Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 5 › Seite 35

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-10-26, Seite 35

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on, sondern Conföderation. Man hat das Widerwärtige, das von Gott Getrennte nicht vereinen, uniren können, trotz aller wissenschaftlichen und polizeilichen Anstrengungen ist der babylonische Thurmbau natürlich wieder einmal nicht gelungen. Nun soll das Widerwärtige, Lüge und Wahrheit, wenigstens anständig neben einander hergehen, die Feindschaft, die Gott selbst zwischen den Weibes- und Schlangen-Samen gesetzt hat, will man nicht, man prätendirt zwar, gegen den Teufel allen Ernstes ankämpfen zu wollen, aber seine gefährlichste Burg, die falsche Lehre, läßt man ihm; wer z. B. gegen die falsche Lehre der Reformirten, Herrnhuter ꝛc. kämpfen will, kann kein Glied der Conföderation sein. Wir verkennen nicht, daß die Conföderation ein Werk der Liebe und des Eifers für's Reich Gottes sein will, aber der Eifer ist ohne Verstand und die Liebe ohne Glauben. Die höllischen Mächte des Unglaubens unserer Zeit haben „die Gläubigen“ in Angst und Furcht versetzt, diese nun, um dem Antichrist zu begegnen und den HErrn Christus zu vertheidigen, sammeln ein großes Heer aller „HErr, HErr“ Sager; durch die Menge wollen sie siegen, durch die Menge der Zersplitterung vorbeugen, durch die Menge eine große, schöne, imponirende Kirche darstellen. Das ist nun freilich ganz der Vernunft gemäß, es ist menschlich klug, aber durchaus gegen den Glauben, der Glaube sieht nie auf die Menge, nie auf Fleisch; sondern nur auf die Wahrheit, scheint die nur unverhüllt, rein, klar, voll, so fürchtet er nichts, gar nichts, die Lügennebel sollen schon weichen und wenn sie auch wie Meere über die Lande wogten.

In der Union war verhältnißmäßig eine gesündere Erkenntniß und ein entschiedenerer Wille, als in der Conföderation, in der erstern erkannte man doch noch die Wahrheit, daß das Wort Gottes nur einen Glauben kennt und haben will „Ein HErr, Ein Glaube, Eine Taufe u. s. w.,“ und daß die Kirche, die Gemeinschaft der Gläubigen, auch nur auf einem Glauben erbaut werden könne, darum suchte man aus zwei verschiedenen sich widersprechenden Glauben Einen zu machen, so irrig und verkehrt dieses nun auch war, so ruhete dieser irrende Wille doch auf einer besseren Erkenntniß. In der Conföderation ist alles kraftloser, kränker, trauriger, mit der Erkenntniß der Nothwendigkeit Eines Glaubens, als der Einen Seele des Leibes Christi, ist auch der Wille, diesen Einen Glauben zu erstreben, hingestorben. Man will weder Eine Kirche, noch Einen Glauben, sondern ein ganz neues Ding, einen Bund von vielen Kirchen und vielen Glauben, und das soll es in unserer Zeit thun, damit will man den Unglauben bezwingen. Ein Bund von vielen Glauben ist aber an sich schon ein Unsinn, ein Glaube kann sich mit einem andern nicht verbinden, entweder er ist schon eins mit ihm, dann ist der Bund unnütz, oder er ist verschieden von ihm, dann ist der Bund wieder unnütz, denn was hilft er, macht er die verschiedenen Glauben zu Einem? Mit nichten, denn dann hörte der Bund auf Bund zu sein. Und darin bestand eben das unauflösliche Kunststück der Union. Man wird einwenden: wir Conföderirten wollen auch keine Union, keinen innern Bund von verschiedenen Glauben, sondern nur ein äußeres Bündniß der verschiedenen Gläubigen. Aber hier tritt nun eben die ganze Schwäche der Conföderation zu Tage. Denn obwohl es eine reine Spiegelfechterei, eine leere Redensart ist, daß man die Gläubigen, aber nicht die Glauben mit einander verbinden will, da die Gläubigen ohne Glauben eben keine Gläubigen mehr sind; so will man doch eben diese leere Redensart, dieses Nichts zur Wirklichkeit machen, indem man an jeden Konföderirten die Forderung stellt, daß er „ein Gläubiger“ sei, der wohl einen Glauben hat, aber nicht gewiß ist, ob sein Glaube auch ein Glaube, das ist der rechte ist, ein Gläubiger, der andern Glauben neben sich als gleichberechtigt gelten läßt, der mithin das Unerhörte glaubt, daß die Wahrheit wahr sei, und zugleich, daß die Lüge auch wahr sei. Nun ist aber der „eine“ Glaube, den die heilige Schrift kennt, ein solches albernes Ding nicht, dieser Glaube ist eine feste, unerschütterliche Ueberzeugung, daß die Wahrheit Wahrheit und die Lüge Lüge sei, dieser Glaube kommt von Gott und ist darum auch eifrig. wie Gott ein eifriger Gott ist, und will, darf und kann keine andern Glauben, wie Gott keinen andern Gott, neben sich haben. Die Conföderation verlangt daher auch von ihren Gliedern, wenn sie nur aufrichtig und wahr sein wollte, keinen Glauben, sondern nur fromme Meinungen, und da hat denn auch die Forderung des „neben einander gelten Lassens“ seine Berechtigung, denn es ist allerdings die Sache eines anständigen gentleman, andere, fremde Meinungen neben seiner eigenen Meinung dulden zu können. Daß man aber der Ansicht ist, durch Meinungen den jetzigen Unglauben überwinden zu können, ist ein Zeichen, wie sehr sich die Unionskrankheit in dem Stadium der Conföderation gesteigert hat, und nun wohl gar bald in ihr letztes Stadium, in das der Consumption oder Auszehrung, eintreten wird, wo dann die Union, nachdem sich die gesunden Glieder, die wieder von der Meinung zum Glauben gekommen sind, ausgesondert haben, endlich des Todes verstirbt.

