Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 8 › Seite 59

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-12-06, Seite 59

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gnadenwahlslehrſtreit. —— 34 · Jeſuiten 2

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ist*) und (mit Ausnahme) der drei anderen wesentlichen (Gelübde), der Armuth, der Keuschheit und des Gehorsams — keine Constitutionen, Declarationen oder irgend eine Ordnung zu leben, die Verbindlichkeit zu einer Tod- oder läßlichen Sünde mit sich führen könne: außer wenn der Obere dies im Namen unseres Herrn Jesu Christi oder in Kraft des Gehorsams geböte; was in jenen Dingen oder Personen wird geschehen können, in welchen geurtheilt werden wird, was dem besonderen Nutzen jedes Einzelnen oder dem allgemeinen Nutzen gemäß sein wird: und an die Stelle der Furcht vor Anstoß trete Liebe und die Begierde aller Vollkommenheit und daß eine größere Ehre (“major gloria”) und Lob Christi, unseres Schöpfers und Herrn erfolge.“ (L. c. Vol. I. fol. 414. 415.) Merkwürdig ist, daß, während jedes Capitel der Constitutionen sonst mit weiteren amtlichen Erklärungen begleitet ist, dieses, ein Schandpfahl des Jesuitenordens, ohne solche Erklärungen gelassen ist! Eine solche Constitution weiter auszuführen, hielt man natürlich nicht für rathsam. Die Ausführung wollte man lieber der Praxis überlassen. An dieser hat es denn auch nicht gefehlt. Eine amtliche Auslegung findet sich jedoch auch in dem Institutum. In dem allgemeinen Index des Institutum wird nehmlich das angezogene Capitel mit folgender auslegender Inhaltsanzeige versehen: „Die Oberen können verbindlich machen zu sündigen in Kraft des Gehorsams, wenn dieses vielen Nutzen bringt.“†) (Siehe Index unter dem Titel: Obedientia et obedire.) Der „Herold des Glaubens“ wird hoffentlich insonderheit aus dieser letzten Stelle ersehen, daß die Jesuiten wirklich und zwar der ganze Orden dem Grundsatz huldigen und denselben auch mit klaren unmißverständlichen Worten ausgesprochen haben, „daß der gute Zweck ein sonst böses Mittel heilige.“ Wollte nur Gott, daß der „Herold“ dies hieraus nicht nur kennen, sondern sich auch entweder seiner Unwissenheit oder seines unverschämten Leugnens schämen lernte; denn was der „Herold“ nun auch vorbringen mag, auch der Unwissendste und Einfältigste kann aus den obigen beigebrachten unwidersprechlichen Zeugnissen ersehen, daß wir, als wir den Jesuiten jenen unmoralischen, alle Sittlichkeit vernichtenden Grundsatz zur Last legten, die Wahrheit geschrieben haben.

*) Das dem Papst von den Jesuiten geleistete Gelübde lautet in der Bestätigungsbulle Papst Paul III. vom Jahr 1540 folgendermaßen: „Alles was nur die jederzeitigen Päbste zum Nutzen der Seelen und zur Fortpflanzung des Glaubens befehlen und in welche Provinzen sie uns senden wollen, ohne Anstand und ohne irgend eine Ausflucht auf der Stelle, so viel an uns ist, auszuführen.“ (L. c. Vol. I. fol. 7.)

†) Vielleicht mancher, nicht nur Protestant, sondern selbst bessere Catholik wird bei diesen Sätzen entweder kaum seinen Augen trauen, oder uns mißtrauen, und sorgen, wir folgten hier etwa abgeleiteten unsicheren Quellen. Wir bezeugen aber hiermit, daß die Bibliothek unseres hiesigen Concordia-Collegiums das Institutum nach der Prager autorisirten Ausgabe besitzt und daß wir aus demselben unsere Auszüge selbst gemacht und in wörtlicher Uebersetzung gegeben haben. Wir sind bereit, die angeführten Stellen auch in der Sprache des Originals, nämlich lateinisch, mitzutheilen, wenn es gewünscht wird.

Da nun jeder, der in den Jesuitenorden tritt, schwören muß, von Allem dem Institutum gemäß zu halten, so thun wir eigentlich etwas Ueberflüssiges, wenn wir nun noch Zeugnisse aus den Schriften der einzelnen Jesuiten für ihre, mehr als lockere, Moral beibringen. Um jedoch dem Herrn „Herold“ das vollkommenste Genüge zu leisten, wollen wir selbst dies Ueberflüssige thun.

