Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 9 › Seite 67

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-12-19, Seite 67

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mancherlei Gaben, womit der HErr der heilige Geist seine Werkzeuge schmückt und das Gedeihen des Worts in der Gemeine bekräftigt.

V. 6. Das gläserne Meer. Das ist ein Gleichniß dessen, was durch Christum und seine Diener in der Welt gewirkt wird. Das Meer deutet auf die Erkenntniß Gottes hin, nicht besonders auf die Taufe, die es ja freilich mit begreift. Vergl. Es. 11. 9. Auch Es. 60, 5 („die Menge am Meer“) gehört hieher: denn wenn die Erkenntniß Gottes das Land bedeckt wie Meereswellen, so ist das um so mehr zu preisen, weil die Heiden dadurch von ihrer Unreinigkeit befreit werden und auch vor Gottes Stuhl kommen. Der HErr gleichsam ein Fischer vor diesem Meer.

Das Meer ist vor Christi Stuhl: seine Herrlichkeit spiegelt sich darin. Krystallen oder gläsern heißt es wegen des hellen Glanzes der durchsichtigen klaren Fluth: denn die Erkenntniß Gottes hat das Eigene; daß sie an und für sich, sofern sie das Vermögen des Menschen begreift, farblos ist, von ihrem Inhalt aber durchstrahlet wird; was sie ist und scheinet nimmt sie stets aus Gott, weicht Er, so hat sie im Augenblick nichts mehr, wenn sie kurz vorher in der Fülle seiner Majestät prangte.

Von den Cherubim V. 6—9, auf denen der HErr fährt, die bekanntlich von jeher als ein Abbild der vier Evangelisten aufgefaßt worden sind, lese man Luthers Vorrede über den Propheten Hesekiel nach. Hier nur so viel, daß die Zahl vier die Ausbreitung des Evangelii in alle Welt anzeigt.

Von den sechs Flügeln. Auf Christum, den die 4 Evangelisten gleichsam tragen ist alle Arbeit im Reich Gottes gebaut; daher sitzen die 6 Flügel an den 4 Thieren und zwar an jedem derselben, weil jeder Evangelist Christum so vollständig beschreibt, daß er zur Predigt von Christo befähigt. Die Zahl 6 geht auf das Tagewerk der Diener Christi. Die Flügel erinnern an Ps. 68, 14. (Vgl. Luthers köstliche Auslegung.) Die Arbeiter im Weinberge sind gleichsam nur die Flügel. Der heilige Geist schwingt sie. Er nimmt alles von Christo. Um das Zeugniß von Ihm bewegen sich die Flügel. Das Wort „läuft schnell.“ Ihre Schnur gehet in alle Lande!“

V. 10 u. 11 schreiben gleichsam über die Pfosten des Hauses Gottes die Inschrift: „Dem HErrn allein die Ehre!“ In den lieblichen Rauchwolken der Anbetung laß auch vom Altar deiner Seele heilige Gluth des Glaubens zu dem emporsteigen, der sein Reich zu deinem Heil baut, schirmt und erhält!

Menno Simonis.

Vor einigen Wochen ist uns ein Büchlein durch die Post zugesandt worden, das den Titel trägt: „Das Leben und Zeitalter Menno’s, des berühmten holländischen Reformators, von J. N. Brown. Aus dem Englischen übersetzt.“ Es ist dieses Büchlein von der Amerikanischen Baptisten-Publications-Gesellschaft sowohl in englischer als in deutscher Sprache in diesem Jahre herausgegeben worden.

