Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 8 › Seite 60
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-12-05, Seite 60
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
60
Ministerialbefehl bei'm Hofgerichte Untersuchung verhängt, und auf ¼ Jahr wegen Verachtung der evangelischen (?) Religion Correctionshausstrafe erkannt.“ – Ein neuer Beleg, daß jede Secte, wenn sie irgendwo zur Macht gelangt, verfolgungssüchtig ist, selbst eine solche, wie die sogenannte evangelische, die doch an die Stelle eines in der Liebe thätigen Glaubens eine glaublose Liebe setzt. Gott sei gelobt, daß wir hier in einem Lande religiöser Freiheit leben, wo die Liebeskirche die Kirche des Einen Glaubens und Bekenntnisses nicht mit Zuchthausstrafe belegen kann, wenn diese von ihrer Afterliebe auch nichts wissen will.
Im genannten Kirchenblatt wird ferner berichtet:
„Professor Kahnis in Leipzig hat jüngst eine Schrift herausgegeben: „„Die Sache der lutherischen Kirche gegenüber der Union.““ Mit durchschlagender Klarheit und Sicherheit, mit fester Zuversicht auf die Wahrheit weiset sie das Unrecht und die Unwahrheit der Union in ihren verschiedenen Gestaltungen auf. Gegenüber dieser Schrift, die mit solcher Sicherheit, Klarheit und Wahrheit geschrieben ist, macht einen wunderlichen Eindruck die Vertheidigung der Union, wie sie hervortritt in einer Schrift von Dr. Rudolph Stier, die den Titel hat: „„Unlutherische Thesen.““ Stier, unangenehm berührt, daß seine kirchlichen Gedanken und Vorschläge, wie z. B. über Verbesserung der Bibelübersetzung, des lutherischen Katechismusteries u. dgl., so wenig Eingang finden, ist verbissen gegen confessionelle Bestimmtheit. Selbst nicht lutherisch und nicht reformirt, sondern sein Bekenntniß von der Kirche der Zukunft erwartend, also kein eigenes habend, will er dies zukünftige Bekenntniß durch Majoritätsbeschlüsse der Gemeinen und Synoden bilden, damit es ein freies sei.*) Stier kommt endlich bei dem Resultate (Schlußergebniß) an, das so lautet: „„Ich unire mich, ob es anginge und sie nur irgend meinen Herrn Christum bekennen wollten, lieber mit allen redlich suchenden Rationalisten, denen euer Dogmenpopanz bisher Christum zu finden gewehret hat, als mit euch, die durchaus Lust behalten, zu zanken in den Gemeinen Gottes.““
Man sieht an solchen Zeugnissen aufs Neue, wohin die Männer einer gewissen Mitte und der Zukunft kommen; von Jahr zu Jahr schwindet ihnen ein Stück Boden nach dem anderen unter den Füßen, sie hängen und schweben in der Mitte, suchen mit ihren Füßen festen Grund und finden keinen, wo sie stehen können, sie rufen: komm, Zukunft, komm; und ihre Zukunft kommt nicht, denn sie wollen eine solche, die nicht im Worte verheißen ist. Wir lassen es uns ruhig gefallen, von solchen für Eigensinnige, Finsterlinge, Starre, Fanatiker, und was sonst der Weltgeist für Schimpfwörter findet, ausgescholten zu werden.“
*) Die hiesigen Unirten, nehmlich hier im Westen, haben sich die Sache leichter gemacht. Die Herren „Geistlichen“ nehmlich haben einen neuen Catechismus zusammengestoppelt, den sie nun allen den Gemeinden aufbringen wollen, welche zu ihrer unirtevangelischen Kirche gezählt sein wollen.
D. R. d. L.
(Eingesandt.)
Katechismuslehre
über Joh. 20, 22. 23.
