Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 5 › Seite 38

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-10-25, Seite 38

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirche 3 · Kirche 8 · Kirche 18 · Tanz 9

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Das Geheimniß der heil. „Dreieinigkeit“ scheint die baptistische Parthei, welcher der Sendbote dienen will, zu unserer Freude ohne Rückhalt anzuerkennen. Ja, Herr Rauschenbusch schreibt in dem Blatt, daß ihm „die Lehren von der Dreieinigkeit und von der Rechtfertigung wichtiger sind, als die Lehre von der Taufe.“

Auch die Erbsünde scheint der „Sendbote“ zu glauben. Wenigstens heißt es in der zweiten Nummer: „Gott sagt von jedem lebenden Menschen, der nicht gläubig ist, mag er übrigens jung oder alt sein: er ist todt,“ nämlich, wie es weiter unten heißt, „geistlich todt.“ „Alle Menschen ohne Ausnahme haben sie“ (die Wiedergeburt) „nöthig. Alle sind Kinder desselben irdischen Stammvaters, der durch die Sünde fiel und nur durch eine neue Geburt in Kinder des himmlischen Vaters umzuwandeln. Daß wir dies Werk nicht selber ausführen können, ist gewiß. Wir können unsere Sünden ändern, aber nicht unsere Herzen.“ Der Mensch, ehe und zuvor er neu geboren und eine neue Creatur wird, durch den Geist und Glauben, thut nichts dazu, kann auch nicht etwas streben, dadurch er sich bereite zu der geistlichen Wiedergeburt, und zum Reich Gottes.“

Je mehr und aufrichtiger wir uns nun über jeden Strahl von göttlicher Wahrheit freuen, wo sich derselbe auch nur finden mag, denn in einem jedem liegen ja Kräfte der Wiedergeburt und des neuen Lebens aus Gott, und je größer daher unsere Freude war, wenigstens jene Wahrheiten von dem ‚Sendboten‘ ausgesprochen zu finden: desto betrübter war es uns, neben diesen Wahrheiten und in Widerspruch mit denselben auch „viele schwere, höchst gefährliche Irrlehren“ darin zu finden. Davon, so der HErr will, das nächste Mal.

Recension der von unserer Synode herausgebenen Schrift: „Die Stimme unserer Kirche in der Frage über Kirche und Amt.“

Daß es auch im alten Vaterlande noch Männer giebt, welche die von uns festgehaltene und gegen die hiesige Grabauische Parthei vertheidigte alte evangelisch-lutherische Lehre auch von Kirche und Amt mit uns bekennen, zeigt eine in der „Zeitschrift für die gesammte lutherische Theologie und Kirche von Dr. Rudelbach und Dr. Guericke“ (drittes Quartalheft dieses Jahres) erschienene Recension des Licentiaten und Gymnasiallehrers Karl Ströbel. Wir theilen diese Recension nach einem Beschluß der St. Louis-Distrikts-Predigerconferenz hierdurch mit. Sie lautet Seite 571–573, wie folgt:

