Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 12 › Seite 90
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-01-31, Seite 90
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renz vorherrschte, war den Gästen aus Buffalo nicht eben günstig; die Leidenschaftlichkeit, mit welcher sie ihren Kirchenkampf bisher geführt hatten, hatte manche Brüder geradezu abgestoßen und eine Abneigung gegen sie hervorgebracht; dennoch aber schien es uns Pflicht, den beiden Delegaten einer unzweifelhaft lutherischen Synode, die wir deshalb als Brüder erkennen mußten, Raum und Zeit zu gewähren, um nach ihrem kundgegebenen Wunsche ihre kirchlichen Anliegen vor der Conferenz auszusprechen. Schon die Möglichkeit, einen Streit unter Brüdern, der bereits in weiteren Kreisen Aergerniß zu erregen anfing, zu schlichten, oder doch etwas zur Schlichtung desselben beizutragen, machte uns geneigt, keiner persönlichen Verletztheit Raum zu geben, sondern um der hochwichtigen Sache willen aufmerksam sie zu hören.
Da wir wußten, daß zunächst die Lehrdifferenz über das heilige Predigtamt die practischen Anstöße veranlaßt hatte, die zwischen den Brüdern in Missouri und denen in Buffalo stattgefunden haben, so wurde P. Grabau zuvörderst gebeten, die bei ihnen geführte Lehre vom Amte uns in kurzen Zügen mitzutheilen. Nicht bloß Löhe und seine enger verbundenen Freunde, sondern noch viele andere Pfarrer und Glieder der lutherischen Kirche, darunter 2 Professoren der Theologie, waren bei diesem Vortrage zugegen und obwohl man mit der größten Spannung demselben folgte, so fand sich nach demselben doch niemand veranlaßt, die kundgegebene Anschauung vom h. Amte als schriftwidrig oder romanisirend zu bekämpfen. An diesen Vortrag knüpfte sich nun die Darlegung der practischen Fragen und Klagen, welche die beiden delegirten Pastoren Namens ihrer Synode gegen die missourischen Brüder vorzubringen sich gedrungen sahen. Um Einsicht in den ganzen Kampf zu geben, verlas P. Grabau die ganze zwischen beiden Synoden geführte Correspondenz, wie sie im „Informatorium“ Jahrgang 2 No. 16 veröffentlicht ist, wörtlich genau und obwohl die feindselige Spannung beider Synoden, welche trotz aller Verständigungsversuche aus der Correspondenz zu ersehen war, alle Conferenzmitglieder sehr schmerzlich berührte, so ließ sich doch nicht verläugnen, daß die Sache nie so schlimm geworden wäre, wenn der von der Synode zu Buffalo ausgesprochene Bann von Eurer Seite, ich will nicht sagen unbedingt gebilligt, sondern nur mehr geachtet worden wäre. Es ist unsere feste Ueberzeugung, daß ordnungsmäßig gebannte Leute einer für lutherisch erkannten Synode ohne die unparteiischeste Untersuchung über Rechtmäßigkeit des Bannes von einer andern lutherischen Synode nicht zu Kirchgliedern sollten angenommen und so Altar gegen Altar aufgerichtet werden. Daß in Buffalo bei Ausübung des Bannes Sünden begangen worden sein mögen, wurde von uns sehr wahrscheinlich gefunden und auch von den beiden Delegirten aufrichtig und demüthig zugegeben; dennoch aber scheint Euer Verhalten, die Annahme der Gebannten betreffend,—soweit wir bis jetzt Einsicht in dasselbe haben—dadurch nicht gerechtfertigt. Andererseits suchten wir aber auch die Brüder aus Buffalo zu milderen Forderungen zu bestimmen, und so wurde man in folgenden, sogleich formulirten, Puncten einig:
1.) Wir mißbilligen es, wenn und daß die Synode Missouri die von den Gemeinden der Synode Buffalo Gebannten aufgenommen hat, ohne sie zuvor ihrem eigenen obersten Kirchengericht zugewiesen oder auch nur sich bei diesem Kirchengerichte um den Grund der Excommunication befragt zu haben. Wir wünschen und bitten, daß dies von allen Betheiligten als Unrecht eingesehen, öffentlich bekannt und fernerhin vermieden werde.