Zwar wird in dieser Schrift geklagt, daß die Geschichtschreiber bisher nicht die rechten Grundsätze bei der Darstellung geschichtlicher Personen befolgt und daher auch den Menno Simonis nicht recht geschildert hätten; allein der Verfasser dieser Schrift selbst hat dies sicherlich noch viel weniger gethan. Die ganze Schrift ist nichts, als ein ziemlich plumper Panegyrikus (Lobrede) auf den sogenannten Reformator derjenigen wiedertäuferischen Parthei, deren Glieder sich nach ihm Mennoniten nennen; ja fast möchte man das Schriftchen eine Apotheose (eine Vergötterung) Menno’s nennen. Gleich zu Anfange des Buches heißt es: „Unter den großen Kirchenverbesserern des 16ten Jahrhunderts stand er unzweifelhaft sehr hoch; ja in mancher Hinsicht, behaupte ich kühn, war er der größte.“ Weiter unten heißt es geradezu: „Aber es stand unter ihnen (den Reformatoren) Einer, den sie nicht kannten, der größer war als sie, und dessen Leben in Wahrheit ein erhabeneres Abbild ihres gemeinsamen Herrn und Meisters war. Die Nachwelt wird sich wundern, wie lange die Kirche gezögert hat, den edelsten Kirchenverbesserer des 16. Jahrhunderts anzuerkennen.“ Am Schluß sagt der Biograph: „Seine (Mennos) Arbeiten glichen in ihrem Charakter mehr denen Whitefield’s und Wesley’s (der Stifter der Methodistengemeinschaft), als denen der anderen Kirchenverbesserer seiner eignen Zeit; doch scheint es mir, als ob er sie alle übertreffe an Reinheit, Sanftmuth und Aufopferung; an Beständigkeit und Klugheit, an heroischem und doch demüthigem Eifer.“ — Damit nun aber die Glorie (der Heiligenschein), welche der Schreiber um das Haupt Menno’s zu ziehen sucht, desto schöner strahle, so setzt er neben demselben die anderen berühmten Männer und ihre Werke desto mehr herunter. Besonders muß Luther tüchtig herhalten. Es heißt, Menno habe die Wahrheit in Absicht auf die Kindertaufe bei Luther, Bucer, Bullinger u. A. gesucht, aber gemerkt, daß „ein jeglicher seiner Vernunft (!) folgte.“ Ferner: Er (Menno) war um 22 Jahre jünger als Luther. Dankbar erkennt er die Belehrung an, welche ihm die Schriften des deutschen Kirchenverbesserers in einigen Punkten gewährt haben. In anderen Stücken dagegen hatte er ihn weit hinter sich zurückgelassen, weil er von diesem Geiste der Selbst-Ueberhebung, den Luther bei aller seiner Frömmigkeit nicht ganz bezwingen konnte, frei war. Die berühmtesten Kirchenverbesserer des 16ten Jahrhunderts gestanden den Fürsten und der weltlichen Obrigkeit in kirchlichen Angelegenheiten dieselbe Oberherrlichkeit, die sie mit so großem Recht und Ernst dem Papste abgesprochen hatten *). Keiner von ihnen begriff die reine Vorstellung von der Kirche Christi.“

*) Wer erstaunt nicht über diese freche lügenhafte Verläumdung? Wir halten dieselbe keiner Antwort werth, da jedes getaufte gut unterrichtete lutherische Schulkind weiß, wie Luther von der Gewalt der weltlichen Obrigkeit in der Kirche gelehrt hat.

Daß zugleich in dem Schriftchen die Kindertaufe gelästert wird, versteht sich von selbst. So kommt z. B. darin die gottlose Rede vor, die Kindertaufe sei „mit Recht als der erstgeborne Irrthum des Antichrists bezeichnet worden. *) Als Folge von solchen Grundsätzen lesen wir denn auch in dem Büchlein die verwegensten Ausfälle auf die s. g. National-Kirchen, welche von einem erstaunenerregenden Richtgeist des bedauernswürdigen Verfassers zeugen. Er schreibt: „Alle National-Kirchen sind nothwendiger Weise ebenso wesentlich antichristisch wie die römische Kirche selbst. Das ist in der That ihr Character in protestantischen Staaten, wenn nicht in der Praxis (in der thätlichen Ausführung), so doch offener in der Theorie“ (Lehre). „Solche Drachenzähne wurden in der Kirchenverbesserung des 16ten Jahrhunderts gesäet.“ —

*) Das hat der Beschreiber des Lebens Menno’s wahrscheinlich von seinem Helden selbst gelernt, Menno sagt nämlich auch von der Kindertaufe in seinem Fundamentbuch (S. 50 fl.), sie sei Götzendienst, sie sei von dem Drachen und Thiere, und nichts Anderes, als eine Ceremonie des Antichrists.

Davon, daß Menno auch nach seiner gerühmten gründlichen Bekehrung ein armer Sünder gewesen und geblieben sei, will natürlich sein Apologet nichts wissen. Dieser weiß nur von Menno’s „himmlischer Sanftmuth.“ Merkwürdig ist, daß er Menno erzählen läßt, daß er „viel Elend und Verfolgung mit seiner armen schwachen Frau und kleinen Kindlein nun schon bis in’s 18. Jahr habe müssen ertragen **).“

**) Wir möchten fast schließen, daß die „kleinen Kindelein binnen 18 Jahren schon ziemlich große Kinder geworden sein dürften.

