Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 12 › Seite 91

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-01-31, Seite 91

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reformirten Kirche, in welcher unser Bekenntniß nicht das ist, was es sein soll (Augsb. Konf. Art. 7), der Einheitspunkt der Kirchengemeinschaft.

Nach einer persönlichen Erklärung des D. Philippi, hervorgerufen durch einen Zeitungsartikel, welche dahin ging, daß er auf dem bevorstehenden Kirchentage in Berlin nicht erscheinen werde, indem derselbe auf ganz andern Principien als den gehörten beruhe, auch nur seine Freunde eingeladen habe, legte er der Versammlung die Frage vor: ob sie nicht geneigt sei, die vorgeschlagenen Thesen durch Akklamation sofort anzunehmen. Dies fand aber nicht ungetheilten Beifall, wohl aber, daß man gleichsam als Wiederhall zu dem Gehörten durch Aufstehen zu erkennen geben wolle, man stimme mit dem Wesentlichen des Vortrags überein. Es erhob sich hierauf die ganze Versammlung wie Ein Mann. Nun ging man zur Besprechung der einzelnen Thesen über und kam nach einiger Diskussion dahin überein, das Wort „Kirchengemeinschaft“ in „Abendmahlsgemeinschaft“, als dem höchsten Ausdruck der Kirchengemeinschaft, in welchem dieselbe gleichsam gipfelt, und das Wort „kann“ in „darf“ zu verwandeln. Die zweite Thesis wurde, als nicht disputabel, sofort angenommen. Bei der dritten Thesis wurde insbesondere der Begriff der „Wesenspunkte“ genauer erklärt und dahin bestimmt, daß man darunter Alles dasjenige verstehe, worüber das Wort Gottes bereits entschieden habe. Die vierte Thesis wurde, als an sich klar und selbstverständlich, sofort angenommen. Bei der fünften Thesis nahm man vielfachen Anstoß an dem Ausdrucke „schillernd“; man wünschte statt des Ausdrucks „schillernder Synkretismus“ ein „verwerflicher Synkretismus“, kehrte jedoch später zu dem Ausdrucke „schillernder Synkretismus“ als richtig bezeichnend zurück. Die sechste Thesis wurde durch allgemeine Akklamation angenommen; man wünschte dieselbe aber nach der ersten Thesis gestellt, kehrte aber später doch zu der Ordnung zurück, in welcher dieselbe gleich Anfangs von dem Thesengeber gestellt worden war. Die größte Verschiedenheit der Ueberzeugung offenbarte sich bei der siebenten Thesis, und man beschloß, da die Zeit bereits verflossen war, die Diskussion darüber in der Nachmittagssitzung fortzusetzen. Pastor von der Trenck, der mittlerweile das Präsidium übernommen, beschloß die Konferenz mit einem passenden Gebet, in welchem er dem Herrn für seinen Beistand und seine Hilfe während dieser Konferenz dankte.

