Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 17 › Seite 105
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-04-12, Seite 105
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Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 9. St. Louis, Mo., den 12. April 1853. No. 17.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft.
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Auszügliche tabellarische Übersicht
einiger offenbarer Irrthümer Pastor Grabau's, mit den eigenen Worten desselben vorgelegt und mit der falschen römischen, sowie mit der reinen lutherischen Lehre verglichen.
Lehren Pastor Grabau's.
II.
Von der Kirche.
19. „Daß es aber christlichen Kirchgliedern aller Stände in christlicher Ordnung gestattet ist, (das Wort „gestattet“ hat auch Grabau mit gesperrter Schrift drucken lassen, anzuzeigen, daß auch selbst dies, was er hiermit nachgeben will, kein eigentliches Recht der Christen, sondern eine ihnen gegebene Vergünstigung ist) „an Erörterungen und Fragen aus Gottes Wort Theil zu nehmen, zuzuhören, Fragen zu thun, und sie durch Gottes Wort lösen zu lassen, und demnach als mitverhandelnde Zeugen“ (also nicht als mitrichtende und entscheidende Beisitzer der Synode) „von der conferirenden u. synodirenden Redlichkeit des Predigtamts“ (die Herren Prediger sind also eigentlich allein die „Synodirenden“) „zu dienen — und mit demselben aus christlicher Ueberzeugung etwas für gut zu achten, das ist gewiß aus Ap. Gesch. 15, V. 1-21. Darum sagt der Hirtenbrief ganz richtig“ (so setzt Grabau selbst hinzu), „die Gemeine solle nicht das (öffentliche) Urtheil sprechen, sondern sich durch Schrift der Kirchenvorsteher zuvor an einen oder mehrere Pastoren der Kirche wenden und die Sache der Wahrheit gemäß vortragen (Act. 15.); diese sollen dann den angeklagten Pastor fragen ꝛc. Ihr sollt deshalb das Urtheilen der Lehre denen überlassen, denen es nach dem 28. Artik. der Augsb. Conf. zukommt.“ (Zweiter Synodal-Brief. S. 111. 142.)
20. „Es ist irrig, da sie behaupten, daß in Gewissensfällen, wenn die Anwendung des Wortes Gottes auf gewisse Fälle zweifelhaft sei, der Gemeine die Entscheidung zugehöre . . Da-
Lehre der römischen Kirche.
II.
Von der Kirche.
19. Der päbstliche Theolog Herding schreibt wider die Protestanten: „Wollt ihr denn dieses, daß zu den allgemeinen Concilien das gemeine Volk zugezogen werde? Und wer gehört denn nach euch zum Volk? Etwa Gastwirthe und Schuster, Geiger u. Pfeifer, dergleichen Leute eure Kirchendiener sind? Was in aller Welt sollen denn diese armen Wichte da machen? Denn da trinkt man weder, noch schnustert man da, noch geigt noch pfeift man da.“ (Confut. Apolog. part. 6. c. 8. div. 3.)
So schreibt ferner Bellarmin: „In Concilien das zu entscheiden, was zu glauben und zu thun ist, ist das eigentliche Amt der Pastoren. Denn Weiden ist eigentlich lehren und zwar so lehren, daß andere gehalten sind, zu glauben. Jer. 3. Ephes. 4. Aber die Laien sind ja keine Pastoren!“ (Lib. I. de concil. c. 15.)
So schreibt ferner der Cardinal de Turrecremata (Torquemada): „Gelehrte Männer, seien sie nun Weltliche oder Ordensleute, welche keine Kirchenprälaten sind, werden zum Concil berufen . . jene gelehrten Leute (aber), welche das bischöfliche Amt nicht verwalten, haben nur eine berathende, die Bischöfe aber allein eine entscheidende Stimme.“ (Lib. 3. eccles. c. 14.)
20. „Wir haben gezeigt, daß der Richter der Streitigkeiten nicht die Schrift sei, nicht die weltlichen Fürsten, nicht Privatleute, mögen sie immerhin fromm und gelehrt sein, sondern die
Lehre der lutherischen Kirche, welche Pastor Grabau die missourische nennt.
II.
Von der Kirche.
19. So schreibt Johann Gerhard: „Nicht allein die Bischöfe und Kirchenprälaten haben das Recht in Concilien zu entscheiden, sondern es können aus jedem Stande der Menschen gottselig unterrichtete Leute erwählt werden, welche man zum Concilium schicke und die bei demselben ihr Urtheil frei abgeben . . Diese unsere Meinung bestätigen wir 1. aus der Form des apostolischen Concils zu Jerusalem. Ap. Gesch. 15, 6. 22., woraus geschlossen wird, daß nicht nur die Apostel, sondern auch die Presbyter bei diesem Concile gegenwärtig gewesen, ja daß auch die ganze Gemeinde mit den Aposteln und Presbytern die entscheidende Stimme gehabt habe . . . 2. Aus der Natur eines Conciliums. Ein Generalconcilium repräsentirt die ganze Kirche. Also sollen in demselben einige aus jeder Gattung und aus jedem Stande der Menschen zugegen sein . . 3. Aus der schuldigen Pflicht gottseliger Christen. Die Sache des Glaubens ist allen Christen gemein und betrifft alle . . 4. Aus dem Beispiel der alten Concilien. Bei den Concilien, welche in der ersten Kirche gehalten worden sind, waren nicht bloß Presbyter, sondern auch Fürsten, Senatoren, Richter und andere Laien gegenwärtig, und zwar nicht allein dies, sondern gaben auch ihr Urtheil ab, unterschrieben und entschieden mit.“ (Confess. cath. fol. 682. 83.)