Davon, was z. B. ein David Joris, ein Ubbo Philipps u. A. über Menno berichten, schweigt unser Biograph, um auch nicht den geringsten Schatten auf den Helden seines Buches fallen zu lassen. Selbst Gottfried Arnold, dieser Anwalt fast aller Ketzer und Schwärmer und verkaufte Verleumder fast aller rechtgläubigen Lehrer, schreibt in seiner Kirchen- und Ketzerhistorie (II, 281): „Inzwischen bekennen etliche (Baptisten) selber, daß er (Menno) in den meisten Dingen allzuhart und gesetzlich gewesen, daß also die Leute zwar vor sich selbst fromm und unsträflich zu leben pflegen, aber doch mehr ein pharisäisches, als lebendig-wahres Christenthum nach dessen evangelischer Kraft geführt haben sollen, wie u. A. der holsteinische bekannte baptistische Schriftsteller Mehrning selbst schreibt. David Joris“ (die zweite Größe unter den holländischen Wiedertäufern nach Menno) „hat auch ehemals an diesen Menno ernstlich und scharf geschrieben und zeigen wollen, wie viel ihm noch am wahren göttlichen Erkenntniß mangle, er habe nur den Buchstaben und noch lange nicht den Geist.“ Noch bedenklicher ist, was Ubbo Philipps, der den Menno Simonis zu seinem wiedertäuferischen Predigtamte ordinirt hatte, später bekannt hat. Selbiger schreibt u. A. in seinem „Bekenntniß und Aussage“: „Mich jammert noch heutiges Tages, daß ich Jemand zu solchem Amt befördert habe, und nicht alsobald davon aufgehöret, worinnen ich so schändlich und jämmerlich betrogen worden. Da ich mich armen Menschen dazu bewegen ließ, daß ich auf Begehren der Brüder dem Dirck Philipps das Amt in dem Dom, dem David Joris das Amt zu Delft, und dem Menno Simons das Amt zu Gröningen zu verwalten auflegte.“ (S. Jehrings Historie von den Taufgesinnten, Seite 217.)

Die Herausgabe unseres Büchleins scheint ein

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manifold gifts wherewith the LORD the Holy Ghost adorns His instruments and confirms the success of the Word in the congregation.

V. 6. The sea of glass. This is a likeness of what is wrought in the world through Christ and His servants. The sea points to the knowledge of God, not especially to Baptism, which it indeed also embraces. Compare Is. 11. 9. Also Is. 60, 5 ("the abundance of the sea") belongs here: for if the knowledge of God covers the land as the waves of the sea, this is the more to be praised because the heathen are thereby cleansed of their uncleanness and also come before God's throne. The LORD is as it were a fisher before this sea.

The sea is before Christ's throne: His glory is mirrored in it. It is called crystal or glassy on account of the bright gleam of the transparent clear flood: for the knowledge of God has this peculiarity, that in and of itself, so far as it comprehends the capacity of man, it is colorless, but is shone through by its content; what it is and appears to be it always takes from God; if He withdraws, it has in a moment nothing more, though shortly before it shone in the fullness of His majesty.

Concerning the cherubim v. 6-9, upon whom the LORD rides, who have been understood from of old as a prefiguration of the four evangelists, let one read Luther's preface on the prophet Ezekiel. Here only so much, that the number four shows the spread of the Gospel into all the world.

Of the six wings. Upon Christ, whom the 4 evangelists as it were bear, all labor in the kingdom of God is built; therefore the 6 wings sit on the 4 beasts, and indeed on each of them, because each evangelist describes Christ so completely that he is qualified for preaching of Christ. The number 6 refers to the day's work of Christ's servants. The wings recall Ps. 68, 14. (Compare Luther's precious exposition.) The laborers in the vineyard are as it were only the wings. The Holy Ghost swings them. He takes everything from Christ. About the testimony of Him the wings move. The Word "runs swiftly." Their line goes out into all lands!

V. 10 and 11 write as it were over the posts of the house of God the inscription: "To the LORD alone the honor!" In the lovely clouds of incense of adoration let also from the altar of thy soul the holy glow of faith ascend to Him who builds His kingdom for thy salvation, shields and upholds it!

Menno Simons.

Some weeks ago a little book was sent us by mail, bearing the title: "The Life and Times of Menno, the celebrated Dutch Reformer, by J. N. Brown. Translated from the English." This little book has been published this year by the American Baptist Publication Society both in English and in German.

