Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 5 › Seite 37
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-10-25, Seite 37
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tanz 9
37
befallene Seuche auch hie und da die politische Kartoffelkrankheit, bei der die Kräfte der Menschen auch, wie die Kartoffelknollen krank und ungenießbar gemacht wurden. In dem Ventrikel des Gehirns der an dieser Seuche gestorbenen Menschen fand man bei den angestellten Sectionen schwarz, roth, goldengelbe Streifen, auch hatten die sogen. corpora striata im Gehirn derlei Färbung, die aber beim Zutritt von Luft und Licht sogleich zu Wasser wurden. Durch die Dauer der Zeit nahm diese Seuche nach und nach in manchen Gegenden von selbst ab, oder nahm einen gutartigen Character an, so wie jene ältere Seuche des Veitstanzes auch nach und nach sich verlor, als sie zur Langenweile geworden war. Vieles mag auch zu ihrer Beendigung beigetragen haben, daß man an verschiedenen Orten, wo sie sehr heftig wüthete namentlich in der Stadt Wien, sie, wie ehemals jene Epidemie des Veitstanzes, durch Schläge, so wie durch Schießen und Tritte schnell zu beendigen wußte.—
„Der Sendbote des Evangeliums.“
Soeben erhalten wir die 3 ersten Nummern eines unter obigem Namen neu herauskommenden religiösen Blattes. Es wird dasselbe in Philadelphia gedruckt und erscheint in jedem Monat einmal. Als Herausgeber nennt sich ein gewisser Herr K. A. Fleischmann. Nach dem Aushängeschild zu urtheilen, sollte man freilich meinen, das Blatt habe sich die Aufgabe gestellt, keiner Sekte zu dienen und sich allein die Ausbreitung des ungefälschten Evangeliums angelegen sein zu lassen. Dem ist jedoch nicht so. Das Blatt führt seinen Namen in einem Sinne, in welchem so viele andere hiesige Blätter, als: „Der Wahrheitsfreund,“ „der Herold des Glaubens,“ „der christliche Apologet,“ „der christliche Botschafter,“ u. s. w. ihre Namen tragen. Es will nämlich unter einem allgemein christlichen Namen die besonderen Lehren der Secte in Umlauf setzen, welcher es dienen soll Der angebliche „Sendbote des Evangeliums“ ist nämlich nichts weniger als ein wieder auferstandener Apostel—denn ‚Sendbote‘ ist die Uebersetzung des griechischen Wortes Apostel—, sondern ein Sendling—der hiesigen deutschen Wiedertäufer oder, wie sie sich selbst gerne nennen, Baptisten.
Was die Wiedertäufer für eigenthümliche Lehren haben, ist oft schwer zu sagen, da sie nicht nur häufig durchaus von keinem öffentlichen, allgemeinen Glaubens- und Lehrbekenntniß oder Symbole wissen wollen, sondern sich auch dadurch von andern Secten unterscheiden, daß sie sich wieder in eine Menge kleinere Sektlein zerspalten haben, die in die verschiedensten Farben spielen. Einig sind alle Wiedertäufer nur darin, daß sie die Kindertaufe verwerfen und, sonderbar genug! daß sie die Taufe überhaupt gering achten, dieselbe nämlich nicht für das Bad der Wiedergeburt, wie der Apostel Paulus, sondern für ein bloßes Bad zur Aufnahme in ihre „sichtbare Kirche,“ nicht für ein Gnadenmittel, sondern höchstens für ein bloßes Gnadenzeichen ansehen. Sonst findet unter ihnen die bunteste Lehr- und Glaubensverschiedenheit statt. „Die Geschichte des Baptismus ist, wie Dr. Rudelbach*) ganz wahr sagt, wie ein Dornengestrüppe, das, je weiter man hineinkommt, desto verworrener wird, so daß Viele auf die Entwirrung desselben förmlich verzichtet haben.