Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 5 › Seite 39
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-10-25, Seite 39
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengehen 6 · Tanz 9
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konnte, das begreife ein Anderer! Hoffen wir, daß fortgesetzte Prüfung den wackern Herausgeber evangelischer Kerngebete in Kurzem auf richtige Bahnen leiten werde. Ref. enthält sich hier jeder weitern Besprechung der „Neuen Aphorismen,“ behält sich aber vor, dieselben (zugleich mit dem zweiten buffalo’er Synodalschreiben) einer ausführlichern Erörterung in dieser Zeitschrift zu unterziehen.
(Für den Lutheraner.)
1.
Der Pfarrer B. in E. pflegte oft über die armen Alt-Lutheraner gewaltig loszuziehen. Da soll ihm denn einmal ein Mann, der noch nicht lange im Lande war, gefragt haben, was denn das eigentlich für eine Sorte von Leuten wären und was für schreckliche Dinge sie trieben. Ei, sagte der Pfarrer, diese Leute haben Crucifix und Lichter auf dem Altar. Nun das haben wir bei uns (in Baiern) auch auf dem Altar gehabt, erwiederte der Fragende. Was haben denn die Alt-Lutheraner noch? Sie singen am Altar sagte der Pfarrer, und sogar den Segen. Nun gerade so ist’s auch bei uns daheim, sagte der lernbegierige Mann, und wenn sie weiter nichts haben, als das, so sehe ich nicht ein, warum sie so gefährlich sein sollen, denn das hat noch keinem Menschen was geschadet. Aber, setzte der Pfarrer mit bedenklicher Mine hinzu, sie haben noch etwas, nämlich die Ohrenbeichte! Die Ohrenbeichte, fragte verwundert der Mann, was ist denn das? Davon habe ich bei uns allerdings noch nichts gehört. Da mag nun der Pfarrer dies und das zur Erklärung oder vielmehr zur Verdrehung dieses Wortes gesagt haben, kurz der Mann, der gefragt hatte, wußte eigentlich nachher so viel, als er vorher von der Ohrenbeichte wußte. Da traf sich’s nun, daß dieser Mann und andere Männer mit einem andern Pfarrer zusammenkamen. Dem legten sie nun auch die Frage vor, was doch eigentlich die Ohrenbeichte sei. Das will ich euch gleich sagen, lieben Leute, erwiederte der Pfarrer. Seht, wenn einer zur Ohrenbeichte kommt, so kriegt ihn der Prediger mit beiden Händen bei den Ohren und schüttelt ihn so lange, bis er Alles heraussagt; darum soll euer Pfarrer ja nicht zur Ohrenbeichte kommen, denn er würde so lange an den Ohren geschüttelt werden, bis er zum Geständniß gebracht würde, was denn eigentlich die Ohrenbeichte sei.
2.
Ein Bäcker kam einmal zu einem Pfarrer und erkundigte sich bei ihm nach Etwas, das er gern wissen wollte. Als ihm nun der Pfarrer Bescheid gegeben, erkundigte er sich bei dem Bäcker, in welche Kirche er ginge. Der Bäcker sagte, er wäre sonst in die und die Kirche gegangen, seit langer Zeit ginge er aber in gar keine Kirche mehr. Der Pfarrer fragte: Warum? Je nun, antwortete der Bäcker, ich traue keinem Pfarrer mehr, denn ich bin einmal angeführt worden. Da geht’s Ihnen, sagte der Pfarrer, mit den Pfarrern just so, wie mir’s mit den Bäckern geht, ich traue auch keinem Bäcker mehr, denn es hat mich einmal einer mit einem Laib Brod angeführt, das sollte neubacken sein und war doch knochenhart. Der Bäcker sagte darauf: Es sind aber doch nicht alle Bäcker so, worauf der Pfarrer erwiederte: So sind auch nicht alle Pfarrer so wie der, der Sie angeführt hat. Damit schied der Bäcker von dem Pfarrer.
3.
Verbot des Bibellesen’s bei den Römisch-Catholischen.
(Vrgl. ‚Lutheraner‘ 9. Jahrg. Nr. 26.)
Der bekannte Württembergische Theolog Bengel erzählt einmal folgende Geschichte: Friedr. Fulgratius, Theologus zu Venedig, predigte über die Worte Jesu Marci 12, 10: Habt ihr nicht gelesen“ ꝛc. also: Wenn der Heiland heutzutage diese Frage thäte, so würde alles Volk müssen sagen: „Nein, sie hätten es nicht gelesen, weil es ihnen verboten gewesen, zu lesen.“
Und über die Frage Pilati, Joh. 18, 38: ‚Was ist Wahrheit?‘ sagte er: „Die Ungeduld und Unzufriedenheit Pilati ist uns heut zu Tage sehr verdrießlich; hätte er gewartet, bis ihm Jesus geantwortet, oder wenn seine eigenen Untugenden die Antwort nicht verhindert hätten, so dürften wir jetzt solche Mühe nicht haben, die Wahrheit zu suchen. Ich habe sie gesucht in der Wüste, in den Städten, in den Gesellschaften und Klöstern, bei den Einsiedlern, am Hof des Papstes, der da sagt, er sei unfehlbar, und habe sie nirgends gefunden. Endlich habe ich sie doch gefunden, nämlich in diesem Buch!“—und da zog er ein neues Testament hervor, steckte es aber wieder ein und sprach ganz trocken: „Aber sehet zu, daß Ihr darin die Wahrheit nicht suchet, denn es ist verboten, dies Buch zu lesen.“
(Süddeutsche Originalien, herausg. v. Barth)
Luther’s Brief an Marcus Crodel, Lehrer zu Torgau, als er demselben seinen Sohn Johannnes zusandte.