20. „Christus gibt das höchste und letzte Gericht der Kirchen, da er spricht: Sag's der Kirchen Matth. 18, 17.“ (Schmalk. Art. Anhang.) „Wenn Christus gebietet, daß die Streitigkeiten, so unter und von Privatpersonen
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine pass away now and nevermore."
Published by the German Ev. Luth. Synod of Missouri, Ohio and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 9. St. Louis, Mo., April 12, 1853. No. 17.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at the yearly subscription price of One Dollar for subscribers out of town, who are to pay the same in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents.
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Abridged Tabular Survey
of some manifest errors of Pastor Grabau, laid before the reader in his own words and compared with the false Roman as well as with the pure Lutheran doctrine.
Doctrines of Pastor Grabau.
II.
Of the Church.
19. "That it is permitted, however, to Christian members of the church of all estates, in Christian order," (the word "permitted" Grabau also had printed in spaced type, to indicate that even this, which he here would concede, is no proper right of Christians, but a favor granted to them) "to take part in discussions and questions out of God's Word, to listen, to ask questions, and to have them resolved by God's Word, and accordingly as co-deliberating witnesses" (thus not as co-judging and deciding assessors of the Synod) "to serve the conferring and synodizing faithfulness of the ministerial office" (the gentlemen preachers are therefore properly alone the "synodizers") "and with the same, out of Christian conviction, to deem something good, that is certain from Acts 15, v. 1-21. Therefore the Pastoral Letter says quite rightly" (so Grabau himself adds), "the congregation should not pronounce the (public) judgment, but should first turn in writing through the church elders to one or more pastors of the church and lay the matter before them in accordance with the truth (Acts 15.); these shall then question the accused pastor, etc. You shall therefore leave the judging of doctrine to those to whom it belongs according to the 28th Article of the Augsburg Confession." (Second Synodal Letter. p. 111. 142.)
20. "It is erroneous that they assert that in cases of conscience, when the application of God's Word to certain cases is doubtful, the decision belongs to the congregation . . Thus
Doctrine of the Roman Church.
II.
Of the Church.
19. The papal theologian Herding writes against the Protestants: "Would you then have this, that the common people be admitted to the general councils? And who, then, belongs to the people according to you? Perhaps innkeepers and cobblers, fiddlers and pipers, such folk as your church servants are? What in all the world are these poor wretches to do there? For there one neither drinks, nor snuffles about, nor fiddles, nor pipes." (Confut. Apolog. part. 6. c. 8. div. 3.)
So Bellarmine writes further: "To decide in councils what is to be believed and done is the proper office of the pastors. For to feed is properly to teach, and indeed to teach so that others are bound to believe. Jer. 3. Eph. 4. But the laymen are surely no pastors!" (Lib. I. de concil. c. 15.)
So writes further the Cardinal de Turrecremata (Torquemada): "Learned men, whether they be seculars or members of orders, who are not church prelates, are called to the council . . those learned men (however), who do not administer the episcopal office, have only an advisory voice, but the bishops alone a deciding voice." (Lib. 3. eccles. c. 14.)
20. "We have shown that the judge of controversies is not the Scripture, not the secular princes, not private persons, however pious and learned they may be, but the
Doctrine of the Lutheran Church, which Pastor Grabau calls the Missourian.
II.
Of the Church.
19. So writes John Gerhard: "Not only the bishops and church prelates have the right to decide in councils, but from every estate of men godly instructed persons can be chosen, whom one may send to the council and who there freely give their judgment . . This our opinion we confirm 1. from the form of the apostolic council at Jerusalem. Acts 15, 6. 22., from which it is concluded that not only the apostles, but also the presbyters were present at this council, yea, that the whole congregation with the apostles and presbyters had the deciding voice . . . 2. From the nature of a council. A general council represents the whole church. Therefore there should be present in it some from every class and from every estate of men . . 3. From the bounden duty of godly Christians. The cause of the faith is common to all Christians and concerns all . . 4. From the example of the ancient councils. At the councils which were held in the early church there were present not merely presbyters, but also princes, senators, judges and other laymen, and not only this, but they also gave their judgment, signed, and decided with them." (Confess. cath. fol. 682. 83.)
20. "Christ gives the highest and last judgment to the church, when he says: Tell it to the church, Matth. 18, 17." (Smalcald Articles, Appendix.) "When Christ commands that the controversies which among and between private persons