Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 15 › Seite 92
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-03-15, Seite 92
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aber, daß sie nicht wiederkehren und auf die Erde zurückkommen können. Jedoch ist auch das aus folgenden Stellen der heiligen Schrift klar:
2. Sam. 12, 23. spricht David von seinem verstorbenen Sohne: „Kann ich ihn auch wiederholen? Ich werde wohl zu ihm fahren, er kommt aber nicht wieder zu mir.“
In diesen Worten läge ein schlechter Trost, wenn sie nichts weiter sagen sollten, als: „ich werde neben meinem Sohne begraben werden.“ Da würde David sehr eitele Worte führen. Alle Trostkraft liegt in der Hoffnung, daß David mit seinem Sohne der Seele nach wieder vereinigt werden wird. — Muß man nun „zu ihm fahren“ von der Seele David's mindestens ebensowohl verstehen, als von der Vereinigung der Leichname im königl. Begräbniß; so muß auch das Wort: „er kommt nicht wieder zu mir“ um so mehr von der Seele verstanden werden, als ja der Leichnam des Kindes noch bei David war. Ist aber das, so beweist die Stelle, daß die Seelen der Verstorbenen nicht auf die Erde zurückkommen.
Dazu nimmt man die Stelle Hiob 7, 9. 10. „Eine Wolke vergeht und fährt dahin. Also wer in die Hölle hinunterfährt, kommt nicht wieder herauf und kommt nicht wieder in sein Haus und sein Ort kennt ihn nicht mehr.“ Von einem leiblichen Hinunterfahren in die Hölle redet Hiob nicht; die Seelen fahren allein und ohne Leib hinab. Der Leib könnte wohl wieder in sein Haus kommen, ja in seinem Hause bleiben; nur von der Seele behält die Stelle ihre volle Wahrheit — und beweist kräftig, daß die Seelen nicht wiederkommen.
Diese zwei Stellen, 2. Sam. 12, 23. und Hiob 7, 9. 10. bezeugen deutlich und klar, daß die Seelen der Abgeschiedenen nicht zurückkehren, sie seien nun gut oder böse. Außer guten und bösen kennt aber die heilige Schrift keine. Vom ersten bis zum letzten Blatt der Bibel ist kein Gotteswort zu finden, daß es eine dritte Menschenklasse hier oder dort gebe. Ueberall ist nur von zweien, von Guten und Bösen die Rede. Wenn deßhalb böse und gute Seelen im Tode an ihren ewigen Ort gehen, weder böse noch gute zurückkehren; so kehren gar keine zurück — und die Erscheinungen, welche sich zeigen, können nicht von abgeschiedenen Seelen herrühren.
(Schluß folgt.)
Was wir gerne haben, da muß uns keine Fährlichkeit hindern; wo man aber Gott gehorsam sein soll, da hindert uns eine Fliege jenseit dem Rhein. (Luther XIX, 1712.)
Philosophie.
Göttliche Dinge aus der Philosophie erkennen wollen, ist, das glühende Eisen nicht mit der Zange, sondern mit Fingern angreifen. (Chrysostomus.)
(Für den „Lutheraner.“)
Neue Leipziger Bibel nebst den Apocryphen.
Revidirt von Dr. Hopf.
Diese Bibel hilft einem Mangel in der lutherischen Kirche ab, der zwar von den Meisten wenig oder gar nicht beachtet wird, der aber immer gefährlicher zu werden droht. Es weichen nämlich die verschiedenen Ausgaben der in Deutschland, England und Amerika gedruckten Bibeln an unzähligen Stellen so weit von einander ab, daß, wenn kein Einhalt geschieht, man in zehn Jahren nicht mehr wissen wird, welches eigentlich die ächte unverfälschte Uebersetzung Dr. Luther's ist.
