, whom alone to hear has been commanded him by God the Father, that he may recognize that whoever contradicts the Son of God is the devil, even if it were the most holy Pope in Rome, that he may recognize that he has put wretched human ordinances on a level with God's will, yes, above it, and so has fallen into the great and grievous sin of having shamefully injured God's honor and grievously offended God's children. And then may the merciful Savior further give him strength to confess his sin also, not to be ashamed of being publicly exposed, not to fear scorn and disgrace, and so to remove again the offense given. And finally, having attained by God's compassionate grace to the knowledge of truth and falsehood, may he, for God's sake, not unite both, truth and falsehood, with one another, for God's sake not follow this ungodly counsel of Hengstenberg, namely to become a wretched hypocrite, who loves the truth, but does not hate the lie, who confesses the truth, but does not reject the lie, who follows Christ, but does not forsake Belial, who "attaches himself to that which is Christian, which his present church offers him in agreement with the one he has forsaken," but does not cut himself off from the great, abominable remainder of the still remaining un-Christian, who halts between two sides, who is neither cold nor hot, whom the LORD spews out of His mouth. — What must Hengstenberg think of a Luther, who also would gladly have "made his pilgrimage to Jerusalem with comforted heart," but not only attached himself to that which is Christian in the Catholic Church, but unrelentingly, as an incorruptible, noble champion of God, publicly uncovered, repudiated and fought down everything un-Christian in it, and tore himself and his own from the Catholic Church and delivered them from the "Babylonian captivity." Must not Luther be, to Hengstenberg, an insatiable, impatient schismatic? But what judgment Luther has upon a Hengstenberg, a teacher who keeps silent about errors, and yet wants to be a true teacher, we can hear from Luther's own words: (Conversation with Dr. Georg Major. XIV, 1477.) "He who holds his doctrine, faith and confession to be true, right and certain, cannot stand in one stable with others who teach false doctrine, or are devoted to it, nor give good words ever and always to the devil and his hangers-on. A teacher who keeps silent about the errors, and yet wants to be a true teacher, is worse than an open fanatic, and does greater harm with his hypocrisy than a heretic, and is not to be trusted; he is a wolf and a fox, a hireling and a belly-servant, etc., and dares to despise and abandon doctrine, Word, faith, sacrament, churches and schools; he either lies secretly under one cover with the enemies, or is a doubter and weathercock, and wants to see which way it will turn out, whether Christ or the devil will prevail, or is wholly and altogether uncertain in himself, and not worthy to be called a pupil, to say nothing of a teacher, and wants to anger no one, nor to speak for Christ His Word, nor to do woe to the devil and the world." —
The Roman Catholic Church is a murderess, a false prophetess, not, of course, the Christian element that may possibly be extracted from the Roman Catholic Church, for that is precisely not the Roman Catholic Church, but the actual Roman Catholic Church, as it sets itself forth in its confessions, this drop of truth in an ocean of lies, this mass leavened throughout, not by little, but by much leaven, — this Roman Catholic Church is a murderess, a false prophetess. The Son of God says: "Beware of false prophets!" and the Apostle: "Depart from them!" "Come out from among them, and be ye separate," and our Confessions, Smalcald Articles, Appendix: "All Christians shall take heed most diligently not to become partakers of such ungodly doctrine, blasphemy and unjust fury, but shall depart from the Pope and his members or adherents, as from the kingdom of Antichrist, and curse it, as Christ has commanded: Beware of false prophets. And Paul commands that false preachers be shunned and cursed as an abomination." But this Unionist Dr. of Theology knows better, puts, as Luther expresses it, his hand into the mouth of the LORD Christ, says: By no means beware of false prophets, but remain with them and hear them, it does no harm, if only you use caution and do not swallow the whole leavened mass, but first experiment a little, separate the leaven from the leavened mass, and take this preparation to yourselves. God says: "Depart, come out, be ye separate!" But Hengstenberg, the great Hengstenberg in Berlin: depart not, come not out, be not separate! O the godfearing, pious, Unionist theologians and chemists of separation of our time! —
So Florencourt is to "attach himself to that which is Christian, which his present church offers him in agreement with the one he has forsaken." A fine practical counsel, that! How, in all the world, does the German professor imagine it, how is poor, poor Florencourt to set about it? If he, for example, to touch only the nearest cases, goes into the church, shall he sprinkle himself there with the glorious holy water or not? Which would be the agreeing Christian element there, to which he would have to attach himself? And when now the mass begins, this shameful idolatry, what is the man to do there? Alternately stop his eyes and ears with his hands and open them again, according as truth or lie, idolatry or divine service comes, or shall he let everything pass by him quietly like a gentleman and meanwhile pray a silent pater noster, or shall he rather, to avoid these inconveniences, not go to church at all, and become a saint on his own account? But he might yet, going along the street by chance, meet a passing Corpus Christi spectacle, the unhappy man! how is he now to behave? Stand upright, or kneel down, or best of all unite both and stand bowed? — No, no, this mild, well-meant counsel is a heartily bad one; to hope such a thing of a misled, bewildered man is, in fact, unloving and unmerciful! It remains so: if the love of God is not genuine, the love of one's neighbor is worth nothing at all. — So it goes with the Union, as with all fixed ideas that rest neither on a command nor a promise of God, and yet want to build the Church of God; they are as much against God as against the neighbor, and serve Satan! —
Such utterances of a Hengstenberg, of a head and leader of the Union, lead us to a few remarks on the present "stage" of the Union in general. As all phenomena of the times have their time, so also the Union, but this has had its time; for even if the distinguished and wise men of it hope and prophesy ever so brilliant and far-reaching things, it is nevertheless now quite manifest and undeniable that the individual church streams now no longer, as still a few years ago, flow into the exceedingly narrow and confining bed of the Union, but press themselves out of it. For this reason also they have found themselves obliged to widen the river bed, and now no longer call it Uni-