„Daß die Lutheraner jetzt über die wichtigen Lehren von Kirche und Amt und was damit in unmittelbarem Zusammenhange steht, zwiespältig sind, kommt daher, daß man von der in den öffentlichen Bekenntnissen unserer Kirche niedergelegten und in den Privatschriften ihrer rechtgläubigen Lehrer entwickelten Lehre absieht und abweicht. . . . Und wer etwa von uns Grundsätze und Lehren mit Erstaunen als Grundsätze und Lehren der lutherischen Kirche vorgelegt findet, die er bisher als Schwärmerei perhorrescirt hat, den können wir getrost auf die Belege verweisen, welche wir dafür beigebracht haben, und ihm die Wahl lassen, entweder uns den Ruhm lutherischer Rechtgläubigkeit zu lassen, oder denselben der ganzen Wolke treuer Zeugen von Luther an bis auf einen Baier und Hollaz herab abzusprechen.“ So spricht sich die Synode von Missouri in den „Vorerinnerungen“ zu dem Walther’schen Buche aus, und Ref. kann zu dieser Erklärung nur sein fröhliches Ja und Amen fügen und das herrliche amerikanische „Glaubens-Zeugniß“ als den entscheidenden Wendepunkt des Kirchen- und Amts-Streites begrüßen. Fortan kann nicht mehr die Frage sein, was die evangelische Christenheit über diesen wichtigen Gegenstand lehre, oder was nur überhaupt mit ihrem Princip und Geiste verträglich sei. Der wackere Walther hat unwiderleglich dargethan, daß sie sich selbst aufgeben und ins Pabstthum zurückkehren muß, wenn sie nicht folgende Sätze in aller Schärfe festhält: 1. „Die Kirche im eigentlichen Sinne des Wortes ist die Gemeinde der Heiligen, d. i. die Gesammtheit aller derjenigen, welche, durch das Evangelium aus dem verlorenen, verdammten Menschengeschlecht vom heil. Geiste herausgerufen, an Christum wahrhaftig glauben und durch diesen Glauben geheiligt und Christo einverleibt sind.“ 2. „Zu der Kirche im eigentlichen Sinne des Wortes gehört kein Gottloser, kein Heuchler, kein Unwiedergeborener, kein Ketzer.“ 3. „Die Kirche im eigentlichen Sinne des Wortes ist unsichtbar.“ 4. „Diese wahre (unsichtbare) Kirche der Gläubigen und Heiligen ist es, welcher Christus die Schlüssel des Himmelreichs gegeben hat, und sie ist daher die eigentliche und alleinige Inhaberin und Trägerin der geistlichen, göttlichen und himmlischen Güter, Rechte, Gewalten, Aemter u. s. w., welche Christus erworben hat, und die es in seiner Kirche giebt.“ 5. „Wie die sichtbaren Gemeinschaften, in denen Wort und Sakrament noch wesentlich ist, wegen der in denselben sich befindenden wahren unsichtbaren Kirche wahrhaft Gläubiger nach Gottes Wort den Namen Kirche tragen, so haben dieselben auch um der in ihnen verborgen liegenden unsichtbaren Kirche willen, wenn dies auch nur zwei oder drei wären, die Gewalt, welche Christus seiner ganzen Kirche gegeben hat.“ 6. „Das Predigtamt ist kein besonderer, dem gemeinen Christenstande gegenüberstehender heiligerer Stand, wie das levitische Priesterthum, sondern ein Amt des Dienstes.“ 7. „Das Predigtamt wird von Gott durch die Gemeinde, Inhaberin aller Kirchengewalt oder der Schlüssel, und durch deren von Gott vorgeschriebenen Beruf übertragen. Die Ordination der Berufenen mit Handauflegung ist nicht göttlicher Einsetzung, sondern eine apostolische kirchliche Ordnung, und nur eine öffentliche feierliche Bestätigung jenes Berufes.“ 8. „Das heilige Predigtamt ist die von Gott durch die Gemeinde als Inhaberin des Priesterthums und aller Kirchengewalt übertragene Gewalt, die Rechte des geistlichen Priesterthums in öffentlichem Amte von Gemeinschaftswegen auszuüben.“ — Das sind die Fundamental-Artikel der evangelisch-lutherischen Lehre von Kirche und Amt, und um den Freunden der entgegengesetzten Ansichten die unnütze Mühe zu sparen, jene Glaubenssätze durch Deutelei zu verengen, bemerke ich noch, daß sie von unsern bewährten Kirchenlehrern in der weitesten Ausdehnung gefaßt werden. Der Amts- und Kirchen-Streit reduzirt sich fortan auf die Frage: Ist die evang.-lutherische Ueberzeugung göttliche Wahrheit, oder menschlicher Irrthum, verderbliche „Schwärmerei?“ Sollen wir die Reformatoren und ihre geistesverwandten Nachfolger als rechte Verkündiger des Evangeliums annehmen, oder als Irrlehrer und Wölfe fliehen? Von nun an wird jener Streit nicht mehr zwischen Gliedern und Gliedern, sondern nur noch zwischen Gliedern und Feinden der evangel.-lutherischen Kirche geführt werden. Wer nicht zu unserer Fahne schwört, der ist kein Bekenner der augsb. Conf., sondern ein in unser Heerlager vorgeschobener römischer Feldposten, der über lang oder kurz aus seiner jetzigen Stellung in die ihm angemessenere, naturgemäße an der Tiber zurückgedrängt werden wird. Auf unserer Seite ist die christliche Wahrheit und mit ihr die Gewißheit des endlichen Sieges. Walther hat durch zahlreiche Stellen aus der heil. Schrift und den Kirchenvätern erwiesen, daß in der apostolischen und patristischen Zeit keine andere Lehre von Kirche und Amt gegolten hat, als die einst von den Reformatoren, und jetzt von uns vertheidigte. Wir können es uns daher sehr wohl gefallen lassen, daß unsere Lehre in dem „zweiten Synodalbriefe“ der vatikanisch-lutherischen Kirche zu Buffalo für „demokratisch“ und ihre Vertheidiger (namentlich auch Walther) als „Rottenbeschützer“ bezeichnet werden. Darauf müssen wir als evangelische Christen gar kein Gewicht legen, vielmehr gefaßt sein, daß es noch schlimmer kommen kann, daß man uns vielleicht nicht blos eine „demokratische Rotte“ schelten, sondern nach einiger Zeit auch als solche behandeln wird, wie es unsern sel. Vätern gegangen ist. Sprache u. Grundsätze der Meister von Buffalo lassen keinen Zweifel übrig, daß ein Eck, Emser, Murnar, Bellarmin und Consorten von den Todten auferstanden sind und (angeblich gegen uns, in der Wirklichkeit aber) gegen Luther, Melanchthon, Chemnitz, Chyträus, Joh. Gerhard, gegen Ignatius, Irenäus, Origenes, Chrysostomus, Cyprian, Ambrosius, Augustin, Hieronymus, gegen Paulus, Petrus, Johannes, gegen Christum, das göttliche Wort und die ganze ökumenische Kirche auf Erden den verjährten Amts- und Kirchen-Streit wieder aufgenommen haben. Sollte es ihnen irgendwo gelingen, Herrn Omnes oder das brachium sæculare für sich zu gewinnen, sie würden mit uns armen Schächern gar wenig Federlesens machen. Wie der treffliche Löhe in diese Gesellschaft gerathen ist und wie er sich über das Verhältniß seiner Ansichten zu der Bibel- und evangelisch-lutherischen Kirchen-Lehre so völlig täuschen