„Gnade und Friede! Wie wir mit einander übereingekommen sind, sende ich Euch, mein lieber Marcus, meinen Sohn Johannes, daß Ihr denselben mit unter die Knaben, welche Grammatik und Musik lernen, aufnehmen und auf seine Sitten Obacht haben und dieselben bessern möget; denn ich habe zu Euch ein sehr großes Zutrauen in dem HErrn. Die Kosten werde ich willig erstatten. Zu seiner Zeit werdet Ihr mich wissen lassen, welche Fortschritte er gemacht hat und wie weit er zu bringen sein möchte. Ich habe den Knaben Florian mitgesendet, hauptsächlich darum, weil ich sehe, daß dergleichen Knaben das Beispiel recht vieler Knaben, die ihre Kameraden sind, nöthig haben, was mir mehr zu wirken scheint, als wenn sie privatim ein jeder für sich unterrichtet und erzogen werden. Gott segne das angefangene Werk. Wenn ich an jenem Sohn guten Erfolg sehe, sollt ihr bald, so ich lebe, auch meine beiden andern Söhne haben. Denn ich besorge, daß es nach Euch keinen so eifrigen Lehrer geben werde, besonders was Grammatik und Ernst der Sitten betrifft. Man muß daher der Zeit wahrnehmen, die Zeit verstreicht schnell, und noch viel schneller verschwinden fleißige Lehrer. Hernach werden die Schüler vorbereitet zu den höhern Studien hierher zurückkehren. Lebet wohl in dem HErrn und grüßet und bittet Johann Waltern, daß er sich meinen Sohn in der Musik anempfohlen sein lasse. Denn ich kann wohl Theologen zur Welt bringen, wünsche aber auch Grammatiker und Musiker zu gebären. Lebet nochmals wohl und grüßet mir auch Gabriel mit den Seinen. Zum drittenmal und für immer lebet wohl! Sonnabends den 27. August, 1542. Euer Martin Luther.“
Luther über Matth. 2, v. 11.
Sie thaten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen.
Also sollen wir, (wer es vermag), Gold und Gut dahin wenden, daß unsers HErrn Christi Reich erhalten und gemehret werde, und das Kindlein im Elend seine Nahrung haben könne, das ist: wir sollen mit Geld und Gut dazu helfen, daß man fleißige Prediger des Evangelii, seine Kirchendiener und Schulmeister habe, daß die Armen, so ihrer Nahrung, Kranheit oder anderer Noth halben nicht schaffen können, erhalten werden. Und sonderlich, daß man junge Knaben, so zur Lernung tüchtig, aufziehe, auf daß unsere Nachkommen auch rechtschaffene Prediger und Kirchendiener haben mögen, denn wir sollen in solchem Falle thun, wie ein kluger, vorsichtiger Gärtner, der immerdar junge Bäume aufziehet, auf daß, wo heuer, über ein Jahr oder zwei ein alter Baum abgehet, bald ein anderer an die Statt gesetzt werde, der Frucht bringe. Wer sein Geld dermaßen anleget, der schenkt und opfert es dem Kindlein JEsu, sowohl, als die Weisen.
Catechismusauslegung
aus Dr. Luthers Schriften und den symbolischen Büchern zusammengestellt von Ernst Gerh. Wilh. Keyl, Pastor der evang.-luther. St. Paulsgemeinde in Baltimore.
Diese bereits angezeigte Schrift ist endlich angekommen und durch die Buchhandlung und
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could, let another understand! Let us hope that continued examination will lead the worthy editor of Evangelical Kerngebete in a short time onto the right paths. The reviewer refrains here from any further discussion of the "Neue Aphorismen," but reserves the right to subject them (together with the second Buffalo Synodal Letter) to a more detailed discussion in this periodical.
(For the Lutheraner.)
1.