So schreibt Leonhard Leß, gestorben 1623 zu Löwen: „Es ist keine Todsünde, falsch zu schwören, ohne die Absicht zu schwören, wenn man mit Unrecht zum Eid getrieben wird und das Falsche des Schwures ganz verborgen ist. Weil man weder die Absicht hat, Gott zum Zeugen anzurufen, sondern sich nur so stellt, noch nach vernünftigem Dafürhalten für meineidig angesehen werden kann, weil das Falsche daran gänzlich verborgen ist und weil man eine gerechte Ursache hat, anders im Geiste zu schwören.“ (Lib. 2. d. justit. c. 42. dub. 8. n. 42.)

Derselbe Leß: „Ich sage viertens, es ist keine verwerfliche Meinung, daß ein Schuldiger nicht tödtlich sündige, wenn er sein Verbrechen leugnet, besonders wenn es eine Sache ist, auf welche die Todesstrafe gesetzt ist, so lange noch Hoffnung ist, zu entschlüpfen, selbst wenn er in Form Rechtens gefragt würde. Dasselbe hält Petrus Navarra, Emanuel a Saa unter dem Wort „Schuldiger“ und einige andere unter den Neueren (Jesuiten).“ (Lib. 2. c. 31. dub. 3. n. 16.)

Paulus Laymann von Zweibrücken gestorben 1635 in Costnitz, schreibt: „Wer, bedrängt von heftiger Furcht oder ohne irgend einen Vorsatz sich damit zu verbinden, zu einer Frauensperson gesagt hatte: „ich will mich zur meinigen nehmen,“ der kann später, vom Richter eidlich befragt, leugnen, daß er solche Worte gesagt habe; hinzuverstanden nehmlich: in dem Sinn, in welchem man glaubt, er habe freiwillig zugesagt, sie zur Ehe zu nehmen.“ (Lib. 4. tract. 13. c. 14. n. 7.)

Franziscus Toletus, der erste aus den Jesuiten genommene Cardinal, gest. 1596, schreibt: „Wenn ein Schuldiger vor Gericht gefragt wird, sowohl ob er das gethan habe, als auch ob er Mitwisser seines Verbrechens und Mitschuldige habe, so kann er mit Recht, auch wenn er es gethan und Mitschuldige gehabt hat, sagen, er habe das nicht gethan, er habe keine Mitschuldige gehabt, wenn er nur solche Worte vorbringt, welche nach seiner innerlichen Absicht einen wahren Sinn haben, z. B. daß er die Absicht hat zu sagen: „Ich habe es nicht gethan,“ nehmlich — „im Gefängniß;“ und „ich habe keine Mitschuldige gehabt,“ nehmlich — „in anderen Verbrechen“.“ (Lib. 4. Instruct. Sacerd. c. 58.)

Vinc. Filliucius von Siena, gest. zu Rom 1622, schreibt: „Die Absicht bestimmt den Werth einer Handlung*)... Ich frage, mit welcher Vorsichtsmaßregel Zweideutigkeit anzuwenden sei? Antwort: daß eine Zweideutigkeit recht abgefaßt werde, dazu können für Personen, welche mit Urtheilskraft begabt sind, zwei Weisen angegeben werden. Die erste ist, die Absicht haben, die äußerlich entsprechenden Worte auszusprechen, und zu größerer Sicherheit, wenn man z. B. anfängt zu sagen: ‚Ich schwöre,‘ leise im Geist die Einschränkung dazwischen setzen: ‚daß ich heute,‘ sodann mit lauter Stimme hinzusetzen: ‚jene Sache nicht begangen habe‘; oder: ‚Ich schwöre,‘ und dazwischen setzen: ‚daß ich sage,‘ und dann ebenfalls mit lauter Stimme beschließen: ‚daß ich dies oder jenes nicht gethan habe.‘ Denn so ist die ganze Rede völlig wahr ... Für ungebildete Leute, welche eine eigentliche Zweideutigkeit nicht auszudrücken verstehen, ist es genug, wenn sie die Absicht haben, es in einem Sinne zu bestätigen oder zu läugnen, welcher wirklich die Wahrheit enthält, wozu nöthig ist, daß sie wenigstens im Allgemeinen wissen, daß sie (die Sache) in irgend einem wahren Sinn leugnen können.“ (Tract. 25. c. 11. n. 331. 328.)