Als die letzte Originalausgabe nimmt man bekanntlich die vom J. 1545 an, die er zum großen Theile noch selbst durchgesehen hat. Allein schon die im folgenden Jahre nach Luther's Tode erschienene Ausgabe wich von der ersteren an vielen Stellen ab (allein im Briefe an die Römer an 35 Stellen). Deßhalb und wegen noch mehrerer in anderen Ausgaben hinzugekommener Veränderung sowie wegen der seit d. J. 1568 aufgekommenen Versabtheilung wurde die Wittenberger Ausgabe v. J. 1581 veranstaltet, welche nun neben der v. J. 1545 als Muster gelten sollte. Dennoch aber finden sich in den Bibeln aus diesem und dem folgenden Jahrhundert noch viele und bedeutende Verschiedenheiten bis zum Erscheinen der sogenannten Hallischen Bibel, welche vom Freiherrn v. Canstein v. J. 1711 an und zwar größtentheils nach dem Texte der Stader Bibel besorgt und im Waisenhause zu Halle gedruckt wurde.
Beispiellos war die Verbreitung dieser Ausgabe; denn im Laufe eines Jahrhunderts wurden 2,171,986 ganze Bibeln und über 1 Million Neue Testamente verkauft. Hierzu kam, daß sich auch die meisten der seit d. J. 1804 entstandenen Bibelgesellschaften diese Hallische Ausgabe zum Muster nahmen und auf solche Weise die verschiedenen Bibelabdrücke auch in weiteren Kreisen eine gewisse Gleichmäßigkeit gewannen.
Obgleich nun diese Ausgabe noch manche Vorzüge vor den meisten andern Ausgaben aus späterer Zeit hat, so enthält doch auch sie noch manche willkührliche Veränderungen des ursprünglichen Textes von Luther's Uebersetzung, welche nebst einer Menge unverzeihlicher Druckfehler, namentlich seit dem Anfange dieses Jahrhunderts, in die verschiedenen Bibelausgaben übergingen.
Als Beleg dafür mögen folgende Stellen dienen:
In der Dresdner Bibel steht: 1. Mos. 19, 9. besser statt bas; Ps. 74, 5. blicken st. blinken; Ps. 102, 15. sahen st. sähen; Jes. 10, 9. ich st. ist; Luc. 24, 28. weiter st. förder.
In dem Frankfurter N. Test. (v. Brönner): 1. Cor. 15, 40. Herrschaft st. Herrlichkeit; 2. Petr. 3, 15. Pilatus st. Paulus.
In einer alten Hall. Ausgabe: Col. 1, 15. der Erstgeborne von st. vor allen Creaturen (so viel kommt oft auf einen einzigen Buchstaben an; denn in dem Wörtchen von liegt die Arianische Ketzerei verborgen, daß Christus nur eine Creatur sei.)
In einer alten Basler Bibel: Josua 7, 21. eine goldne Zeige st. Zunge (eine Spange in Gestalt einer Zunge).
In einem Neu-Yorker Neuen Testamente steht bei Matth 5, 21. bei den Worten: „Wer mit seinem Bruder zürnet“ die falsche Glosse „ohne Ursach,“ welche die meisten amerikanischen Bibelausgaben haben; Matth. 21, 33. der Hausvater grub einen Keller st. Kelter oder Traubenpresse; Joh. 7, 21. ein eigenes Werk st. einiges.
Eine so große Verschiedenheit des Textes in den mancherlei Bibelausgaben mußte nicht nur eine große Verwirrung bei dem Gebrauche derselben in der Kirche, namentlich aber in der Schule hervorbringen, sondern auch einen verderblichen Einfluß auf die Lehre der Bibel selbst äußern; denn wenn St. Paul. 1. Cor. 1, 11. ermahnt, daß wir in göttlichen Dingen allzumal einerlei Rede führen sollen, so ist dieß um so weniger möglich, je mehr das jetzige Unwesen so verschiedener Bibeltexte überhand nimmt. Darum sollten sich alle rechtschaffenen Lutheraner freuen, durch die neue Leipziger Bibel in den Stand gesetzt zu werden, zu einer größern Uebereinstimmung in dem Texte der lutherischen Bibelübersetzung zu gelangen und so dieses unübertroffene Meisterwerk, dieses kostbare Erbstück der lutherischen Kirche erhalten und erneut zu sehen.