“ Schon vor der Reformation hat es zwar Leute hie u. da in der Christenheit gegeben, welche die Kindertaufe verwarfen, aber eine bestimmte Lehre, durch welche solche hie u. da auftauchende Wiedertäufer auch sonst geeinigt gewesen wären, läßt sich nicht auffinden, sondern hier haben sie diese, dort haben sie jene Irrthümer mit ihren wiedertäuferischen Grundsätzen verbunden. Und als sie hernach in den durch die Reformation bewirkten allgemeinen Bewegungen in Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Liefland auch ihre Erscheinung machten, erschienen sie als weit aus einandergehende Sekten. Unter ihnen verfielen z. B. die seit 1533 in Münster unter Johann Matthiesen, einem Bäcker aus Harlem und Johann Bockhold, einem Schneider aus dem Haag (genannt Johann von Leyden), sich sammelnden Wiedertäufer hier in ebenso entsetzliche Irrthümer, als unerhörte Gräuel, welche aufzuzählen wir uns für andere Zeit vorbehalten.†) Ein gewisser Menno Simons, gewesener römischer Priester aus Witmarsum unweit Franeker, suchte zwar die nach dem unglücklichen Ausgang in Münster zersprengten Wiedertäufer zu sammeln, ihnen einen bestimmten Lehrbegriff zu geben und sie zu christlicher Ordnung zu führen, aber auch die nach ihm genannten Mennoniten (oder „Taufgesinnten“) geriethen noch bei Menno’s Lebzeiten über die Kirchenzucht in große Uneinigkeit, welche nach seinem 1561 erfolgten Tode eine völlige Trennung zur Folge hatte. Die sogenannten Feinen oder die alten Flaminger behielten nämlich Menno’s eingeführte strenge Zucht bei, während die andere Parthei, die s. g. Groben oder Waterländer dieselbe aufgaben. Später, im Jahre 1664, spalteteten sich auch die Groben wieder in zwei Partheien, von denen die eine, die Apostooler, unter Anderem die calvinistische unbedingte göttliche Vorherbestimmung der Menschen zur Seligkeit oder Verdammmiß festhielt, während die andere, die Galenisten, mehr und mehr arminianische und rationalistische Grundsätze annahm, z. B. das Geheimniß der heil. Dreieinigkeit leugnete. Endlich vereinigten sich im Jahre 1800 die beiden letzten Partheien wieder, aber so, daß nun die mehr rationalistisch gesinnte die Oberhand gewann. Aehnlich wie mit den holländischen ist es mit den englischen Baptisten gegangen. Seit 1633 haben sie in England eigene Gemeinden zu bilden angefangen, sind aber auch schon 1691 mit einander zerfallen, indem die eine Parthei, die „Particular-Baptisten“, an der calvinischen Gnadenwahlslehre festhielt, die andere hingegen, die „General-Baptisten,“ nicht nur die Lehre von der allgemeinen Gnade, sondern auch neben den gemeinen wiedertäuferischen Irrthümern andere besondere rationalistische Irrlehren annahm. In Nordamerika, wohin sich insonderheit die englischen Baptisten verpflanzt haben, befinden sich noch eine ziemliche Anzahl anderer von einander durch verschiedene Lehren getrennter baptistischer Partheien; z. B. die Snake-Baptists, welche die Nichterwählten gar nicht für die natürlichen Nachkommen Adams, sondern der Schlange, nämlich des Teufels, halten, so daß für sie unbedingt keine Seligkeit sei; die Seventh-day-Baptists, welche statt des Sonntags den Sonnabend als Sabbath feiern; die Dunkers, die Christians etc. ††)
Hieraus ist ersichtlich, daß man bei der babylonischen Verwirrung, welche unter den Baptisten selbst herrscht, freilich nicht über alle dasselbe urtheilen kann. Uns sind selbst schon die verschiedenartigsten deutschen Baptisten vorgekommen. Einige waren, mit Ausnahme des Punktes von der Kindertaufe, streng calvinisch, andere, z. B. in der Lehre von der Erbsünde, zwinglianisch, andere so arg rationalistisch, daß sie den Glauben an die heil. Dreinigkeit nicht nur verwarfen, sondern geradezu verspotteten und lästerten.
Was für einen Glauben bekennt denn nun der neue deutsche baptistische sogenannte „Sendbote des Evangeliums“?
So weit es sich aus den drei ersten Nummern des Blattes erschließen läßt, können wir darüber Folgendes berichten.
*) In seinem „theologischen Gutachten über die Frage betreffend das Verhältniß der Baptisten zur Kirche und zum Staate und die denselben zu gewährende Religionsfreiheit. Magdeburg, 1846,“ worin Dr. Rudelbach sich dafür entscheidet, die Baptisten aus Dänemark nicht mit Gewalt zu vertreiben, sondern denselben Religionsfreiheit zu gewähren.
