Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 15 › Seite 89

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-03-15, Seite 89

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Der Lutheraner.
(Offenb. Joh. Cap. 14, v. 6, 7.)
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 9.  St. Louis, Mo., den 15. März 1853.  No. 15.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft.
Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redakteur, alle anderen aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.

Auszügliche tabellarische Übersicht
einiger offenbarer Irrthümer Pastor Grabau's, mit den eigenen Worten desselben vorgelegt und mit der falschen römischen, sowie mit der reinen lutherischen Lehre verglichen.

Lehren Pastor Grabau's.
II.
Von der Kirche.

14. „Die Gemeine hat die Schlüssel nicht unmittelbar,“ sondern mittelbar im Worte Gottes und im heiligen Predigtamt.“ (Inform. II, 23.) „Wenn nun gesagt wird, daß diese sonderbare Kirchengewalt seiner Kirche auf Erden von Christo gegeben sei, so ist nichts anderes gesagt, als daß sie im Evangelio eingesetzt und in der Kirche durch ordentliche Mittel aus Kraft des Evangelii aufgerichtet sei in der Gestalt des Bischofsamts oder Predigtamts.“ (Ib. I, 85. 86.)

15. „In diesem Hause Gottes nun gehen die Schlüssel Christi vermittelst des Evangelii und Predigtamts, nicht daß sie da (aus diesem Hause) ihren Ursprung hätten, sondern daß da die geordnete geistliche Stätte ist, da sie ihre Kraft zum Trost und Heil der Seelen erzeigen und im Gebrauche stehen. Und in diesem Verstande sagen die schmalkaldischen Artikel, daß die Schlüssel der ganzen Kirche gegeben seien, nicht daß jedes Kirchglied eine Quelle der Kirchengewalt sei, sondern daß die ganze Kirche JEsu auf Erden die Stätte ist, da die Schlüssel Christi gehen, stehen, wohnen und haften . . sie heißen eine Kraft u. Gewalt der Kirche, weil sie anderswa

Lehre der römischen Kirche.
II.
Von der Kirche.

14. Auf den Beweis aus Matth. 18, 18., daß die Kirche die Schlüssel unmittelbar empfangen habe, antwortet der Cardinal Bellarmin: „Der Kirche werde die Gewalt zu lösen und zu binden verheißen, aber diejenige, welche in den Kirchenprälaten geschieht, nicht in der übrigen Menge. Denn es werde in Wahrheit gesagt, daß die Kirche löse und binde, weil die Prälaten derselben lösen und binden, wie von dem Menschen gesagt werde, er rede und sehe, obgleich er nur vermittelst der Zunge rede und vermittelst der Augen sehe.“ (Siehe: Gerh. loc. de min. §. 87.)

15. „Der Cardinal Bellarmin schreibt: „Petrus habe die Schlüssel in Person der Kirche empfangen, weil er sie zum Nutzen u. Gebrauch der ganzen Kirche empfing und weil er dieselben nicht allein gebrauchen, sondern an seine Nachfolger überliefern und anderen Bischöfen und Presbytern mittheilen sollte.“ (Siehe Gerhard's loc. de min. §. 87.) Gerhard antwortet dem Bellarmin hierauf: „Daß Petrus die Schlüssel zum Nutzen und Gebrauch der Kirche empfangen habe und mit anderen Bischöfen und Presbytern gemeinschaftlich besitze, gestehen wir zu, aber wir leugnen, daß dies ausschließend zu verstehen sei, als ob die Schlüssel Petro und den Bischöfen allein gegeben sein, nicht aber der ganzen Kirche. Denn wie Petrus Christum in Person der Kirche bekannt hat, nicht allein in

Lehre der lutherischen Kirche, welche Pastor Grabau die missourische nennt.
II.
Von der Kirche.

14. „Gleichwie die Verheißung des Evangelii gewiß und ohne Mittel der ganzen Kirchen zugehöret, also gehören die Schlüssel ohne Mittel (unmittelbar) der ganzen Kirchen.“ (Schmalkaldische Artikel. Anhang von der Gewalt und Oberkeit des Pabstes S. 345.) Nach dem lateinischen Exemplar heißt es: „Christus, von den Schlüsseln redend, sagt Matth. 18.: Wo zwei oder drei eins werden auf Erden ꝛc. Er spricht daher die Schlüssel der Kirche ursprünglich und unmittelbar zu.“