In einer im Jahre 1700 erschienenen, von einem Römisch-Catholischen herausgegebenen Geschichte des Jansenismus erzählt der Verfasser, daß ein Jesuit zu Bourdeaux den Satz vertheidigte: „daß man schuldig sei, sich in allem zu unterwerfen, was der Papst entscheide, mit einem so blinden Gehorsam, daß, wenn er uns gebieten würde, Christum zu verleugnen, wir ihm gehorchen müßten, und daß wir nicht sündigten, wenn wir so aus Gehorsam Christum verleugneten.“ †) (Histoire generale du Jansenisme. Tom. 3. p. 39.) So unglaublich das klingt, so ist es doch gar wohl glaublich, da selbst der berühmte Jesuit Cardinal Robert Bellarmin (gest. 1621.) geschrieben hat: „Zu sagen, es könne geschehen, daß der Papst etwas befehle, was nicht gut oder was unnütz ist, ist nicht ungereimt; obgleich es nicht Sache der Untergebenen ist, darüber zu urtheilen, sondern schlechterdings zu gehorchen. Der catholische Glaube lehrt, daß alle Tugend gut, jedes Laster bös sei. Wenn aber der Papst irrte, indem er Laster geböte oder Tugenden verböte, so ist die Kirche verpflichtet, zu glauben, die Laster seien gut, die Tugenden seien bös wenn sie nicht wider das Gewissen sündigen wollte. Denn die Kirche ist verpflichtet, in

*) Hier hat der „Herold“ den Grundsatz, daß der Zweck die Mittel heiligt und die sonst böse That gut macht, buchstäblich ausgesprochen. Wir wollen ihm jedoch gern, wenn er es begehrt, zugestehen, daß diesen Grundsatz nicht nur Jesuiten, sondern auch andere röm. cath. Schriftsteller aufgestellt haben.

†) Gute Aussichten zu einer nöthigenfalls mit den jetzt überhandnehmenden freien Männern und Spöttern einzugehenden Union der jesuitischen Catholiken!

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is*) and (with the exception) of the three other essential (vows), of poverty, of chastity and of obedience — no Constitutions, Declarations or any rule of living can carry with it the obligation to a mortal or venial sin: except when the Superior should command it in the name of our Lord Jesus Christ or by virtue of obedience; which can happen in those things or persons in which it shall be judged what will be in accordance with the particular advantage of each individual or with the general advantage: and in the place of the fear of offense let there come love and the desire of all perfection, and that a greater honor ("major gloria") and praise of Christ, our Creator and Lord, may follow." (L. c. Vol. I. fol. 414. 415.) It is remarkable that, while every chapter of the Constitutions is otherwise accompanied with further official explanations, this one, a pillory of the Jesuit order, has been left without such explanations! To carry out such a Constitution further, they naturally did not think advisable. The execution they preferred to leave to practice. And in this it has not been lacking. An official interpretation is found, however, in the Institutum also. In the general Index of the Institutum the chapter cited is furnished with the following interpreting summary: "The Superiors can make it binding to sin by virtue of obedience, when this brings great advantage."†) (See Index under the title: Obedientia et obedire.) The "Herold des Glaubens" will hopefully see, especially from this last passage, that the Jesuits, and indeed the whole order, hold the principle, and have expressed it also in clear and unmistakable words, "that a good end sanctifies an otherwise evil means." Would to God that the "Herold" might not only know this from here, but also learn to be ashamed either of his ignorance or of his shameless denial; for whatever the "Herold" may now bring forward, even the most ignorant and simple can see from the incontrovertible testimonies adduced above that we told the truth when we laid that immoral principle, destroying all morality, to the charge of the Jesuits.

*) The vow rendered by the Jesuits to the Pope reads in the confirming bull of Pope Paul III of the year 1540 as follows: "Everything whatever that the popes for the time being may command for the profit of souls and the propagation of the faith, and into whatever provinces they may wish to send us, we are to carry out at once, without delay and without any excuse, so far as in us lies." (L. c. Vol. I. fol. 7.)

†) Perhaps many a one, not only Protestant, but even a better Catholic, will scarcely trust his eyes at these sentences, or will distrust us, and fear that we followed here some derived and uncertain sources. We testify, however, hereby, that the library of our local Concordia College possesses the Institutum according to the authorized Prague edition, and that we have made our excerpts from it ourselves and have given them in a literal translation. We are ready to communicate the passages cited also in the language of the original, namely in Latin, if it is desired.