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The mystery of the holy "Trinity" the Baptist party which the Sendbote wants to serve seems, to our joy, to acknowledge without reserve. Indeed, Mr. Rauschenbusch writes in the paper that "the doctrines of the Trinity and of justification are more important to him than the doctrine of Baptism."

Original sin also the "Sendbote" seems to believe. At least it says in the second number: "God says of every living man who is not a believer, be he young or old besides: he is dead," namely, as it says further below, "spiritually dead." "All men without exception have need of it" (regeneration). "All are children of the same earthly progenitor, who fell through sin and can be transformed into children of the heavenly Father only through a new birth. That we cannot accomplish this work ourselves is certain. We can change our sins, but not our hearts." Man, before and until he is born anew and becomes a new creature, through the Spirit and faith, does nothing toward it, nor can he strive for anything by which he might prepare himself for spiritual regeneration and for the kingdom of God."

The more and the more sincerely we now rejoice over every ray of divine truth, wherever it may be found, since in every one lie powers of regeneration and of the new life from God, and the greater therefore our joy was to find at least those truths uttered by the 'Sendbote': the more saddened were we to find, alongside these truths and in contradiction to them, also "many grievous, most dangerous false doctrines" in it. Of this, if the LORD will, next time.

Review of the writing published by our Synod: "Die Stimme unserer Kirche in der Frage über Kirche und Amt."

That there are also in the old fatherland still men who confess with us the old evangelical-Lutheran doctrine held fast by us and defended against the Grabauite party here, also of Church and Ministry, is shown by a review, which appeared in the "Zeitschrift für die gesammte lutherische Theologie und Kirche von Dr. Rudelbach und Dr. Guericke" (third quarterly number of this year), by the Licentiate and gymnasium teacher Karl Ströbel. By a resolution of the St. Louis District Pastoral Conference we herewith communicate this review. It reads, pages 571–573, as follows:

"That the Lutherans are now divided on the important doctrines of Church and Ministry and what stands in immediate connection with them, comes from this, that one departs and deviates from the doctrine laid down in the public confessions of our Church and developed in the private writings of its orthodox teachers. . . . And whoever among us may find with astonishment principles and doctrines set forth as principles and doctrines of the Lutheran Church which he has hitherto abhorred as enthusiasm, him we can confidently refer to the proofs which we have adduced for them, and leave him the choice, either to leave to us the glory of Lutheran orthodoxy, or to deny the same to the whole cloud of faithful witnesses from Luther down to a Baier and Hollaz." Thus the Synod of Missouri expresses itself in the "Vorerinnerungen" to Walther's book, and the reviewer can add to this declaration only his joyful Yea and Amen, and welcome the glorious American "Glaubens-Zeugniß" as the decisive turning point of the strife over Church and Ministry. Henceforth the question can no longer be what evangelical Christendom teaches on this important subject, or what at all is compatible with its principle and spirit. The valiant Walther has irrefutably demonstrated that it must give itself up and return to the Papacy, if it does not hold fast with all strictness the following propositions: 1. "The Church in the proper sense of the word is the congregation of saints, that is, the totality of all those who, called out by the Gospel from the lost, condemned human race by the Holy Spirit, truly believe in Christ and are sanctified by this faith and incorporated into Christ." 2. "To the Church in the proper sense of the word there belongs no godless person, no hypocrite, no unregenerate person, no heretic." 3. "The Church in the proper sense of the word is invisible." 4. "It is this true (invisible) Church of believers and saints to which Christ has given the keys of the kingdom of heaven, and it is therefore the proper and sole possessor and bearer of the spiritual, divine and heavenly goods, rights, powers, offices, etc., which Christ has obtained, and which He gives in His Church." 5. "As the visible communities, in which Word and Sacrament are still essentially present, bear the name Church on account of the true invisible Church of true believers according to God's Word found in them, so these also, for the sake of the invisible Church lying hidden in them, even if there were only two or three, have the power which Christ has given to His whole Church." 6. "The ministry of preaching is no special, holier estate standing over against the common Christian estate, like the Levitical priesthood, but an office of service." 7. "The ministry of preaching is conferred by God through the congregation, possessor of all church power or of the keys, and through its calling prescribed by God. The ordination of those called with the laying on of hands is not of divine institution, but an apostolic church order, and only a public, solemn confirmation of that call." 8. "The holy ministry of preaching is the power, conferred by God through the congregation as possessor of the priesthood and of all church power, to exercise the rights of the spiritual priesthood in a public office on behalf of the community." — These are the fundamental articles of the evangelical-Lutheran doctrine of Church and Ministry, and, to spare the friends of the opposite views the useless trouble of narrowing these articles of faith by quibbling, I remark further that they are taken by our approved teachers of the Church in the widest extent. The strife over Ministry and Church reduces itself henceforth to the question: Is the evangelical-Lutheran conviction divine truth, or human error, pernicious "enthusiasm"? Are we to accept the Reformers and their kindred successors as true proclaimers of the Gospel, or to flee them as false teachers and wolves? From now on that strife will be carried on no longer between members and members, but only between members and enemies of the evangelical-Lutheran Church. Whoever does not swear to our banner is no confessor of the Augsburg Confession, but a Roman outpost pushed forward into our camp, which sooner or later will be driven back from its present position into the more fitting, natural one on the Tiber. On our side is the Christian truth and with it the certainty of the final victory. Walther has proved by numerous passages from the Holy Scripture and the Fathers that in the apostolic and patristic age no other doctrine of Church and Ministry prevailed than that which was once defended by the Reformers and is now defended by us. We can therefore very well be content that our doctrine is called "democratic" in the "second Synodal Letter" of the Vatican-Lutheran Church at Buffalo, and its defenders (Walther in particular) "Rottenbeschützer." We as evangelical Christians must lay no weight on that at all, but rather be prepared that it may come still worse, that one may perhaps not merely call us a "democratic rabble," but after some time also treat us as such, as it went with our blessed fathers. The language and principles of the masters of Buffalo leave no doubt that an Eck, Emser, Murnar, Bellarmine and consorts have risen from the dead and (ostensibly against us, but in reality) against Luther, Melanchthon, Chemnitz, Chyträus, Joh. Gerhard, against Ignatius, Irenaeus, Origen, Chrysostom, Cyprian, Ambrose, Augustine, Jerome, against Paul, Peter, John, against Christ, the divine Word and the whole ecumenical Church on earth have taken up again the superannuated strife over Ministry and Church. Should they succeed anywhere in winning Mr. Omnes or the brachium sæculare to their side, they would make very little ado with us poor wretches. How the excellent Löhe came into this company and how he can so completely deceive himself about the relation of his views to the Bible and the evangelical-Lutheran doctrine of the Church