Jesus blies seine Jünger an – das Ebenbild Gottes wieder hergestellt. Nehmet hin den heiligen Geist! – den sie schon empfangen hatten, aber wieder empfingen, wie wir jeden Augenblick aufs Neue Odem holen: denn der heilige Geist wird uns nicht gegeben, wie ein Thaler, den wir in den Sack stecken, sondern durch lebendige Verbindung mit ihm, die durch steten Wechsel von Kommen und Entgegenkommen auf seiner und unserer Seite unterhalten wird. Auch welkt im glühenden Sande des sündigen Herzens stets die Frucht des hl. Geistes dahin, so daß sie immer wieder des erquickenden Thau's und lebendigen Odems dessen bedarf, der, wie er auf den Wassern schöpferisch schwebte noch vielmehr zum geistlichem Leben und Wachsthum erforderlich ist. Gleichwie ein Marmorbild auf Grabstätten oder eine Statue auf dem Markt vom Staube und Koth beschmutzt wird, den der Regen wieder abwäscht, so ist das Ebenbild Gottes, das Christus in der Menschheit, die er annahm vollkommen hergestellt und allen Getauften geschenkt hat stets der Beflekkung unseres sündigen Herzens ausgesetzt und kann nur durch stetes Waschen vom hl. Geiste rein erhalten werden. Daher auch die Nothwendigkeit der Absolution.
Der HErr sagt erst: Nehmet hin den heil. Geist, damit Niemand denke, ein Mensch verleihe ihm etwas in der Absolution und sich an Personen hänge.
Der heil. Geist ist, wo man an Christum glaubt. Niemand weiß die einzelnen Gläubigen herauszufinden. Gewiß aber ist es, daß Gottes Wort niemals leer zurückkommt und da wo es erschallt, in der heiligen Gemeine auch Glaube ist. Der dritte Artikel stellt daher den hl. Geist und die hl. christliche Kirche, die Gemeine der Heiligen neben einander, und zwar ohne Mittel: denn nichts ist zwischen beiden; sie sind wie Mann und Weib selbst mit einander verbunden.
In der Gemeine und von der Gemeine, wie von dem HErrn und Haupt der Gemeine: denn wie könnte etwas von ihr sein und nicht von Ihm, von Ihm und nicht von ihr, der dem Bräutigam im Glauben durch seine Gerechtigkeit verlobten Braut? – ist zugleich mit ihr das Amt, das die Versöhnung predigt. Die Gemeine kann nicht leben, wenn sie nicht predigt. Sie braucht einen Mund, gleichwie sie die Augen nicht entbehren kann. Nur ihr Mund ist eben das zugleich mit ihr gesetzte und wesentlich in ihr gegründete Amt. So strahlt denn das heilige Amt auf dem Haupt der königlichen Braut Christi hoch erhöht über alle Herrlichkeit, die von der Erde ist, über alle Kaiser- und Königskronen im hehren Schmuck von des Einen Meisters schöpferischer Hand, zugleich als Scepter, schützend über Gottes Reich, drohend gegen Feinde ausgereckt und hat, selbst nur um so höher geadelt, je reiner das königliche Geblüt seiner Herrinn und Gebieterinn ist den seligen Doppelberuf, als Haushalter zu bewahren, was Gott der Gemeine in Christo schenkte, Wort und Sakrament und die durch beides im Glauben gezeugten Schafe der Weide Jesu Christi, und als Leuchter, der rings umher den hellen Schein des Evangelii verbreitet die Finsterniß des Unglaubens zu bekriegen und zu besiegen und dadurch des höllischen Wolfes Raub dem wahren HErrn zu gewinnen, zu erobern, indem es den Frieden Gottes bringt.