2.) So fern die Synode von Missouri darauf eingehen wird, so bitten und vermahnen wir die Synode von Buffalo, daß sie ihrerseits damit zufrieden sei, die durch Secession entstandenen Gemeinden nicht weiter angreife und überhaupt den ganzen Streit über Annahme der Gebannten beruhen lasse.
3.) Wir erkennen einstimmig die Amtsfrage als eine offene und wünschen, daß sie auch in Nordamerika so angesehen und behandelt werden möchte.
4.) Wir mißbilligen und beklagen von Grund der Seele, daß von beiden Synoden die unter ihnen obwaltenden Streitpuncte zum Aergerniß der Kirche in so hartem, bitterem und leidenschaftlichem Tone behandelt worden sind, und bitten und vermahnen, daß die Sünde, welche sie damit gegenseitig an sich und auch an uns gethan, erkannt, bekannt und fernerhin vermieden werde.
Die anwesenden Pastoren Grabau und von Rohr stimmten für ihre Person mit den obigen Puncten überein und sind bereit, dieselben ihrer Synode vorzulegen; wenn nun auch Ihr, geliebte Brüder in Missouri! Euch könntet bestimmen lassen, diese Puncte als Grundlage eines kirchlichen Friedens mit der Synode in Buffalo anzunehmen, so wäre zu hoffen, daß die getrennten Glieder Eines Leibes zur Freude aller Gläubigen diesseits und jenseits des Oceans, ja hier und dort wieder vereinigt werden. Möchte namentlich der 3te Punct Euch nicht abhalten, unsre Friedensvorschläge anzunehmen. Damit, daß wir die Amtsfrage für eine offene ansehen, ist sie uns nicht eine gleichgültige Frage geworden, sondern sie scheint uns werth, unter stetem Anrufen des heiligen Geistes auf Grund des göttlichen Wortes nach einem kirchlichen Ausdruck zu suchen, der vor Allem schriftmäßig sei und ebensowohl den römischen Irrthum als den der Schwarmgeister ausschließe. Wir zweifeln nicht,—wenn wir nur das Wort Gottes in allen Dingen zur alleinigen Richtschnur nehmen—und unsere guten Bekenntnisse nach Anleitung der Schrift*) und dem jedesmal bekämpften Gegensatz gegenüber verstehen, so wird der Geist der Wahrheit auch in dieser Frage seine Kirche in alle Wahrheit leiten. Der HErr kennt unsere Liebe zu Euch; die nicht wankend geworden ist; ER weiß es, daß wir nur aus Liebe zu Euch da widersprechen, wo Ihr uns von Seinem Worte mehr oder weniger abzuweichen scheint; während wir alsbald unsern Irrthum in der Amtsfrage öffentlich bekennen würden, sobald wir uns durch ruhigen, klaren Schriftbeweis überwunden sähen. Der HErr schenke uns allen demüthige und gläubige Herzen; damit wir in Dem, der die Wahrheit selber ist, Frieden finden mit allen, die mit uns in Einem Glauben von Einem Brode essen und aus Einem Kelche trinken. Alle Brüder, namentlich die Euch persönlich bekannten, grüßen Sie, ehrwürdiger, lieber Bruder, und alle mit Ihnen verbundenen, sammt
Ihrem Sie herzlich liebenden
Eduard Stirner, Pfarrer.
Fürth, den 26. November 1853.
*) Wir haben bisher geglaubt, daß Lutheraner nicht ihre Symbole nach der Schrift, sondern die Schrift nach ihren Symbolen auslegen zu müssen überzeugt sind und daß nur Rationalisten und Unirte, die von der Schriftmäßigkeit oder Wahrheit der Bekenntnisse nicht überzeugt sind, sagen, man nehme die Bekenntnisse an, wenn man dieselben „nach der Schrift“ verstehe und auslege; daher ja bekanntlich diese Leute die symbolischen Bücher zwar beschwören wollten, aber nicht, weil (quia), sondern insofern (quatenus) dieselben mit der hl. Schrift übereinstimmten. Selbst Spener schreibt: „Wie diejenigen, welche auf das Quia so stark dringen, einen nicht ganz vergeblichen Einwurf machen könnten und machen, daß man auf solche Art auch dem Alcoran, Tridentinischen Canonibus, u. so ferner, unterschreiben könnte, sofern sie mit der Schrift überein kämen, weil in allen mehr oder wenig göttliche Wahrheit anzutreffen.“ (Theolog. Bedenken. 1 Th. 597.) Wir meinen, daß eben deßwegen der Eid auf die Symbole gefordert werde, damit man dadurch eine Bürgschaft erhalte, der, welcher also geschworen, werde die hl. Schrift nicht nach subjectiven Ansichten, sondern dem kirchlichen Bekenntniß gemäß verstehen u. auslegen. D. R. d. L.