To be sure, it is complained in this writing that historians hitherto have not followed the right principles in the presentation of historical persons and therefore have not rightly depicted Menno Simonis either; but the author of this writing himself has certainly done this still much less. The whole writing is nothing but a rather clumsy panegyric (eulogy) on the so-called Reformer of that Anabaptist party whose members call themselves Mennonites after him; indeed one might almost call the little work an apotheosis (a deification) of Menno. At the very beginning of the book it says: "Among the great church reformers of the 16th century he stood unquestionably very high; yea, in some respects, I boldly maintain, he was the greatest." Further on it says outright: "But there stood among them (the Reformers) One whom they knew not, who was greater than they, and whose life was in truth a more exalted image of their common Lord and Master. Posterity will wonder how long the Church has delayed to acknowledge the noblest church reformer of the 16th century." At the close the biographer says: "His (Menno's) labors resembled in their character more those of Whitefield and Wesley (the founder of the Methodist society) than those of the other church reformers of his own time; yet it seems to me that he surpassed them all in purity, meekness and self-sacrifice; in steadfastness and prudence, in heroic and yet humble zeal." — In order that the glory (the halo) which the writer seeks to draw about Menno's head may shine the fairer, he sets the other famous men and their works so much the lower beside him. Luther especially must take a sound beating. It is said that Menno sought the truth in respect of infant baptism with Luther, Bucer, Bullinger and others, but noticed that "every one followed his own reason (!)." Further: He (Menno) was 22 years younger than Luther. Gratefully he acknowledges the instruction which the writings of the German church reformer afforded him in some points. In other matters, on the contrary, he had left him far behind, because he was free from this spirit of self-exaltation which Luther, with all his piety, could not wholly subdue. The most celebrated church reformers of the 16th century conceded to princes and the secular authorities in ecclesiastical affairs the same supremacy which they had with such great right and earnestness denied the Pope *). None of them grasped the pure conception of the Church of Christ."

*) Who is not astonished at this impudent, lying slander? We hold it worthy of no answer, since every baptized, well-instructed Lutheran school-child knows how Luther taught of the power of the secular authorities in the Church.

That in the little work infant baptism is at the same time blasphemed goes without saying. Thus, for example, there occurs in it the godless saying that infant baptism has been "rightly designated the first-born error of Antichrist. *) As a consequence of such principles we read also in the little book the most reckless attacks upon the so-called national churches, which testify to an astonishing censorious spirit in the pitiable author. He writes: "All national churches are of necessity just as essentially antichristian as the Roman Church itself. That is in fact their character in Protestant states, if not in practice (in actual execution), yet more openly in theory" (doctrine). "Such dragon's teeth were sown in the church reformation of the 16th century." —

*) This the describer of Menno's life has probably learned from his hero himself; Menno also says of infant baptism in his Fundamentbuch (p. 50 ff.) that it is idolatry, that it is of the dragon and the beast, and nothing else than a ceremony of Antichrist.

That Menno, even after his celebrated thorough conversion, was and remained a poor sinner, his apologist naturally will not hear. He knows only of Menno's "heavenly meekness." It is remarkable that he has Menno relate that he "has had to endure much misery and persecution with his poor weak wife and little children now for nearly 18 years **)."

**) We should almost conclude that the "little children" within 18 years might by now have become rather big children.

What, for example, a David Joris, an Ubbo Philipps and others report of Menno, our biographer passes over in silence, in order not to let fall the slightest shadow upon the hero of his book. Even Gottfried Arnold, this advocate of almost all heretics and enthusiasts and hired slanderer of almost all orthodox teachers, writes in his Kirchen- und Ketzerhistorie (II, 281): "Meanwhile some (Baptists) themselves confess that he (Menno) was in most things too harsh and legalistic, so that the people lived indeed, for themselves, piously and blamelessly, but yet led more a pharisaical than a living, true Christianity according to its evangelical power, as among others the well-known Holstein Baptist writer Mehrning himself writes. David Joris" (the second in greatness among the Dutch Anabaptists after Menno) "also formerly wrote earnestly and sharply to this Menno and wished to show how much he still lacked of the true divine knowledge, that he had only the letter and was still far from having the Spirit." Still more serious is what Ubbo Philipps, who had ordained Menno Simonis to his Anabaptist ministry, confessed later. The same writes among other things in his "Confession and Declaration": "It grieves me still today that I promoted anyone to such an office, and did not at once desist from it, wherein I was so shamefully and miserably deceived. Since I, poor man, let myself be moved thereto, that at the desire of the brethren I laid upon Dirck Philipps the office in the Dom, upon David Joris the office at Delft, and upon Menno Simons the office at Groningen to administer." (See Jehring's Historie von den Taufgesinnten, page 217.)

The publication of our little book seems a