†) Die jetzigen Baptisten schämen sich freilich jener fleischlichen Schwärmer und weisen es von sich, daß ihre Gemeinschaft in irgend einer Verbindung und Berührung mit denselben gestanden habe. Allein wenn wir auch keineswegs unsere hiesigen Baptisten, was Moralität betrifft, jenen gräuelvollen Fanatikern an die Seite setzen wollen, so ist doch der Grundirrthum beider gemein. Unleugbar ist, was Dr. Rudelbach in der angezogenen Schrift sagt: „Wenn die Baptisten allerdings Recht haben, von den Wiedertäufern vor der Reformation zu sagen: Das ist Fleisch von meinem Fleisch—wie mögen sie denn mit irgend einem Schein Rechtens die Ketten zerreißen, die auch Thomas Münzer und die Münsterschen Anabaptisten mit den ältern verbindet? Der blutige Strom, der von Allstädt (im Bauernaufruhr), bis Münster sich wälzte, war ein Durchgangspunkt, der mit einem Gottesgericht in jedem Ausgange zeigte, welche Früchte diese Lehre tragen könne, wenn nicht die Wurzeln beschnitten und gereinigt wurden.“ Bekannt ist, daß Melchior Hoffmann, von dem die holländische Wiedertäufer-Parthei der Melchioriten oder Hoffmannianer stammt, den Saamen der Wiedertäuferischen Irrthümer durch eigene Sendboten in Münster verbreitet hatte. Ein solcher Sendling war unter andern Johann Matthiesen, der dann mit Johann von Leyden und Knipperdolling das von allen Wiedertäufern gehoffte tausendjährige Reich in Münster aufzurichten, die entsetzlichsten Gräuel verübte.
††) Bekanntlich sind die nordamerikanischen Baptisten gegenwärtig wieder in einer gegenseitigen Entfremdung und Scheidung begriffen, indem eine bedeutende Anzahl derselben die gebräuchliche englische Bibelübersetzung verwirft und eine neue herzustellen beabsichtigt, offenbar zunächst nur darum, um anstatt des Wortes baptism das Wort immersion (Untertauchung) hineinzubringen, während andere Baptisten dies Vornehmen für ebenso unnöthig, als gerade ihrer ganzen Gemeinschaft gefährlich erkennen.
English translation AI translation
37
afflicted epidemic, here and there also the political potato blight, in which the powers of men were likewise made sick and inedible, like the potato tubers. In the ventricle of the brain of persons who had died of this plague, the autopsies performed revealed black, red and golden-yellow streaks; the so-called corpora striata in the brain also had such a coloration, which, however, at the admission of air and light at once turned to water. With the passing of time this plague gradually abated of itself in many regions, or took on a benign character, just as that older plague of St. Vitus' dance likewise gradually died out when it had become a bore. Much may also have contributed to its ending, that in various places where it raged very violently, particularly in the city of Vienna, they knew how to bring it quickly to an end, as formerly that epidemic of St. Vitus' dance, by blows, as well as by shooting and kicks.—
"Der Sendbote des Evangeliums."
We have just received the first 3 numbers of a new religious paper appearing under the above name. It is printed in Philadelphia and appears once every month. As its editor a certain Mr. K. A. Fleischmann names himself. Judging by the signboard, one should indeed think that the paper had set itself the task of serving no sect, and of concerning itself solely with the spread of the unadulterated Gospel. This, however, is not so. The paper bears its name in a sense in which so many other papers here bear their names, such as "Der Wahrheitsfreund," "der Herold des Glaubens," "der christliche Apologet," "der christliche Botschafter," etc. That is to say, under a generally Christian name it wants to put into circulation the peculiar doctrines of the sect which it is to serve. The alleged "Sendbote des Evangeliums" is in fact nothing less than an apostle risen again from the dead—for 'Sendbote' is the translation of the Greek word apostle—but an emissary of the German Anabaptists here, or, as they themselves like to call themselves, Baptists.