Der oberste Grundsatz, nach welchem Doctor Hopf diese neue Ausgabe besorgt hat, ist dieser:
„Alle sinnentstellenden u. unnöthigen Aenderungen, welche sich an die Stelle der ursprünglichen Lesarten eingeschlichen haben, zu beseitigen und den luther'schen Text, soweit es mit den gerechten Forderungen der Gegenwart vereinbar ist, wiederherzustellen.
Demnach hat der Herausgeber die rechte Mitte gehalten zwischen der buchstäblichen Wiederherstellung des ursprünglichen Textes gemäß der Bibel v. J. 1545 und zwischen willkührlichen Neuerungen der späteren Ausgaben. Denn ein buchstäblicher Abdruck jener Originalausgabe würde für den Gebrauch in Kirche und Schule ganz unpassend sein, indem man die alten jetzt ungewöhnlichen Formen oft kaum lesen, geschweige denn verstehen könnte. Da würden z. B. in dem Gleichniß vom barmherzigen Samariter (Luc. 10, 23–37) solche Worte vorkommen; VND (und), Nehester, zoch, furber (vorüber), Ole, Grosschen u. dgl.
Andererseits hat der Herausgeber alle willkührlichen Neuerungen vermieden, dagegen alle wirklichen Verbesserungen des ursprünglichen Textes, welche sich in den Hallischen und anderen Ausgaben vorfinden, beibehalten. Bei gleichem Werthe mehrerer Lesarten wurde dem Ori-
English translation AI translation
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but that they cannot return and come back to the earth. Yet this also is clear from the following passages of the holy Scripture:
2 Sam. 12, 23. David says of his deceased son: "Can I bring him back again? I shall go to him, but he shall not return to me."
In these words there would lie a poor comfort if they were to say nothing more than: "I shall be buried beside my son." Then David would be uttering very vain words. All the power of comfort lies in the hope that David will be united again with his son, as to the soul. — If now "to go to him" must be understood of David's soul at least as much as of the union of the corpses in the royal sepulchre, then the word also: "he shall not return to me," must be understood of the soul so much the more, since indeed the body of the child was still with David. But if that is so, then the passage proves that the souls of the deceased do not come back to the earth.
To this one adds the passage Job 7, 9. 10. "As the cloud is consumed and vanisheth away: so he that goeth down to the grave shall come up no more. He shall return no more to his house, neither shall his place know him any more." Of a bodily going down into hell Job does not speak; the souls go down alone and without body. The body might well come again into its house, yea, remain in its house; only of the soul does the passage retain its full truth — and proves powerfully that the souls do not come again.
These two passages, 2 Sam. 12, 23. and Job 7, 9. 10., testify plainly and clearly that the souls of the departed do not return, be they now good or evil. Besides good and evil, however, the holy Scripture knows none. From the first to the last leaf of the Bible there is no word of God to be found that there is a third class of men here or there. Everywhere there is mention only of two, of the good and the evil. If therefore evil and good souls in death go to their eternal place, and neither evil nor good return; then none at all return — and the apparitions which show themselves cannot proceed from departed souls.
(Conclusion to follow.)
What we are glad to have, no peril must hinder us in; but where one is to be obedient to God, there a fly beyond the Rhine hinders us. (Luther XIX, 1712.)
Philosophy.
To wish to know divine things from philosophy is to take hold of the glowing iron not with the tongs, but with the fingers. (Chrysostom.)
(For the "Lutheraner.")
New Leipzig Bible, together with the Apocrypha.
Revised by Dr. Hopf.
This Bible remedies a defect in the Lutheran Church which, though little or not at all noticed by most, threatens to become ever more dangerous. For the various editions of the Bibles printed in Germany, England and America differ from one another at countless places so widely that, unless a stop is put to it, in ten years one will no longer know which is properly the genuine unfalsified translation of Dr. Luther.