Zu diesem endlichen Ziel wird auch das Umsichgreifen des Katholicismus das Seinige beitragen, denn dem läßt sich nicht wehren mit allgemeinen menschlichen Liebeswerken, wie der Gustav-Adolphs-Verein, oder die innere Mission, sondern allein mit dem Worte Gottes, der Lehre, dem Glauben. Und wird auf den „Kirchentagen“ erst einmal die Frage über die Stellung der Conföderation zum Katholicismus erörtert, die sich wohl schwerlich lange wird abweisen lassen; dann wird es sich zeigen, ob der Bund hält, ob alle Glieder Lust haben, mit Rom, der babylonischen Hure, herumzubuhlen wie Hengstenberg. —

Die Haltungslosigkeit der Unionsmänner dem Katholicismus gegenüber ist schon jetzt sehr auffallend und merkwürdig. Ein Theil derselben hat zu viel menschliche Neigung für, der andere zu viel menschlichen Haß gegen denselben, der eine übersieht das Teuflische im Katholicismus, der andere die noch übrig bleibenden christlichen Stücke in ihm, der eine geht fanatisch in seiner Unionsverblendung zu weit vor, der andere fanatisch zu weit zurück. Hengstenberg und seine Meinungsgenossen liebäugeln arg mit Rom, und die Unionshelden von der Generalsynode mit sammt den Colporteuren der amerikanischen Traktatgesellschaft von der andern Seite gehen so weit, daß sie selbst Gesangbücher, in denen Lieder auf den Tag der Heimsuchung Mariä stehen, nur mit heimlichen Schauder ansehen können, und Kossuth zujauchzen, weil sie hoffen, daß der noch einmal der katholischen Kirche mit Pulver und Blei zu Leibe gehen wird. Bei so bewandten Umständen wird der hochgepriesene Unionsfriede wohl bald sein Ende erreicht haben.

B.

(Eingesandt.)

Werthester Herr B.