Die Kirche hat solch' Amt noch jetzt. Aber wie das Wasser im Bette des Stroms nur fließt, das in seiner Quelle sprudelt, so hat sie es jetzt in anderer Gestalt als am Anfang. Die Apostel waren
1. von Christo sichtbarlich und ohne Mittel berufen worden, während ein jetziger Pfarrherr seinen göttlichen Beruf von der Gemeine empfängt,
2. mit der Gabe des hl. Geistes also ausgestattet worden, daß sie von ihm unmittelbar erleuchtet und ohne zu irren in alle Wahrheit geleitet wurden, während ein jetziger Pfarrherr nur dann nicht irret, wenn er das Wort der Apostel predigt,
3. im Besitz der Wundergabe, die ihren göttlichen Beruf bezeugte, gleichsam das Siegel desselben war, während es der Lehr- und Regiergabe allein bedarf, daß Jemand in jetzigen Zeiten das Pfarramt verwalten könne,
4. gleich der Sonne am Himmel bis an den jüngsten Tag der ganzen Welt zum Licht gegeben und hatten überall eine von Gott erbaute Kanzel, während ein jetziger Pfarrherr Eine ihm durch göttlichen Beruf zugewiesene Heerde hat, also den Aposteln gegenüber einem Schwefelfädlein zu vergleichen ist, das wenige Schritte weit leuchtet und wenn es ausgebrannt hat verlischt. Jeder andere Lehrer und Hirt steht unter den Aposteln und kann und soll sofort verworfen werden, wenn er sich in Lehre und Leben nicht nach der Richtschnur der Apostellehre hält. Nur der Apostel Wort ist auch unbedingt nothwendig zur Seligkeit; nur als Mittel, daß ihr Wort bekannt und angenommen werde hat der Dienst des heil. Predigtamts Werth. Im Fall ein noch so rechtmäßig berufener und ordinirter Pastor von der reinen Lehre abweicht, ist es nicht bloß zulässig, sondern durch den Spruch: „Sehet euch vor vor den falschen Propheten!“ geboten, ihn nicht mehr zu hören. Und wenn Jemand darüber bis an seinen Tod nicht mehr ins Gotteshaus käme, so würde er doch selig, eben weil er im Licht derer wandelte, die einst auf zwölf Stühlen sitzen und die zwölf Geschlechter Israels richten werden.
K. Röbbelen.
[Eingesandt.]
Brockenkorb.
Was in den Creaturen stücklich abgebildet wird ist in Christo wesentlich vereinigt. Der
English translation AI translation
60
al order an investigation at the court of the realm is ordered, and for ¼ year, on account of contempt of the evangelical (?) religion, house-of-correction punishment is adjudged." – A new proof that every sect, when it somewhere attains to power, is persecution-prone, even such a one as the so-called evangelical, which yet puts in the place of a love active in faith a faithless love. God be praised that we live here in a land of religious freedom, where the Church of Love cannot punish the Church of the One Faith and Confession with penal servitude, though the latter will know nothing of its sham love.
In the said Kirchenblatt it is further reported:
"Professor Kahnis in Leipzig has recently published a work: ""The Cause of the Lutheran Church in Face of the Union."" With penetrating clarity and certainty, with firm confidence in the truth, it points out the wrong and the untruth of the Union in its various forms. In contrast to this writing, which is written with such certainty, clarity and truth, the defense of the Union makes a strange impression, as it appears in a writing by Dr. Rudolph Stier, bearing the title: ""Unlutheran Theses."" Stier, disagreeably touched that his churchly thoughts and proposals, as e.g. on the improvement of the translation of the Bible, of the Lutheran Katechismusteries, and the like, find so little acceptance, is embittered against confessional definiteness. Himself neither Lutheran nor Reformed, but awaiting his confession from the Church of the Future, thus having none of his own, he wishes to form this future confession through majority decisions of the congregations and synods, that it may be a free one.*) Stier arrives finally at the result (conclusion), which runs thus: ""I unite myself, if it were possible and if they would only confess my Lord Christ in some way, rather with all honestly seeking Rationalists, to whom your dogma-bugbear has hitherto prevented finding Christ, than with you, who are absolutely bent on quarreling in the congregations of God.""
One sees from such testimonies anew whither the men of a certain middle and of the future come; from year to year one piece of ground after another slips from under their feet, they hang and hover in the middle, seek with their feet firm ground and find none where they can stand, they cry: come, Future, come; and their Future does not come, for they want one that is not promised in the Word. We are quite willing to be called by such persons stubborn, obscurantists, rigid, fanatics, and whatever else the spirit of the world finds for abusive names."
*) The Unionists here, namely here in the West, have made it easier for themselves. The "Spiritual" gentlemen, namely, have patched together a new Catechism, which they now wish to force upon all the congregations that wish to be counted to their Union-evangelical Church.