As the last original edition one takes, as is well known, that of the year 1545, which he himself for the most part still looked through. Yet already the edition which appeared in the following year after Luther's death departed from the former in many places (in the Epistle to the Romans alone in 35 places). For this reason, and on account of still more alterations that had come into other editions, as well as on account of the division into verses which had come up since the year 1568, the Wittenberg edition of the year 1581 was prepared, which was now to hold as a pattern beside that of the year 1545. Nevertheless there are still found in the Bibles of this and the following century many and important differences, until the appearance of the so-called Halle Bible, which was prepared by Baron von Canstein from the year 1711 on, and indeed for the most part after the text of the Stade Bible, and printed in the Orphan House at Halle.
Unexampled was the circulation of this edition; for in the course of a century 2,171,986 whole Bibles and over 1 million New Testaments were sold. In addition, most of the Bible societies which have arisen since the year 1804 took this Halle edition as their pattern, and in this way the various Bible impressions also gained a certain uniformity in wider circles.
Although now this edition still has some advantages over most other editions of later time, yet even it still contains many arbitrary changes of the original text of Luther's translation, which, together with a multitude of unpardonable misprints, especially since the beginning of this century, passed into the various editions of the Bible.
As proof of this the following passages may serve:
In the Dresden Bible stands: 1 Mos. 19, 9. besser instead of bas; Ps. 74, 5. blicken instead of blinken; Ps. 102, 15. sahen instead of sähen; Isa. 10, 9. ich instead of ist; Luke 24, 28. weiter instead of förder.
In the Frankfurt N. Test. (by Brönner): 1 Cor. 15, 40. Herrschaft instead of Herrlichkeit; 2 Pet. 3, 15. Pilatus instead of Paulus.
In an old Halle edition: Col. 1, 15. the first-born "von" instead of "vor" all creatures (so much often depends on a single letter; for in the little word "von" lies hidden the Arian heresy that Christ is only a creature.)
In an old Basel Bible: Joshua 7, 21. a golden Zeige instead of Zunge (a clasp in the shape of a tongue).
In a New York New Testament there stands at Matt 5, 21., at the words: "Whosoever is angry with his brother," the false gloss "without a cause," which most American editions of the Bible have; Matt. 21, 33. the householder dug a Keller instead of Kelter or wine-press; John 7, 21. ein eigenes Werk instead of einiges.
So great a difference of the text in the manifold editions of the Bible had to produce not only a great confusion in the use of them in the church, but especially in the school, but also to exert a ruinous influence upon the doctrine of the Bible itself; for if St. Paul, 1 Cor. 1, 11., exhorts that in divine things we should all speak the same thing, this is so much the less possible the more the present nuisance of such different Bible texts gains the upper hand. Therefore all upright Lutherans ought to rejoice at being put in a position, by the new Leipzig Bible, to arrive at a greater agreement in the text of the Lutheran translation of the Bible, and thus to see this unsurpassed masterpiece, this precious heirloom of the Lutheran Church, preserved and renewed.
The chief principle according to which Doctor Hopf has prepared this new edition is this:
"To remove all alterations distorting the sense and unnecessary, which have crept into the place of the original readings, and to restore the Lutheran text, so far as it is compatible with the just demands of the present time.
Accordingly the editor has kept the right mean between the literal restoration of the original text according to the Bible of the year 1545 and the arbitrary innovations of the later editions. For a literal reprint of that original edition would be quite unsuitable for use in church and school, since the old forms, now unusual, one could often scarcely read, to say nothing of understanding. Thus, e.g., in the parable of the Good Samaritan (Luke 10, 23–37) such words would occur as: VND (und), Nehester, zoch, furber (vorüber), Ole, Grosschen, and the like.
On the other hand, the editor has avoided all arbitrary innovations, but has retained all real improvements of the original text which are found in the Halle and other editions. Where several readings were of equal worth, the preference was given to the Ori-