What peculiar doctrines the Anabaptists have is often hard to say, since not only do they frequently want absolutely nothing to do with any public, general confession of faith and doctrine or symbol, but they also distinguish themselves from other sects in that they have again split into a multitude of smaller sectlets, which play in the most various colors. The Anabaptists are united only in this, that they reject infant baptism and, strange enough! that they hold baptism in low esteem altogether, namely, that they regard it not as the washing of regeneration, as the Apostle Paul does, but as a mere bath for admission into their "visible church," not as a means of grace, but at most as a mere sign of grace. Otherwise there prevails among them the most motley variety of doctrine and belief. "The history of Baptism is, as Dr. Rudelbach*) quite truly says, like a thicket of thorns, which becomes the more tangled the farther one gets into it, so that many have positively given up the task of disentangling it." Even before the Reformation there were indeed people here and there in Christendom who rejected infant baptism, but no definite doctrine by which such Anabaptists, appearing here and there, would otherwise have been united can be found; rather, here they have combined these, there those errors with their Anabaptist principles. And when afterwards, in the general movements brought about by the Reformation in Germany, Switzerland, the Netherlands and Livonia, they also made their appearance, they appeared as sects diverging widely from one another. Among them, for example, the Anabaptists gathering since 1533 in Münster under Johann Matthiesen, a baker from Haarlem, and Johann Bockhold, a tailor from The Hague (called John of Leyden), fell here into errors as dreadful as they were into unheard-of abominations, which we reserve for another time to enumerate.†) A certain Menno Simons, formerly a Roman priest from Witmarsum near Franeker, did indeed seek to gather the Anabaptists scattered after the unhappy outcome at Münster, to give them a definite system of doctrine and to lead them to Christian order, but even the Mennonites (or "Taufgesinnten"), named after him, fell, still in Menno's lifetime, into great discord over church discipline, which after his death in 1561 resulted in a complete separation. For the so-called Fine ones, or the old Flemings, retained Menno's strict discipline as introduced, while the other party, the so-called Coarse ones or Waterlanders, gave it up. Later, in the year 1664, the Coarse ones again split into two parties, of whom the one, the Apostooler, held, among other things, the Calvinistic unconditional divine predestination of men to salvation or damnation, while the other, the Galenists, adopted more and more Arminian and rationalistic principles, for example denied the mystery of the holy Trinity. At last, in the year 1800, the two latter parties united again, but in such a way that the more rationalistically minded now gained the upper hand. It has gone similarly with the English Baptists as with the Dutch. Since 1633 they began to form congregations of their own in England, but already in 1691 fell out with one another, the one party, the "Particular Baptists," holding fast to the Calvinistic doctrine of election, the other, on the contrary, the "General Baptists," adopting not only the doctrine of universal grace, but also, besides the common Anabaptist errors, other peculiar rationalistic false doctrines. In North America, whither the English Baptists in particular have transplanted themselves, there are still a fair number of other Baptist parties separated from one another by different doctrines; for example the Snake-Baptists, who regard the non-elect not at all as the natural descendants of Adam, but of the serpent, namely of the devil, so that for them there is absolutely no salvation; the Seventh-day-Baptists, who instead of Sunday keep Saturday as the Sabbath; the Dunkers, the Christians, etc. ††)
From this it is evident that, with the Babylonian confusion which prevails among the Baptists themselves, one cannot of course judge the same of all. We ourselves have already met with the most diverse kinds of German Baptists. Some were, with the exception of the point of infant baptism, strictly Calvinistic; others, for example in the doctrine of original sin, Zwinglian; others so grossly rationalistic that they not only rejected faith in the holy Trinity, but outright mocked and blasphemed it.
What faith, then, does the new German Baptist so-called "Sendbote des Evangeliums" confess?
So far as it can be gathered from the first three numbers of the paper, we can report the following about it.
*) In his "theologisches Gutachten über die Frage betreffend das Verhältniß der Baptisten zur Kirche und zum Staate und die denselben zu gewährende Religionsfreiheit. Magdeburg, 1846," in which Dr. Rudelbach decides in favor of not expelling the Baptists from Denmark by force, but of granting them religious liberty.
†) The present Baptists are indeed ashamed of those carnal enthusiasts, and disclaim that their communion ever stood in any connection or contact with them. But although we by no means wish to place our Baptists here, so far as morality is concerned, beside those abominable fanatics, yet the fundamental error of both is common. Undeniable is what Dr. Rudelbach says in the writing cited: "If the Baptists are indeed right in saying of the Anabaptists before the Reformation: That is flesh of my flesh—how can they then, with any semblance of right, tear asunder the chains which bind also Thomas Münzer and the Anabaptists of Münster with the older ones? The bloody stream which rolled from Allstedt (in the Peasants' Revolt) to Münster was a point of passage which, with a judgment of God in every outcome, showed what fruits this doctrine can bear, unless the roots were pruned and purified." It is well known that Melchior Hoffmann, from whom the Dutch Anabaptist party of the Melchiorites or Hoffmannians derives, had spread the seed of the Anabaptist errors in Münster by emissaries of his own. One such emissary was, among others, Johann Matthiesen, who then, together with John of Leyden and Knipperdolling, in setting up in Münster the millennial kingdom hoped for by all Anabaptists, committed the most dreadful abominations.
††) As is well known, the North American Baptists are at present again engaged in a mutual estrangement and separation, in that a considerable number of them reject the customary English translation of the Bible and intend to produce a new one, evidently first of all only in order to introduce the word immersion (Untertauchung) in place of the word baptism, while other Baptists regard this undertaking as just as unnecessary as it is dangerous to their whole communion.