Man begab sich nun wiederum in das Hotel de Prusse zum gemeinschaftlichen Mittagsmahle und begann dann nach 3 Uhr die Konferenz von Neuem an dem frühern Orte. D. Philippi übernahm wiederum das Präsidium selbst und forderte den P. Mahn aus Mecklenburg auf, mit einem Gebete zu beginnen. Indem man nun die Diskussion über die siebente Thesis fortsetzen wollte, theilte der Superint. Münchmeyer der Versammlung mit, daß diese Thesis ihrem Inhalte nach auch in seinen Thesen zur Sprache kommen werde, die er der Konferenz vorlegen würde, und daß die Diskussion darüber bis dahin ausgesetzt werden möge. Dies bewog den Prof. D. Kahnis, die siebente Thesis zurückzuziehen, womit auch die Konferenz übereinstimmte. Dasselbe Schicksal hatte auch die achte Thesis, so daß also von der Konferenz nur die sechs ersten Thesen mit den früher bezeichneten Modifikationen angenommen wurden. So konnte denn sogleich der Vortrag des Sup. Münchmeyer folgen, der eigentlich nach dem Programme erst auf den folgenden Tag angesetzt war, was insofern auch nöthig war, weil zu den vorhandenen Gegenständen noch ein neuer hinzugekommen war, wie wir später sehen werden. Dieser gehaltreiche Vortrag handelte von unserer Stellung zur römischen Frage. Wir theilen aus demselben nur Einiges mit: 1) Es würde unserer guten Sache wenig angemessen sein, wollte man den Gegnern [den Katholiken] auch dasjenige streitig machen, was sich wirklich Anerkennungswerthes bei ihnen findet, wie dieses auf dem Kirchentage in Bremen von Sander und Ledderhose geschehen. Sätze wie die: „der Papst sei der Antichrist, die römische Kirche eine Ausgeburt der Hölle“ unterschreiben wir nicht, ja halten sie für eine faktische Gotteslästerung. Die protest. Kirche ist ja aus ihr hervorgegangen, ebenso Männer wie Sailer, Diepenbrock ꝛc. Dagegen bekennen wir, daß der Anspruch des göttlichen Rechts, den der Papst macht, antichristlich ist, was auch Luther nur sagen wollte, wenn er den Papst Antichrist nennt. Die kathol. Kirche hat auch jetzt noch einen reichlichen Schatz christlicher Wahrheit, wenn auch sehr entstellt. 2) Ebenso bestimmt müssen wir es aber auch abweisen, als protest. Lobredner der kathol. Kirche aufzutreten, wie neuerlich Heinrich Leo u. A. Die Reformation ist uns vollständig gerechtfertigt: es gab kein milderes Mittel zur Wiedergeburt der Kirche Christi; Luther wäre gern in der kathol. Kirche geblieben, man stieß ihn aber hinaus um der Wahrheit willen, der Papst that ihn in den Bann. Auch verursachte die Reformation nicht das erste Schisma in der katholischen Kirche: es hatte sich die griechische Kirche schon von ihr getrennt. Hierbei lassen wir uns nicht täuschen durch die Pracht ihres Kultus, durch ihre scheinbare Einheit, durch das Vorgeben, daß der letzte Rest des Rationalismus erst in der römischen Kirche ausgezogen werde. Wenn es auch nicht unmöglich ist, in der kathol. Kirche selig zu werden, so ist das Seligwerden in derselben doch erschwert. An eine Einigung mit derselben ist so lange nicht zu denken, als sie an dem Tridentinum noch festhält. Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig. 3) Die meisten unter den Konvertiten scheinen dadurch in der neuern Zeit für die katholische Kirche gewonnen worden zu sein, daß sie in der Reformation eine Revolution erblicken und nun glauben: es sei von dieser Pflanze in unserer Kirche noch etwas übrig geblieben. Dem müssen wir aber entschieden widersprechen: Die Reformatoren wollten nicht mit dem Kirchenregiment brechen, sondern wurden bloß dazu gezwungen, weil sie erkannten: man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen. Unsere Kirche ist ihrem Wesen nach nicht revolutionär. Ebenso wenig wollen wir dieses aber der röm. Kirche nachsagen, obwohl in ihr mehr die Tendenz zum Widerspruch wider die Staatsgewalt liegt, wie die Geschichte lehrt. 4) In Beziehung auf das innere christliche Leben ist anzuerkennen, daß die kathol. Kirche, sowie an dem Schlafe in früherer Zeit, so auch an dem in neuerer Zeit erwachten christlichen Leben einigen Antheil genommen hat. Uebrigens ist aber Aeußerlichkeit die Signatur dieser Kirche; der Jesuitismus die Inkarnation derselben. Der neue Aufschwung mußte sie daher wieder mehr päpstlich machen, denn der Jansenismus würde sie in die Arme des Protestantismus geführt haben. Auch ist dadurch die Polemik wieder bitterer geworden. — Hierauf ging der Redner zu der Frage über: Wie soll die lutherische Kirche Rom gegenüber sich stellen? Wir sollen unsere Stellung uns rein erhalten — nicht buhlen mit der röm. Kirche, aber auch nicht ungerecht und bitter gegen dieselbe sein. Die große Hauptsache ist, daß das Wort, das im Bekenntnisse für uns subjektiv gewordene Wort, wieder fest und lebendig unter uns, recht eigentlich die Seele unserer luth. Kirche werde; nur dann sind wir unüberwindlich. Unser Bekenntniß ist uns identisch mit dem Worte (weil es uns nämlich der schriftgemäße adäquate Ausdruck desselben ist. Ref.) Der negative Protestantismus muß als Roms erste Beute fallen. Wie ist aber das zu erreichen, daß das Bekenntniß wieder fest und lebendig unter uns werde? Das ist Gottes Gabe, die von ihm erbeten sein will; allein der Herr gewährt diese Bitte durch Mittel und will uns hierbei als seine Werkzeuge gebrauchen. Auf Grund dieser Auseinandersetzung stellte der Vortragende folgende vier Thesen, die er der Diskussion anheimgab: 1) Die römische Kirche ist nicht eine Ausgeburt der Hölle und der Papst nicht der Antichrist, nur von dem Irrthume der römischen Kirche mag gesagt werden, daß er antichristlich sei. 2) Die Lossagung von der röm. Kirche ist vollkommen gerechtfertigt und als der Wille Gottes anzusehen. 3) Die röm. Kirche bietet dem Staate nicht bessere Garantien dar als die lutherische. 4) Die höchste Weisheit ist, daß wir unser schriftgemäßes Bekenntniß wieder zu unserm Lebensgrunde machen.