Sie haben mir abermals etwas Neues, aber eben nicht viel Gutes zukommen lassen, nämlich ein Blättlein der katholischen Kirchenzeitung mit einem dreimal angestrichenen Aufsatz über die Pietisten, worin abermals gegen den armen Luther und die armen Lutheraner gewaltig losgezogen wird. Wenn ich Sie nun nicht besser kennte, so müßte ich vermuthen, daß Sie mich noch ganz katholisch machen wollten, da Sie mir von Zeit zu Zeit solche Sächelchen zuschicken; allein Sie kennen mich auch, daß ich schon ziemlich katholisch bin, freilich nicht römisch-, sondern christ-katholisch, d. h. nach der einigen hl. christlichen Kirchenlehre, die unsere lutherische Lehre ist, und in diesem Sinne trachte ich alle Tage immer katholischer zu werden. Doch frug mich wirklich vor kurzem Jemand, der gehört hatte, ich wäre früher Jesuit gewesen, ob dem also sei; ich wies ihn zu den Jesuiten, die würden ihm darüber am besten Auskunft geben.

Doch zur Sache! Sie wünschen zu wissen, was es doch eigentlich mit den Stellen aus Luther's Schriften für eine Bewandtniß habe, die in dem erwähnten Aufsatz angeführt werden. So will ich denn Ihren Wunsch erfüllen und zwar zunächst in Bezug auf drei Stellen.

Die erste ist eine Stelle aus der Hauspostille (2. Predigt am 1. Advent), die also lauten soll: „Es wird die Welt aus dieser Lehre nur je länger, je ärger. Jetzt sind die Leute mit sieben Teufflen besessen, da sie zuvor mit einem Teuffel besessen waren. Der Teuffel fährt jetzt mit Hauffen in die Leuth, daß sie nun unter dem hellen Licht des Evangelii sind geitziger, listiger, vortheilhafftiger, unbarmherziger, unzüchtiger, frecher und ärger denn zuvor unter dem Pabstthum.“ Da wird nun jeder denken: Der Mann, der sich so genau an die alte Schreibweise der Worte gehalten hat, der wird noch weit genauer mit den Worten selbst verfahren sein. Aber dem ist nicht also.

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on, but Confederation. They have not been able to unite, to unionize, that which is repugnant, that which is separated by God; in spite of all scientific and police exertions the building of the tower of Babel has naturally once more not succeeded. Now that which is repugnant, lie and truth, shall at least go decently side by side; the enmity which God Himself has set between the seed of the woman and the seed of the serpent they will not have; they pretend, indeed, to wish to fight against the devil in all earnestness, but his most dangerous stronghold, false doctrine, they leave to him; whoever, for example, wishes to fight against the false doctrine of the Reformed, the Moravians, etc., can be no member of the Confederation. We do not fail to recognize that the Confederation wishes to be a work of love and of zeal for the kingdom of God, but the zeal is without understanding and the love without faith. The infernal powers of unbelief of our time have put "the believers" in anxiety and fear; these now, in order to meet the Antichrist and to defend the LORD Christ, gather a great host of all who say "LORD, LORD"; by the multitude they wish to conquer, by the multitude to prevent division, by the multitude to present a great, beautiful, imposing church. That is now, to be sure, quite in accord with reason, it is humanly shrewd, but altogether against faith; faith never looks to the multitude, never to flesh; but only to the truth, and if that but shine unveiled, pure, clear, full, then it fears nothing, nothing at all; the mists of lies must surely yield, even if they rolled like seas over the lands.