(Aus dem Sächsischen Kirchen- und Schulblatt, herausgegeben von Dr. Kahnis in Leipzig.)
Die Konferenz in Leipzig,
am 30. 31. Aug. und 1. Sept. 1853.
Man ging demnach sogleich zum zweiten *) Gegenstande der Konferenz über und vernahm den Vortrag des Prof. D. Kahnis über die moderne Unions-Doktrin. Da dieser Vortrag mittlerweile im Kirchen- und Schulblatte gedruckt worden ist, so können wir uns eines Urtheils darüber enthalten. Auf Grund dieses Vortrags stellte D. Kahnis folgende Thesen: 1) Wer zu den lutherischen Symbolen sich bekennt, kann mit den Reformirten nicht in Kirchengemeinschaft stehen. 2) Eine Landeskirche, welche der lutherischen und reformirten Kirchenlehre gleichviel Ansehen zuerkennt, erkennt beiden gleich wenig zu. 3) Die lutherischen und reformirten Symbole gehen in Wesenspunkten auseinander. 4) Die Unterscheidungslehren sind noch nicht ausgeglichen. 5) Die moderne Unions-Doktrin ist ein schillernder Synkretismus. 6) Wir bekennen uns zu der Abendmahlslehre Luthers als der allein schriftgemäßen. 7) Wir halten die lutherische Kirche nicht für die Kirche, wohl aber für die Kirche schriftgemäßen Bekenntnisses. 8) Wir verwerfen jede Union, es sei mit der römischen, es sei mit der
*) Der erste Gegenstand war die Mission. D. H. d. L.
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rence was not exactly favorable to the guests from Buffalo; the passionateness with which they had hitherto conducted their church controversy had positively repelled some brethren and produced an aversion toward them; yet it seemed to us a duty to grant to the two delegates of an undoubtedly Lutheran Synod, whom we on that account had to acknowledge as brethren, room and time to set forth, according to their expressed wish, their ecclesiastical concerns before the conference. The very possibility of settling a strife among brethren, which was already beginning to give offense in wider circles, or at least of contributing something toward its settlement, made us inclined to give no room to personal injured feeling, and for the sake of the weighty cause to hear them attentively.
Since we knew that the difference of doctrine concerning the holy ministry had occasioned the practical offenses which have taken place between the brethren in Missouri and those in Buffalo, Pastor Grabau was first of all requested to communicate to us in brief outline the doctrine of the Office held among them. Not only Löhe and his more closely connected friends, but many other pastors and members of the Lutheran Church, among them 2 professors of theology, were present at this address, and although it was followed with the greatest suspense, yet after it no one felt called upon to oppose the declared view of the holy Office as contrary to Scripture or Romanizing. To this address was then joined the presentation of the practical questions and complaints which the two delegated pastors felt constrained to bring forward in the name of their Synod against the Missouri brethren. In order to give an insight into the whole conflict, Pastor Grabau read aloud the entire correspondence conducted between the two Synods, as it is published in the "Informatorium," volume 2, No. 16, word for word, and although the hostile tension of both Synods, which could be seen from the correspondence in spite of all attempts at an understanding, touched all the members of the conference very painfully, yet it could not be denied that the matter would never have become so bad if the ban pronounced by the Synod at Buffalo had been on your side, I will not say unconditionally approved, but only more respected. It is our firm conviction that persons duly banned by a synod acknowledged to be Lutheran ought not to be received as church members by another Lutheran synod without the most impartial investigation into the lawfulness of the ban, and that so altar should not be set up against altar. That sins may have been committed in Buffalo in the exercise of the ban was found by us very probable, and was also sincerely and humbly admitted by the two delegates; nevertheless your conduct, as regards the reception of the banned,—so far as we have until now insight into it—seems thereby not justified. On the other hand we sought also to move the brethren from Buffalo to milder demands, and so agreement was reached on the following points, formulated at once:
1.) We disapprove of it, if and that the Synod of Missouri has received those banned by the congregations of the Synod of Buffalo, without having first referred them to their own supreme church court, or even only having inquired of this church court the ground of the excommunication. We wish and request that this be recognized by all concerned as a wrong, publicly acknowledged, and avoided in future.