Pastor B. in E. was fond of railing mightily against the poor Old Lutherans. Thereupon a man who had not long been in the country is said once to have asked him what sort of people they actually were and what terrible things they did. Why, said the pastor, these people have a crucifix and candles on the altar. Well, that we also had on the altar at home (in Bavaria), replied the questioner. What else do the Old Lutherans have? They sing at the altar, said the pastor, and even the blessing. Well, it is just so with us at home, said the eager-to-learn man, and if they have nothing else than that, I do not see why they should be so dangerous, for that has done no man any harm. But, added the pastor with a grave mien, they have something else, namely the ear-confession! The ear-confession, asked the man in surprise, what is that? Of that I have indeed heard nothing so far with us. The pastor may then have said this and that in explanation or rather in distortion of this word; in short, the man who had asked knew actually afterwards as much as he had known before of the ear-confession. Now it happened that this man and other men came together with another pastor. To him they now also put the question what the ear-confession actually was. That I will tell you at once, dear people, replied the pastor. See, when one comes to the ear-confession, the preacher takes him with both hands by the ears and shakes him until he says out everything; therefore your pastor must by no means come to the ear-confession, for he would be shaken by the ears so long until he was brought to confess what the ear-confession actually is.
2.
A baker once came to a pastor and inquired of him about something he wanted to know. When the pastor had given him information, he inquired of the baker to what church he went. The baker said he used to go to such and such a church, but for a long time he had gone to no church at all. The pastor asked: Why? Well now, answered the baker, I trust no pastor any more, for I was once taken in. It goes with you, said the pastor, with the pastors just as it goes with me with the bakers; I too trust no baker any more, for one once took me in with a loaf of bread that was supposed to be freshly baked and was yet hard as a bone. The baker said thereupon: But not all bakers are so, whereupon the pastor replied: Neither are all pastors like the one who took you in. With that the baker parted from the pastor.
3.
Prohibition of Bible-reading among the Roman Catholics.
(Cf. 'Lutheraner' Vol. 9, No. 26.)
The well-known Württemberg theologian Bengel once relates the following story: Friedr. Fulgratius, theologian at Venice, preached on the words of Jesus, Mark 12, 10: Have ye not read" etc., thus: If the Saviour were to put this question nowadays, all the people would have to say: "No, they had not read it, because it had been forbidden them to read."
And on the question of Pilate, John 18, 38: 'What is truth?' he said: "The impatience and discontent of Pilate is very vexing to us today; if he had waited until Jesus had answered, or if his own vices had not prevented the answer, we should not now have such trouble in seeking the truth. I have sought it in the desert, in the cities, in the societies and monasteries, among the hermits, at the court of the Pope, who says that he is infallible, and have found it nowhere. At last I have found it after all, namely in this book!"—and thereupon he drew out a New Testament, but put it away again and said quite dryly: "But see to it that you do not seek the truth in it, for it is forbidden to read this book."
(Süddeutsche Originalien, edited by Barth)
Luther's letter to Marcus Crodel, teacher at Torgau, when he sent him his son Johannes.
"Grace and peace! As we have agreed with one another, I send you, my dear Marcus, my son Johannes, that you may take him in among the boys who are learning grammar and music, and have heed to his manners and mend them; for I have a very great confidence in you in the LORD. The costs I shall gladly defray. In due time you will let me know what progress he has made and how far he may be brought. I have sent the boy Florian along, chiefly because I see that such boys have need of the example of many boys, who are their comrades, which seems to me to accomplish more than if they were instructed and brought up privately each one for himself. God bless the work begun. If I see good success in that son, you shall soon, if I live, have my two other sons also. For I am concerned that after you there will be no such zealous teacher, particularly as regards grammar and strictness of morals. One must therefore take advantage of the time; time passes quickly, and diligent teachers vanish much more quickly still. Thereafter the pupils, prepared for the higher studies, will return hither. Fare you well in the LORD, and greet and ask Johann Walter that he take my son into his charge in music. For I can well bring theologians into the world, but wish also to beget grammarians and musicians. Fare you well once more, and greet Gabriel for me with his family. For the third time and for ever, fare you well! Saturday, the 27th of August, 1542. Your Martin Luther."
Luther on Matth. 2, v. 11.
They opened their treasures and presented unto him gold, frankincense and myrrh.
Thus we should (whoever is able) apply gold and goods to this end, that our LORD Christ's kingdom may be preserved and increased, and the little Child in His misery may have His sustenance, that is: we should help with money and goods that one may have diligent preachers of the Gospel, His church servants and schoolmasters, that the poor, who by reason of their sustenance, sickness or other need cannot provide for themselves, may be maintained. And especially, that one bring up young boys who are fit for learning, that our posterity also may have upright preachers and church servants, for we should in such a case do as a wise, prudent gardener, who is always raising young trees, so that where this year, or in a year or two, an old tree goes, another may soon be set in its place, which will bear fruit. Whoever lays out his money in this manner, he gives and offers it to the Child JESUS, just as well as the wise men did.
Catechismusauslegung
from Dr. Luther's writings and the symbolical books, compiled by Ernst Gerh. Wilh. Keyl, Pastor of the Evang. Luth. St. Paul's Congregation in Baltimore.
This writing, already announced, has at last arrived and through the book-store and