15. „Auf die Frage: „Wem sind die Schlüssel des Himmels übertragen?“, antwortet Johann Gerhard: „Wie ungerecht der römische Pabst gegen die Kirche sei, ist schon allein daraus jedermann offenbar, daß er diese vorzügliche Würde allein für sich und seine Bischöfe wegen ich weiß nicht was für eines in der Ordination ihnen eingedrückten Charakters nicht ohne Kirchenraub an sich gerissen und alle Uebrigen, welche sie Laien nennen, höchst verächtlich, als ob sie Säue wären, davon ausgeschlossen hat, welche wider die Geistlichkeit in dieser Sache auch nicht zu mucken wagen dürften, geschweige, daß ihnen (den Laien), sich über dieselbe (Geistlichkeit) ein Urtheil herauszunehmen, erlaubt sein sollte. Indem wir dem Stolze Dieser (Papisten) unsere Meinung mit Dr. Luther, dem seligen Chemnitz und anderen rechtgläubigen Theologen entgegen setzen, setzen wir fest, daß dieses Privilegium von Christo der ganzen Kirche, seiner geliebtesten Braut, welche die Austheilerin der himmlischen Güter ist Ps. 68, 13, gewährt worden sei, als welcher schon vorher Matth. 18, 18. von dieser Sache die reichste Verheißung geschehen ist. Ja selbst aus dieser Stelle (Joh. 20, 23.), was auch der Gegenpart dagegen schwatzen mag, wird nicht undeutlich geschlossen, daß diese Gewalt allen denjenigen gehöre, welche mit dem heiligen Geiste gesalbt sind. Da nun aber alle wahre Christen den heil. Geist

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Der Lutheraner.
(Revelation of John, Chap. 14, vv. 6, 7.)
"God's Word and Luther's doctrine pass away now and nevermore."
Published by the German Ev. Lutheran Synod of Missouri, Ohio and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 9.  St. Louis, Mo., the 15th of March 1853.  No. 15.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at the yearly subscription price of One Dollar for subscribers living at a distance, who are to pay the same in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 Cents.
Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the Editor; all others, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

Abridged Tabular Survey
of several manifest errors of Pastor Grabau, laid before the reader in his own words and compared with the false Romish as well as with the pure Lutheran doctrine.

Doctrines of Pastor Grabau.
II.
Of the Church.

14. "The congregation does not have the keys immediately," but mediately in the Word of God and in the holy ministry of preaching." (Inform. II, 23.) "When it is now said that this peculiar church power was given by Christ to His Church on earth, then nothing else is said than that it is instituted in the Gospel and set up in the Church through orderly means by the power of the Gospel, in the form of the office of bishop or ministry of preaching." (Ib. I, 85. 86.)

15. "In this house of God the keys of Christ now go by means of the Gospel and ministry of preaching, not that they have their origin there (from this house), but that there is the appointed spiritual place where they show their power for the comfort and salvation of souls and are in use. And in this sense the Smalcald Articles say that the keys have been given to the whole Church, not that every church member is a source of church power, but that the whole Church of JESUS on earth is the place where the keys of Christ go, stand, dwell and abide . . they are called a power and authority of the Church, because they elsewhere

Doctrine of the Romish Church.
II.
Of the Church.

14. To the proof from Matt. 18, 18., that the Church has received the keys immediately, Cardinal Bellarmine answers: "The power to loose and to bind is promised to the Church, but that which is exercised in the prelates of the Church, not in the remaining multitude. For it is said in truth that the Church looses and binds, because its prelates loose and bind, just as it is said of a man that he speaks and sees, although he speaks only by means of the tongue and sees by means of the eyes." (See: Gerh. loc. de min. §. 87.)

15. "Cardinal Bellarmine writes: 'Peter received the keys in the person of the Church, because he received them for the benefit and use of the whole Church, and because he was not to use them alone, but to hand them on to his successors and to impart them to other bishops and presbyters.'" (See Gerhard's loc. de min. §. 87.) Gerhard answers Bellarmine thereupon: "That Peter received the keys for the benefit and use of the Church and possesses them in common with other bishops and presbyters, we grant, but we deny that this is to be understood exclusively, as though the keys were given to Peter and the bishops alone, but not to the whole Church. For as Peter confessed Christ in the person of the Church, not only in

Doctrine of the Lutheran Church,
which Pastor Grabau calls the Missourian.
II.
Of the Church.

14. "As the promise of the Gospel belongs certainly and without means to the whole Church, so the keys belong without means (immediately) to the whole Church." (Smalcald Articles. Appendix, Of the Power and Jurisdiction of the Pope, p. 345.) According to the Latin copy it reads: "Christ, speaking of the keys, says Matt. 18.: Where two or three are agreed on earth, etc. He therefore ascribes the keys to the Church originally and immediately."

15. "To the question: 'To whom are the keys of heaven committed?' John Gerhard answers: 'How unjust the Roman Pope is toward the Church is already evident to everyone from this alone, that he has not without robbery of the Church snatched this excellent dignity wholly to himself and his bishops, on account of I know not what character impressed upon them in ordination, and has excluded from it all the rest, whom they call laymen, most contemptuously, as if they were swine, who dare not so much as mutter against the clergy in this matter, to say nothing of its being permitted them (the laymen) to take upon themselves to pass a judgment upon the same (the clergy). In setting our opinion, with Dr. Luther, the blessed Chemnitz and other orthodox theologians, against the pride of these (Papists), we establish that this privilege was granted by Christ to the whole Church, His most beloved Bride, who is the distributress of the heavenly goods, Ps. 68, 13, to whom already before, Matt. 18, 18., the richest promise concerning this matter had been made. Yea, even from this passage (John 20, 23.), whatever the adversary may prate against it, it is not obscurely concluded that this power belongs to all those who are anointed with the Holy Ghost. Since now all true Christians have the Holy Ghost