2.) In so far as the Synod of Missouri will agree to this, we beg and admonish the Synod of Buffalo that on its part it be content, not further attack the congregations arisen through secession, and let the whole strife over the reception of the banned rest.
3.) We unanimously recognize the question of the Office as an open one, and wish that it might also be regarded and treated so in North America.
4.) We disapprove and lament from the bottom of the soul that by both Synods the points of controversy existing between them have been treated, to the offense of the Church, in so harsh, bitter and passionate a tone, and we beg and admonish that the sin which they have thereby mutually committed against themselves and also against us be recognized, confessed and avoided in future.
The Pastors Grabau and von Rohr who were present agreed, for their own persons, with the above points and are ready to lay them before their Synod; if now you also, beloved brethren in Missouri! could be moved to accept these points as the basis of an ecclesiastical peace with the Synod in Buffalo, then it would be to be hoped that the separated members of One Body, to the joy of all believers on this side and beyond the ocean, yes, here and there, would be reunited. May especially the 3rd point not hinder you from accepting our proposals of peace. Because we regard the question of the Office as an open one, it has not become to us an indifferent question, but it seems to us worthy, under constant invocation of the Holy Spirit, on the ground of the divine Word to seek an ecclesiastical expression which shall be, above all, scriptural and shall exclude equally the Romish error and that of the enthusiasts. We doubt not,—if we only take the Word of God in all things as the sole rule, and understand our good Confessions according to the guidance of Scripture*) and in view of the opposite error in each case—that the Spirit of truth will lead His Church in this question also into all truth. The LORD knows our love for you, which has not become wavering; HE knows that we contradict you only out of love for you, where you seem to us to deviate more or less from His Word; while we would at once publicly confess our error in the question of the Office, as soon as we saw ourselves convinced by calm, clear proof from Scripture. May the LORD give to us all humble and believing hearts, that we may find peace in Him who is Himself the Truth, with all who with us in One Faith eat of One Bread and drink from One Cup. All the brethren, especially those personally known to you, greet you, reverend, dear brother, and all who are united with you, together with
Your sincerely loving
Eduard Stirner, Pastor.
Fürth, November 26, 1853.
*) We have hitherto believed that Lutherans are convinced that they must interpret their Symbols according to Scripture, but Scripture according to their Symbols, and that only Rationalists and Unionists, who are not convinced of the scripturalness or truth of the Confessions, say that one accepts the Confessions if one understands and interprets them "according to Scripture"; hence, as is well known, these people were willing to swear to the symbolical books, but not because (quia), but in so far as (quatenus) they agreed with the Holy Scripture. Even Spener writes: "As those who press so hard the Quia might make a not wholly vain objection, and do make it, that in such a way one could also subscribe to the Koran, the Tridentine canons, and so forth, in so far as they agreed with Scripture, because in all of them there is more or less divine truth to be found." (Theolog. Bedenken. 1 Th. 597.) We think that for this very reason the oath on the Symbols is demanded, so that one may thereby obtain a guarantee that he who has so sworn will understand and interpret the Holy Scripture not according to subjective views, but according to the ecclesiastical Confession. Ed. of the L.
(From the Sächsisches Kirchen- und Schulblatt, published by Dr. Kahnis in Leipzig.)
The Conference at Leipzig,
on the 30th, 31st of Aug. and 1st of Sept. 1853.
They proceeded accordingly at once to the second *) subject of the conference, and heard the address of Prof. Dr. Kahnis on the modern Union doctrine. Since this address has meanwhile been printed in the Kirchen- und Schulblatt, we may refrain from a judgment upon it. On the basis of this address Dr. Kahnis put forward the following theses: 1) Whoever confesses the Lutheran Symbols cannot stand in church fellowship with the Reformed. 2) A state church which concedes to the Lutheran and Reformed church doctrine equal authority, acknowledges neither of them. 3) The Lutheran and Reformed Symbols diverge in essential points. 4) The distinguishing doctrines are not yet reconciled. 5) The modern Union doctrine is a shimmering syncretism. 6) We confess the doctrine of the Lord's Supper of Luther as the only one in accord with Scripture. 7) We do not hold the Lutheran Church to be the Church, but indeed the Church of the scriptural Confession. 8) We reject every Union, whether with the Roman, or with the
*) The first subject was the Mission. Ed. of the L.