Ed.
(Submitted.)
Catechism Doctrine
on John 20, 22. 23.
Jesus breathed on his disciples – the image of God restored. Receive ye the Holy Ghost! – which they had already received, but received again, as we draw breath anew every moment: for the Holy Ghost is not given to us as a dollar which we put in the pocket, but through living union with him, which is maintained by a constant interchange of coming and meeting on his side and on ours. Also in the glowing sand of the sinful heart the fruit of the Holy Spirit constantly withers away, so that it ever again has need of the quickening dew and living breath, which, as he moved creatively upon the waters, is still more necessary for spiritual life and growth. As a marble image on a grave or a statue in the market-place is soiled by dust and filth, which the rain washes off again, so the image of God, which Christ in the humanity which he assumed perfectly restored and gave to all the baptized, is constantly exposed to the defilement of our sinful heart and can be kept pure only by constant washing by the Holy Ghost. Hence also the necessity of Absolution.
The LORD says first: Receive ye the Holy Ghost, that no one may think a man bestows something upon him in Absolution and attach himself to persons.
The Holy Ghost is where one believes in Christ. No one knows how to find out the individual believers. But this is certain, that God's Word never returns void, and where it sounds, there is faith in the holy congregation also. The third Article therefore places the Holy Ghost and the holy Christian Church, the congregation of saints, side by side, and indeed without medium: for there is nothing between the two; they are joined with one another like husband and wife.
In the congregation and from the congregation, as from the LORD and Head of the congregation: for how could anything be of her and not of Him, of Him and not of her, the bride betrothed to the Bridegroom in faith through his righteousness? – is at the same time with her the office that preaches reconciliation. The congregation cannot live if she does not preach. She needs a mouth, as she cannot do without eyes. Her mouth is just the office set together with her and essentially founded in her. Thus the holy office shines on the head of the royal bride of Christ, high exalted above all glory that is of the earth, above all imperial and royal crowns in the lofty adornment from the one Master's creative hand, at once as scepter, protecting over God's kingdom, threatening against enemies stretched out, and has, itself only so much the more ennobled the purer the royal blood of its mistress and sovereign lady is, the blessed double calling, as steward to keep what God gave to the congregation in Christ, Word and Sacrament and the sheep of the pasture of Jesus Christ begotten through both in faith, and as a light that spreads round about the bright shining of the Gospel, to war against and subdue the darkness of unbelief and thereby to win and conquer the prey of the hellish wolf for the true LORD, in that it brings the peace of God.
The Church has such an office even now. But as the water in the bed of the stream only flows, which in its source bubbles up, so she has it now in another form than at the beginning. The Apostles were
1. called by Christ visibly and without means, whereas a present pastor receives his divine call from the congregation,
2. so endowed with the gift of the Holy Ghost that they were enlightened by him immediately and led without erring into all truth, whereas a present pastor errs not only when he preaches the Word of the Apostles,
3. in possession of the gift of miracles, which attested their divine call, was as it were the seal of it, whereas it needs only the gift of teaching and ruling in order that someone in present times may administer the pastoral office,
4. like the sun in heaven given to the whole world for light until the last day, and had everywhere a pulpit built by God, whereas a present pastor has One flock assigned to him by divine call, and so compared with the Apostles is to be likened to a little sulphur-match, which lights a few paces and when it has burned out goes out. Every other teacher and shepherd stands under the Apostles and can and shall at once be rejected if he does not hold himself in doctrine and life by the rule of the Apostles' doctrine. Only the Apostles' Word is unconditionally necessary to salvation; only as a means, that their Word may be made known and received, has the service of the holy ministry value. In case a pastor, however lawfully called and ordained, departs from the pure doctrine, it is not merely permissible, but by the saying: "Beware of beware of the false prophets!" commanded, to hear him no more. And if anyone on this account until his death came no more into the house of God, he would yet be saved, just because he walks in the light of those who shall sit upon twelve thrones and judge the twelve tribes of Israel.
K. Röbbelen.
[Submitted.]
Brockenkorb.
What is represented piecemeal in the creatures is essentially united in Christ. The