Man ging nun zur Diskussion über. Prof. D. Lindner sen. sprach zuvörderst im Allgemeinen über diesen Gegenstand und behauptete: die Stellung Luthers zur kathol. Kirche vor 300 Jahren muß auch unsere Stellung in der Gegenwart sein. Er trat zur apostolisch-katholischen Kirche und ging auf das Wort Gottes zurück. Die lutherische Kirche, zur apostolischen Kirche verjüngt, verdient demnach den Namen „katholisch“ mit Recht, den die römische mit Unrecht führt. Man stimmte diesem im Allgemeinen bei und ging nun zur Besprechung der ersten Thesis über. Es fand dieselbe mehrfachen Widerspruch. Man behauptete dagegen, daß es keine Gotteslästerung sei, den Papst Antichrist

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Reformed Church, in which our Confession is not what it ought to be (Augsb. Conf. Art. 7), the point of unity of church fellowship.

After a personal declaration of Dr. Philippi, called forth by a newspaper article, which stated that he would not appear at the approaching Kirchentag in Berlin, since it rested on entirely different principles from those that had been heard, and had invited only his friends, he put to the assembly the question whether it was not inclined to adopt the proposed theses at once by acclamation. This, however, did not find unanimous approval, but it did find approval that, as it were, as an echo to what had been heard, they should signify by rising that they agreed with the substance of the address. Thereupon the whole assembly rose as one man. They then went on to the discussion of the individual theses and, after some debate, agreed to change the word "church fellowship" into "communion fellowship," as the highest expression of church fellowship, in which the same culminates, as it were, and the word "can" into "may." The second thesis was adopted at once, as not open to dispute. In the third thesis the concept of "essential points" was explained more exactly and defined to mean everything on which the Word of God has already decided. The fourth thesis was adopted at once, as clear in itself and self-evident. In the fifth thesis much offense was taken at the expression "shimmering"; it was wished that instead of "shimmering syncretism" it should read "reprehensible syncretism," but they later returned to the expression "shimmering syncretism" as rightly descriptive. The sixth thesis was adopted by general acclamation; it was wished, however, that it be placed after the first thesis, but they later returned to the order in which it had been placed from the beginning by the author of the theses. The greatest difference of conviction showed itself in the seventh thesis, and, as the time had already elapsed, it was resolved to continue the discussion of it in the afternoon session. Pastor von der Trenck, who had meanwhile taken the chair, closed the conference with a fitting prayer, in which he thanked the Lord for His aid and help during this conference.