Since now everyone who enters the Jesuit order must swear to hold to the Institutum in everything, we are really doing something superfluous when we still bring forward testimonies from the writings of individual Jesuits for their more than lax morality. But in order to afford Mr. "Herold" the fullest satisfaction, we will do even this superfluous thing.

Thus writes Leonhard Leß, died 1623 at Louvain: "It is no mortal sin to swear falsely without the intention to swear, when one is driven to an oath unjustly and the falsity of the oath is wholly hidden. Because one neither has the intention of calling God to witness, but only pretends so, nor, in reasonable judgment, can be regarded as perjured, since the falsity of it is wholly hidden, and because one has a just cause to swear otherwise in one's mind." (Lib. 2. d. justit. c. 42. dub. 8. n. 42.)

The same Leß: "I say fourthly, it is no reprehensible opinion that a guilty man does not sin mortally if he denies his crime, especially when it is a matter on which the death penalty is set, so long as there is yet hope to escape, even if he were asked in due form of law. The same is held by Petrus Navarra, Emanuel a Saa under the word 'Guilty man' and some others among the more recent (Jesuits)." (Lib. 2. c. 31. dub. 3. n. 16.)

Paulus Laymann of Zweibrücken, died 1635 at Constance, writes: "He who, pressed by violent fear or without any intention of binding himself thereby, had said to a woman: 'I will take you to myself,' can afterwards, questioned on oath by the judge, deny that he said such words; understood, namely: in the sense in which one believes he has voluntarily promised to take her in marriage." (Lib. 4. tract. 13. c. 14. n. 7.)

Franciscus Toletus, the first cardinal taken from the Jesuits, died 1596, writes: "When a guilty man is asked before a court, both whether he has done it and also whether he has accomplices and partners in guilt, he can rightly, even if he has done it and has had partners in guilt, say he has not done it, he has had no partners in guilt, if he only brings forth such words as according to his inner intention have a true sense, e. g. that he has the intention to say: 'I have not done it,' namely — 'in prison;' and 'I have had no partners in guilt,' namely — 'in other crimes.'" (Lib. 4. Instruct. Sacerd. c. 58.)

Vinc. Filliucius of Siena, died at Rome 1622, writes: "The intention determines the worth of an action*)... I ask, with what precaution is ambiguity to be used? Answer: that an ambiguity be rightly framed, two ways can be given for persons who are endowed with judgment. The first is to have the intention of uttering the words as they outwardly sound, and for greater safety, when one begins, e. g., to say: 'I swear,' to put quietly in the mind the restriction between: 'that I today,' then to add with a loud voice: 'did not commit that thing'; or: 'I swear,' and to put in between: 'that I say,' and then likewise to conclude with a loud voice: 'that I have not done this or that.' For so the whole speech is perfectly true ... For uneducated people, who do not understand how to express a proper ambiguity, it is enough if they have the intention of affirming or denying in a sense which really contains the truth, for which it is necessary that they know at least in general that they can deny the thing (the matter) in some true sense." (Tract. 25. c. 11. n. 331. 328.)

In a history of Jansenism published in the year 1700, edited by a Roman Catholic, the author relates that a Jesuit at Bordeaux defended the proposition: "that one is bound to submit in everything to what the Pope decides, with so blind an obedience that, if he should command us to deny Christ, we should have to obey him, and that we should not sin if we thus out of obedience denied Christ." †) (Histoire generale du Jansenisme. Tom. 3. p. 39.) However incredible that sounds, it is nevertheless quite credible, since even the famous Jesuit Cardinal Robert Bellarmine (died 1621) has written: "To say that it can happen that the Pope commands something which is not good or which is useless, is not absurd; although it is not the business of subordinates to judge about it, but simply to obey. The Catholic faith teaches that all virtue is good, every vice evil. But if the Pope should err, by commanding vices or forbidding virtues, then the Church is bound to believe that the vices are good, the virtues evil, unless it would sin against conscience. For the Church is bound, in

*) Here the "Herold" has the principle, that the end sanctifies the means and makes an otherwise evil deed good, literally expressed. We are willing, however, gladly to concede to him, if he desires it, that this principle has been set up not only by Jesuits, but also by other Roman Catholic writers.

†) Good prospects for a union of the Jesuitical Catholics, to be entered into if need be with the free men and scoffers now gaining the upper hand!