In the Union there was comparatively a sounder knowledge and a more decided will than in the Confederation; in the former they still recognized the truth that the Word of God knows and wants only one faith, "One LORD, one faith, one baptism, etc.," and that the Church, the communion of believers, can also be built only upon one faith; therefore they sought to make one out of two different, mutually contradictory faiths; however erroneous and perverse this was, yet this erring will rested upon a better knowledge. In the Confederation everything is more powerless, sicker, sadder; with the knowledge of the necessity of One faith, as of the One soul of the body of Christ, the will also to strive after this One faith has died away. They want neither One Church nor One faith, but an altogether new thing, a covenant of many churches and many faiths, and this is to do it in our time; with this they wish to overcome unbelief. A covenant of many faiths is, however, in itself already a nonsense; one faith cannot unite with another: either it is already one with it, then the covenant is useless, or it is different from it, then the covenant is again useless, for what does it help, does it make the different faiths into One? By no means, for then the covenant would cease to be a covenant. And therein consisted precisely the insoluble trick of the Union. It will be objected: we Confederates also want no Union, no inner covenant of different faiths, but only an outward alliance of the different believers. But here now the whole weakness of the Confederation comes to light. For although it is a mere sham-fight, an empty phrase, to say that one wishes to unite the believers, but not the faiths, with one another, since believers without faith are precisely no believers any more; yet they wish to make precisely this empty phrase, this nothing, a reality, by making of every Confederate the demand that he be "a believer," who indeed has a faith, but is not certain whether his faith is also a faith, that is, the right one, a believer who lets other faiths count beside his own as equally entitled, who therefore believes the unheard-of thing, that the truth is true, and at the same time that the lie is also true. Now the "one" faith which Holy Scripture knows is not such a silly thing; this faith is a firm, unshakable conviction that the truth is truth and the lie is lie; this faith comes from God and is therefore also zealous, as God is a jealous God, and will, may and can have no other faiths, as God no other God, beside itself. The Confederation therefore also demands of its members, if it wished only to be sincere and truthful, no faith, but only pious opinions, and there the demand of "letting stand side by side" has indeed its justification, for it is certainly the part of a decent gentleman to be able to tolerate other, foreign opinions beside his own opinion. But that men are of the view that they can overcome the present unbelief by opinions is a sign how greatly the Union sickness has increased in the stage of the Confederation, and will now probably very soon enter its last stage, that of consumption or wasting away, when then the Union, after the sound members, who have come again from opinion to faith, have separated themselves, will at last die of death.

To this final goal the spreading of Catholicism also will contribute its share, for it cannot be withstood by general human works of love, such as the Gustavus-Adolphus-Society, or the Inner Mission, but only by the Word of God, by doctrine, by faith. And when once the question of the position of the Confederation toward Catholicism is discussed at the "Kirchentage," which will hardly be able to be put off for long, then it will be shown whether the covenant holds, whether all members have a mind to go whoring with Rome, the Babylonian harlot, like Hengstenberg. —

The want of steadiness of the Unionist men toward Catholicism is already now very striking and remarkable. One part of them has too much human inclination for it, the other too much human hatred against it; the one overlooks the devilish in Catholicism, the other the remaining Christian pieces in it; the one goes fanatically too far forward in his Unionist blindness, the other fanatically too far back. Hengstenberg and his like-minded men flirt badly with Rome, and the Union heroes of the General Synod, together with the colporteurs of the American Tract Society, on the other side, go so far that they can look only with secret shuddering even at hymn-books in which hymns for the day of the Visitation of Mary stand, and cheer Kossuth because they hope that he will yet once go at the Catholic Church with powder and lead. In such circumstances the highly praised Union peace will probably soon have reached its end.

B.

(Communicated.)

Most esteemed Mr. B.

You have again sent me something new, but just not much good, namely a little sheet of the Catholic Kirchenzeitung with an article on the Pietists marked three times, in which again there is a violent attack upon poor Luther and the poor Lutherans. If I did not know you better, I should have to suppose that you wished to make me quite Catholic, since you send me such trifles from time to time; but you know me also, that I am already pretty Catholic, to be sure not Roman, but Christ-Catholic, that is, according to the one holy Christian doctrine of the Church, which is our Lutheran doctrine, and in this sense I strive every day to become ever more Catholic. Yet recently some one actually asked me, who had heard that I had formerly been a Jesuit, whether it was so; I referred him to the Jesuits, who would give him information about it best.

But to the matter! You wish to know what is really the case with the passages from Luther's writings which are cited in the article mentioned. So I will fulfil your wish, and indeed first in reference to three passages.

The first is a passage from the Hauspostille (2nd sermon on the 1st Sunday in Advent), which is supposed to read thus: "The world becomes only worse and worse from this doctrine. Now the people are possessed with seven devils, whereas before they were possessed with one devil. The devil now enters into the people in heaps, so that they now, under the bright light of the Gospel, are more covetous, more crafty, more greedy of gain, more unmerciful, more unchaste, more insolent and worse than before under the Papacy." Now everyone will think: the man who has kept so exactly to the old spelling of the words will have dealt still more exactly with the words themselves. But it is not so.