They now betook themselves again to the Hotel de Prusse for the common midday meal and then, after 3 o'clock, began the conference anew in the former place. Dr. Philippi took the chair again himself and called on Pastor Mahn of Mecklenburg to begin with a prayer. When they were about to continue the discussion on the seventh thesis, Superintendent Münchmeyer informed the assembly that this thesis, according to its content, would also come up in his theses, which he would lay before the conference, and that the discussion of it might be postponed until then. This moved Prof. Dr. Kahnis to withdraw the seventh thesis, with which the conference also agreed. The same fate befell the eighth thesis, so that of the conference only the first six theses, with the modifications indicated above, were adopted. So the address of Sup. Münchmeyer could follow at once, which according to the program was properly set for the next day, and which was also necessary in so far as a new subject had been added to those already at hand, as we shall see later. This rich address treated of our attitude toward the Roman question. We communicate only some of it: 1) It would be little suited to our good cause if one wished to dispute with our opponents [the Catholics] also that which is really worthy of acknowledgment among them, as was done at the Kirchentag in Bremen by Sander and Ledderhose. Sentences such as "the Pope is the Antichrist, the Roman Church a spawn of hell" we do not subscribe to, yes, we hold them to be an actual blasphemy. The Protestant Church has indeed proceeded from it, as have men like Sailer, Diepenbrock, etc. On the other hand we confess that the claim of divine right which the Pope makes is antichristian, which Luther also only meant when he calls the Pope Antichrist. The Catholic Church has even now a considerable treasure of Christian truth, though greatly disfigured. 2) Just as decidedly, however, we must also decline to appear as Protestant panegyrists of the Catholic Church, as lately Heinrich Leo and others. The Reformation is fully justified to us: there was no milder means for the rebirth of the Church of Christ; Luther would gladly have remained in the Catholic Church, but they thrust him out for the truth's sake, the Pope put him under the ban. Neither did the Reformation cause the first schism in the Catholic Church: the Greek Church had already separated from it. In this let us not be deceived by the pomp of its worship, by its apparent unity, by the pretense that the last remnant of Rationalism is first being expelled in the Roman Church. Though it is not impossible to be saved in the Catholic Church, yet being saved in it is made difficult. A union with it is not to be thought of so long as it holds fast to the Tridentinum. A little leaven leaveneth the whole lump. 3) Most of the converts in recent times seem to have been won for the Catholic Church by seeing in the Reformation a revolution, and now believe that something of this plant has remained in our Church. This we must decidedly contradict: The Reformers did not want to break with the church government, but were only forced to it because they recognized that one must obey God rather than men. Our Church is by its nature not revolutionary. Just as little do we wish to say this of the Roman Church, although in it there lies more of the tendency to contradict the power of the State, as history teaches. 4) In respect of the inner Christian life it is to be acknowledged that the Catholic Church, as it shared in the sleep in former times, so also has taken some part in the Christian life awakened in more recent times. Besides, however, externalism is the signature of this Church; Jesuitism its incarnation. The new revival had therefore to make it more papal again, for Jansenism would have led it into the arms of Protestantism. Polemics also have thereby become more bitter again. — Thereupon the speaker passed to the question: How shall the Lutheran Church place itself toward Rome? We shall keep our position pure — not flirt with the Roman Church, but also not be unjust and bitter against it. The great main thing is that the Word, the Word become subjective for us in the Confession, again become firm and living among us, truly the soul of our Lutheran Church; only then are we invincible. Our Confession is to us identical with the Word (because it is to us the scriptural, adequate expression of it. Ref.) The negative Protestantism must fall as Rome's first prey. But how is it to be achieved that the Confession again become firm and living among us? That is God's gift, which wants to be begged of Him; but the Lord grants this petition through means and wants to use us as His instruments in it. On the ground of this exposition the speaker put forward the following four theses, which he left to the discussion: 1) The Roman Church is not a spawn of hell and the Pope not the Antichrist, only of the error of the Roman Church can it be said that it is antichristian. 2) The separation from the Roman Church is fully justified and is to be regarded as the will of God. 3) The Roman Church offers the State no better guarantees than the Lutheran. 4) The highest wisdom is that we make our scriptural Confession again our ground of life.

They now went over to the discussion. Prof. Dr. Lindner, Sr., spoke first in general on this subject and maintained: the position of Luther toward the Catholic Church 300 years ago must also be our position at the present day. He entered the apostolic-catholic Church and went back to the Word of God. The Lutheran Church, rejuvenated into the apostolic Church, accordingly deserves with right the name "catholic," which the Roman bears with wrong. They agreed with this in general and now went on to the discussion of the first thesis. It met with manifold contradiction. It was maintained on the other side that it is no blasphemy to call the Pope Antichrist